Auf zur GymnastikstundeChildren-Bundestrainer Eberhard Seemann legt in der Winterarbeit das Hauptaugenmerk auf die Gymnastizierung der Pferde

Autor: FN

Die Basisarbeit ist in der Winterarbeit das A und O. Für diesen Teil der Winterarbeit haben wir zum einen ein jüngeres Pferd ausgewählt, den fünfjährigen Wallach Diero v. Diarado. Auf dem Pferd sitzt die 21-jährige Auszubildende vom Bundesleistungszentrum, Celine Beekhuis. Wir werden zeigen, was wir mit jüngeren Pferden in der Winterarbeit vorhaben und welche Übungen sich eignen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Gymnastizierung der Pferde, der Verbesserung der Durchlässigkeit und auch auf einer Verbesserung der Sprungtechnik - je nachdem wie die Veranlagung des Pferdes ist.


Anschließend zeigen wir, wie wir mit einem erfahreneren Pferd die Gymnastizierung in der Winterarbeit angehen. Hier wollen wir aber auch immer wieder kräftigende Übungen in das Programm einarbeiten, sodass die Sprungkraft des Pferdes noch weiter entwickelt wird. Die achtjährige Stute Cecile v. Contendro ist in Youngster-Prüfungen unterwegs und hat bereits die ersten S-Springen absolviert. Die Reiterin ist die 22-jährige Kendra Brinkop, Auszubildende bei der FN und Mitglied der Perspektivgruppe Springen. Sie war international schon im Jugendbereich sehr erfolgreich unterwegs.

Junges Pferd

Wir fangen mit lösender Arbeit an. Als erste Übung lassen wir das Pferd über Stangen traben. Das ist gut zum Lösen, damit die Pferde ihren Takt finden, den Rücken loslassen und durch die dehnende Arbeit über den Stangen die Anlehnung zum Gebiss verbessert wird. Beim Beginn der lösenden Arbeit über Cavalettis ist das Leichttraben geeignet, weil somit der Rücken des Pferdes entlastet und die schwingende Tätigkeit vom Pferd leichter erreicht wird. Über den Stangen ist es wichtig, den Zügel nicht komplett wegzuwerfen. Der Reiter sollte leicht Kontakt halten und dabei mit dem Schenkel das Pferd weiter ans Gebiss herantreiben, um eine Verbesserung der Anlehnung zu erreichen. Oft sieht man bei unerfahrenen Reitern, dass sie die Zügel auf den Hals legen und das Pferd allein lassen – dann wird das Pferd nur unsicher, man erreicht keine Gymnastizierung und die Anlehnung wird nicht verbessert.


Wir führen danach die Übung weiter, indem wir dasselbe im Aussitzen machen. Der Reiter geht dabei zwei, drei Pferdelängen vor den Stangen zum Aussitzen über und geht mit dem schwingenden Rücken in der Bewegung mit, d.h. er geht mit dem Oberkörper leicht nach vorne. Nur das Gesäß bleibt leicht am Sattel. Bei dieser Übung ist der Reiter noch etwas weiter am Pferd und kann das Pferd noch deutlicher an das Gebiss herantreiben. Die Übung ist auch für das Pferd im Aussitzen anstrengender, weil er den Reiter in der Bewegung mehr mitnehmen muss.

Im Galopp lösen

Wir lösen das Pferd im Galopp auf dem Zirkel. Es ist wichtig, dass das Pferd schön gleichmäßig ans Gebiss heranspringt. Dabei immer wieder mit dem inneren Schenkel an den äußeren Zügel herantreiben. Der innere Schenkel bleibt am Gurt, der äußere Schenkel bleibt verwahrend hinter dem Gurt auf der gebogenen Linie. Zwischendurch parieren wir immer wieder zum Trab durch. Dabei ist darauf zu achten, dass der Übergang im Aussitzen geritten wird und wir erst, wenn die Parade durchgegangen ist, ins Leichttraben übergehen. Viele Reiter machen den Fehler, das Leichttraben zu beginnen, bevor die Parade überhaupt durch ist.

 

Kleine Sprünge aus dem Trab

Wenn das Pferd gelöst ist, gehen wir einen Schritt weiter und machen die ersten Sprünge. Bei allen Pferden – jungen und älteren – fangen wir gerne im Trab an. Dazu habe ich eine Trabstange vor den Sprung gelegt, um dem Pferd das Taxieren leichter zu machen. Die Trabstange hat einen Abstand von 2-2,50 m, das hängt etwas vom Pferd ab. Der Reiter soll im Leichttraben vor den Sprung hinreiten, zwei, drei Pferdelängen vorher aussitzen, das Pferd schön begleiten und dann über den Sprung reiten. Ganz wichtig bei der Übung ist es, das Pferd vor und nach dem Sprung geradeaus zu reiten, damit das Pferd in der Vorwärtsbewegung sein Gleichgewicht findet. Im späteren Stadium muss man das Pferd auch in der Wendung reiten können, aber hier ist das noch nicht notwendig.


Um den Ablauf des Pferdes etwas zu verbessern, lege ich noch eine weitere Stange auf rund drei Meter Abstand hinter den Sprung. Dadurch gebe ich dem Pferd noch mehr den Ablauf vor. Es ist genau vorgegeben, wie es an den Sprung herantritt und den Sprung zu Ende macht. Das Pferd lässt sich über dem Sprung noch mehr fallen, wenn es die hintere Stange wahrnimmt – das wollen wir erreichen. Wir fangen die Übung relativ niedrig an, können aber abhängig vom Sprungvermögen und dem Ausbildungsstand den Sprung auch bis zu 1,20 m aufbauen. Dann mache ich die Distanz auch etwas größer. Somit wird die Übung auch etwas zum Krafttraining für das Pferd.


Wenn das Pferd im Außengalopp landet, ist das nicht so schön, aber ein Pferd in der Ausbildung ist noch auf der Suche nach seinem Gleichgewicht. Wenn ein junges Pferd in Anlehnung zur Bande springen soll, passiert es immer mal, dass das Pferd im falschen Galopp landet. Da muss man zu diesem Zeitpunkt der Ausbildung noch gar nicht so sehr drauf achten. Wenn wir das Pferd später auf der gebogenen Linie springen oder das Pferd in die Wendung hineinspringt, regelt sich das meist von alleine. Passiert das nicht, muss man das Landen üben und mit reiterlichen Hilfen besser darauf achten oder die Sprünge so aufbauen, dass es dem Pferd leichter gemacht wird, sodass die Wendung nach dem Sprung für das Pferd schon ersichtlich ist.

:  No. 1

Foto: doma

:  No. 2

Bei Sprüngen aus dem Trabsollte man das Pferd vor und nach dem Sprung geradeaus reiten, damit es in der Vorwärtsbewegung sein Gleichgewicht findet (Foto: doma)

:  No. 3

In einer Sprungreihe ist nicht die Höhe der Sprünge entscheidend, sondern das Gleichmaß und der Rhytmus in der Bewegung des Pferdes (Foto: doma)

Cavalettis aus dem Galopp

Wir haben drei Cavalettis im Abstand von 13,5 Metern aufgebaut, über die der Reiter mit je drei Galoppsprüngen drüber galoppiert. Das ist eine Übung für den Reiter und das Pferd. Der Reiter lernt Distanz- und Rhythmusgefühl. Für das Pferd ist das eine Übung für die Durchlässigkeit und es lernt, die Galoppsprünge zu vergrößern und zu verkleinern. Der Reiter muss darauf achten, das Pferd schön gerade zu halten und den Rhythmus zu halten, das Pferd also nicht langsamer und nicht schneller werden zu lassen. Die Übung sieht einfach aus, ist aber mit jungen Pferden gar nicht so einfach. Wenn das Pferd noch sehr frisch ist und über den Cavalettis wegrennt, ist es wichtig, dass der Reiter das Pferd einfängt, Kontakt zum Pferdemaul hält und das Pferd nicht alleine lässt. Der Reiter muss sich schwerer machen im Sattel und durch halbe Paraden versuchen, das Pferd wieder an die Hilfen zu bekommen. Um den Reiter dazu zu zwingen, deutlicher am Pferd zu bleiben und mehr einzuwirken, kann der Reiter die Bügel bei der Übung einmal überschlagen. Durch die Wegnahme der Bügel hat der Reiter die Schenkel viel geschlossener am Pferd und rahmt es mehr ein.

Sprungreihe

Wir gehen noch mal einen Schritt weiter, indem wir eine Sprungreihe reiten, die dem Pferd den Ablauf erleichtern und diesen auch wieder verbessern soll. Es fängt an mit einer Trabstange, einem In-Out zum Cavaletti, mit einem kleinen Steilsprung danach, geht weiter mit zwei Galoppsprünge zum Oxer und zwei Galoppsprüngen zu einem Steilsprung, den wir später noch zum Oxer aufbauen. Der Abstand von Sprung zu Sprung beträgt etwas mehr als neun Meter. Das ist genügend, wenn wir die Reihe aus dem Trab springen. Man sollte die Reihe auch zur Gymnastik nicht zu weit im Abstand aufbauen. Wenn der Abstand nicht zu groß ist, wird das Pferd mehr animiert, den Rücken aufzuwölben und den Hals fallen zu lassen. Die Stangen habe ich in die Reihe reingelegt, um dem Pferd noch mehr den Ablauf vorzugeben. Am Anfang ist das für ein ungeübtes Pferd natürlich schwieriger, weil es mehr zu gucken gibt, aber haben sie es ein, zwei Mal gesehen, ist es für sie eine erhebliche Erleichterung. Nach der Reihe habe ich zwei orange Hütchen hingesetzt, damit die Reiter gezwungen sind, geradeaus nach der Reihe weiterzureiten und das Pferd nicht rechts oder links weglaufen zu lassen. Auch diese Reihe darf gerne einmal ohne Bügel geritten werden, damit auch der Reiter ein besseres Gleichgewichtgefühl bekommt und auch er sich über den Winter verbessert.

Winterarbeit mit Eberhard Seemann im Video

Älteres Pferd - Sprung auf Zirkellinie

Wie mit dem jüngeren Pferd fangen wir an mit lösender Arbeit über Stangen und anschließend kleinen Sprüngen aus dem Trab. Da können wir dasselbe Programm absolvieren. Wenn das alles gut klappt, gehen wir zu einer anspruchsvolleren Übung über, und zwar einem Sprung, einem Oxer, auf der Zirkellinie. Davor und dahinter haben wir jeweils ein Cavaletti. Man sollte das Pferd langsam an diese Aufgabe langsam heranführen, da es doch schon etwas schwieriger ist für das Pferd. Durch das Cavaletti ist schon ein etwas höheres Anspringen erforderlich ist als wenn nur eine Stange auf dem Boden liegen würde. Auch das Cavaletti danach zwingt das Pferd, schnell in der Vorderbeintechnik zu sein und schnell vom Boden zu kommen. Insgesamt eine sehr kraftraubende, aber auch kräftigende Springübung. Hier auf der gebogenen Linie ist es noch wichtiger, auch auf der anderen Hand die Übung zu trainieren und zwischendurch Schrittpausen einzulegen.
An die Höhe muss man sich langsam herantasten. Man sollte nicht zu früh zu viel verlangen.

Einfache Sprungreihe

Wir haben eine Sprungreihe aufgebaut von etwas mehr als neun Metern auf jeweils zwei Galoppsprünge. Das ist relativ eng, aber in der Höhe noch wunderbar zu springen und es vermittelt dem Pferd ein Gleichmaß an Bewegung. Es geht hier nicht so sehr um die Höhe der Sprünge, sondern um das gleichmäßige und rhythmische Überwinden der Reihe. Wir springen in der Winterarbeit nie wirklich hoch, sondern achten vielmehr auf die gymnastizierenden Elemente, die die Pferde mit möglichst wenig Aufwand springen.

Parcourstraining

Zum Abschluss machen wir eine Übung, bei der wir ein bisschen Parcourscharakter haben. Ich lasse die gymnastizierende Übung mit dem Oxer springen, dann geht es weiter über eine dreifache Kombination, anschließend reiten wir einen großen Zirkel, kommen über den Wassergrabensprung, damit das Pferd auch bei solchen Elementen Vertrauen findet, und zum Schluss geht es im Rechtsbogen  über den Oxer. Wenn das alles im Gleichmaß passiert, kann man die Springstunde beenden. Auch hier sollte man immer darauf achten, nach den Sprüngen geradeaus zu reiten. Wir haben hier kaum einen Sprung, der höher ist als ein Meter, aber das ist auch nicht nötig in der Winterarbeit. Der Reiter soll einfach korrekt auf sein Pferd einwirken und ein Augenmerk auf die richtigen Wege haben – das geht alles mit Cavalettis und kleinen Sprüngen. Wenn das alles gut funktioniert, ist es kein Problem, das Ganze später über höhere Sprünge zu absolvieren.

:  No. 1

Eberhard Seemann (Foto: doma)

Zur Person: Eberhard Seemann

Der in Münster beheimatete Eberhard Seemann ist für das Training und Management der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Warendorf und für die Organisation und Leitung des Springtrainings am DOKR-BLZ zuständig. Zudem betreut er als Bundestrainer den Childrenkader. In Balingen geboren wurde Seemann als 13-Jähriger Landesmeister in Baden-Württemberg in der Dressur in der Pony-Klasse. Den Erfolg wiederholte er ein Jahr später und wurde Landesmeister in der Vielseitigkeit. Später wechselte Seemann ins Springlager. Auch hier stellten sich schnell die Erfolge ein: Vierter bei der DM der Junioren, Deutscher Meister als Junger Reiter. 1988 war er Fünfter bei der EM der Jungen Reiter. Der gelernte Diplom-Betriebswirt ist Träger des Goldenen Reitabzeichens und trainierte bei Hans Günter Winkler, Herbert Meyer und Sönke Sönksen. Dennoch konzentrierte er sich eine Weile als selbständiger Steuerberater auf seinen Beruf – bis er 2007 ganz in den Pferdesport wechselte. Mittlerweile ist Eberhard Seemann selbständig als Ausbilder in Münster tätig.

Der KlassenunterschiedTipps vom Bundes-Nachwuchstrainer Oliver Oelrich

Grundlegendes

 „Nach der Turniersaison ist vor der Turniersaison.“ Ich empfehle, sich am Ende einer Turniersaison hinzusetzen und ganz in Ruhe zu analysieren, welche Schlüsse man ziehen kann. Hierbei ist es wichtig, mit dem Trainer zu besprechen, wie man sich im Laufe der Saison mit dem Pferd entwickelt hat und wo noch Defizite sind. Nun gilt es gemeinsam, Ziele für das nächste Frühjahr zu fixieren und einen Trainingsplan auszuarbeiten, in dem ganz gezielt Schwerpunkte für die Winterarbeit gesetzt werden. Dieser Trainingsplan sollte mehrere Bedingungen erfüllen: Aufgrund der Witterungsbedingungen wird sich ein großer Teil des Trainings in der Reithalle
abspielen und da ist es sehr wichtig, dass durch einen abwechslungsreichen Wochenplan (z.B. Gymnastikreihen springen, im leichten Sitz galoppieren oder am Halfter zu longieren etc.) Reiter und Pferd bei Laune gehalten werden.

Dann ist Grundlagenarbeit wichtig, wobei man sich stets an der Skala der Ausbildung zu orientieren hat. Den Fokus sollte man auf die neu zu erlernenden Lektionen legen und diese gezielt in den Wochenplan einarbeiten. Wichtig ist auch, von Zeit zu Zeit das Reiten von Aufgaben nicht zu vernachlässigen, damit das disziplinierte Reiten auch in der Winterarbeit zu berücksichtigen. Den Sprung in die nächst höhere Klasse wollen wir am Beispiel von zwei Reiterinnen demonstrieren. Dies ist zum einen Rebecca Horstmann mit ihrem achtjährigen, selbst gezogenen Wallach „Friend of Mine“ aus einer Rubinstein-Mutter. Sie ist Mitglied im Bundeskader der Junioren und nun auf dem Weg in die Klasse S. In dieser Trainingseinheit werden wir uns auf die Galopparbeit konzentrieren und die vorbereitende Arbeit für eine Galopppirouette und Serienwechsel demonstrieren.


Zum anderen reitet Tessa Frank, Pferdewirtschaftsmeisterin, die bereits bis Grand Prix siegreich ist, einen vierjährigen Fidertanz-Sohn aus einer De Niro-Mutter, der Nymphenburg´s First Choice heißt. Er ist von Dressurpferde-Klasse-A-Niveau auf dem Weg in die Klasse L. Wir wollen zeigen, wie man es schafft, den Außengalopp zu entwickeln und wie sich beginnende versammelte Arbeit und Kurzkehrt-Wendungen entwickeln lassen.

Von der Klasse M zu Klasse S - Vorbereitende Arbeit für die Schrittpirouetten

Zu Anfang reiten wir ein paar Übergänge vom Mittelschritt in den versammelten Schritt. Das Pferd sollte eine ruhige Anlehnung haben (keine Nickbewegung wie im Mittel- oder starken Schritt), der Takt und Fleiß erhalten bleiben und die Hinterhufe in die Spur der Vorderhufe einfußen. Wichtig ist, dass das Pferd sowohl bei der Rückführung als auch in der Schrittpirouette vor den treibenden Hilfen des Reiters bleibt und Takt und Fleiß auch in der Pirouette nicht verloren gehen. Man sollte vor dem Reiten dieser Lektion auch mit dem jungen Reiter noch einmal genau die Hilfengebung besprechen, denn viele Fehler resultieren aus einer falschen Hilfengebung, wie z.B.

  • der Reiter sitzt auf dem äußeren statt auf dem inneren Gesäßknochen, wodurch das Pferd die Balance verliert und seitwärts ausweicht
  • zu wenig Stellung und Biegung
  • das äußere Hinterbein weicht aus, weil der äußere Schenkel nicht eine Hand breit hinter dem Gurt liegt und begrenzend einwirkt
  • oder die Hinterbeine bleiben stehen, da der Reiter sein Pferd nicht genügend vor dem inneren vorwärts treibenden Schenkel hat.

Wichtig ist bei dem Erarbeiten von Schrittpirouetten, immer mit größeren Pirouetten zu beginnen und wenn diese sicher gelingen, dann eine kleine, wie sie in der Aufgabe verlangt wird, zu reiten. Immer mit dem Grundgedanken vom „Leichten“ zum „Schweren“!

Vorbereitende Arbeit für Schulterherein und Traversalen im Trab

In der Trabarbeit ist wichtig, dass das Pferd leichtfüßig und dynamisch trabt. Bewegungsfluss und Fleiß sollen in jedem Tempo erhalten bleiben. Gerade bei jüngeren Pferden ist es wichtig, dass sie Spaß am Gehen haben. Erst nachdem sich das Pferd ausbalanciert und mit genügend Fleiß im Schultervor bewegt, beginnen wir mit dem Schulterherein. Am Anfang sollten kurze Reprisen geritten und immer wieder eine Volte eingebaut werden, um das Pferd wieder in Stellung und Biegung zu arbeiten und den gewünschten Fleiß und Schwung zu entwickeln. Als nächstes reiten wir travers an der Diagonalen und versuchen das Pferd vor den treibenden Hilfen im Takt und schwungerhaltend durch die Bahn zu traben. Pferde, sehr dynamisch sind, müssen lernen, in diesem großen dynamischen Traben etwas fleißiger und kleiner in der Bewegung zu bleiben, damit die Balance besser gefunden werden kann.


Erst wenn dieses Ziel erreicht ist, reiten wir aus einer halben Volte eine Rechtstraversale zum Hufschlag mit deutlich Stellung und Biegung, wo wir die Hinterbeine parallel zu Mittellinie mitnehmen wollen. Das Pferd soll in der Seitwärtsbewegung mit dem gleichen schwingenden Trab weiterarbeiten. Das ist nachher der Unterschied, ob man eine sieben oder eine acht in der Traversale bekommt. Es ist immer zu bedenken, etwas steiler einzuleiten und dann Länge in die Traversale zu bekommen, damit sie mehr Ausdruck hat.


In einer Traversale, die zum Ende steiler wird, geht Schwung und Ausdruck verloren. Im versammelten Tempo reiten wir ein paar Tempounterschiede, das heißt, dass das Pferd zwei, drei Tritte von hinten noch mehr ran geschlossen wird, um den Fleiß noch mehr zu fordern. In den halben Paraden wollen wir das Pferd wieder schnell genug von der Hand lösen. Wichtig, wenn der Impuls mit dem Schenkel kommt, dass die Hand gleich wieder in Richtung Pferdemaul nach vorne geht, dass das Hinterbein die Möglichkeit hat, genug nach vorne unter den Schwerpunkt zu schwingen.

:  No. 1

Schulter vor: Im Trab sollen in jedem Tempo Fleiß und Takt erhalten bleiben. (Foto: doma)

Galopppirouetten

Bevor man mit dem Reiten von Galopppirouetten beginnt, muss man in der Lage sein, das Pferd auf gerader oder gebogener Linie deutlich versammelt und tragend zu galoppieren. Das heißt, das Pferd muss im verkürzten Tempo deutlich Last aufnehmen und dabei stets vor der treibenden Hilfe bleiben. Erst wenn man das Tempo bis hin zum Pirouettengalopp (hierbei sollte das Pferd im Hinterbein reppertierend springen) aufnehmen kann ohne die Grundfrequenz und den Takt zu verlieren, beginnen wir daraus eine kleine Volte mit deutlicher Stellung und Biegung zu reiten. Das Pferd soll lernen, mit dem gleichen Fleiß weiter zu galoppieren. Entscheidend ist: Es ist kein Rückwärtsreiten und Wenden, sondern ein Weiterreiten in der Wendung. Bei der Volte kann man nach und nach ein bisschen an Travers denken. Das äußere Hinterbein soll zwischen die beiden Vorderbeine arbeiten und Last aufnehmen. Gelingt das sicher und jeder Galoppsprung ist in der Größe und im Fleiß unter Kontrolle, kann man eine wirklich schöne Galopppirouette reiten.


Im Anschluss reiten wir eine Arbeitspirouette auf der Diagonale. Erstmal legen wir den Fokus auf den Grundgalopp, dass man ein zwei Übergänge hin zum Pirouettengalopp reiten kann, ohne gleich an die Pirouette zu denken. Wichtig ist, dass man den vorbereitenden versammelten Galopp von dem Übergang zum Pirouettengalopp trennt und das Pferd auf die Hilfen des Reiters wartet. Dann kommt erst das Wenden ins Spiel. Ich als Trainer stelle mich als „Boje“ in der Mitte auf, um die der Reiter die Arbeitspirouette reitet. Man sollte zu Beginn mit dem Pferd nicht immer gleich eine kleine Pirouette reiten, sondern auch hier erst eine große und dann eine kleine reiten. Der Reiter muss in jeder Phase der Pirouette das Gefühl haben, aus dieser auch wieder herausreiten zu können, also das Pferd muss vor seinem Schenkel sein und darf sich nicht herumwerfen.

Fliegende Wechsel

Wir gehen dann zur Hinführung zu den Serienwechseln. Dazu reiten wir zunächst an der langen Seite auf der Viertellinie einen Wechsel nach außen und einen Wechsel nach innen. An der nächsten langen Seite kann man dann direkt drei fliegende Wechsel reiten, wobei jeder Wechsel für sich vorbereitet werden sollte. Danach gehen wir auf die Diagonale und reiten Wechsel-Volte-Wechsel-Volte-Wechsel. Das ist eine schöne Übung dafür, dass sich der Reiter auf den einzelnen Wechsel konzentriert und nicht gleich an die Serie denkt und das Pferd lernt, zu warten. Wenn das klappt, können wir dann Vierer- und Dreier-Wechsel reiten – auch hier gilt vom Leichteren zum Schweren.

Von der Klasse A zu L - Hinführung zur Schrittpirouette

In der Schrittarbeit wollen wir uns zunächst an Kehrtwendungen heranarbeiten. Der Unterschied zwischen Kurzkehrtwendungen und Schrittpirouetten ist das Tempo. Die Kurzkehrtwendung wird aus dem Mittelschritt, die Pirouette aus dem versammelten Schritt geritten. Gerade bei jungen Pferden ist es wichtig, dass der Bewegungsfluss erhalten bleibt, dass sie im mittleren Tempo bleiben und man nicht rückwärts denkt.


Wir reiten eine kleine Volte in der Mitte der Bahn und lassen den rechten Schenkel weichen. Das Pferd muss erstmal die Schenkelhilfe akzeptieren. Beim Schenkelweichen wird das Pferd nicht gestellt und der Reiter kann eine leichte Konterstellung auf der kleinen Volte anfordern. Wichtig ist, dass das Pferd in dem Tempo bleibt und den Fleiß behält. Wir reiten das Gleiche noch mal zur anderen Seite. So versteht das Pferd nach und nach sich in die Richtung zu stellen und zu biegen, in die es gewendet wird. Wenn wir das Gefühl haben, dass sich das Pferd in sich festhält und noch nicht weiß, was wir von ihm verlangen, gehen wir wieder zum Anfang zurück und erarbeiten uns den Fleiß wieder, bei dem sich das Pferd sicher fühlt. Erst dann beginnen wir damit, die Kurzkehrtwendung zu entwickeln.

Hinführung zur Versammlung im Galopp

Bevor man mit der Versammlung im Galopp beginnen kann, muss das Pferd in der Lage sein, einen fleißigen und gut gesprungen Arbeitsgalopp zu gehen. Erst, wenn diese Grundlage geschaffen ist, beginnen wir das Tempo für drei bis vier Galoppsprünge zurückzuführen, um dann kernig wieder nach vorne zu reiten. Das Pferd soll sich im Grunde in den verkürzten Galoppsprüngen schon wieder auf das Vorwärts freuen und so lernen, Eigendynamik in der Versammlung zu entwickeln. Auch der Reiter ist dadurch gefordert, das Pferd von hinten nach vorne an die Hand heranzureiten und immer mit genügend Zug nach vorne zu haben
Wichtig ist dabei, dass sich das Pferd selbst trägt, die sogenannte Selbsthaltung, und nicht in den Übergängen auf der Vorhand galoppiert. Um das zu kontrollieren, sollte der Reiter immer mal wieder Überstreichen. Gelingen diese Übergänge sicher und das Pferd galoppiert mit einem guten Grundfleiß in der Versammlung weiter, kann der Reiter den versammelten Galopp länger durchhalten. Bei allen diesen Übungen ist darauf zu achten, genügend Pausen einzulegen und diese am besten bevor der Reiter die Ermüdung seines Pferdes fühlt.

:  No. 1

Bei Kurzkehrtwendungen ist es gerade bei jungen Pferden entscheidend, dass der Bewegungsfluss erhalten bleibt und dass sie im mittleren Tempo bleiben. (Foto: doma)

Entwicklung Außengalopp

Wichtig für die Entwicklung des Außengalopps ist, dass das Pferd bereits in der Lage ist, leicht versammelt zu galoppieren. Der Grundfleiß und Takt muss immer erhalten bleiben, egal in welchem Tempo ich galoppiere. Wir reiten zunächst an der langen Seite im Handgalopp eine einfache Schlangenlinie, die erst flach angelegt werden sollte und dann, wenn das Pferd gut balanciert galoppiert, sollte der Bogen bis X geritten werden. So führen wir das Pferd nach und nach an den Außengalopp heran. Dabei ist es sehr wichtig, dass das Pferd geradegerichtet ist, um tragend zu galoppieren.


Als nächstes reiten wir aus der Ecke kehrt, dann über den halben Bahnpunkt hinaus Außengalopp, um anschließend eine Kehrtvolte in die Ecke hinein zu reiten - so geben wir dem Pferd das Gefühl, als Belohnung für den Außengalopp wieder in den Handgalopp zu wechseln. Hat das Pferd erst einmal diese Übung verstanden, beginnen wir damit, den Außengalopp auf dem halben Zirkel zu reiten. Es ist darauf zu achten, genügend Platz zur kurzen Seite zu lassen, damit man die Möglichkeit hat, wieder in den Handgalopp zu wechseln, sobald das Pferd das Gleichgewicht verliert und der Reiter fühlt, dass daraus ein Umspringen nicht zu vermeiden wäre. Daher ist das Reiten im Außengalopp auf dem halben Zirkel eine sehr gute Übung.


:  No. 1

Wichtig für die Entwicklung des Außengalopps ist, dass das Pferd bereits in der Lage ist, leicht versammelt zu galoppieren (Foto: doma)

Abwechslung in der Winter-ArbeitTipps zur Verbesserung der Rittigkeit

Autor: FN

In Zusammenarbeit mit der HippoPress und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) veröffentlicht PFERD+SPORT eine Ausbildungsserie, die sich mit der Winterarbeit in der Vielseitigkeit, im Springen und in der Dressur befasst. Wir starten mit Vielseitigkeitsreiterin Julia Krajewski, die exklusive Tipps zur Verbesserung der Rittigkeit gibt.

Die Besonderheit in der Arbeit mit Vielseitigkeitspferden liegt darin, dass nur im Sommer Saison ist. Im Winter gibt es keine Vielseitigkeitsturniere. „Die dressurmäßige Arbeit und normales Springtraining stehen im Winter im Fokus – und soweit es das Wetter zulässt, sind wir auch viel im Gelände unterwegs, meist zwei Mal die Woche, um die Grundfitness für den Sommer vorzubereiten“, erklärt Julia Krajewski. Doch neben diesen Grundtrainingseinheiten Dressur, Springen und der Arbeit im Gelände sollten Reiter auch spezielles Springtraining einbauen. Die technischen Anforderungen, die Rittigkeit und Linienführungen sollen speziell trainiert werden. „Das Wichtigste beim Vielseitigkeitspferd ist es, dass es rittig ist und Aufgaben gelassen absolviert“, so Krajewski. „Das Pferd muss auf den Reiter hören, soll aber gleichzeitig mitdenken und den nächsten Sprung suchen. Dazu lass ich die Pferde immer wieder andere Linien absolvieren.“ Dabei kommt es nicht auf besonders hohe Sprünge an. Wichtiger ist es, dass sie unaufgeregt überwinden.

In der ersten Folge der Winterarbeit reitet Christoph Wahler, Perspektivkadermitglied und bereits international auf Drei-Sterne-Niveau unterwegs, den siebenjährigen Wallach Carjatan, der noch an den Anfängen seiner Karriere steht. „Wir möchten zeigen, wie man ein jüngeres Pferd an die besonderen Situationen im Gelände ranführen kann – und das mit eine normalen Sprungmaterial, was jeder Zuhause hat“, erläutert Julia Krajewski. Schmale Hindernisse, Ecken, schräge Sprünge und ein nachgestellter Coffin-Effekt sollten die Rhythmusfähigkeit und Rittigkeit des Pferdes verbessern.


Vier Steilsprünge auf dem Zirkel
Als Einstieg wählen wir eine Übung mit vier niedrig aufgebauten Steilsprüngen, damit Reiter und Pferd ihren Rhythmus finden. Besonderes Augenmerk legen wir darauf, dass sich das Pferd schnell wenden lässt und selber zum nächsten Sprung schaut. Die Abstände zwischen den vier Steilsprüngen auf der Zirkellinie sind gleichmäßig gewählt, man muss sie aber nicht abmessen. Je nach Pferdegröße und Rittigkeit sollten vier Galoppsprünge dabei rauskommen, die entweder etwas mehr im Fluss zu reiten sind oder etwas ruhiger. Für den Einstieg fangen wir in einem gleichmäßigen Galopp langsam an. Der Reiter sitzt ruhig am Pferd, begrenzt außen gut mit dem äußeren Zügel und wenn nötig, nimmt er den äußeren Schenkel mit dazu. Zunächst beginnt man nur mit den jeweils gegenüberliegenden Steilsprüngen, um das Pferd an die Aufgabe heranzuführen und den Rhythmus zu finden. Wenn man das Gefühl hat, die beiden äußeren Steilsprünge funktionieren gut, nimmt man die anderen beiden mit dazu. Das Tempo sollte man dann etwas ruhiger anlegen. Das Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, die Steilsprünge mittig anzuspringen, um Zeit für die Zirkellinie zu haben.


Die Übung sollte selbstverständlich auf beiden Händen absolviert werden, um das Pferd gleichmäßig zu gymnastizieren und zu belasten.  Auch hier gilt: Über dem Sprung das Pferd immer innen und außen gleichmäßig mit Schenkel- und Zügelhilfen einrahmen, der Blick geht zum nächsten Sprung und – wichtig: Freiheit im Hals lassen. Ziel in der Geländeausbildung ist es, mit einem längeren Hals und etwas offenerem Genick zum Sprung zu kommen, damit das Pferd seinen Hals immer zum Ausbalancieren nutzen kann. Zwischendurch muss man die Linie vorgeben und das Pferd mehr einrahmen, wodurch es auch mal hinter die Senkrechte kommt, aber das Ziel ist es, dass das Pferd an die Hand herantritt und den Sprung frühzeitig aufnimmt, ohne dem Reiter wegzulaufen. Ideal wäre es, wenn das Pferd alle vier Sprünge auf einer gleichmäßig runden Zirkellinie im Handgalopp und gleichbleibendem Rhythmus absolviert.

:  No. 1

Folge von Sprüngen, bzw. eher ungewöhnlichen Hindernissen für Vielseitigkeitspferde. (Foto: doma)

Schräge Sprünge
Nachdem wir das Pferd über kleine Steilsprünge gelöst haben, gehen wir einen Schritt weiter und fangen mit schrägen Sprüngen an. Dafür haben wir simple Steilsprünge mit jeweils einer Stange oben aufgebaut und mit zwei Grundlinien, damit wir von beiden Seiten springen können. Mit fortgeschrittenen Pferden kann man auch die Grundlinien weglassen, dann würde man oben z.B. eine Planke reinhängen, damit die Pferde lernen, selber hinzuschauen. Wir haben zwei Steilsprünge im Abstand von gut zehn Metern. Wie schräg man den Winkel zueinander wählt, hängt von der Erfahrung des Pferdes ab. Für den Anfang sollte man ihn weder zu schräg noch zu grade wählen. Am besten legt man die Stangen zunächst auf den Boden und läuft die Linie zu Fuß ab, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie schräg die Sprünge tatsächlich stehen.  Um eine Linie vorzugeben, haben wir Hütchen aufgestellt. Erstmal reitet man nur einen einzelnen Steilsprung schräg an, diesen dann schräg zurück, dann die zwei hintereinander und am Ende bauen wir noch einen dritten Steilsprung mit ein, der keine festgelegte Distanz hat. Hier soll das Pferd selber reagieren und lernen, überraschende Sprünge unaufgeregt zu absolvieren.

Wichtig ist es, ein ruhiges Tempo zum ersten Steilsprung zu haben, damit das Pferd losgelassen springt und Zeit hat, die Aufgabe zu verstehen. Ziel ist es, dass das Pferd schon ein paar Galoppsprünge vorher den Sprung wahr nimmt und den Galopprhythmus beibehält. Der Reiter sollte darauf achten, mit dem Oberkörper gerade zu bleiben, das Pferd gut einzurahmen und nicht mit dem inneren Zügel zu wenden oder den Rhythmus durcheinander zu bringen.


Schmale Hindernisse
Schmale Hindernisse sind in den vergangenen Jahren elementar im Gelände geworden, deswegen sollte man sie frühzeitig trainieren. Wir fangen möglichst klein mit dem Aufbau von schmalen Elementen an, rahmen diese – wenn möglich – mit zwei Stangen ein. Wir gehen nach dem Prinzip vom Leichten zum Schweren vor und werden nach und nach den Sprung erhöhen. Im Gelände kommen diese schmalen Hindernisse oft als V-förmige Kisten, manchmal mit Büschen oben drauf, vor. Hier haben wir Plastikelemente, die die Situation nachstellen. Das Pferd soll grundsätzlich lernen, sich einrahmen zu lassen, an den Hilfen des Reiters und in der Spur zu bleiben.

Zum Einstieg wird der Sprung aus dem Trab genommen, weil der Sprung niedrig ist und das Pferd Zeit haben soll, sich das Hindernis erstmal anzugucken. Die Wade bleibt dabei gleichmäßig dran. Wenn das sicher und gelassen klappt, wird der Sprung im Galopp überwunden. Anschließend bauen wir den Sprung höher und legen die Stange zur Seite. Für den Reiter ist wichtig, dass er auf dem Weg zu dem schmalen Sprung seinen Rhythmus beibehält und ihn nicht durch Rückwärtswirken mit der Hand oder plötzliches Zureiten verändert. Für das Pferd sollte sich auf dem Weg zum Sprung nichts verändern. Ziel muss sein, dem Pferd so viel Sicherheit zu geben, dass es möglichst gar nicht erst lernt, an einem schmalen Sprung vorbei zu laufen. Ganz ohne die Begrenzungs-Stangen würde ich daher zunächst nur über niedrige Höhe springen – alternativ kann man eine Stange zur Orientierung oben auf den Sprung legen. Gänzlich unerfahrene Pferde sollte man mit dieser Aufgabe auch noch nicht konfrontieren.


Ecken
Grundregel ist: Je schmaler die Ecke ist, desto einfacher ist sie. Die Höchstschwierigkeit ist ein 90-Grad-Winkel. Je nachdem, wie man die Ecke anreitet, kann man die Schwierigkeit erhöhen oder erleichtern. Reite ich sie flach an, ist es schwieriger als wenn ich sie mittig springe. Faustregel: Man springt die Ecke im 90-Grad-Winkel zur Winkelhalbierenden. Das hört sich recht mathematisch an, aber wenn man von der Spitze angefangen durch die Mitte der Ecke eine Linie ziehen würde, möchte man dazu im 90-Grad-Winkel die Ecke anreiten. Manchmal ist der Anreitewinkel im Gelände aber auch vorgegeben, je nachdem, wie Kombinationen aufgebaut sind. Zum Einstieg haben wir wieder eine Stange an die ‚offene‘ Seite gelegt, damit dem Pferd vorgegeben wird, wo es springen soll. Wir springen die Ecke erst von der einen Seite, wenn das sicher klappt schließlich ohne Stange und zum Abschluss von der anderen Seite.
Da der Sprung deutlich höher ist, reiten wir jetzt ein frischeres Grundtempo als in den Übungen zuvor. Wenn sich das Pferd am Anfang  etwas hinter dem Zügel verkriecht, muss der Reiter sehen, dass er das Pferd vor dem Schenkel hat und es den Sprung aufnimmt. Es ist nicht schlimm, wenn das Pferd am Anfang mal an die Stange ran tippt.. Je sicherer das Pferd wird, desto besser wird der Sprungablauf. Natürlich kann man diese Übung auch mit kleineren Tonnen aufbauen, um die Schwierigkeit geringer zu halten.

:  No. 1

Sprung mittig mit seitlicher Begrenzung durch Stangen (Foto: Doma)

Coffin
Normalerweise hat ein Coffin einen Einsprung, etwas wie einen Steilsprung, dann geht es bergab und nach ein bis drei Galoppsprüngen kommt der Graben, anschließend geht es bergauf und meistens folgt ein Aussprung. Das können wir in der Halle nicht simulieren, aber man hat immer die Reihenfolge Steilsprung, Guckeffekt, Steilsprung. Diesen Guckeffekt haben wir mit einer blauen Wassermatte nachgestellt. Was man sicherstellen sollte ist, dass die Pferde gelassen übers Wasser springen, sonst reicht in der Mitte schon ein auffälliges Stellteil oder eine auffällige Planke. Es geht darum, dass das Pferd den ersten Sprung sicher und flüssig überwindet, obwohl es beim zweiten Sprung einen Guckeffekt hat, und dabei genug Schwung beibehält, um am Ende flüssig den dritten Sprung flüssig überwinden zu können. Man kann das Ganze in der Höhe variieren. Wir springen zunächst über eine moderate Höhe, weil wir dem Pferd Sicherheit vermitteln wollen.

Wichtig ist, dass der Reiter einen gleichmäßigen Galopp beibehält. Wenn man von der Bande weg zur Dreifachen hinreitet, muss der Reiter positiv bleiben, aber ohne, dass er das Pferd anschiebt. Die Oberkörperposition bleibt eher etwas passiv. Es könnte sein, dass das Pferd am zweiten Sprung abstockt. Dann muss der Reiter in der Lage sein, es direkt zu unterstützen und hinter seinem Schwerpunkt bleibt. Wenn das gut klappt, kann man die Schwierigkeit erhöhen.


Gesamter Kurs
Zum Abschluss absolvieren wir noch mal alle Aufgaben in Folge. Auf der rechten Hand starten wir im ruhigen Tempo über die vier Steilsprünge auf dem Zirkel, dann wechseln wir nach links die Hand, wenden um den zweiten Steilsprung herum, springen den Oxer zurück – das ist eine klassisch gebogene Linie – dann kommen wir von der rechten Hand von der Bande weg über die beiden schrägen Steilsprünge auf den einzelnen Steilsprung. Hier muss der Reiter früh genug sein Tempo anpassen, das Pferd aufnehmen, und aufpassen, dass es nicht zu sehr ins Vorwärts kommt. Dann kommt er von der linken Hand leicht schräg über den Steil, wendet nach rechts, springt über den schmalen Sprung und galoppiert weiter über die Ecke. Die Distanz sind ungefähr fünf bis sechs Galoppsprünge. Uns Vielseitigkeitsreitern ist nicht ganz so wichtig, dass immer die Galoppsprünge eingehalten werden. Wichtig ist ein gleichmäßiger Rhythmus, dass das Pferd auf der Linie bleibt und es immer positiv zum Sprung hin galoppiert. Danach galoppiert er auf dem Zirkel und kommt das Coffin zurückgesprungen, um zu gucken, ob sich das Pferd konzentriert. Wenn er alles gut macht, ist es für eine Trainingseinheit absolut ausreichend.


Julia Krajewski
Die 27-jährige Vielseitigkeitsreiterin, gebürtig aus Lingen, wurde in 2007 in die Perspektivgruppe Vielseitigkeit berufen. In Warendorf absolvierte sie eine Ausbildung zur Pferdewirtin mit Schwerpunkt Reiten, beendete die Prüfung als Jahrgangsbeste und war anschließend drei Jahre Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr. 2012 nach ihrer Prüfung zur Pferdewirtschaftsmeisterin wurde sie Nachwuchsführungskraft in der Abteilung Ausbildung und Wissenschaft bei der FN. Ende 2015 schloss sie erfolgreich ihr berufsbegleitendes Studium zur Diplom-Trainerin in Köln ab. Als Ausbilderin unterstützte sie bereits regelmäßig die Nachwuchs-Bundestrainer bei Lehrgängen und Championaten und wird ab 2017 nach dem Ausscheiden von Rüdiger Schwarz zusammen mit Andreas Ostholt und Pony-Bundestrainer Fritz Lutter das Training des deutschen Reiternachwuchses begleiten. Julia Krajewski ist hoch erfolgreich im Vielseitigkeitssattel unterwegs, gewann zehn Medaillen bei Nachwuchschampionaten. Mittlerweile hat sie ihren ersten Vier-Sterne-Start in Luhmühlen mit Samourai du Thot in diesem Jahr auf Rang drei beendet und kam aus Rio von den Olympischen Spielen mit Mannschaftssilber dekoriert nach Hause zurück.

Wir danken der Deutschen reiterliche Vereinigung (FN) für ihre Unterstützung beim Erstellen der Serie.

Winterarbeit mit Julia Krajewski - Vielseitigkeit Teil 1

Winterarbeit mit Julia Krajewski Teil 2