Weltcup-Finale Dortmund – Im Portrait: Viktor Brüsewitz

Er ist erstmals seit drei Jahren wieder mit von der Partie – und er freut sich auf ein packendes Herren-Finale: Viktor Brüsewitz. 28 Jahre alt. Wohnhaft in Wulfsen bei Hamburg. Querdenker. Kreativkopf. Ninja-Warrior. Ein wenig ist der 1,88-Meter-Mann auch der „Bad Boy“ der Voltigierszene – im positiven Sinne. Nicht immer angepasst, nicht immer Mainstream. Aber mit Charakter. Und mit unglaublich vielen Ideen. Viktor Brüsewitz ist zweifelsohne der Kopf der „Brüsewitz-Brüder“.


Die Laufbahn des derzeitigen Weltranglisten-Vierten begann eher zufällig: Bei einer Ferienpass-Aktion schickte Mama Brüsewitz ihre Söhne Thomas und Viktor einst zum Voltigieren in den Verein Pegasus Garbsen. Nach dem Schnupperkurs ließen sich beide Jungs auf die Warteliste setzen – erlernten schließlich ab 1998 das Handwerk des Voltigierens – und stießen innerhalb kürzester Zeit in die nationale – später sogar internationale – Spitze vor.


Thomas Brüsewitz (in disem Jahr knapp nicht qualifiziert für das Finale in Dortmund) war mehrfacher Junioren-Europameister. Auch sein älterer Bruder Viktor sammelte zahlreiche hochrangige Erfolge. 2006 wechselte der Student des Holzbauingenieurswesen zum Verein Rittergut Habighorst sowie Meistertrainer Lars Hansen. Dort voltigierte er bis 2014, ehe er nach Wulfsen zog und sich dem Reit- und Fahrverein Kirchwärder anschloss. Seit diesem Winter trainert der Bundeskader-Athlet nun beim RV Fredenbeck – und möchte sich als Mitglied des Teams aus dem Landesverband Hannover für die Weltreiterspiele in Tryon (USA/North Carolina) im September qualifizieren.


Stichwort Weltreiterspiele: In Kentucky 2010 war Brüsewitz Mitglied des qualifierten Teams aus dem bayrischen Ingelsberg um Cheftrainer Alexander Hartl, holte dort Silber. „Das war sicherlich das prägendste Erlebnis meiner Karriere“, sagt Brüsewitz. Als Einzelathlet holte er unter anderem Bronze bei der EM in Aachen 2015. Auf den großen Championaten machte er sich vor allem als extrem pflichtstarker Athlet einen Namen – gewann diese Prüfung unter anderem bei der WM 2012 und der EM 2015.


Auch bei den Weltcup-Finals hat der Nationenpreissieger des CHIO Aachen 2014 eine vorzeigbare Bilanz: In den Saisons 2010/2011 und 2011/2012 sprang jeweils Rang drei heraus. Bei seiner letzten Finalteilnahme im Jahr 2015 in Graz landete er auf Platz sechs. In den beiden Vorjahren konnte er sich nicht qualifizieren. „Ich durfte Dortmund zweimal als Zuschauer erleben und freue mich nun, endlich auch als Athlet einlaufen zu dürfen. Ich schätze vor allem das Engegament des Veranstalters, der ja 2016 spontan eingesprungen war und damit unserem Sport einen großen Dienst erwiesen hat.“
Der Dritte des Weltcup-Rankings hat große Ziele für seine vierte Final-Teilnahme, die er mit Longenführerin Gesa Bührig und dem zwölfjährigen Mecklenburger Schimmel Claus bestreiten wird. „Verlieren oder Vorletzter zu werden macht mir auf jeden Fall keinen Spaß“, sagt der Sieger des CVI Krumke 2017.


Vor allem außerhalb des Voltigier-Zirkels machte Brüsewitz zuletzt auf sich aufmerksam. Der Norddeutsche rief ein weltweites Austauschprogramm für Voltigiertrainer ins Leben, ist mit seinen „Brüsewitz-Brüdern“ mit einer eigenen Showgruppe aktiv und tritt bei Galas, Auktionen und Messen auf, war auch schon oft mit und für den Dortmunder Veranstalter Escon Marketing unterwegs. Brüsewitz: „Shows sind meine große Leidenschaft. Wir haben es geschafft, mit den Brüsewitz-Brüdern eine Marke zu etablieren. Darauf bin ich stolz.“


Auch dem Nicht-Fachpublikum dürfte Viktor Brüsewitz durchaus ein Begriff sein. In den vergangenen beiden Jahren nahm der 83-Kilo-Mann an der RTL-Show „Ninja Warrior“ teil und kam beide Male bis ins Finale. Auch bei der nächsten Ausgabe ist der Modellathlet dabei – diesmal sogar im Team mit seinem Bruder Thomas.


Das Weltcup-Finale in Dortmund 2018 bedeutet Viktor Brüsewitz „außerordentlich viel“. Für den Modellathleten sei es „das größte Turnier seit 2015“. Aus dem Grund der langen Pause von der großen Bühne sieht er sich klar in der Rolle des Außenseiters. „Niemand hat mit uns gerechnet. Ich selbst vielleicht auch nicht so sehr“, sagt Brüsewitz, der im vergangenen Jahr auch wieder einige schöne Erlebnisse im Zirkel sammelte. Sehr glücklich sei er gewesen, als sein Kumpel und Mitbewohner Jannik Heiland 2017 das Warm-Up des Weltcup-Finals in Dortmund gewann. Hervorragende Erinnerung habe er von dieser Veranataltung auch vom „tolle Essen im VIP-Bereich“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Sportlich sei für ihn vor allem sein Überraschungs-Sieg beim Weltcup im belgischen Mechelen im Dezember ein großes Highlight gewesen. Hinzu kam ein zweiter Platz in Leipzig, der ihm 28 Punkte einbrachte – ebenso viel wie Titelverteidiger Jannis Drewell aus Gütersloh und Heiland. Zum Kreis der diesjährigen Finalisten gesellen sich noch die ebenfalls hoch gehandelten Lukas Heppler aus der Schweiz und Clément Taillez aus Frankreich. Und auch der Ungar Balázs Bence ist alles andere als chancenlos. Brüsewitz, Bührig und Klaus – auf dem Papier sicher nicht die Top-Favoriten. Für eine (weitere) Überraschung aber allemal gut.

Zeitplan Weltcup-Finale Dortmund 2018

Das „FEI World Cup Vaulting Final“ in Dortmund beginnt am Donnerstag, dem 22. März 2018 mit dem Warm-up. Am Freitag (23.03.) findet der erste Durchgang aller Disziplinen statt, am Samstag (24.03.) folgen die Finalrunden der Damen und im Pas-de-Deux. Das Finale der Herren ist für Sonntag (25.03.) geplant.

Donnerstag, 22. März 2018

15.45 Uhr – FEI World Cup VaultingTM Final – Warm up – Damen
16.15 Uhr – FEI World Cup VaultingTM Final – Warm up – Herren
16.45 Uhr – FEI World Cup VaultingTM Final – Warm up – Pas-de-Deux


Freitag, 23. März 2018

19.30 Uhr – FEI World Cup VaultingTM Final – 1. Umlauf – Damen
20.00 Uhr – FEI World Cup VaultingTM Final – 1. Umlauf – Herren
20.30 Uhr – FEI World Cup VaultingTM Final – 1. Umlauf – Pas-de-Deux


Samstag, 24. März 2018

11.00 Uhr – FEI World Cup VaultingTM Final – 2. Umlauf – Damen
11.45 Uhr – FEI World Cup VaultingTM Final – 2. Umlauf – Pas-de-Deux


Sonntag, 25. März 2018

11.00 Uhr – FEI World Cup VaultingTM Final – 2. Umlauf – Herren

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