Nachgefragt bei der Pferdeklinik Bargteheide: Sehnenschäden beim Pferd

(Fotos: Pferdeklinik Bargteheide)

Sehnenschäden zählen zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen, nicht nur bei sportlich genutzten Pferden. PFERD+SPORT hat sich mit der Pferdeklinik Bargteheide über die Entstehung, Symptome, Therapien und Heilungschancen von Verletzungen des Sehnenapparates unterhalten.
 

PFERD+SPORT: Welche Sehnen sind am häufigsten betroffen und welche Pferde neigen schneller zu Sehnenverletzungen?

Pferdeklinik Bargteheide: Grundsätzlich können alle Sehnen und Bänder im Körper des Pferdes erkranken. Man unterscheidet hierbei die sogenannte Tendinitis, bei der es sich um eine Entzündung der Sehne, zum Beispiel durch eine direkte Verletzung handelt und die sogenannte Tendopathie, die eine akute oder chronisch verlaufende Erkrankung der Sehne darstellt. Zu den am häufigsten betroffenen Sehnen zählen die Oberflächliche- und Tiefe Beugesehne, einschließlich ihrer Unterstützungsbänder sowie der Fesselträger.
Prinzipiell können Sehnenschäden bei allen Pferden unabhängig des Alters oder der Nutzungsart vorkommen, jedoch sind Tendopathien der Oberflächlichen Beugesehne und des Fesselträgers häufig bei Galopprennpferden, Quarter Horses und Reitpferden anzutreffen.

PFERD+SPORT: Welche Anzeichen können auf einen Sehnenschaden hinweisen?

Pferdeklinik Bargteheide: Je nach Schweregrad und Lokalisation der Veränderungen können sich die Symptome sehr unterschiedlich darstellen. Sehnenschäden entstehen zumeist durch eine Überschreitung der Dehnbarkeitsgrenze einer Sehne. In der Folge werden einzelne Sehnenfasern, Sehnenfaserbündel oder auch ganze Sehnen zerrissen. In diesem Fall spricht man von einer sogenannten Totalruptur der Sehne.
Als Reaktion des Körpers auf die Schädigung kommt es zu einer Entzündung, die zur Beeinträchtigung des umliegenden Gewebes führt und sich durch vermehrte Wärmeentwicklung, Schwellung und Schmerz im betroffenen Bereich durch eine Lahmheit äußert.

PFERD+SPORT: Wie diagnostizieren Tierärzte einen Sehnenschaden und wie wird das Pferd anschließend behandelt? Wie sind die Heilungschancen?

Pferdeklinik Bargteheide: Sowohl ein akuter als auch ein chronischer Sehnenschaden lassen sich meist durch die Kombination aus klinischer- und Ultraschall-Untersuchung sicher diagnostizieren. Für die Therapie des Sehnenschadens stehen sowohl konservative als auch chirurgische Maßnahmen zur Verfügung. Akute Sehnenschäden werden initial mit Boxenruhe und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Auch der Einsatz physikalischer Therapien, wie Kälteapplikationen mit anschließender Wärmebehandlung, ist anzuraten.

Sind die ersten Entzündungszeichen abgeklungen, wird in Absprache mit dem Tierarzt ein Bewegungsprogramm erstellt. Dies hat zum Ziel die Längsausrichtung der Sehnenfasern frühzeitig zu unterstützen. Zur weiteren Unterstützung der Regeneration stehen heutzutage verschiedene Formen der regenerativen Therapie, wie zum Beispiel körpereigene Blutplasmaprodukte (PRP) oder Stammzelltherapien zur Verfügung. Handelt es sich bei den betroffenen Strukturen um Beugesehnen, sind die Heilungschancen und die damit verbundene Prognose abhängig vom Verwendungszweck des Pferdes. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Pferde, die in langsamerer Bewegung gearbeitet werden (Reitpferde) eine deutlich bessere Prognose aufweisen, als Hochgeschwindigkeitspferde (Galopper, Traber), für die eine hohe Rückfallgefahr besteht. Auch bei Erkrankungen des Fesselträgers ist die Prognose wesentlich von der Art der Erkrankung und der Nutzung des Pferdes abhängig.


PFERD+SPORT: Welche Faktoren können zur Entstehung von Sehnenschäden beim Pferd beitragen?

Pferdeklinik Bargteheide: Das sind folgende:

-    Bodenverhältnisse (tiefer, unebener, harter oder rutschiger Boden)

-    Mangelhaftes Training (regelmäßiges und angepasstes Training sorgen für eine bessere Belastbarkeit des Sehnenapparates)

-    Muskelermüdung (ermüdete Muskelfasern können die auf die Sehne einwirkende Kraft nur ungenügend abdämpfen)

-    Stellungsfehler (lange/weiche Fesselung, Rückbiegigkeit und Zehenweitstellung)

-    Mangelhafte Hufpflege/Hufbeschlag (lange Zehe)

-    Übergewicht

-    Erbliche Disposition

-    Überbelastung
 

PFERD+SPORT: Gibt es Ratschläge, wie Sehnen geschützt und gekräftigt werden können?

Pferdeklinik Bargteheide: Bereits im Fohlenalter sollte auf ausreichend Bewegung, sowie eine entsprechende Fütterung geachtet werden, damit sich die Sehnen und Bänder stabil ausbilden können.


Beim Training sollte der Reiter sicherstellen, dass es zu keiner übermäßigen Krafteinwirkung auf den Band- und Sehnenapparat kommt. Dies wird gewährleistet indem man einem sinnvollen Trainingskonzept folgt und somit Muskelermüdung vermeidet. Außerdem sollte auf eine ausreichend lange Aufwärmphase geachtet werden.

Die Pferdebeine sollten vor und nach jedem Ritt auf Entzündungsanzeichen, wie Wärme, Schwellung und Druckschmerz überprüft werden und gegebenenfalls ein Tierarzt konsultiert, falls diese Art der Symptome festgestellt werden. Vorsicht ist bei wechselnder Bodenbeschaffenheit, insbesondere im Gelände geboten, da hier die Gefahr des Wegrutschens besonders groß ist.


Über die Pferdeklinik Bargteheide
Die Pferdeklinik Bargteheide bietet mit über 50 Mitarbeitern Pferdemedizin auf höchstem Niveau und die bestmögliche medizinische Versorgung von Pferden. Auf dem weitläufigen Areal der Klinik gibt es neben 72 Boxen großzügige Räumlichkeiten und vielfältige Diagnosemöglichkeiten auf dem neuesten Stand der Medizintechnik.

Weitere Informationen zur Pferdeklinik Bargteheide gibt es unter www.pferdeklinik-bargteheide.de

 

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