Titelbild: Koppen beim Pferd: Auslöser, Risiken und Therapie

Koppen beim Pferd: Auslöser, Risiken und Therapie

 

Beim Koppen spannt das Pferd aktiv die untere Halsmuskulatur an und öffnet damit seinen Schlundkopf. Luft kann in die Speiseröhre einströmen und es entsteht der charakteristische „Kopperton“. Man unterscheidet zwischen Aufsetzkoppern und Freikoppern. Die meisten Pferde setzen dabei die Schneidezähne auf einen Gegenstand auf. Das nennt man Aufsetzkoppen. Freikopper hingegen koppen mit frei gehaltenem Kopf. PFERD+SPORT hat bei der Pferdeklinik Bargteheide nach Gründen und Risiken für dieses Verhaltensmuster gefragt.
 

PFERD+SPORT: Was ist der Grund oder beziehungsweise der Auslöser, dass Pferde mit dem Koppen beginnen?

Pferdeklinik Bargteheide: Koppen gehört zu den sogenannten Stereotypien und ist die bekannteste Verhaltensstörung des Pferdes. Stereotypien sind immer wiederkehrende, zwanghafte Bewegungsmuster, die ohne einen erkennbaren Nutzen für das Pferd sind. Die Auslöser können je nach Pferd ganz unterschiedlich sein. Früher hat man die Fütterung als Auslöser für das Koppen vermutet, da es häufig in Verbindung mit dem Fressen von Kraftfutter oder Leckerlis beobachtet wurde. Heute werden strukturelle Veränderungen im Dopaminsystem des Gehirns im Zusammenhang mit der Fütterung dafür verantwortlich gemacht. Hauptursache hierfür ist chronischer Stress.
 

PFERD+SPORT: Welche Risiken kann das dauerhafte Koppen mit sich bringen?

Pferdeklinik Bargteheide: Die Annahme, dass es bei Koppern häufiger zu Koliken kommt, kann so nicht bestätigt werden. Die meiste Luft strömt beim Entspannen der Muskulatur über den Kehlkopf wieder heraus und selten verbleibt nur ein kleiner Anteil im Magen. Man vermutet eher eine Neigung zu Koliken aufgrund der Stressbelastung.
Es stimmt, dass sich ein vermehrtes Auftreten von Magengeschwüren bei koppenden Pferden feststellen lässt. Man ist sich jedoch uneinig darüber, ob die Magengeschwüre ursächlich für das Koppen sind oder ob auch hier wieder chronischer Stress ursächlich für Magengeschwüre sowie das Koppen selbst ist.
Bei Aufsetzkoppern kommt es durch das Aufsetzen der Schneidezähne auf Krippen oder ähnlichen Gegenständen gelegentlich zu einer übermäßigen Abnutzung der Schneidezähne. Auch kann eine stark ausgeprägte Unterhalsmuskulatur beobachtet werden und gelegentlich eine verminderte Futteraufnahme.
 

PFERD+SPORT: Weit verbreitet ist die Ansicht, dass Koppen „ansteckend“ ist, sodass Pferde in den Nachbarboxen auch zu koppen beginnen. Stimmt das?
Pferdeklinik Bargteheide: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Koppen ansteckend ist. Solange die Haltungsbedingungen stimmen, gucken sich die Pferde das Koppen nicht voneinander ab. Dabei ist vor allem auf die ausreichende Versorgung mit Raufutter zu achten, sodass Fresspausen so kurz wie möglich gehalten werden. Die Kraftfuttermenge sollte so gering wie möglich gehalten und wenn möglich auf mehrere kleine Portionen aufgeteilt werden. Auch genügend tägliche Bewegung und Sozialkontakte sind unabdinglich für das Wohlbefinden eines Pferdes.

 

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Beim Koppen spannt das Pferd aktiv die untere Halsmuskulatur an und öffnet damit seinen Schlundkopf. (Foto: Slawik)

PFERD+SPORT: Ist Koppen vererbbar?

Pferdeklinik Bargteheide: Tatsächlich gibt es Studien, die zeigen, dass die Neigung zum Koppen vererbbar ist. Wahrscheinlich ist aber, dass die Kombination aus erblicher Prädisposition und den äußeren Bedingungen das Koppen begünstigen. Gelegentlich kann das Koppen schon im Fohlenalter auftreten. Um dem vorzubeugen, sollte man als Besitzer vor allem auf freie Bewegung von Mutterstute und Fohlen auf der Weide achten. In der Zeit vor und nach dem Absetzen sollte auf eine isolierte Haltung und auf Kraftfuttergaben verzichtet werden.
 

PFERD+SPORT: Welche Möglichkeiten gibt es um ein Pferd am Koppen zu hindern? Ist es sinnvoll? Was wird bei einer Kopper-OP gemacht und wie hoch ist die Erfolgschance?

Pferdeklinik Bargteheide: Eine Therapie von Verhaltensstörungen sollte so früh wie möglich eingeleitet werden. Das Wichtigste ist, die Auslöser im Umfeld des Pferdes zu erfassen und zu verbessern, damit das Pferd nicht mehr unter dem Stress leiden muss. Bei Pferden, die schon mehrere Jahre koppen, sind oft keine bestimmten Auslöser mehr feststellbar. Daher ist es nur selten möglich, die Pferde vollständig zu therapieren. Sie werden trotz optimaler Haltungsbedingungen weiter an ihrer Gewohnheit festhalten, aber dabei ein stressfreies Leben führen. Es gibt symptomatische Therapiemaßnahmen, die jedoch ausschließlich auf die Verhinderung des Koppens und nicht auf die Beseitigung zugrundeliegender Ursachen abzielen. Daher ist die alleinige Anwendung symptomatischer Therapien, wie das Anlegen eines Kopperriemens, ohne Optimierung der Haltungsbedingungen grundsätzlich abzulehnen. Die Kopperoperation ist ebenfalls eine symptomatische Therapie. Es werden Muskelanteile der langen Halsmuskulatur (partielle Myektomie) und die versorgenden Nerven (Neurektomie) durchtrennt. Die Erfolgschance dieser Operation liegt bei 60-85% und ist abhängig davon, wie lange die Verhaltensstörung schon besteht. Je früher die Operation nach dem ersten Auftreten der Verhaltensstörung durchgeführt wird, desto größer ist die Erfolgschance.
 

Über die Pferdeklinik Bargteheide
Die Pferdeklinik Bargteheide bietet mit über 50 Mitarbeitern Pferdemedizin auf höchstem Niveau und die bestmögliche medizinische Versorgung von Pferden. Auf dem weitläufigen Areal der Klinik gibt es neben 72 Boxen großzügige Räumlichkeiten und vielfältige Diagnosemöglichkeiten auf dem neuesten Stand der Medizintechnik.
Weitere Informationen zur Pferdeklinik Bargteheide gibt es unter www.pferdeklinik-bargteheide.de

 

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