Weltcup-Finale Dortmund – Im Portrait: Kristina Boe

Auf Weltcup-Ebene dominiert bei Kristina Boe bislang die Nummer zwei. Platz zwei im Weltcup-Ranking. Rang zwei in der Weltrangliste. Jeweils die zweiten Plätze bei den Qualifikations-Turnieren in Madrid und Leipzig. Zum Abschluss jedoch konnte die Hamburgerin mit einem Sieg bei den BadenClassics in Offenburg noch einmal ein deutliches Zeichen setzen. Nicht nur aufgrund ihres Abschluss-Triumphs gilt die Athletin vom Reit- und Fahrverein Kirchwärder als eine der Favoritinnen auf den Sieg in Dortmund. Zumal die Unfall-Chirurgin, die kürzlich ihren 30. Geburtstag feierte, bereits zwei Mal dicht dran war am großen Erfolg. 2016 musste Boe nur der Schweizerin Simone Jäiser den Vortritt lassen. Im Vorjahr schob sich die Italienerin Anna Cavallaro mit ihrem dritten Weltcup-Triumph knapp vor Boe. Im dritten Anlauf will die Norddeutsche nun endlich den Sprung auf das oberste Podest meistern. Dass sie mittlerweile ganz oben angekommen ist, bewies sie 2016 eindrucksvoll mit ihrer Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft in Le Mans. 2017 folgte der erste Titel ihrer Karriere: EM-Gold im österreichischen Ebreichsdorf.


Die CHIO-Aachen-Siegerin und Deutsche Meisterin (beides im Jahr 2016) freut sich nun auf das erste Highlight einer spannenden und von vielen hochkarätigen Events gespickten Turnier-Saison 2018. „Das Finale in Dortmund ist der Höhepunkt der zurückliegenden Wintersaison und zusammen mit dem CHIO Aachen und den Weltmeisterschaften der wichtigste Voltigierwettkampf des Jahres. Für mich ist das Weltcup-Finale besonders bedeutend in diesem Jahr, weil es auch eine erste Weichenstellung für die Weltreiterspiele ist“, sagt Boe. Die „World Equestrian Games“ werden im September in Tryon im US-Bundestaat North Carolina ausgetragen. Boe will dort ihre beeindruckende Karriere mit einem weiteren Glanzpunkt veredeln. Ihre größte Stärke sieht Boe in ihrem „eisernen Willen“ und ihrem eingespielten Team. „In den letzten Jahren hatten meine Küren auch schon viel Potenzial, aber ich hab mich schneller verunsichern lassen. Dieses Jahr bin ich mit meinem Pferd und meiner Longenführerin perfekt eingestimmt. Das gibt mir den Rückhalt, um voll durchzustarten.“


Mit ihren bisherigen Starts in Dortmund verbindet Boe im Übrigen hervorragende Erinnerungen, zählt die beiden Vize-Titel „difinitiv zu den Höhepunkten meiner Karriere“. Am Turnier in den Westfalenhallen schätzt die Bundeskader-Athletin vor allem das Umfeld. „Dortmund zeigt eine unglaubliche Herzlichkeit uns Voltigierern gegenüber. Hier fühlen wir uns den Reitern gleichberechtigt. Das ist für uns nicht immer selbstverständlich.“


Ihre Strategie für das Finale 2017/18 ist klar: „Vollgas von der ersten bis zur letzten Sekunde. Wir werdem auf unsere Stärke vertrauen.“ Auch bei der Zielsetzung spricht Boe deutliche Worte: „Ich sag das jetzt einfach mal so: Zweite war ich schon, das Ziel ist der Sieg.“ Die Sicherheit zu dieser Aussage zieht Boe auch aus der Tatsache, dass sie mit ihrem langjärigen Erfolgspferd Don de la Mar und ihrer routinierten Longenführerin Winnie Schlüter an den Start geht. Dortmund wird dabei in diesem Winter der erste Wettkampf sein, in dem das Gespann in „ursprünglicher Formation“ antritt. Die Qualifikations-Wettkämpfe hatte Boe nämlich allesamt mit Ersatz-Vierbeinern bestritten – und dennoch mit Platz zwei der Gesamtwertung abgeschlossen. Nun zum Showdown sieht man das Kirchwerder-Gespann also endlich wieder in der gewohnten Konstellation. Boe: „Auch deshalb kribbeln uns Dreien schon die Finger – beziehungsweise die Hufe.“


Nachdem Kristina Boe im vergangenen Jahr mit ihrer Zombie-Choreografie faszinierte, wechselte sie für 2017 in das Genre Sience Fiction. „Mein Kürthema ist eine Figur aus der Star-Wars-Reihe. Es geht um die junge Schrottsammlerin Rey, die entdeckt, dass sie Jedi-Kräfte besitzt. Dabei dreht sich viel darum, die Macht in sich selbst zu erkennen und dann auch anzunehmen. Im übertragenen Sinne könnte man sagen, dass die Heldin lernt, an sich zu glauben. Außerdem geht es um Freundschaft und Vertrauen. Starke weibliche Rollen waren schon immer mein Ding und diese Figur hatte es mir ab der ersten Minute angetan.“ Nun wird Boe ein letztes Mal als Rey in den Zirkel einlaufen. „Es ist irgendwie ein komisches Gefühl, diese Kür abzulegen“, stellt Boe fest. „Ich habe mich sehr intensiv mit dem Charakter beschäftigt. Diese Kür liegt mir besonders am Herzen.“ Nun hofft Boe auf einen – sprichwörtlich – galaktischen Abschluss. Als stärkste Konkurrentinnen gelten die Schweizerin Nadja Büttiker sowie Boes Bundeskader-Kollegin Corinna Knauf.

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