Nachgefragt bei der Pferdeklinik Bargteheide: Atemwegserkrankungen beim Pferd vorbeugen und behandeln

Der Hustenpatient braucht vor allem eines: frische Luft! (Foto: Stefan Lafrentz)

Besonders in der kalten Jahreszeit leiden viele Pferde an Husten. Wir haben uns mit der Pferdeklinik Bargteheide über Symptome und Ursachen, aber auch über Vorbeugung und Behandlungsmöglichkeiten von Atemwegserkrankungen unterhalten und viele nützliche Tipps bekommen.
 

PFERD+SPORT: Welche Arten von Atemwegserkrankungen gibt es und welches sind die häufigsten Gründe für Atemwegserkrankungen beim Pferd, gerade in der kalten, nassen Jahreszeit?
Häufigste Erkrankung ist glücklicherweise der „einfache“ Infekt. Allerdings sind die Übergänge zu chronischem Hustenleiden mit Leistungsinsuffizienz oft schleichend, dass der einfache „Huster“ nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Pferde können sich genau wie wir Menschen untereinander anstecken und Erkrankungen in Form von Tröpfcheninfektionen übertragen.


Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Arten der Atemwegserkrankung. Wir wollen hier kurz auf die Unterschiede zwischen einer viralen und einer bakteriellen Erkrankung der Lunge eingehen. Virale Atemwegsinfekte gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Lunge. Die meisten sind dabei selbstlimitierend und die Pferde zeigen oft nur über wenige Tage Symptome. Häufig benötigen diese Erkrankungen keine oder nur eine begleitende Therapie, zum Beispiel einen Schleimlöser. Zu den viralen Atemwegsinfekten gehören Equine Influenza und Equines Herpesvirus 1 und 4. Vorbeugen kann man diesen Virusinfektionen durch regelmäßiges Impfen.

Bakterielle Atemwegsinfekte treten häufig als Sekundärinfektion (Begleiterscheinung einer viralen Infektion) auf. Symptome sind, genau wie bei einer Virusinfektion, Fieber, Abgeschlagenheit, Husten, Nasenausfluss und verminderter Appetit. Im Unterschied zur viralen Erkrankung zeichnet sich der Nasenausfluss bei einer bakteriellen Infektion durch eine Gelbfärbung aus. In diesem Fall sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden, da die bakterielle Infektion antibiotisch abgedeckt werden sollte. Gesichert wird die Diagnose durch eine mikrobielle und zytologische Untersuchung des Luftröhrensekrets.


PFERD+SPORT: Was empfehlen Sie, um Atemwegserkrankungen vorzubeugen?
Frische Luft, gute Raufutterqualität, ausreichend Bewegung, Vermeiden von Zugluft – vor allem wenn das Pferd geschwitzt hat.


PFERD+SPORT: Sollte man sobald das Pferd hustet und Nasenausfluss hat, sofort den Tierarzt rufen?
Nicht unbedingt, es gibt einige Punkte, die der Pferdebesitzer vorab selbstständig überprüfen kann:

•    Hat das Pferd auch Fieber? Die Normaltemperatur rektal gemessen liegt bei 37,5° bis 38,2 °C.

•    Welche Farbe hat der Nasenausfluss? Wenig, weißlich, flüssiger Nasenausfluss zum Beispiel nach Bewegung ist häufig physiologisch. Zäher, gelber Ausfluss sollte allerdings genauer überprüft werden, da dies meist auf eine bakterielle Infektion zurückzuführen ist und medikamentös behandelt werden sollte.

•    Husten: wann und wie oft hustet mein Pferd? Ein kurzes Anstoßen/Abhusten in der Aufwärmphase ist beispielsweise meist kein Anzeichen für eine Erkrankung.
 

PFERD+SPORT: Wie kann der Pferdehalter sein Pferd bei der Genesung unterstützen?
Der Hustenpatient braucht vor allem eines: frische Luft! Damit ist allerdings keine Zugluft gemeint. Außerdem sollte auf eine staubarme Haltung des Pferdes geachtet werden, auch die Fütterung von nassem Heu oder Heulage kann bei der Genesung unterstützen. Optimal ist die Haltung in einer Außenbox mit Späneeinstreu und/oder Weidehaltung. Die zusätzliche Gabe von Bronchialkräutern oder speziellen Flüssigprodukten zur Unterstützung der Atemwege kann lindernd wirken, sollte aber in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen.


PFERD+SPORT: Soll ein Pferd während einer Atemwegserkrankung bewegt oder sogar gearbeitet werden, um das Abhusten zu fördern?
Ja, denn leichte Arbeit unter dem Reiter oder an der Longe fördert das Abhusten und den Sekretabfluss. Wichtig ist dabei das „Vorwärts-Abwärts“-Reiten, damit das Pferd auch die Möglichkeit hat, den Schleim loszuwerden. Allerdings sollten Hustenpatienten nicht ins Schwitzen kommen oder gar bis an die Leistungsgrenze gearbeitet werden. Anders sieht es bei Pferden mit akuter Atemnot aus. Diese Pferde dürfen nicht gearbeitet werden und müssen direkt tiermedizinisch versorgt werden! Grundsätzlich sollte bei einer Atemwegserkrankung nicht zu lange gewartet und der Tierarzt rechtzeitig hinzugezogen werden. Nach entsprechender Diagnostik sollte mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden, welche Fütterungs- und Haltungs- und Bewegungsmaßnahmen angebracht sind und wie das Pferd mit schulmedizinischen oder alternativen Medikamenten unterstützt werden kann beziehungsweise muss.
 

Über die Pferdeklinik Bargteheide
Die Pferdeklinik Bargteheide bietet mit über 50 Mitarbeitern Pferdemedizin auf höchstem Niveau und die bestmögliche medizinische Versorgung von Pferden. Auf dem weitläufigen Areal der Klinik gibt es neben 72 Boxen großzügige Räumlichkeiten und vielfältige Diagnosemöglichkeiten auf dem neuesten Stand der Medizintechnik.


Weitere Informationen zur Pferdeklinik Bargteheide gibt es unter www.pferdeklinik-bargteheide.de

 

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