(Hamburg) Auf einer gut besuchten Reitanlage am Stadtrand von Hamburg sorgte in der vergangenen Woche eine neue Turnierregel für hitzige Diskussionen unter Reitern, Trainern und Richtern.
Alles begann mit einem unscheinbaren Aushang am Schwarzen Brett. Darauf zu lesen: „Ab sofort wird in allen Dressurprüfungen der Klasse A bis M zusätzlich die "emotionale Harmonie zwischen Reiter und Pferd" bewertet. Sichtbare gute Laune des Pferdes führe zu einer Bonusnote von 0,5 Punkten. Zunächst wurde die Nachricht belächelt. Doch als beim nächsten Vereinsturnier tatsächlich ein Richter mit einem zusätzlichen Bewertungsbogen erschien, wurde es ernst. „Wir achten heute verstärkt auf positive Ausstrahlung beim Pferd“, erklärte er. „Lockerheit kennen wir ja – jetzt geht es auch um Freude.“ Was folgte, war ein Anblick, den die Turnierbesucher so noch nicht erlebt hatten: Reiter lächelten übertrieben in die Spiegel an der Bande, sprachen leise auf ihre Pferde ein und lobten gefühlt alle drei Sekunden. Eine Teilnehmerin ritt ihre gesamte Aufgabe mit einem Dauergrinsen, während sie ihrem Wallach bei jedem gelungenen Übergang zuflüsterte: „Du bist der Beste!“
Die Pferde reagierten unterschiedlich. Einige wirkten tatsächlich gelöst und zufrieden. Andere hingegen schienen eher irritiert über die plötzliche Dauerkommunikation ihrer Reiter. Ein Holsteiner Schimmelwallach soll Berichten zufolge mitten in der Prüfung stehen geblieben sein und seinen Reiter mit einem Blick angesehen haben, der eindeutig sagte: „Was ist heute eigentlich los mit dir?“
Am Ende des Tages gewann überraschend eine Reiterin, deren achtjährige Trakehner Stute während der gesamten Prüfung auffällig entspannt wirkte – mit locker pendelndem Schweif und gespitzten Ohren. Die Kommentierung der Richterin sorgte später für Gesprächsstoff: „Sehr harmonisches Gesamtbild. Das Pferd wirkte zufrieden. Das war heute mitentscheidend.“
Erst zwei Tage später stellte sich heraus: Die „neue Regel“ stammte nicht von einem Verband, sondern von einer Gruppe Auszubildender des Stalls, die sich einen Aprilscherz erlaubt hatten. Der zusätzliche Bewertungsbogen? Selbst gestaltet. Der Richter? Eingeweiht. Die Reaktionen waren gemischt – von erleichtertem Lachen bis hin zu nachdenklichem Schweigen. Denn auch wenn die Regel nicht echt war, blieb eine Frage im Raum: Warum wirkte manches Pferd an diesem Tag tatsächlich zufriedener als sonst? Und vielleicht, so meinte eine Zuschauerin beim Verlassen der Anlage, war es gar nicht die schlechteste Idee gewesen, zumindest für einen Tag ein kleines bisschen mehr Wert auf das zu legen, was im Reitsport oft schwer messbar ist.
Einen augenzwinkernden 1. April wünscht das PFERD+SPORT Team!