
„Wir sind rundÂherum zufrieden. Alles lief wie am Schnürchen. Die Neuerungen sind hervorragend angekommen“, lautete die Bilanz von Turnierleiter Carsten Rotermund am Ende der 15. Bundeschampionate in Warendorf. 36.000 ÂBesucher (1.000 mehr als im Vorjahr), allein 13.000 Gäste am letzten der fünf Turniertage, verschafften sich Âeinen Überblick über den vierbeinigen Nachwuchs in den ÂKlassen Reit-, Dressur-, Spring-, Vielseitigkeits-, Fahrpferd und -pony.
Springen
Quentin wird Dritter bei den Fünfjährigen
Philipp Schulze war es mit Quentin bei den fünfjährigen Springpferden vorbehalten, die Holsteiner Fahnen hoch zu halten. In den Qualifikationen mit Wertnoten von 8,3 bzw. 8,4 hatte der noch nicht gekörte Quantum-Sohn, den Norbert Boley zweijährig bei Johann Vollersen in Sterdebüll entdeckt und gekauft hatte, mit seinem Springvermögen Eindruck hinterlassen. Im Finale, das von 35 Pferden bestritten wurde, konnte sich der Dunkelbraune noch einmal deutlich steigern. Die Richter waren nach dem Umlauf der Meinung, dass Quentin, der immer konzentriert bei der Sache ist, am Sprung mit allen Möglichkeiten und sehr guter Technik ausgestattet ist. 8,7 und damit Rang drei lautete das Urteil, was den Einzug in das Stechen der besten Acht bedeutete. Im Stechen über den leicht verkürzten Parcours blieb er ohne Fehler. Das war außer ihm nur noch dem Sieger Cornet's Stern gelungen. Dieser hatte unter Schockemöhle-Bereiter Christian Temme im Umlauf und Stechen mit 9,3 und 9,0 die höchsten Noten erhalten. Auch der zweitplatzierte Conte Bellini, aus der gleichen Mutter wie Monte Bellini, der Sieger bei den Sechsjährigen, hat Cornet Obolensky zum Vater. Der vom Corrado I-Sohn Clinton abstammende Schimmelhengst, inzwischen auch für die Holsteiner Zucht anerkannt, konnte in Warendorf mit einem viel beachteten ersten Jahrgang aufwarten. Nicht weniger als neun seiner springgewaltigen Nachkommen hatten sich für das Finale der Fünfjährigen qualifizieren können. Die Westfalen, in den letzten Jahren nicht immer glücklich agierend, hat es gefreut. Nur um einen Zehntelpunkt verpasste Contre Attaque unter Florian Meyer zu Hartum die entscheidende Runde im Stechen. Der Contender-Sohn, einst über die Auktion der nicht gekörten Hengste verkauft, zeigte mit einigen herausragenden Sprüngen sein großes Talent. Eine kleine Störung vor der dreifachen Kombination mag die Finalteilnahme gekostet haben.
Ein Pferd, das am ersten Tag viel Eindruck hinterlassen hatte, war im Finale nicht mehr am Start: Der Catoki-Sohn Carrico hatte unter Jörg Naeve mit einer 9,5 überlegen die Qualifikation für sich entscheiden können. In der Finalqualifikation konnte der Hengst wegen durch Mauke hervorgerufenen dicken Beinen nicht an den Start gehen. Zum kleinen Finale war er wieder startklar, doch die Regularien sahen das nicht vor. „Wäre ich nur durch die Startlinie geritten und hätte aufgegeben, hätte ich starten dürfen“, sagte Jörg Naeve, „doch das wäre dem Pferd gegenüber unfair gewesen.“
Bei den Sechsjährigen ließ der Montender-Sohn Monte Bellini seinem, im vergangenen Jahr errungenen Championatstitel einen weiteren folgen. Das war bislang – 1985 und 1986 - nur der von Lutz Gössing gerittenen Rosella G gelungen. Saß im vergangenen Jahr noch Marco Kutscher im Sattel des Montender-Sohnes, steuerte ihn jetzt Philip Weishaupt, ebenfalls im Stall Beerbaum tätig, durch den Parcours. Seine große Sportlichkeit unterstrich der Hengst des sachsen-anhaltinischen Landgestüts im für die jungen Pferde nicht ganz einfachen Stechparcours. Außer Monte Bellini war es nur der leichtfüssigen Caesario-Tochter Caesario’s Pretty Woman unter Stefan Engbers gelungen, ohne Fehler zu bleiben. Sie avancierte damit zur Vizechampionesse vor der Come On-Lancer III-Tochter Caribik (Karl Brocks). Bester Holsteiner war auf Rang vier der von Franz-Josef Dahlmann gerittene Cleveland, ein ehemaliges Auktionspferd aus Neumünster. Er hatte, so die Richter, im Umlauf „eine tolle Runde“ hingelegt, die von großer Gleichmässigkeit und Aufmerksamkeit geprägt war. Außerdem bescheinigten die Richter dem Wallach ein schnelles Vorderbein. Gleich zwei Pferde hatte Ulrich Kirchhoff ins Stechen gebracht: Mit dem Contendro I-Sohn Caruso wurde der Olympiasieger von Atlanta Sechster, mit Hof Asgard's Louis, im vergangenen Jahr noch unter Torben Köhlbrandt in Warendorf am Start, belegte er Rang sieben. DvP
Bundeschampionate der Springpferde
Holsteiner Dominanz
Auch wenn es den Holsteinern in diesem Jahr nicht gelang, einen Bundeschampion auf dem Springplatz zu stellen, war der Blutanteil der im Land zwischen den Meeren gezogenen Pferden hoch.
Bei den Fünfjährigen gingen 195 Pferde an den Start. 57 (29 Prozent) waren holsteinisch gebrannt, weitere 60 Pferde hatten einen Holsteiner Vater, waren aber bei einem anderem Verband eingetragen. Das heißt 117 Pferde hatten einen Holsteiner Vater, das sind 60 Prozent der fünfjährigen Championatspferde. Der neue Champion, Cornet's Stern, stammt wie der Vizechampion Conte Bellini von Cornet Obolensky ab, der den Holsteiner Hengst Clinton v. Corrado I zum Vater hat. Der Vizechampion Conte Bellini hat mit Ramiro zudem einen Holsteiner Muttervater. Im Finale der besten 35 Pferde waren acht (23%) holsteinisch gebrannt, und weitere sieben hatten einen holsteinisch gezogenen Vater (42,8%). Bei den sechsjährigen Springpferden ist die Übermacht der Holsteiner Springgene noch deutlicher. In der ersten Qualifikation gingen 160 Pferde an den Start, 55 Pferde (34,9%) waren rein holsteinisch gezogen. 60 weitere Pferde stammten von einem rein holsteinisch gezogenen Hengst ab, so dass insgesamt 109 sechsjährige Springpferde (68 %) von einem Holsteiner Hengst abstammten. Montender, der Vater des Champions Monte Bellini ist zwar dem KWPN zuzuordnen, aber über seinen Vater Contender und seine Burggraf (v. Landgraf)-Mutter, holsteinisch gezogen. Die Mutter von Monte Bellini hat den Holsteiner Hengst Ramiro zum Vater. Auch die Vizechampionesse, Caesario's Pretty Woman, trägt das westfälische Brandzeichen. Ihr Vater ist der Holsteiner Hengst Caesario v. Caretino-Merano-Ladykiller xx. Die drittplazierte Stute Caribik ist in Oldenburg eingetragen. Sie stammt ab von dem Holsteiner Hengst Come On aus einer Stute von dem Hengst Lancer III, der ebenfalls in Holstein eingetragen ist. 37 Pferde waren im Finale, davon 13 (35%) rein gezogene Holsteiner. Jochen Tietz
Vielseitigkeitspferde
Zwei Vizechampions aus Holsteiner Zucht
Ein kleines, ausgesuchtes Starterfeld bei den Sechsjährigen und ein starkes Fünfjährigen-Lot – so präsentierten sich die Bundeschampionate des Deutschen Vielseitigkeitspferdes den Zuschauern. Unter ihnen auch zahlreiche Gäste aus dem Ausland, die einen begehrlichen Blick auf die vielseitigen Talente made in Germany warfen. Ein Trend, der sich dank der Erfolge deutscher „Buschpferde“ bei den Weltreiterspielen und den Olympischen Spielen noch verstärkt hat. „Das macht mich doch ein bisschen unÂruhig“, sagte Hans Melzer nach dem Finale. So wünschte sich der Bundestrainer zwar ausÂdrücklich, dass die vierbeinigen BundesÂchampionatsteilnehmer im Sport bleiben, aber „möglichst in den deutschen Farben“.
Erinnerungen an die Olympischen Spiele kamen bereits bei der Finalqualifikation auf, als Mannschafts-Olympiasieger Andreas Dibowski seinen FRH Butts Avedon durchs Gelände steuerte. Mit einer glatten 9,0 gelang dem Rappen der Einzug ins Finale, wo die Richter für die gelungene Geländerunde noch tiefer in die Notenkiste griffen: 9,5. Damit glich der Rappe kleinere Mängel in der Dressur (Dibowski: „Das Traben lernt er noch.“) spielend aus und toppte damit den bis dahin führenden Dreiviertelblüter Mighty Magic v. Mytens xx – Heraldik xx, in dessen Sattel ebenfalls Andreas Dibowski saß. Der gekörte Holsteiner Hengst aus der Zucht von Horst-Henning Lienau (Haselau) und im Besitz von Ira Denkhaus/Gestüt Kempke Hof (Plaaz) überzeugte im Finale nicht nur in der Dressur (8,7), sondern auch im Springen und Gelände, wo er als erster Starter auf Anhieb ebenfalls mit einer 8,7 belohnt wurde. „Das Pferd ist auf dem richtigen Weg der Ausbildung, die Galoppade ist kraftvoll bergauf und immer im Gleichgewicht. Am Sprung hat er eine sichere Technik“ lobten die Richter.
Seinen Vorjahreserfolg konnte bei den sechsjährigen Vielseitigkeitspferden Kai Rüder wiederholen. In diesem Jahr im Sattel des Oldenburger Fuchswallachs Le Carré, der wie sein Stallkollege Charlie Weld im Finale den Namenszusatz von Rüders Sponsor „Saaten-Union“ trug. Als vorletzter Starter wusste der Landor S-Sohn die Richter im Gelände so zu überzeugen, dass sie die Wertnote 9,0 vergaben und den Fuchs damit zum Champion kürten. Damit übertrumpfte er den zuvor in Führung gegangenen Holsteiner Barny v. Barnaul xx–Cornetto, der im vergangenen Jahr unter Peter Thomsen noch Platz sechs belegt hatte. Wegen der Olympischen Spiele hatte er den Braunen aus Zucht von Volker Jacobs (Ostenfeld) und dem Besitz von Hans-Peter Clausen (Oldersbek) dieses Mal seiner Vereinskollegin Malin Larsson überlassen. Das Paar erzielte dank einer „von Sprung zu Sprung besser werdenden Geländeleistung“ die Tageshöchstnote von 9,2, womit es am Ende Platz zwei belegte. Hb
Dressurpferde-Championate
Dritter Platz für La Stella
Holsteiner kennen keine Grenzen – selbst vor Dressurvierecken machen sie nicht mehr Halt. Mit der Bronzemedaille beendete die Stute La Stella das Bundeschampionat der sechsjährigen Dressurpferde.
Im Trab überholte die Holsteinerin alle anderen Championatspferde in der Klasse der Sechsjährigen. Die Bestnote 9,5 gaben die Richter für die Braune von Locato x Loutano, die von ihrem Züchter Jens-Peter Timm aus Norderstedt inzwischen nach Bayern umgezogen ist. Unter ihrem Reiter und Besitzer Rudolf Widmann vom Verein Reitakademie München zeigte sie spektakuläre Bewegungen, aus der Ruhe jeden Tritt entwickelnd und dabei mit tätigem Maul und durch den ganzen Körper schwingend. Eine leichte Störung in der halben Schritt-Pirouette veranlasste das Publikum zu einem einstimmigen Aufstöhnen und lediglich im Galopp und im Gesamteindruck fiel sie hinter die beiden Vorreiter zurück. La Stella erlebte ihren ersten Start beim Bundeschampionat erst als Sechsjährige, weil es eine Weile gedauert hat, bis ihr Ausbilder ihren Ehrgeiz und das Temperament in den Griff bekommen hat. Jetzt hat er den Burg-Pokal im Blick. „So ein Pferd bekommt man nur einmal im Leben“ wehrt er sich noch gegen Verkaufsgebote. „Ich will sie behalten – aber das wird schwierig“, erkannte Widmann noch vor der Siegerehrung.
Entdeckt hat Widmann das Pferd bei einem Händler für den er regelmäßig zwei Pferde pro Saison in Ausbildung nimmt. Als er La Stella dort im Stall sah, stand für ihn fest: „Die will ich haben.“ Mit viel Arbeit und täglichem Weidegang – „den braucht sie für ihre Seele“ – ist aus der Stute eine der Sensationen des Bundeschampionats 2008 geworden. Springen kann sie übrigens auch. „Aber das machen wir jetzt nicht mehr!“, steht der Beschluss fest.
Bei den Fünfjährigen schaffte es der Holsteiner Wallach Donnerstag bis ins Finale. Der Schwarzbraune von Dolany aus einer Mutter von Akinos ist gezogen von Jürgen Bohling in Loxstedt. EM-Junioren-Vizemeisterin Juliane Brunkhorst, heute Bereiterin bei Hartwig Burfeind, stellte ihn vor für die Besitzerin Alexandra ÂGreen aus Sandbostel. Die Wertnote 7,4 und damit Platz 14 gab es für eine gut vorwärts gerittene Vorstellung bei der aber mehr Schluss aus der Hinterhand und bessere Losgelassenheit gewünscht war. Pp
Translation
Even though the 2008 National Young Horse Championships saw no show jumping Champion from the land between two seas, the Holsteiner blood was well reÂpresented. 195 horses participated in the five year old class. 57 of them (29 %) were branded Holsteiners, 60 more were by a Holsteiner sire but registered with another association. This meant a total of 117 horses, or 60 percent of the five year old starters in the jumping championship were by a Holsteiner sire. The new champion, Cornet's Stern, is by Cornet Obolensky, an own son of the Holsteiner sire Clinton (by Corrado I). The reseve champion Conte Bellini has even more Holsteiner blood elements, as he is by Cornet Obolensky and out of an own daughter of Holsteiner Ramiro. The final of the best 35 horses saw 8 (23 %) bearing the Holsteiner brand, 7 more were by a Holsteiner sire (42.8 %). The predominance of Holsteiner jumping genes became even clearer in the the six year old show jumpers division. Out of 160 Âhorses starting in the first qualification, 55 (34%) were pure Holsteiners and 60 more were by a pure Holsteiner stallion. This adds up to 106 six year old show jumpers (68 %) with a Holsteiner sire. The champion Monte Bellini is by the KWPN sire Montender, who is a Contender son out of a dam by Holsteiner Burggraf (by Landgraf), Monte Bellini's dam is by Ramiro.
The reserve champion, Caesario's Pretty Woman, also bears the Westphalian brand. She is by the Holsteiner sire Caesario (by Caretino - Merano - Ladykiller TB). Caribik, who finished 3rd, is an Oldenburg mare. She is by the Holsteiner sire Come On out of a dam by Lancer III, who is also registered in Holstein. 37 horses competed in the final, 13 (35%) of them were pure Holsteiners.
Hans Helmuth Sievers
Abschied vom ÂBundeschampionat
n Es war ein denkwürdiger Moment für Hans Helmuth Sievers, der in Warendorf seinen Abschied als Richter bei den BundeschampioÂnaten nahm. Seit 1985 – damals in Donaueschingen - war er beim „Festival der jungen Pferde“ dabei gewesen, nur einmal – 1991 in München – hat er gefehlt. Zunächst war der langjährige Vorsitzende der Holsteiner Körkommission bei den Reit- und Springpferden im Einsatz, seit die Bundeschampionate in Warendorf beheimatet sind, saß Hans Helmuth Sievers nur noch am Rande des Parcours am Richtertisch. Die Bundeschampionate in Warendorf werden aber auch in den kommenden Jahren das Ziel von Hans Helmuth Sievers und seiner Frau Emma sein. Dr. Hanfried Haring versprach in seiner Laudatio „lebenslange Ehrenkarten“.