Die Meister


Springen Herren
Markus Brose

23 Jahre jung ist Markus ­Brose, der sich mit seinem elf­jährigen Holsteiner Wallach Camillo v. Carpaccio-Lagos (Hans- Claus Ehlers, Borgstedt) die Siegerschärpe sicherte. Für Brose kam der Sieg völlig unverhofft, wie er sagte: „Ich wusste, dass mein Pferd gut ist, aber die Konkurrenz war doch immens.“ Markus Brose machte eine Bereiterlehre bei Olympiasieger ­Ulrich Kirchhoff und ist seit gut eineinhalb Jahren selbständig. In Hademarschen betreibt er mit zwei Angestellten einen Ausbildungs- und Turnierstall. „Jeden Tag merke ich, wie sich das, was ich bei Ulli Kirchhoff gelernt habe, auszahlt. Ulli hat mir vor allem gezeigt, wie wichtig die dressurmäßige Arbeit mit den Pferden ist.“ Markus Brose reitet täglich zehn bis zwölf Pferde und gibt Unterricht. „Viel Freizeit hat man da nicht, aber schließlich gibt es nichts Schöneres, als fehlerfrei über die Ziellinie zu reiten.“ Allerdings braucht auch ein Profi ab und an ein wenig Hilfestellung, und die holt er sich regelmäßig bei Carsten Otto-Nagel (Wedel). SM

Anmerkung der Redaktion:
Bei dem Pferd Camillo, das mit Markus Brose die Landesmeisterschaft SH/HH im Springen in Bad Segeberg gewonnen hatte, wurde mit Einwilligung des Reiters eine nachträgliche Dopingprobe genommen, die ein negatives Ergebnis brachte. Markus Brose, der sich bei dieser Gelegenheiit ausgiebig gegen die Form von verbotener Medikation aussprach, ist somit nichts vorzuwerfen. LK SH

Springen Damen
Yvonne Dude

Der 17 Jahre alte Wallach United MG verbringt seinen Lebensabend in Offenstallhaltung.
„Nur ab und an“ wird er von Amateurreiterin Yvonne Dude (29), die als Immobilienkauffrau in Tangstedt arbeitet, mit auf ein Turnier genommen, „damit er sich nicht so ausrangiert fühlt.“ Beim Landesturnier in Bad Segeberg ­bewies United MG noch einmal volle Leistungsbereitschaft und holte Gold - nachdem die Tochter des Derbymitverantwortlichen in Hamburg-Klein Flottbek, Dietmar Dude, seit 2003 immer Dritte oder Vierte geworden war.
„Vor dem Finale hatte ich gedacht, wieder Dritte zu werden“, gestand die Hobbyreiterin, die seit 2000 mit United MG sechsmal den schwierigen Hamburger Derbyparcours bewältigte. Doch vor dem Stechen der dritten Wertungsprüfung (S*) hatte die Tangstedterin schon jenen zweiten Rang sicher, den sie bereits 1999 mit dem damals achtjährigen Schweizer Wallach errungen hatte. Dass ihr trotz eines Springfehlers der Titel zufiel, lag an der nach ihr gestarteten Freya von Buchwaldt (Bovenau), die mit Capone zu bedächtig eine Nullrunde anvisierte, Zeitfehler einkalkulierte, aber auch den letzten Sprung riss. Ob sie United MG auch im nächsten Jahr unter dem Sattel hat, „wird sich zeigen“, sagt Yvonne Dude abwartend. jem

Springen Junioren
Janine Rijkens

Janine Rijkens konnte sich zum dritten Mal hintereinander als Landesmeisterin der Junioren Springreiter feiern lassen. In dieser Altersklasse ist es allerdings das letzte Mal gewesen, dass die Elmshornerin auf der Segeberger Rennkoppel an der Spitze stand. Im Dezember wird sie 18 Jahre alt, im kommenden Jahr muss sie bei den Jungen Reitern antreten. Für ihren Ritt im Finale hatte sie sich für die erst achtjährige, in Holland gezogene Lux Z-Peter Pan-Tochter Tomja entschieden. „Sie sprang in den beiden anderen Springen einen „Ticken“ besser als Pikeur Ludwig“, erzählt Janine. Mit Tomja hatte sie die zweite Qualifikation gewonnen, mit Pikeur Ludwig war sie zwei Mal platziert gewesen. Die Stute hatte Tjeert ­Rijkens fünfjährig in Holland „roh“ gekauft und dann in Beritt gegeben, damit sie das Ein-Mal-Eins des Springsports lernt. Anfang des Jahres ist Tomja ihr erstes Turnier gegangen, die Landesmeisterschaft in Bad Segeberg war das zweite Turnier nach einer fünfmonatigen, durch den Ausfall ihrer Reiterin bedingten Pause. Der Erfolg in Bad Segeberg war ein versöhnlicher Abschluss eines Jahres, das sich Janine Rijkens doch ein wenig anders vorgestellt hatte: Nach einem Sturz beim Turnier in Thaden wurde Janine von ständigen Kopfschmerzen geplagt. „Es wurde so schlimm, dass ich vor anderthalb Monaten am Kopf operiert werden musste“, erzählt Janine. Dort fanden die Ärzte eine Zyste. Nach der notwendigen Operation waren die Schmerzen schlagartig verschwunden, Janine konnte wieder voll durchstarten. Dazu gehören auch die wöchentlichen Fahrten zu Dirk Ahlmann, der seit drei Jahren ihr Trainer ist. Janine geht in die 12. Klasse, das Abitur steht also kurz vor der Tür. So hat die Schule erst einmal Priorität, dennoch schafft sie es, am Tag zwei, drei Pferde zu reiten. „In Klausurzeiten kommt da natürlich ein wenig Stress auf“, sagt Janine, „aber meine Lehrer unterstützen mich, wenn es darum geht, am Freitag Schule Schule sein zu lassen.“ DvP

Springen Junge Reiter
Jeldrik Krüger

Jeldrik Krüger und Tough Cookie sind die dies­jährigen Landesmeister der Jungen Reiter bei den Springmeisterschaften von Schleswig-Holstein und Hamburg. Mit seiner neunjährigen belgischen Stute legte der 20-Jährige die schnellste Null-Fehler Runde im Stechen hin und holte sich damit den Titel. „Tough Cookie ist ein Siegerpferd, denn sie ist schnell und vorsichtig,“ so Krüger, der nach dreijähriger Ausbildung im Stall Luther (Wittmoldt)  gerade erst in Warendorf erfolgreich seine Bereiterprüfung ablegte. Jeldrik Krüger ist mit Pferden groß geworden und wollte nie etwas anderes als Reiten. Seine Eltern betreiben im rheinländischen Langenfeld eine eigene Anlage, auf der Jeldrik Krüger sich jetzt selbständig macht. Aber, er bleibt dem Norden erhalten, zumindest in seiner Zeit als Junger Reiter startet er weiterhin für Schleswig-Holstein. Vom 13. bis 16. November startet Jeldrik mit seiner Stute bei der Baltic Horse Show in Kiel im Finale der Springsportserie Holsteiner Masters 3plus1 präsentiert von Lotto Schleswig-Holstein. SM

Dressur Herren
Wieger de Boer

22 Jahre musste er auf den ersten Landesmeistertitel in der Dressur im letzten Jahr warten, aber 2008 gelang dem Titelbildhelden der Oktoberausgabe von PFERD+SPORT auf Anhieb die erfolgreiche Verteidigung. Das ausgelassene Lachen des Holländers in Holsteins Süden steckt an: „Ich bin super beritten momentan,“ strahlt er. Den konstant erfolgreichen Hengst Cosmopolitan v. Corleone-Lago Maggiore (Bernd Möller, Kattendorf), der auch in diesem Jahr das erfolgreichste Dressurpferd mit Holsteiner Brand werden wird, muss er im Grunde mit seinen nunmehr 16 Jahren nur bei Laune halten. „Cosmo“ ist ein ungemein umgänglicher Hengst, der die Turnieratmosphäre einfach liebt und bisher elf Grand Prix in diesem Jahr gewonnen hat. Auch international eingesetzt, gewannen die Beiden u. a. den Nationenpreis in Falsterbo und im Einzel sowohl den Grand Prix Special als auch die Kür souverän. Die schweren Lektionen Piaffe und Passage beherrscht „Cosmo“ wie kaum ein zweiter, punktet vor allem auch mit den taktmäßigen Übergängen. „Üben muß ich das mit ihm nicht mehr zu Hause. Aber er soll den Spaß am schweren Dressursport behalten.“ Auch Wieger fühlt sich mit seinen 54 Jahren auf dem Zenit seiner Karriere als Dressurreiter. „Ich habe noch viel vor, mit meiner Erfahrung kann ich meine Pferde immer leichter ausbilden, mich besser auf sie einstellen. Die ersten Pferde hatten es viel schwerer mit mir.“ Er verweist auf Kupfermann, sein zehnjähriges Nachwuchspferd. Der großrahmige Holsteiner von Lucky Champ-Donnerhall hat in dieser Saison richtig Fuß im Grand Prix Sport gefasst, steht aber aufgrund seiner Größe immer noch in der Entwicklung. Auch mit dem ausdrucksstarken Kupfermann, der nach seiner Züchterin Dörte Kupfermann benannt wurde, wäre de Boer in Segeberg für das Finale der großen Tour qualifiziert. Noch ist aber unangefochten Cosmopolitan die Nummer eins im Stall de Boer auf der Reitanlage in Norderstedt, die Wieger mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern als reinen Familienbetrieb führt. Tochter Paula ist ebenfalls reiterlich ambitioniert und dieses Jahr bei den Deutschen Meisterschaften der Ponyreiter mit zwei Ponys platziert gewesen. „Ich habe doch ein tolles Leben: Pferde sind meine Welt, und ich habe als Dressurausbilder den schönsten Beruf, den ich mir denken kann,“ sagt Wieger de Boer und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Richtig genießen kann ich das alles dank meiner Familie. Ich bin froh und dankbar, dass wir an einem Strick ziehen und die wunderbare Reitanlage mit dem Einsatz aller so erfolgreich betreiben können, so dass ich mich voll dem Dressursport widmen kann.“ AKS

Dressur Damen
Alexandra Bimschas

Sie ist unbestritten der aufgehende Stern am Dressurhimmel in Schleswig-Holstein. Alexandra Bimschas, die mit ihrem Mann Rainhard ­
Nielsen die Reitanlage Immenklint in Boostedt betreibt, hat in den letzten Jahren immer wieder junge Dressurpferde erfolgreich über die Bundes­championatsteilnahme an den Grand Prix Sport herangeführt, darunter mit dem wunderbaren Lanzaro auch ein imposanter Dressurhengst mit Holsteiner Brand. Nach dem Verkauf von Wolke Sieben letztes Jahr an die Familie Rothenberger  trat der Hannoveraner Wito Corleone v. ­Wolken­tanz I ins Rampenlicht. Den erst neunjährigen, aber schon hoch erfolgreichen Dressurwallach liebt Alexandra Bimschas besonders. „Er hat alles, was ein Dressurpferd braucht, er ist super intelligent, arbeitswillig und begabt für die schweren Lektionen.“ Gekauft hat Alexandra ihn vor einigen Jahren im Kundenauftrag. Familie Hansen in Kiel suchte ein gutes Dressurpferd für die Töchter. Und Marie Hansen wird ihn vielleicht auch einmal als Lehrpferd übernehmen. In diesem Jahr verhalf der Braune, der sich gleich in seiner ersten Saison im Grand Prix Sport mit elf Siegen etablierte, seiner Reiterin zum erstmaligen Gewinn der Landesmeisterschaften Schleswig-Holstein und Hamburg. Als einen Saisonhöhepunkt des Jahres 2008 also der Championatssieg für die sympathische Boostedterin, die ihre besondere Fähigkeit darin sieht, Pferde verstehen zu wollen, sie in der Ausbildung auf die Seite des Reiters zu bringen. Ihr Mann Rainhard ist für sie als Erfolgsgarant der gemeinsamen Ausbildung der Pferde genauso wichtig wie ihr Team zu Hause, das ihr den Rücken frei hält für die aufwändigen Turnierteilnahmen. Zum ersten Mal in dieser Saison wurde auch Bundestrainer Holger Schmezer auf die ehrgeizige Reiterin und ihren tollen Wolkentanz-Sohn aufmerksam und berief sie mit Wito Corleone in die Dressurteams von Rotterdam (einige Patzer aller Mannschaftsteilnehmer) und Falsterbo (Sieg im Nationenenpreis).
Wie konstant Bimschas junge Pferde aufbaut, zeigte sie auch mit dem noch nicht lange in ihrem Beritt stehenden Daquino, den sie bereits erfolgreich in der kleinen Dressurtour einsetzte. In der großen Tour von Bad Segeberg steigerte sie sich mit Zunahme der Schwierigkeitsgrade (insbesondere Galopppirouetten, Piaffe und Passage-Übergänge) von Prüfung zu Prüfung und gewann die Kür um die Landesmeisterschaft mit 74% deutlich vor ihren Konkurrentinnen. Ihre freie Zeit genießt die neue Landesmeisterin am liebsten mit ihrem Mann im neuen Haus in Boostedt. Bei einem guten Essen in der Gesellschaft von Freunden kann sie die Anspannungen und Aufregungen im Dressurzirkus der Turniere vergessen. Und ein ganz normales Hobby ist ihr ganz wichtig: Wann immer sie es zeitlich einrichten kann, genießt sie ihre Dauerkarte in der Kieler Arena und feuert den THW an: „Entspannung pur für mich und meinen Mann“, lacht die erfolgreiche Pferdewirtschaftsmeisterin und outet sich als „Zebra“. AKS

Dressur Junioren
Clarissa Dennert

Gerade erst 16 Jahre ist die neue Juniorenlandesmeisterin in der Dressur geworden, Clarissa Dennert. Die junge Hamburgerin reitet seit ihrem fünften Lebensjahr und ist die jüngere Schwester von Rebecca Dennert, die ebenfalls bei Landesmeisterschaften auf dem Treppchen stand. Clarissa hat zwei außergewöhnliche Championatspferde, die Stute Harmony v. Hohenstein, die in diesem Jahr leider durch eine Verletzung ausfiel, und den Oldenburger Rubinstein-Sohn Ramon, der die Aufgabenstellung des Championatspferdes für Clarissa souverän übernahm. Bei dem hochkarätig besetzten Finale der Junioren imponierte Ramon nicht nur mit drei überragenden Grundgangarten, sondern auch mit einer herausragenden Gleichmäßigkeit, so dass Clarissa verdient, wenn auch nur hauchdünn vor Janna Oldekop gewann, die mit der Hohenstein-Stute Helena ebenfalls hervorragend beritten ist. Clarissa verdankt ihren Erfolg vor allem Anja Hermelink und ihrer Bereiterin Anja Brügge, die sie und ihre Pferde von der Klasse E zur Championatsteilnahme ausgebildet und gefördert haben. 2008 wurde mit der Teilnahme an fünf Championaten das Erfolgsjahr für Clarissa schlechthin: Finalteilnahme bei der Deutschen, Norddeutscher Vizemeister und als i-Tüpfelchen auf dem Sahnehäubchen (wie Hinrich Romeike es nennen würde) nun auch noch die Landesmeisterschaft der Junioren. Dabei bleibt das Nachwuchstalent mit den Hobbys Skifahren und Tiefseetauchen durchaus auf dem Teppich. So schön und erfolgreich die Dressurreiterei in diesem Jahr auch war - Clarissa wird sich nun erst einmal auf ihre schulische Ausbildung konzentrieren. Bereits am Sonntagabend nach den Landesmeisterschaften ist sie zurück in ihr Internat nach ­
England geflogen, wo sie das Internationale Baccalauréat machen will. Im Frühjahr 2010 wäre das geschafft - da die Pferde von Anja Brügge bis dahin weiter betreut werden, hätte die dann 18jährige noch eine ganze Saison im Junioren­sport vor sich.  AKS

Dressur Junge Reiter
Franziska Sauer

Auch für Franziska Sauer war es kein unbekanntes Gefühl mit der Schärpe in den Holsteiner Landesfarben geschmückt zu werden. Die Richter hatten sie in allen drei Wertungsprüfungen ganz vorne gesehen, der Meistertitel war der verdiente Lohn. Und den holte sie sich  in Bad Segeberg zum vierten Mal. Zwei Mal bei den Junioren und in diesem Jahr zum zweiten Mal bei den Jungen Reitern. Und jedes Mal saß sie im Sattel von Allernixe, der 15-jährigen hannoverschen Achenbach-Wenzel I-Tochter. Ihre Eltern und „Pateneltern“ Edda und Horst Salveter hatten ihr die Stute zum 18. Geburtstag geschenkt, nachdem ihre Besitzerin sie zum Verkauf „freigegeben“ hatte. „Eva“, wie Allernixe genannt wird, ist ein wenig speziell. „Vor allem Pfützen mag sie nicht“, erzählt ihre Reiterin, die dieses Jahr ihr Abitur mit guten Noten absolviert hat. So gut, dass sie in Hamburg sofort einen Studienplatz für Jura bekommen hat, Mitte Oktober beginnt also das Studentenleben. Sie wird zu Hause wohnen bleiben, damit die Reiterei nicht zu kurz kommt. Ein Junge-Reiter-Jahr hat Franziska Sauer noch vor sich. Mit ihrem Meisterschaftspferd Allernixe wird sie die dieser Altersgruppe vorbehaltenen Prüfungen in Angriff nehmen und versuchen, sich wieder in den Bundeskader zu reiten. In einem Brief aus Warendorf hatte man ihr Mitte des Jahres lapidar mitgeteilt, dass sie diesem nicht mehr angehört. „Man hätte ja einmal mit uns sprechen können“, sagt Franziska zu Recht. Ansonsten will sie zusammen mit ihrem Vater Uwe „schöne“ Turniere besuchen. So wie die Norddeutschen Jugendmeisterschaften im Jenischpark oder Altenhof. Dort war ihr in diesem Jahr das Kunstück gelungen, mit zwei Pferden - Allernixe und Lacosta v. Lucky Champ-Ahorn Z (Adolf Bosau, Bevern) - gemeinsam auf Platz eins in einer S-Dressur zu stehen. Die elf­jährige Lacosta geht das ganze Programm. Mit ihr und Chairman v. Carpaccio-Capitol I (Hans-Hermann Gempf, Stelle), der eine lange Kastrationspause hinter sich hat, wird Franziska Sauer im kommenden Jahr versuchen, sich über Intermédiaire-Prüfungen an die Grand-Prix-Klasse heranzutasten. DvP

Landeschampionate der fünfjährigen und sechsjährigen Dressurpferde
Pamela und Sanssouci

Es war das Championat der Stuten und Amazonen in Bad Segeberg. Auch wenn der aus eigener Zucht stammende Aljetto v. Aljano-Linaro, der mittlerweile imposant sich als Hengst präsentierende Sechsjährige aus dem Gestüt Ellerbrock die Einlaufprüfung gewann, so schoben sich im Finale Stuten an die Spitze, da bei Nina Magdalena Ellerbrock und Aljetto nach einem Verreiten in der Finalprüfung der Faden gerissen war (3. Platz, Note 7.5). Bei den Fünf­jährigen gab es viele normal gute Pferde, aber keine Gänsehautvorstellungen. Vielstarterin Anja Hermelink, die immer wieder hoffnungsvolle Nachwuchsaspiranten in ihren Stall bekommt, stellte die grundreelle, schicke Schimmelstute Pamela  mit dem Brand des Deutschen Sportpferdes so harmonisch und gelassen vor, dass dem Pferd der Siegerkranz aus Eichenlaub umgehängt werden konnte. Bei den Fünfjährigen gefiel die im Typ des Vaters stehende, für das Bundeschampionat qualifizierte Aljano-Chagallo-Tochter Take that (Gerd Carstensen, Hörup), die Amazone Karin Winter-Polac gekonnt in Szene setzte (Endergebnis der Silberrang mit einer Note von 7.4).
Schön zu beobachten war eine Reihe von Sandro Hit-Nachkommen bei den Sechsjährigen. Nicht zu übersehen leider deutliche Ausbildungsmängel bei einigen der jungen Pferden: ungleichmäßiges Abfußen der Hinterbeine in Trab und Schritt, wenig losgelassenes Herantreten an die Reiterhand, wenig Stellung und Biegung bei den gebogenen Linien und Wechselfehler bei zwei Dritteln der im Finale präsentierten Youngster. Trotzdem zückten die Richter auch einige Male eine 8.0 für den Schritt. So schob sich die zaghaft beginnende, aber reiterlich bestens von Herbert Boger vorgestellte Stute Wesley v. Wind Dancer aufgrund ihrer gefestigt ausdrucksvollen Galopptour und der schon sehr sicher gesprungenen Wechsel verdient auf die zweite Stelle des Championats bei den sechsjährigen (Note 7.8). Verdient gewonnen, wenn auch nicht mit einer möglichen Benotung im 8er Bereich war die Sandro Hit-Tochter Sanssouci, eine feingliedrige, hochnoble Rappstute, die von Anja Hermelink äußerst geschickt vorgestellt, meisterlich ihre Runden im Viereck drehte (Gesamt­note: 7.9). AKS

Landeschampionat der Reitpferde
De Chirico

Nachdem er vor zwölf Monaten den zweiten Rang belegt hatte, wurde der vierjährige De Chirico v. Dolany-Loutano aus der Zucht von Günter Fielmann, Schierensee, in diesem Jahr zum Reitpferdechampion gekürt. 27,5 Punkte standen für den Verbandshengst am Ende zu Buche, die Titelverteidigerin Ursa v. Carpaccio-Ramirado kam unter ihrer Züchterin und Besitzerin Sonja Franzenburg-Much mit 27 Punkten auf den zweiten Platz. Auf den Plätzen drei und vier landeten die beiden Dreijährigen, die es naturgemäß gegen die beiden um ein Jahr älteren Finalisten nicht leicht hatten: der von Anika von Holdt gerittene Vollbruder von De Chirico, Devallier, und Vatoria v. Casall-Calypso I (Sönke Eggers, Struvenhütten), die von Ulla Hansen vorgestellt wurde. Die neue Bereiterin bei Wolfgang Schade, Sonja Grunden, saß im Sattel von De Chirico. „Sie hat das sehr gut gemacht“, freute sich ihr „Chef“, der den Hengst in der Woche vor dem Segeberger Turnier selbst geritten hat. De Chirico, der in dieser Saison an die 80 Stuten gedeckt hat, hat in den letzten Monaten mehr Kraft bekommen. Das machte sich auch im verbesserten Grundtrab bemerkbar. De Chririco war bereits bei seiner Körung mit seinen Bewegungsqualitäten in aller Munde gewesen und hatte im vergangenen Jahr bei der Hengstleistungsprüfung in Schlieckau mit über 130 Indexpunkten auf sich aufmerksam gemacht. Ausschlaggend für De Chiricos Sieg waren die Noten der Fremdreiter: ­
Ragna Müller und Markus Waterhues vergaben nach ihrem Ritt jeweils eine 9,5. „De Chirico ist super rittig gewesen. Es war ein tolles Bewegungsgefühl auf dem Hengst“, erzählte Ragna Müller, die aber auch Ursa, der sie eine  9,0 gab, zu loben wusste: „Die Stute ist hervorragend geritten und wunderbar locker.“ DvP

Landeswettkampf Seniorenreitabteilungen
RuFV Neuengörs

Auch für den RuFV Neuengörs bot das Jubiläumsturnier Grund zum Jubilieren: Der Titelverteidiger bei den Senioren be­stätigte unter Reitlehrerin Renate Stahnke seine Top-Form vom Vorjahr und verwies den RFV Lensahn sowie den RFV Zarpen auf die Plätze zwei und drei. Seit 1982 stellt Renate Stahnke die Abteilungen des RuFV Neuengörs auf der Bad Segeberger Rennkoppel vor. In diesem Jahr holten sie nach 1960, 1962, 1964, 2005 und 2007 den nunmehr sechsten Sieg. Für Stahnke steht schon lange fest „Das Abteilungsreiten ist das A und O“. Mit von der Partie waren in der Mannschaft: Inken Olsson/Alize du Midi, Karin Lührs/Caniamo, Stefanie Hilse/Charles Champante, Katharina Subke/ Chevalier, Annika Westphal/Lora Marcia und Alexia Scholtz/Topas. jem

Landeswettkampf Juniorenreitabteilungen
Fehmarnscher Ringreiterverein

Wahre Meisterleistungen zeigten die Titel verteidigenden Mannschaften: Der Fehmarnsche Ring­reiterverein Feierte seit 1953 seinen insgesamt 20ten Sieg und seinen dritten in Folge beim Wettkampf der Junioren-Mannschaften. 30 Teams mit je sechs Reitern waren insgesamt am Start, die Fehmaraner siegten in der Besetzung: Annika Bader/Akeby’s Saphyro, Kathleen Bader/Hilandero, Anette-Christin Störtenbecker/Justeen, Jasmin Herzog/ Landiego, Saskia Rodewald/Monthy, Neele Doyen/ Quizmaster, Stefanie Dau/Pour Eric unter Reit­lehrerin Marte Eichner vor der PSG Granderheide und dem ­Gar­stedt Ochsenzoller RV. Marte Eichner ist seit den 90er Jahren verantwortlich für
die Teilnahme am Standartenwett­kampf und beweist seit­her das richtige Händchen in der Zusammenstellung der Mannschaft. jem


Ergebnisse vom Landesturnier
Springmeisterschaft Herren, Kl. S - Gold: Markus Brose (Hanerau-Hademarschen) mit Camillo (4 Fehler), Silber: Torben Köhlbrandt (Fehmarn) mit Concept (4,5), Bronze: Christopher Frazer (Breitenburg) mit Aragorn (5).

Springen Kl. S, 3. Wertung: 1. Jörg Naeve (Ehlersdorf) mit Catoki (0 Fehler/35.25 Sekunden), 2. Tim Markus (Borgdorf-Seedorf) mit Kartouche (4/38.21), 3. Jörgen Köhlbrandt (Fehmarn) mit Bonaparte (4/85.83), 4. Lars Bak Andersen (Elmshorn) mit Nekton (4/85.95), 5. T. Köhlbrandt mit Wizzy (4/87.41).

Springmeisterschaft Damen - Gold: Yvonne Dude (Tangstedt) mit United MG (0 Fehler), Silber: Freya von Buchwaldt (Bovenau) mit Capona (0), Bronze: Sabine Bremer (Holtsee) mit Octavia (0,5)

Springen Kl. S, 3. Wertung: 1. Bettina Jaeger (Schönhorst) mit Patschuli (0 Fehler/41.45 Sekunden), 2. Inga Czwalina (Fehmarn) mit Lady Levisto (0/45.92), 3. Cora Ackermann-Ripke (Steinfeld) mit Chelsea (0/48.91)

Springmeisterschaft Junge Reiter - Gold: Jeldrik Krüger (Havekost) mit Tough Cookie (0 Fehler), Silber: Nisse Lüneburg (Hetlingen) mit Latoya (0), Bronze: André Schröder (Lentföhrden) mit Ontario (4)

Springen Kl. S, 3. Wertung: 1. Jeldrik Krüger mit Tough Cookie (0/32.03), 2. André Schröder mit Ontario (0/33.40), 3. Nisse Lüneburg mit Latoya (0/34.57)

Springmeisterschaft Junioren - Gold: Janine Rijkens (Elmshorn) mit Tomia (0 Fehler), Silber: Greta Kölln (Fehmarn) mit Curly Sue (4), Bronze: Ina Reimers (Neustadt) mit Phantasie (4)

3. Wertung: 1. Kendra Claria Brinkop (Neumünster) mit Lanarius (0/34.63), 2. Janine Rijkens mit Tomia (4/32.68), 3. Greta Kölln mit Curly Sue (4/36.94)

Dressurmeister Herren - Gold: Wieger Derk de Boer (Pinneberg) mit Cosmopolitan (280,48 Punkte), Silber: Falk Rosenbauer (Lütjensee) mit Jamiro Rosso (276,54); Bronze: Falk Stankus (Lensahn) mit Lancelot (271,72)

Dressurmeister. Damen - Gold: Alexandra Bimschas (Neumünster) mit Wito Corleone (284,39 Punkte), Silber: Kirsty Oatley (Grönwohld) mit Clive (273,93), Bronze: Petra Wilm (Tasdorf) mit King Arthur TSF (265,34)

Dressur Kl. S, 3. Wertung: 1. Alexandra Bimschas mit Wito Corleone (74 Punkte), 2. Wieger de Boer mit Cosmopolitan (72,08), 3. Kirsty Oatley mit Clive (70,92)

Dressurmeisterschaft Junge Reiter - Gold: Franziska Sauer (Seeth-Ekholt) mit Allernixe (281 Punkte), Silber: Laura Antonia Shadi (Pinneberg) mit Alvarez (268,35), Bronze: Marie-Theres Bahn (Grönwohld) mit Quanderas (264.32)

Dressur Kl. S, 3. Wertung: 1. Franziska Sauer mit Allernixe (72,27), 2. Laura Antonia Shadi mit Alvarez (68,72), 3. Marie-Theres Bahn mit Quanderas (66,95)

Dressurmeistersch. Junioren - Gold: Clarissa Dennert (Hamburg) mit Ramon (276,23 Punkte), Silber: Janna Oldekop (Eutin) mit Helena (276,15), Bronze: Caroline Wilm (Tasdorf) mit Royal Princess (274,61)

Dressur Kl. M/A, 3. W.: 1. Clarissa Dennert mit Ramon (215,65 Punkte), 2. Janna Oldekop mit Helena (215,15), 3. Petra Wilm mit Royal Princess (212,30). - 2. W.: 1. Wilm mit Royal Princess (798), 2. Anna-Lena Kracht (Hamburg) mit Rubino Royal (795), 3. Clarissa Dennert mit Ramon (793)

Dressur Kl. S, Kl. Tour Intermediaire I, 2. W.: 1. Falk Rosenbauer (Lütjensee) mit Desperados (854 Punkte)

Preis der landesbesten Zweispänner SH/HH: 1. Andreas Krohn (Bargfeld-Stegen) mit Galaxie und Gianna (4.7 Punkte), 2. Wiebke Flindt (Buchhorst) mit Eisblume und Kiss me Kate (4.7), 3. Jan Tödt (Treia) mit Alonso und Lantamos (3.1).

Standarte Senioren: 1. RFV Neuengörs (194,64 Punkte), 2. RFV Lensahn (198,16), 3. RFV Zarpen (198,68)

Standarte Junioren: 1. Fehmarnscher RRV, Reitlehrerin Marte Eichner (97,50 Punkte), 2. PS Granderheide, Reitlehrerin Ulrike Hanstein (95,80), 3. Garstedt Ochsenzoller RV, Reitlehrerin Britta König (94,70)

Landeschampionat Dressur, Fünfjährige: 1. Pamela unter Anja Hermelink (Hamburg/7.70), 2. Take that unter Karin Winter-Polac (Lürschau/7.40), 3. Rufus 71, unter Antonia Döllner (Nübbel/7.30).

Landeschampionat Dressur, Sechsjährige: 1. Sanssouci unter Anja Hermelink (Hamburg/7.90), 2. Wesley unter Herbert Boger (Quickborn/7.80), 3. Aljetto unter Nina Magdalena Ellerbrock (Kayhude/7.50)

Landeschampionat Reitpferde: 1. De Chirico unter Sonja Grunden (Elmshorn/
27.50); 2. Ursa unter Sonja Franzenburg-Much (Holsteinniendorf/27.00),
3. Devallie unter Anika von Holdt (Elmshorn/25.50)

Hindernisfahren Zweispänner Kl. M: 1. Flindt mit Eisblume und Kiss me Kate (3 Strafsekunden/153 Sekunden), 2. Krohn mit Galaxie und Gianna (0/162), 3. Sönke Hansen (Maasbüll) mit Run away und Mister (3/167)

Stilhindernisfahren Zweispänner Kl. M: 1. Jan Tödt mit Alonso und Lantamos (6.5 Punkte),
2. Wiebke Flindt mit Eisblume und Kiss me Kate (5.6), 3. Andreas Krohn mit Galaxis und Gianna (5.6)



CHAMP Fahrer-Cup 2008
Die zwölf Teilnehmer qualifizierten sich über drei von CHAMP geförderte Fahrturniere der Klasse M durch Wertung von Kombinationsprüfungen aus Dressur, Gelände und Hindernisfahren. Dazu konnten die Landesmeister 2008 und der Deutsche Meister der Pony Zweispännerfahrer starten.
Die Qualifikation hatte die Fahrergemeinschaft Schleswig-Holstein/Hamburg ausgeschrieben. Sie ist mit über 600 Mitgliedern der stärkste Fahrerverband in Norddeutschland. Das Finale des CHAMP Cups wird als Kombiniertes Hindernisfahren ausgetragen, wo es um Fehler und Zeit geht. Drei Mannschaften gingen bei Flutlicht an den Start und wurden von den zahlreichen Zuschauern auf der Tribüne lautstark unterstützt. Sie zeigten alle einen rasanten Fahrsport.
Ergebnisse:
Teamwertung Einspänner, Vierspänner, Zweispänner, Zweispänner Ponys: I: Team Hornbroker Hof mit Björn Rahlf, Bruno Kellinghusen, Hans-Peter Goldnick, Stefan Koch in 416,21 sec; II. Team Frank Druck mit Marie-Luise Niederhacke, Jan Tödt, Andreas Krohn, Sandra Bies in 434,13 sec; III. Team CHAMP mit Katja Breitkopf, Robert Blender, Sönke Hansen, Miriam Voth in 453,23 sec; Schnellster pro Anspannungsart: Einspänner: Björn Rahlf 85,41; Vierspänner: Bruno Kellinghusen 134,35; Zweispänner: Sönke Hansen 104,38; Zweispänner Ponys: Stefan Koch 79,40 jem


Am Rande des Turniers
60-jähriges Jubiläum

Der runde Geburtstag des Landesturniers wurde mit Sonderaktionen ge­würdigt. Beispielsweise gab es Sonnabend Kutschfahrten vom Turnierplatz in die Segeberger Innenstadt und der berittene Fanfarenzug des Reiterhofs Gläserkoppel sorgte für Auf­sehen. Zusammen mit der Stadt Neumünster war außerdem ein Informationsstand in der Fußgängerzone organisiert worden, an dem der „Teufels­reiter vom Friedrichskoog“ über den Reitsport plauderte. Der Doppel-Olympiasieger Vielseitigkeit, Hinrich Romeike (Nübbel), gab am Sonntag ­Autogramme.

Reitabzeichen
Vier Reiter wurden im Rahmen des Turniers mit dem „Goldenen Reitab­zeichen“ für zehn Erfolge der Klasse S ausgezeichnet: Die Profi-Dressurreiterin Claudia Schröder (Radesforde) und der Hobbyreiter Klaus Thormählen (Bad Oldesloe) sowie die Vielseitigkeitsreiterin Beeke Kaack (Schmalensee) - Ersatzreiterin für Olympia - und die Einspänner-Fahrerin Mareike Harm (Negernbötel).

Verdient
Als „pferde­freundliche Gemeinde“ in Schleswig-Holstein wurde dieses Jahr die Gemeinde Aukrug ausgezeichnet. Wie der Vorsitzende des Pferdesportverbandes, Klaus Buß, betonte, habe sich Aukrug mit „traumhaften Reitwege-­Bedingungen“, die zusammen mit dem ortsansässigen Reit­verein, den Pferdebetrieben und der Gemeinde Aukrug erarbeitet worden seien, besonders verdient gemacht. Überreicht wurde ein Holzrelief, das der Bildhauer Hinrich Schürmann (Ellerau) geschnitzt hat.
jem

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