Titelbild: „Unsere Nordlichter"

Im Fokus

„Unsere Nordlichter"

„Unsere Nordlichter"

Sie sind erfolgreich, für viele Vorbild und machen den Pferdesport und die Zucht in Schleswig-Holstein und Hamburg aus: die Reiter und Züchter aus dem Land zwischen den Meeren. PFERD+SPORT stellt Ihnen unsere Besten in zwangloser Reihenfolge vor.

Bild:  No. 1

Foto: Janne Bugtrup

Fritz-Thiedemann-Medaille in Gold für Werner Peters

Werner Peters (Bargenstedt) wurde mit der Fritz-Thiedemann-Medaille in Gold ausgezeichnet. Das „Holsteiner Urgestein“, wie Laudator Hans-Joachim Ahsbahs den 70-Jährigen bezeichnete, ist erfolgreich – meistens auf Pferden aus Familienzucht - bis zur Klasse S geritten. Er war mehrmals platziert im Deutschen Spring Derby in Hamburg Klein Flottbek und hat deutsche Farben in Nationenpreisen vertreten. Nachdem Werner Peters seine Stiefel an den berühmten Nagel gehängt hatte, kümmerte er sich als Landestrainer mit großem Erfolg um den zweibeinigen Springreiternachwuchs aus dem Land zwischen den Meeren.

Bild: Foto Gräfe No. 1

Maximilian Gräfe mit Uriko (Foto: Bugtrup)

Deutsches Reitabzeichen in Gold für Maximilian Gräfe

Nach seiner mehr als überzeugenden Runde auf Uriko v. Untouchable in der Holstenhalle erhielt Maximilian Gräfe (Elmshorn) aus der Hand des FN-Präsidiumsmitgliedes und ersten Vorsitzenden des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein, Dieter Medow, für seine Erfolge das Deutsche Reitabzeichen in Gold angeheftet. 13 Siege in Springprüfungen der Kl. S hat sich der scheidende Bereiter der Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH bislang erritten, drei davon mit Uriko. Maximilian Gräfe wird bald – der Liebe wegen – nach Finnland ziehen. „Wir werden Max sehr vermissen, denn mit seinem großen Einfühlungsvermögen vermochte er sich auf jeden Hengst einstellen, um ihn optimal präsentieren zu können“, bedauerte Norbert Boley Maximilian Gräfes baldigen Weggang.

Bild: Bild Grimm No. 1

Michael Grimm nahm die Glückwünsche von Detlef Peper und Matthias Karstens entgegen (Foto: www.tierfotografie-huber.de

Goldenes Reitabzeichen für Michael Grimm

Michael Grimm wuchs in Steinwehr auf und seine ältere Schwester ritt regelmäßig. Der jüngere Bruder fand zunächst Fußball interessanter, entdeckte mit 13 Jahren aber auch sein Herz für den Reitsport und übernahm das „besser Freizeitpferd“ seiner Schwester, die sich dann nämlich entschloss, mit dem Reiten aufzuhören. Von da an saß der junge Mann regelmäßig im Sattel und wusste, dass die Arbeit mit den Pferden sein Beruf werden sollte. „Trotzdem habe ich aber nach der Schule eine Tischlerlehre gemacht“, erzählt der sympathische 37-Jährige. „Ich wollte erstmal einen ordentlichen Beruf lernen.“ Im Jahr 2000 begann er dann auf Vermittlung seines guten Freundes Dirk Ahlmann, auf der Anlage von Karsten Huck als Bereiter zu arbeiten. „Über sieben Jahre war ich bei Karsten Huck und diese Zeit hat mich sehr geprägt. Er hat ein so großes und so profundes Wissen und ich habe, gerade was die Ausbildung junger Pferde, aber auch das Unterrichten von Reitern und Schülern anbelangt, viel gelernt. Und natürlich habe ich in Prüfungen der schweren Klasse viel Erfahrung gesammelt.“

2004 legte Michael Grimm in Warendorf seine Bereiterlehre ab und wechselte schließlich 2008 in den Stall von Paul Schockemöhle. „Das war noch mal eine ganz andere Dimension. In dem Stall wird viel gehandelt und ich wollte meine Professionalität im Umgang mit Kunden noch weiter verfeinern.“ Starts in schweren Parcours und bei den Bundeschampionaten in Warendorf fielen ebenso in diese Zeit. 2010 wagte der engagierte Reiter mit einem Ausbildungsstall auf der Anlage von Boje Peters in Bargenstedt den Schritt in die Selbstständigkeit. 2012 avancierte er in Bad Segeberg zum Landesmeister, einer seiner schönsten Momente in seiner Karriere. Heute hat Michael Grimm einen Stalltrakt im Stall Stecher in Nordhastedt gepachtet. Zusammen mit drei Angestellten kümmert er sich um die Ausbildung, den Beritt und die Turniervorstellung von zwölf Pferden. „Ich hatte auch schon mal mehr, aber mir ist es lieber, ich habe weniger Pferde und kann mich intensiv um sie kümmern“, lautet sein Credo. 

Bild: Bild Hatlapa No. 1

Ausgezeichnet in Bad Segeberg: Caroline Hatlapa (Foto: www.tierfotografie-huber.de)

Caroline Hatlapa - Auszeichnung in Bad Segeberg

Caroline Hatlapas reiterliche Dressurkarriere ist beeindruckend: Bei den Europameisterschaften war sie – unter österreichischer Flagge – mit dem Trakehner Merlin TSF zwei Mal am Start: 1995 in Luxemburg und 1997 in Verden. Ihre Teilnahme an den Weltmeisterschaften 1998 in Rom und den olympischen Spielen 1996 in Atlanta waren die Krönung dieser Laufbahn. Das Österreichische Goldene Reitabzeichen hatte die Grand Prix-Reiterin, die seit 1990 in Deutschland lebt und reitet, längst am Frack, kurioser Weise aber nicht die deutsche Goldene Nadel. Als sie ihrem guten Freund Markus Waterhues zur Verleihung seines Goldenen Abzeichens gratulierte, meinte sie scherzhaft: „Ich glaube, die haben mich vergessen.“

Waterhues, der sich als zweiter Vorsitzender des Reiterbundes Nordmark in den deutschen reiterlichen Reglements bestens auskennt, klärte sie auf: „Das geht nicht automatisch. Du musst Dich selbst melden.“ Was sie denn auch tat, nachdem sie erst mal ihre Platzierungen in Deutschland nachgerechnet hatte. Bei 30 Grand-Prix und S-Siegen seit 1996 bis heute machte sie Schluss mit dem Zählen und meldete sich bei der FN, die zu demselben Ergebnis kam. So bekam Caroline Hatlapa auf dem Landesturnier in Bad Segeberg schließlich doch noch das deutsche Reitabzeichen verliehen. „Für mich ist es der Oskar für meine Lebensleistung und zudem ein schöner Abschluss meiner diesjährigen Grand Prix-Erfolge mit meinem Spitzenpferd Abamo Duke of Borghorst,“ freut sie sich. Zuhause nennt sie den nach ihrem Herrenhaus Borghorst bei Gettorf benannten 16-jährigen Hannoveraner Wallach aus der Zucht von Friedrich Langrehr einfach „Fuchsi“. Mit ihm stehen noch zwei weitere Erfolgsaspiranten im Stall: der siebenjährige Acapantus und Hera, eine fünfjährige Stute von Hochadel. „Ich habe meine Pferde immer jung gekauft und selbst ausgebildet“, erzählt Hatlapa. Auch ihr Olympiapferd Merlin von Arrak a.d. Herbstfee von Sonnenglanz (Züchter Stefan Böhm, Horneburg) war erst fünfjährig als sie ihn entdeckte.


Jeden Tag sitzt die Kauffrau schon früh morgens im Sattel und gibt bis zum spätem Abend Trainerstunden auf der Anlage ihres idyllisch gelegenen Herrenhauses, das ein Vier-Sterne Hotel mit fünf Zimmern und drei Suiten beherbergt. Im lichtdurchfluteten Stall können Gastpferde in Boxen mit eigenem Paddock untergebracht werden. Für das Training steht ein 60er Allwetter-Dressurplatz mit hochelastischem Boden zur Verfügung. Aber damit nicht genug: Caroline Hatlapa ist auch Gastgeberin von hochkarätigen Veranstaltungen wie Dressurlehrgängen mit dem Tiermediziner Dr. Gerhard Heuschmann oder Hubertus Graf Zedtwitz, Deutscher Meister der Berufreiter 2002 und langjähriger Bereiter bei Dr. Uwe Schulten-Baumer und Isabell Werth. Seit 2010 findet alle zwei Jahre eine Reitsportmesse mit rund 50 Ausstellern auf dem großen Areal und im Gebäude statt. „Vor neun bin ich nie zuhause“, so Hatlapa, „aber die Arbeit macht mir einfach so viel Spaß. Sie beflügelt mich.“   

Bild: Bild Huesmann No. 1

20 Jahre jung und schon gab es Gold: Johanna Huesmann (Foto: Stefan Lafrentz)

Johanna Huesmann: Mit 20 Jahren zu Gold

Jüngste ausgezeichnete Sportlerin im Trio der Goldenen Reiter in Bad Segeberg war Johanna Huesmann. Gerade mal 20 Jahre ist die sympathische Athletin jung, neun der benötigten zehn S-Siege errang sie mit ihrem Paradepferd Coco Chambato. Dass sie über ein ausgeprägtes Talent verfügt, betonte der ehemalige Landestrainer Detlef Peper in seiner Laudatio – und das kommt nicht von ungefähr. Johannas Mutter Kathrin ritt Dressur und ist Schwester von Mannschaftswelt- und -europameister Carsten-Otto Nagel. Zuhause auf dem Resthof der Familie in Hohwacht saß sie bereits mit vier Jahren im Sattel von Shetty Winnetou.

Sportlich wurde es mit Moonlight. Mit der Welsh Cob-Stute ritt sie erfolgreich Vielseitigkeit, startete unter anderem beim Bundesnachwuchschampionat in Verden. Trainer an ihrer Seite zu der Zeit war Thies Luther. „Als es darum ging, ein Pferd zu kaufen, wurde ich dann aber doch von meiner Familie geleitet, und wir haben uns für ein Springpferd entschieden“, lachte Johanna Huesmann. Und dieses erste Pferd war Coco Chambato, Holsteiner Wallach v. Chambertin/Calato (Maren Saß, Lübeck). Mit dem damals Siebenjährigen erklomm die Reiterin die komplette Karriereleiter, angefangen bei A- und L-Springen bis hin zu Aufgaben in der schweren Klasse. „Wir haben eine ganz besondere Verbindung, weil wir alles zusammen erlebt haben“, ist die Trägerin des Goldenen Reiterabzeichens stolz auf ihren Partner und weiß um seine Stärken. „Coco Chambato ist sehr charakterstark und gibt beim Reiten immer 100 Prozent.“ Zu ihren größten Erfolgen zählt der siebte Platz bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im vergangenen Jahr. „Letztlich habe ich aber viele schöne Erlebnisse: Wenn ich zum Beispiel einen Parcours genauso absolviert habe, wie ich es mir vorgenommen habe, dann macht mich das glücklich – unabhängig von der Platzierung.“

2016 hat Johanna Huesmann ihr Abitur gemacht und sich dann eine Auszeit genommen: Seit Juli ist sie mit ihren zwei weiteren Pferden King Clooney v. Canturo-Contendro I (Joachim Tietz, Diekhusen-Fahrstedt) und Amity v. Canturo-Libertino I (Hermann Blohm, Hodorf) im Stall von Janne Friederike Meyer in Schenefeld beheimatet. Hier arbeitet sie mit, will Erfahrungen sammeln, bevor die im Oktober 2017 ihr Studium der Humanmedizin beginnen wird. „Es ist mein letztes Jahr als junge Reiterin, da will ich noch mal angreifen. Ich würde mich freuen, wenn ich wieder mit zur Deutschen Jugendmeisterschaft fahren kann und beim Nationenpreis für Deutschland zu reiten, hat mich sehr geehrt. Das würde ich gerne wiederholen.“

Bild: Bild Rauert No. 1

Peter Rauert, der ebenfalls die Körkom¬mission verlässt, wurde von Thies Beuck für seine Verdienste in der Holsteiner Körkommission mit der Silbernen Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet. (Foto: Janne Bugtrup)

Silberne Ehrennadel des Holsteiner Verbandes - Peter Rauert

Peter Rauert zählt zu den profiliertesten Springausbildern und Richtern von Springpferdeprüfungen des Landes. Auch bei den Bundeschampionaten in Warendorf waren seine Kenntnisse rund um das Springpferd gefragt. Dort hat er jahrelang  am Richtertisch gesessen. So konnte sich der Holsteiner Verband glücklich schätzen, den Fehmaraner vor drei Jahren als Mitglied der Körkommission gewinnen zu können. Die Satzung schreibt es vor: Peter Rauert kann aus Altersgründen dieses Amt nicht länger ausüben. Für seine Verdienste rund um das Holsteiner Pferd wurde er mit der Silbernen Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet.

Bild: Bild Schüder No. 1

Rita Blöcker nahm für ihren verstorbenen Ehemann, den unvergessenen Herbert Blöcker, die Landgraf I-Statue entgegen. Der Chesall- und Chiara-Züchter Günter Schüder (rechts) wurde für seine Erfolge mit der Georg Ahsbahs-Medaille ausgezeichnet. (Foto: Janne Bugtrup)

Georg-Ahsbahs-Medaille - Günter Schüder

Bereits vor zwei Jahren ist Günter Schüder aus Bahrenfleth als Holsteiner Züchter des Jahres mit der Landgraf I-Statue ausgezeichnet worden.  Jetzt erhielt er aus den Händen des ersten Vorsitzenden Thies Beuck die Georg-Ahsbahs-Medaille. Diese Medaille soll an den Mann erinnern, der unter anderem als Verfasser des ersten Holsteiner Gestütsbuchs als Symbolfigur für die Begründung der planmäßigen Holsteiner Pferdezucht gilt. Im Ranking der WBFSH (World Breeding Federation for Sport Horses) wird Günter Schüder als erfolgreichster Züchter weltweit geführt. Das hat er dem Casall-Sohn Chesall Zimequest zu verdanken, der unter dem Franzosen Simon Delestre die meisten Punkte in den weltweit ausgetragenen Ranglistenspringen gesammelt hat. Unter anderem gehen Platzierungen in diversen Global Champions Tour-Springen und Siege in den Großen Preisen von Valencia und Knokke auf das Konto des Paares. Dank eines weiteren Erfolgspferdes, der von Ludger Beerbaum gerittenen Chiara v. Contender, liegt Günter Schüder hinter den Züchtern von Cornado NRW und der beiden Holsteiner Casello v. Casall und Cool and Easy v. Contender (Ernst Borßim, Wattbek), in der bundesweiten Rangliste auf Platz vier. In diese Wertung fließen die Erfolge von Chesall Zimequest nicht mit ein, da er von einem Ausländer geritten wird.


Günter Schüder hat sich zudem stets mit in die Verbandsarbeit eingebracht. Als Mitglied der Stuteneintragungs- und Fohlenprämierungskommission war sein kompetentes Urteil gefragt und von allen Züchtern anerkannt.

Bild: Bild Ahsbahs No. 1

Er hat die Goldene Ehrennadel des Verbandes, angeheftet von Thies Beuck, mehr als verdient: Hans-Joachim Ahsbahs, der zum letzten Mal in Neumünster in der Körkomission wirkte (Foto: Janne Bugtrup)

Goldene Ehrennadel des Verbandes - Hans-Joachim Ahsbahs

Für Hans-Joachim Ahsbahs hieß es, Abschied vom Körplatz Neumünster zu nehmen. 27 Jahre gehörte er der Holsteiner Körkommission an, 19 Jahre davon als Vorsitzender. Laut Satzung muss Hans-Joachim Ahsbahs im kommenden Jahr aus dem Amt ausscheiden.  Hans-Joachim „Jochen“ Ahsbahs gilt nicht nur als Nachfahre des Verbandsgründers Georg Ahsbahs als einer der profundesten Kenner der Holsteiner Zucht. Als Zuchtrichter ist er international gefragt: Jochen Ahsbahs hat unter anderem das Europachampionat der Stuten in Brüssel und das Deutsche Fohlen- und Stutenchampionat in Lienen gerichtet, darüber hinaus ist sein Urteil bei Stuten- und Fohlenschauen aller deutschen Zuchtverbände stets geschätzt. Beim Holsteiner Verband ist Jochen Ahsbahs Mitglied der Stuteneintragungs- und Fohlenprämierungskommission. Von seinem großen Erfahrungsschatz profitieren die Holsteiner Züchter, aber auch die Verantwortlichen für die Vermarktung bei der Auswahl der Fohlen für die Fohlenauktionen in Elmshorn und Behrendorf. 

Auch als Züchter hat sich Jochen Ahsbahs einen international anerkannten Namen gemacht. Genannt seien hier nur die in Bokel geborenen gekörten Hengste Montevideo v. Marlon xx, unter Uwe Sauer Olympiateilnehmer 1984 in Los Angeles, Quintero v. Quantum, unter Rolf-Göran Bengtsson, Sieger in Großen Preisen und Weltcupspringen, sowie Zeremonie v. Cero, die unter der Amerikanerin Laura Kraut Reservepferd der amerikanischen Springreiter für die Olympischen Spiele in Rio war. Für seine Verdienste zeichnete Thies Beuck Hans-Joachim Ahsbahs mit der Goldenen Ehrennadel des Verbandes aus.

Bild: Foto Ragna Mann No. 1

Ragna Mann (Foto: Tierfotografie Huber)

Ragna Mann strahlt über Gold bei den Jungen Reitern/U 25

Ein Leckerbissen für die Zuschauer war die Junge Reiter/U 25 Dressurtour des Landesturniers. Während Caroline Wilm nach dem Gewinn der ersten Qualifikation auf Elfado (Prix St. Georges) zu den weiteren Prüfungen der Meistertour nicht mehr antreten konnte, zeichneten sich die erst 19jährige Franziska Schwiebert auf ihrem bewährten Fürst Rohan, sowie die 20jähr. Ragna Mann auf der Trakehner Stute Indian Queen als Favoriten für den Titel ab. Franziska, die bei den deutschen Meisterschaften mit ihrem zweiten Championatspferd einen tollen vierten Platz erreichte, musste in Segeberg Ragna Mann den Vortritt lassen und erhielt die Silbermedaille. Bronze ging dieses Jahr an die langjährige Landesmeisterin der JR, die inzwischen 22jähr. Ninja Rathjens und ihren Renoir. Souveräne Trägerin der Meisterschärpe wurde Ragna Mann. Die Musterschülerin von Dierk Groth gewann ihren ersten Landesmeistertitel verdient, denn selten sah man ein Pferd so losgelassen während der Prüfungen im Viereck agieren, wie die von Ragna fein gerittene Indian Queen. Als junges Mädchen hat sie Ponys von Angelika Jahr geritten und freut sich immer noch darüber, dass diese ihr die Trakehner Stute seit 4 Jahren zur Verfügung stellt. „Alles, was wir können, haben wir zusammen gelernt“, berichtet Ragna „und ich hoffe, dass wir noch bis zum Grand Prix kommen. Es ist so schön, eine Pferdebesitzerin zu haben, die einem vertraut und keinen Druck aufbaut“. Nach dem Abitur im letzten Jahr hat Ragna sich ein Jahr auf das Reiten konzentriert. „Beruflich plane ich aber einen anderen Weg“, erzählt sie, während ihre Mutter zustimmend nickt: „ Ich will Wirtschaftsingenieurswissenschaften in Wedel studieren“. Beste Voraussetzungen für die im westlichen Hamburger Umland lebende frischgebackene Landesmeisterin, um Studium und Reiten unter einen Hut bringen zu können.

Bild: Bild Schade No. 1

Wolfgang Schade (Foto: Tierfotografie Huber)

Wolfgang Schade und Dressman holen drittes Gold bei den Senioren

Es ist schon etliche Jahre her, da habe ich Wolfgang Schade, damals noch verantwortlicher Dressurausbilder im Hengststall des Holsteiner Zuchtverbandes, schlecht gelaunt erlebt. Da haderte er mit sich und der Welt, weil er auf einem Turnier an einem Tag viermal erste Reserve wurde. In Segeberg hingegen war er äußerst aufgekratzt und gewohnt guter Dinge: Zum dritten Mal hintereinander gewann er die Große Tour in der Dressur und wurde Landesmeister mit Dressman, einem Pferd dessen Stärken im Piaffe und Passage-Bereich liegen – da kann ihm keiner so schnell das Wasser reichen. Außer vielleicht Capri, das sensationell piaffierende ehemalig Springpferd von Klaus Thormälen, das seinen Reiter vor Jahren auch schon einmal zum Landestitel führte. Aber die Konkurrenz ist größer geworden seit die Meisterschaft nicht mehr getrennt für Damen und Herren ausgerichtet wird. Einen nervenstarken Reiter wie Schade stört Konkurrenz nicht, auch, wenn sich in der ersten Qualifikationsprüfung, einem S*** Kurz-Grand Prix, sein Sportkumpel überraschend guckig erwies, so dass Martin Christensen mit dem noch jungen Bacchus von Worrenberg bei dessen ersten Start in einem Grand Prix  zunächst die Führung übernahm. Bei der zweiten Qualifikation, einem Grand Prix, stellte Schade die „gewohnte“ Ordnung der letzten Jahre wieder her: Alle Richter sahen ihn auf Platz 1 vor Martin Christensen auf Bacchus von Worrenberg und Roland Metzler auf dem erfahrenen Dante. Diese Rangierung wurde in der dritten Quali, einer Grand Prix Kür vom Richtergremium bestätigt. Die Medaillen gingen in diesem Jahr damit an drei Herren, die die Dressurszene im echten Norden seit Jahren bereichern. Danach reihten sich auf den Plätzen vier bis sieben die Damen ein, starke jüngere Reiterinnen: Joanna Stut-Boer, ihre „kleine“ Schwester Paula de Boer und Friederike Hahn. Die Jungen greifen also an. Deshalb lachte Schade auch verschmitzt, weil er in der Kleinen Tour seinen vierbeinigen Dressurnachwuchs in Lauerstellung positionierte. Er gewann diese mit dem 10jähr. Bayern Amore San Remo. Die Zukunft der schweren Dressur im Lande ist also gesichert – bei den Zwei- und den Vierbeinern.

Bild: Foto Jensen No. 1

Emilia Jensen (Tierfotografie Huber)

Emilia Jensen, die neue Landesmeisterin in der Dressur der Junioren

Was für eine rasante Siegerrunde auf dem großen Segeberger Springplatz. Emilia Josephina Jansen und ihr Sportpartner Resümee konnten gar nicht schnell genug an den Ehrentribünen Fahrt aufnehmen für eine spektakuläre Ehrenrunde. Die Jugend traut sich eben was! Dieses Jahr gab es erfreulich viele neue Gesichter in der Tourt der Junioren, die mit 15 StarterInnen (darunter ein mutiger junger Mann, Lennart Steindl) ansprechend besetzt war. Emilia Jensen war nicht nur die Schnellste, sondern auch die Beste und gewann alle drei Qualifikationsprüfungen für die Landesmeisterschaft. Die großgewachsene 15jährige profitierte davon, dass ihre ältere Schwester eine reiterliche Auszeit in diesem Jahr nahm, um sich auf das Abitur vorzubereiten. So konnte sie den Fuchs ihrer Schwester sowohl bei den deutschen Jugendmeisterschaften vorstellen („da waren wir mittelmäßig“ merkt die junge Dame selbstkritisch an) als auch bei den Landesmeisterschaften. Natürlich fieberten nach erfolgreicher Abiprüfung Schwester und Mutter am Dressurviereck mit. Dass es für Resümee und Emilia so erfolgreich laufen würde, war eine kleine Überraschung. Insbesondere die Kür, die Emilia mit 75,08% souverän vor der Vize-meisterin Vivien Koecher auf Reiner Freude und der Drittplatzierten Antonia Heidorn auf Opgardens Sandman gewann, ließen ihr Talent für den Dressursport aufblitzen. Talent und Nervenstärke  - eine super Kombi für sportlichen Erfolg. Darf sie denn nach dem Erfolg Resümee weiter reiten? „Da haben wir noch gar nicht drüber gesprochen, ich glaube, da muss ich noch mit meiner Schwester verhandeln“. Drücken wir Emilia und Resümee die Daumen für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit – die beiden können nicht nur „schnell“, sondern auch ausdrucksvolle Versammlung!

Bild: Bild Teike No. 1

Teike Carstensen (Foto: Tierfotografie Huber)

Teike Carstensen: der erste Landesmeistertitel

Die 18-jährige Teike Carstensen strahlte in Bad Segeberg um die Wette und freute sich über den Gewinn ihres ersten Landesmeistertitels bei den Junioren. „Ich bin viel Ehrgeiz gestartet und es fing ja auch gut an“, so die erfolgreiche Reiterin. Und es ging gut weiter: Nicht einen Fehler ließ sich Teike Carstensen zuschulden kommen und blieb auch in der Final-Wertung, einer Springprüfung der Klasse S* mit Stechen, fehlerfrei und schnell. Ihre sportliche Partnerin im Sattel war Zürich, neunjährige Holsteiner Stute v. Carentino/Quinar, als Züchterin der Athletin zeichnet Oma Margit Petersen verantwortlich. Denn Teike wurde, wie ihre jüngeren Geschwister Beeke, die bei den Landesmeisterschaften Platz vier belegte, und Tjade, in eine hocherfolgreiche Holsteiner Züchterfamilie geboren. Ihre Eltern, Jörg und Yvonne, beide für ihre Leistungen im Viereck und Parcours bis zur schweren Klasse mit goldenen Schleifen dekoriert, betreiben gemeinsam mit den Großeltern Margit und Thomas Petersen die weit über Schleswig-Holsteins Grenzen hinaus bekannte Hengststation Sollwitt in Sollwittfeld. Erfolgreiches Reiten ist deshalb noch keine Selbstverständlichkeit, aber die Kinder Carstensen stehen in den Ergebnislisten häufig vorne. So nahm Teike 2012 an der Deutschen Meisterschaft teil, fuhr zur Europameisterschaft nach Österreich und belegte mit der deutschen Mannschaft den vierten Platz. 2014 gewann sie Silber bei den Deutschen Jugendmeisterschaften und bei den Europameisterschaften in Italien Bronze im Team. Im Braunschweig wurde sie zur Bundesnachwuchs-Championesse gekürt und holte 2015 Silber beim „Goldenen Sattel“ in Leipzig. Für die zahlreichen herausragenden Triumphe im Parcours wurde Teike Carstensen in diesem Jahr bei der Hengstpräsentation des Holsteiner Verbandes in Neumünster das Goldene Reiterabzeichen verliehen. Die Ausbildung von Zürich hat sie sich zunächst mit ihrem Vater geteilt, ehe sie die Stute sechsjährig ganz in ihren Beritt übernahm. „Zürich hat am Anfang etwas länger gebraucht, aber mittlerweile fühlt sie sich sehr sicher an“, urteilt die Reiterin, „und sie will immer alles richtig machen.“ Ihren Saisonabschluss wird Teike bei der Baltic Horse Show in Kiel feiern, wo sie zum ersten Mal in der Großen Tour an den Start gehen darf. „Und dann muss ich mich auf die Schule konzentrieren. Das Abi steht an.“

Bild: Bild Beritt Naeve No. 1

Beritt Naeve (Foto: Tierfotografie Huber)

Beritt Naeve: mit dem Quäntchen Glück zu Gold

Die Landesmeisterschaften der Springreiterinnen avancierte in Bad Segeberg zu einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Hongkong-Chinesin Raena Leung und Beritt Naeve mit Wyoming, was letztere im entscheidenden Stechen mit einem Wimpernschlag Vorsprung gewann.  „Ich hatte ein gutes Gefühl, als wir am Schluss nochmal doppel-null geblieben sind das nötige Quäntchen Glück auf meiner Seite“, lachte die Goldmedaillengewinnerin.


Beritt in Naeve wurde  im niedersächsischen Northeim in eine Reiterfamilie geboren. „Ich saß schon im Sattel, da konnte ich noch nicht mal laufen.“ Bei einem der zahlreiche Jugendlehrgänge lernte sie ihren späteren Ehemann Volkert Naeve kennen, bei einem Turnier ein paar Jahre später hat es gefunkt und Beritt Naeve zog im Jahr 2000 nach Schleswig-Holstein. Gemeinsam betreibt das Paar den Stall Naeve in Breiholz. Die wunderschöne Anlage liegt direkt am Nord-Ostsee-Kanal und bietet mit einer Reithalle, Sand- und Grasplatz, großzügigen Boxen, Solarium, Paddocks und Weiden idealen Bedingungen für Pferde und Reiter. 15 Reitpferde sind in Breiholz zuhause, großer Wert wird auf eine fundierte dressurmäßige Grundausbildung gelegt. Jedes Pferd wird individuell gefördert und auf Turnieren vorgestellt. Die Holsteiner Stute Wyoming v. Cartani/Roman kam vierjährig auf die Anlage des Springreiter-Ehepaares und steht im gemeinsamen Besitz von Naeves und Züchter Karl-Ernst Kruse-Soenke aus Kollmar. „Zunächst habe ich sie ausgebildet und dann haben mein Mann und mein Schwager die Stute geritten“, erzählt die neue Landesmeisterin. „Vor einiger Zeit hatte sie sich an der Schulter verletzt und stand lange auf der Koppel. Jetzt ist sie aber wieder topfit und ich dachte: Mit Wyoming kannst Du die Meisterschaften angehen.“ Die braune Stute habe eine „elf“ im Charakter, enormes Vermögen und würde ihren Reiter nie im Stich lassen. Bei diesen Attributen wundert es nicht, dass sie das einzige Pferd ist, das Beritt Naeve im Moment im Beritt hat. Dafür gibt es aber noch weitere Gründe: Da sind zum einen die beiden Kinder Josch und Lissa und außerdem das von ihr gegründete Unternehmen Equi-tack, mit dem sie hochwertige Produkte, wie Sättel, Trensen und weiteres Zubehör vertreibt.

Bild: Bild Evi Bengtsson No. 1

Evi Bengtsson (Foto: Tierfotografie Huber)

Evi Bengtsson: mit der Top-Stute zur Titelverteidigung

Den Titel in der Landesmeisterschaft der Springreiter zu verteidigen, das ist noch nicht vielen Athleten gelungen: Karsten Huck, Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele 1988, sprang 1977 und 1978 sowie 1982 und 1983 in Bad Segeberg zu Gold. Dazwischen, 1979 und 1980, gewann Werner Peters zwei Mal in Folge. Aber das war es dann auch, was die Titelverteidigung anbelangt. Bis 2016: Da trat Evi Bengtsson aus Itzehoe mit ihrer Stute La Pasion de Caballo Ulika an – 2015 hatten sie nicht nur bei den Deutschen Meisterschaften, sondern auch bei den Landesmeisterschaften der Springreiter triumphiert. Die 39-Jährige und ihre Holsteiner Stute v. Colman/Contender aus der Zucht von Peter Kröger, Elpersbüttel, lieferten drei souveräne Runden ab und setzten sich auch im Stechen des Großen Preises von Schleswig-Holstein, eine Springprüfung der Klasse S***, gegen die überwiegend männliche Konkurrenz an die Spitze. „Ich bin ohne Erwartungen angereist“, freute sich die neue Landesmeisterin. „Das gab es bislang ja noch nicht so oft. Umso mehr freue ich mich, dass es zum zweiten Mal geklappt hat.“ Evi Bengtsson, Ehefrau vom schwedischen Weltklassereiter Rolf-Göran Bengtsson, betreibt ihre Anlage vor den Tore Itzehoes. Hier stehen circa 40 Sportler – eigene, Pensions- und Berittpferde. Zwei Pfleger und zwei Bereiter unterstützen die  Chefin in ihrer Arbeit, Evi Bengtsson reitet sechs bis sieben Pferde am Tag, hinzukommen Training, Handel, Büroarbeit und nicht zu vergessen die gemeinsame Tochter des Paares:  die zweijährige Pamina Caroline.


Stute La Pasion de Caballo Ulika ist mittlerweile zwölfjährig, im Stall von Evi Bengtsson ist sie, seitdem sie vier Jahre alt ist. Zunächst erwarb sie die erste Hälfte am Besitz der schwarzbraunen Athletin, kurz danach folgte die zweite. „Sie hat ein Riesenherz, großes Vermögen und versucht, aus jeder Situation das Beste herauszuholen“, schwärmt Evi Bengtsson von der Colman-Tochter. „Und sie setzt eins zu eins das um, was ich von oben vorgegebe. Deshalb weiß ich auch, dass ich eine große Verantwortung trage. Passiert ein Fehler, ist es meistens meiner.“La Pasion de Caballo Ulika sei im Interieur „sehr lieb, aber auch extrem selbstbewusst“. Nach ihrer sportlichen Karriere ist ein Einsatz in der Zucht geplant.
Die Saison 2016 geht für das erfolgreiche Duo in Kiel, Odense und Schweden zu Ende. „Und außerdem hoffe ich auf eine Startgenehmigung für Stuttgart.“ Wir drücken den beiden die Daumen!

Bild: Bild Sven Gero-Hünicke No. 1

Sven-Gero Hünicke (Foto: Tierfotografie Huber)

Sven-Gero Hünicke: der Seriensieger aus Fehmarn

„Wenn’s läuft, dann läuft’s!“ Und einen Lauf hat der 19-jährige Sven-Gero Hünicke im Moment auf jeden Fall: Erst sprang der Junge Reiter bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Riesenbeck von wenigen Monaten mit seiner Hannoveraner Stute Sunshine Brown souverän zu Gold – ohne sich einen Fehler zu schulden kommen zu lassen. Und dann trat das Paar beim Landesturnier in Bad Segeberg an und sicherte sich fast spielerisch den nächsten Titel: Landesmeister der Jungen Reiter. „Mir ist bewusst, dass diese Erfolgsserie irgendwann mal enden wird, und eigentlich dachten wir, dass das beim Landesturnier passiert. Umso stolzer bin ich auf Sunshine Brown. Wir haben jetzt acht schwere Springen auf hohem Niveau in Folge gewonnen. Das ist toll“, freute sich der sympathische Sieger, der im Übrigen im vergangenen Jahr in Bad Segeberg mit seiner Top-Stute ebenfalls Gold gewonnen hatte, damals noch in der Altersklasse der Junioren.


Sven-Gero Hünicke stammt nicht aus einer klassischen Reiterfamilie, kommt aber aus Fehmarn und hatte vor zehn Jahren zum Spaß an einem Ferienlehrgang auf dem Reiterhof Witt teilgenommen. Die Begeisterung für Reitsport war bei dem jungen Talent geweckt und Sven-Gero Hünicke blieb bei Familie Witt. Senior-Chef Klaus Witt war es auch, der Hünickes sportliche Partnerin vor fünf Jahren entdeckte: Sunshine Brown v. Samarant gehörte zum Bestand einer Zwangsversteigerung. Seither reitet Sven-Gero Hünicke die Stute, sie wuchsen sie zu einer Einheit zusammen und erklommen gemeinsam den Weg in die schwere Klasse. „Sunshine Brown ist Familienmitglied und meine absolute Nummer eins. Ich bin der einzige, der sie reitet und pflegt. Wenn es ihr gut geht, geht es mir auch gut“, schwärmt der junge Reiter von seiner zehnjährigen Hannoveraner Partnerin.
Vor wenigen Monaten hat Sven-Gero Hünicke im Stall von Andreas Witt in Burg auf Fehmarn seine Bereiter-Ausbildung begonnen. „Witts sind für mich zu einer zweiten Familie geworden und die Arbeit mit den Pferden macht mit einfach unheimlich viel Spaß.“ Vier Pferde reitet er am Tag, wird dabei von Dorothee Prange, der Schwester von Andreas Witt, unterstützt. Seine Saison wird er mit Sunshine Brown in Warstein beenden und die Ziele für das nächste Jahr sind gesetzt: „Ich möchte auf jeden Fall wieder an den Jugendmeisterschaften und den Landesmeisterschaften teilnehmen und vielleicht ist ja auch der Start bei den Europameisterschaften drin.“ Bei dem Lauf von Sven-Gero Hünicke nicht ganz unwahrscheinlich.

Bild: Bild Staack No. 1

Goldenes Reitabzeichen für Frederike Staack (Foto: Stefan Lafrentz)

Goldenes Reitabzeichen für Frederike Staack

Peggy hieß das erste Pony, das Frederike Staack aus Lasbek mit sechs Jahren von ihren Großeltern geschenkt bekam. Damit durfte sie endlich an Führzügelwettbewerben teilnehmen. Mit zwölf Jahren bestritt sie mit dem Holsteiner Calippo-Star v. Cambridge-Acord II (Heiko Witten, Lasbek) ihre ersten M-Springen. Und nicht nur Landestrainer Detlef Peper fiel ihr Talent im Parcours auf, sondern auch dem Bundestrainer, der sie 2010 mit zur Europameisterschaft der Children nach Jardy in Frankreich nahm. „Mit meinen 13 Jahren war ich mit der Finalteilnahme und einem vierten Platz mit der Mannschaft schon echt stolz“, blickt die Reiterin zurück. Schon ein Jahr später stand das nächste Championat an: Mit Coolman H gewann sie gemeinsam mit der deutschen Equipe die Silbermedaille bei der EM in Comporta. „Da Coolman mich sicher und erfolgreich durch jedes Children-Springen brachte, wurde mein Ehrgeiz noch weiter geweckt, und ich wollte immer besser reiten und höher springen.“


15-jährig bestritt Frederike Staack ihr erstes S-Springen, und weitere Erfolge in dieser Klasse ließen nicht lange auf sich warten. Und dann traten die beiden vierbeinigen Sportler Goshwak und Caitoki v. Catoki-Calando I (Kai Gerken, Lasbek) in ihr Leben: Mit Goshawk gelang ihr der erste Sieg in einem Nationenpreis in Belgien, und sie gewann ein Springen bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in München. Ebenfalls gefeiertes Highlight ihrer noch jungen Karriere: der erste Platz im Großen Preis von Lamprechtshausen in Österreich mit Caitoki. Eine weitere Teilnahme an einer Europameisterschaft in Vejer de la Frontera folgte. 2014 wurde sie vom Bundestrainer Markus Merschformann für den Goldenen Sattel nominiert, einer Prüfung, bei der vier nominierte Junioren und Junge Reiter um höchste Ehren in einem Parcours mit Pferdewechsel reiten dürfen. Frederike Staack entschied diese bedeutende Herausforderung für sich. „Mein größtes Ziel all die Jahre war der Sieg beim Preis der Besten in Warendorf“, erklärte die engagierte die Sportlerin. „Zwei Mal wurde ich Dritte und im vergangenen Jahr war es dann soweit: Caitoki schenkte mir diesen unglaublichen Sieg.“ Erfolgreich ging das Jahr weiter: Sie wurde Vierte im Großen Preis des CSI*** in Lastrup und freute sich zum ersten Mal über Weltranglistenpunkte. Außerdem schloss die 18-Jährige den Großen Preis der Junioren in Warstein mit dem zweiten Rang ab, wurde Vize-Landesmeisterin und startete bei der Baltic Horse Show in Kiel in ihrem ersten internationalen 1,55 m-Springen. Die sympathische Reiterin fasst zusammen: „Das Schönste an all dem ist, dass meine Familie mich so unterstützt und mit mir alle Höhen und Tiefen erlebt.“ Und ihr größtes Ziel hat sie auch vor Augen: Einmal Weltcup zu reiten!

Bild: Bild Carstensen No. 1

Teike Carstensen (Foto: Janne Bugtrup)

Teike Carstensen

„Das war schon toll, dass das bei der Hengstvorführung in Neumünster geklappt hat“, freute sich Teike Carstensen nach der Verleihung des Goldenen Reitabzeichens.
Es war ihr ganz großer Wunsch, diese besondere Auszeichnung auf einer Zuchtveranstaltung des Holsteiner Verbandes entgegenzunehmen. Das spiegelt die Verbundenheit wider, die die Familie Carstensen mit den Holsteiner Züchtern hat. Der Großvater, Thomas Petersen, ist einer der anerkanntesten Hengstaufzüchter im Land, die Eltern, Yvonne und Jörg, sind beide im Springsattel erfolgreich bis zur Klasse S unterwegs. Jörg Carstensen schwingt sich auch gerne, wenn er das passende Pferd hat, in den Dressursattel. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Kinder Teike und ihre jüngeren Geschwister Beeke und Tjade die Passion für Pferde und den Springsport geerbt haben.


Teikes Erfolgskarriere ist eng mit Holsteiner Pferden verbunden. Ihre ersten Parcourserfolge erzielte sie jedoch mit ihren (Holsteiner) Ponys Tara und Cleopatra. Was dann folgte, war, so Landestrainer Detlef Peper in seiner Laudatio, eine Bilderbuchkarriere.


Mit ihrem Umsteigerpferd Cara Mia stellten sich erste internationale Erfolge ein. „Ich glaube, der geballte Pferdesachverstand der Station Sollwittfeld hat nicht damit gerechnet, dass Cara Mia einmal Teikes internationale Karriere ermöglichen würde“, denn die Colman-Barnaul xx-Tochter aus der Zucht von Jens Thomsen, Olderup, ist, so Landestrainer Detlef Peper, „eigentlich ein großes Pony“. Mit ihr gewann sie ihr erstes S-Springen: Da war Teike gerade einmal 15 Jahre alt, mit ihr nahm sie das erste Mal an Europameisterschaften-Children (Platz vier mit der Mannschaft, Rang 15 in der Einzelwertung) teil. Ein weiteres Erfolgspferd von Teike ist Zürich. Mit der von ihrer Großmutter Margit Petersen gezogenen Caretino-Quinar-Tochter gewann sie u. a. in Braunschweig das renommierte Hans-Günter-Winkler-Nachwuchschampionat, Mannschaftsbronze bei den Europameisterschaften und Silber bei den Deutschen Meisterschaften. Und Teike Carstensen kann sich auch bei den Profis behaupten: Mit Clide v. Cassini I-Cash and Carry, der aus elterlicher Zucht stammt, holte sie 2014 in Warendorf die Silbermedaille beim Bundes¬championat der fünfjährigen Springpferde, mit Zürich konnte sie sich unlängst in der internationalen Tour bei den VC Classics platzieren.

Bild: Bild Alonso No. 1

Guillermo Gonzalez-Alonso (Foto: Stefan Lafrentz)

Goldenes Reitabzeichen für Guillermo Gonzalez-Alonso

Dieser Mann ist ein wahres Naturtalent, denn klassischen Reitunterricht hat der Spanier nie gehabt. Mit zwölf Jahren schwang er sich beim Nachbarn auf ein Pferd auf der Weide, und die Leidenschaft war entfacht. „Später ritt ich dann in einem spanischen Reitstall“, so der Springreiter. Mit 20 Jahren bestritt er sein erstes Turnier und freute sich gleich in einem L-Springen über einen dritten Platz mit Vollblutstute Athina. Und bei diesem Erfolg sollte es nicht bleiben: Nur einen Monat später sprang er bereits über 1,40 Meter hohe Abmessungen.

Doch Reiten war eben nur ein Hobby, und so absolvierte Guillermo Gonzalez-Alonso erfolgreich ein Studium der Elektrotechnik. 2007 war der Drang nach Pferden, dem Reitsport und danach, sich weiterzubilden bei dem damals 24-Jährigen so stark, dass er zu Francois Mathy nach Belgien ging und nur zwei Jahre später nach Schleswig-Holstein kam. Im Stall Tjeert Rijkens in Elmshorn wollte er eigentlich nur zwei Monate bleiben. Es wurden knapp drei Jahre. In dieser Zeit ritt er seine ersten S-Springen und nahm erfolgreich am Deutschen Spring-Derby in Hamburg Klein Flottbek teil. Auf Wunsch seiner Eltern kehrte der sympathische Springreiter nach diesem sportlichen Karriere-Höhepunkt nach Spanien zurück, um im Elektrogeschäft seines Vaters zu arbeiten. Aber die Reitsport-Passion blieb – 2014 kehrte er nach Deutschland zurück. Tjeert Rijkens verschaffte ihm eine Anstellung auf dem Erdbeerhof Glantz bei Wulf-Hinrich Hamann. Anfang 2015 wechselte Guillermo Gonzalez-Alonso wieder in den Stall Rijkens. „Man kann ihn echt gut gebrauchen“, urteilt der Chef über seinen Bereiter. Mit dem Goldenen Reiterabzeichen ausgezeichnet zu werden, war schon lange das Ziel des Spaniers.

Zahlreiche S*-Springen hat er gewonnen, aber das für die besondere Auszeichnung erforderliche S**-Springen ließ auf sich warten. Und dann – endlich ein Doppelerfolg: Mit Quitana gewann er den Erdbeercup in Delingsdorf und nur eine Woche später den Großen Preis von Schenefeld.

 

Bild: Bld Bredemeier No. 1

Ants Bredemeier und Dieter Medow (Foto: Stefan Lafrentz)

Ants Bredemeier

Ants Bredemeier wurde 1972 in Wismar geboren, und Reitsport ihm in die Wiege gelegt: Sein Vater ist Pferdewirtschaftsmeister und so wollte auch der junge Ants früh aufs Pferd – im Viereck und Parcours. 1991 wechselte der 19-Jährige nach Schwarzenbek in den Stall Hubertus und trat bei Dieter Bruhn seine Bereiterlehre an. Drei Jahre später bestand er seine Ausbildung und wurde mit der Stensbeck-Plakette ausgezeichnet. In den folgenden Jahren sammelte er im Stall Hubertus weitere Erfahrungen, triumphierte in der Dressur bis zur Grand Prix-Klasse und stand ebenfalls in S-Prüfungen im Springen vorne. 1999 legte Ants Bredemeier seine Pferdewirtschaftsmeisterprüfung erfolgreich mit Auszeichnung ab. Nach elf lehrreichen Jahren wechselte der Reiter vom Stall Hubertus zum Grönwohldhof, verfeinerte sein Können und Wissen bei Karin Rehbein und Rainhard Nielsen und bildete zehn Jahre die dortigen Pferde bis zur Grand Prix-Klasse aus. Nach dem Verkauf des Grönwohldhofes machte sich der Profi schließlich 2013 mit einem eigenen Ausbildungsstall, dem „Hof Hoisdorf“, auf der Anlage von Harald Cornelissen selbstständig. Zwölf bis 14 Pferde finden sich zurzeit in seinem Beritt.

Fachmännische Unterstützung erhält er von seiner Ehefrau Beata Hamilton-Bredemeier, ausgebildete Bereiterin FN und siegreich in Dressur bis zur Klasse S, sowie Sarah Wilke, ebenfalls ausgebildete FN-Bereiterin. Seine Ausbildungsphilosophie beschreibt Ants Bredemeier so: „Harmonie entsteht nicht durch Gleichheit, sondern durch die perfekte Ergänzung. Das Training von Pferd und Reiter ist meine große Leidenschaft. Mein Ziel ist es, eine perfekte Ergänzung in diesem Zweiergespann zu gestalten. Ein harmonisches Team, das viel Freude und Energie am umfangreichen Reitsport entwickelt.“


Zu den größten Erfolgen des Reiters zählt die Qualifikation des gekörten Fürst Donnerhall v. Florestan I zum Finale des Louisdor-Preises in Frankfurt 2013, 2014 avancierte er mit der Hannoveraner Stute Deliciosa v. De Niro zum Vize-Champion beim Norddeutschen Berufsreiterchampionat und im vergangenen Jahr wurde er mit dem elfjährigen Hengst Fairytale als Vize-Landesmeister von Schleswig-Holstein und Hamburg in Bad Segeberg auf der Ehrenrunde gefeiert.