Gold für deutsche Vielseitigkeitsreiter

Das deutsche Team auf der Ehrenrunde (Foto: Lafrentz)

Einzelgolf für Ingrid Klimke (Foto: Stefan Lafrentz)

Gold für Deutschland (Foto: Lafrentz)

Die deutschen Vielseitigkeitsreiter haben in Luhmühlen mit Doppel-Gold und Silber an ihre frühere Erfolgsserie angeknüpft. Mit Abstand sicherten sich Ingrid Klimke, Michael Jung, Andreas Dibowski und Kai Rüder den Sieg vor den Teams aus Großbritannien und Schweden. Darüber hinaus verteidigte Ingrid Klimke mit SAP Hale Bob OLD erfolgreich ihren Titel in der Einzelwertung vor ihrem Teamkollegen Michael Jung mit fischerChipmunk FRH. Dritter wurde der Ire Cathal Daniels mit Rioghan Rua.


Mit einer Nullrunde im Parcours legte Ingrid Klimke den Grundstein für ihren Sieg. Danach konnte die Titelverteidigerin aus Münster nur noch abwarten, wie Michael Jung im Springen abschneiden würde. Der zweimalige Einzel-Olympiasieger lag nach Dressur und Geländeritt vor seiner Teamkollegin und hatte es in der Hand, nach 2011, 2013 und 2015 erneut ganz oben auf dem Podium zu stehen. „Ich habe den Ritt nicht gesehen, aber das Publikum gehört und geahnt, dass es einen Abwurf gegeben hat. Dann kamen auch schon die Leute auf mich zu“, schilderte Klimke den Moment, der sie erneut Europameisterin machte. „Vor dem letzten Sprung habe ich noch mal tief Luft geholt“, gestand Klimke in Erinnerung an das letzte Jahr, als sie in Tryon ein Abwurf den WM-Titel gekostet hatte. „Ich bin einfach überglücklich, dass ‚Bobby‘ so gut sprang.“

In Luhmühlen traf es nun Michael Jung. „So ist der Sport. Ein klitzekleiner Fehler, schon fällt man zurück. Ich glaube, ich hätte vielleicht etwas ruhiger sitzen sollen, er ist ein bisschen schnell geworden in der zweifachen Kombination“, analysierte der Horber nach seinem Ritt. Nach einjähriger Championatspause konnte er mit fischerChipmunk FRH, der ihm unter anderem dank Unterstützung durch die Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport zur Verfügung steht, direkt an vergangene Erfolge anknüpfen. „fischerChipmunk ist trotzdem toll gegangen, ist toll gesprungen, ist super drauf“, sagte Jung.

Beinahe wäre den deutschen Reitern der Gewinn aller drei Einzelmedaillen gelungen, wie 2011. Nach der Dressur lag Kai Rüder (Blieschendorf) mit Colani Sunrise in Medaillennähe. Im Gelände war er schnell genug, allerdings wollte sein Pferd nicht in die Startbox, was ihn 16 Zeitstrafpunkte kostete. Den Parcours beendeten die beiden fehlerfrei. „Die Nullrunde war gut für das Team, aber vor allem gut fürs eigene Ego“, sagte der Teamreiter. Mit 41,8 Minuspunkten belegte er am Ende Platz 24 und lieferte das Streichergebnis für das deutsche Team.

Ebenfalls fehlerfrei im Springen blieb Andreas Dibowski (Döhle) mit FRH Corrida, „Pathfinder“ der deutschen Mannschaft. Sein Fazit: „Ich habe immer noch zu wenige Punkte in der Dressur, daran werden wir arbeiten. Das Gelände war ideal gestern, das Springen heute sowieso. Es war überhaupt eine fantastische Veranstaltung. Es waren wirklich perfekte Bedingungen an allen Tagen.“ Mit 35,4 Minuspunkten beendete „Dibo“ die EM auf Platz 16.

Zusammen mit Dibos Resultat und den Ergebnissen von Klimke (22,2 Minuspunkte) und Jung (24,9 Minuspunkte) kam die deutsche Mannschaft damit auf 82,5 Minuspunkte. Die Briten sammelten 104,8 Minuspunkte. Die Schweden, die im Springen das französische Team vom Podium verdrängten, 105,1 Minuspunkte. Neben Bronze gab es für sie das Ticket nach Tokio obendrauf. Ebenfalls noch für die Olympischen Spiele qualifizieren konnten sich die fünftplatzierten Italiener. Deutschland, Großbritannien und Frankreich stehen bereits seit der WM auf der Starterliste.

„Ich habe vorher davon geträumt, dass wir Erster und Zweiter werden, aber ich habe natürlich gewusst, wie schwer das ist“, sagte Bundestrainer Hans Melzer. „Dass es aber so souverän sein würde, mit dem Abstand zu dem Zweitplatzierten habe ich nicht gedacht. Ich glaube, dass unser Trainingslager dazu beigetragen hat. Ich war die ganze Woche nicht nervös, weil ich wusste, wie gut unsere Reiter drauf sind.“

„Wir waren früher ja mal eine Weile so unschlagbar, dann hatten wir so ein kleines Tief. Das ist natürlich super, dass wir so vor Tokio ganz überzeugend mit unserer Leistung auf uns aufmerksam machen“, kommentierte die alte und neue Europameisterin das Teamergebnis.

 

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