
Pferdesportverband S-H sagt Mitgliederschwund den Kampf an
Die Wissenschaft Âbestätigt: Im europäÂischen Raum sinkt die Zahl der Geburten stetig. Die Menschen werden älter, die Jüngeren zur Minderheit. In Kombination mit sinkenden Gehältern, steigenden ÂKosten, der Vervielfachung von Angeboten und der Schnelllebigkeit unserer Zeit ergibt sich daraus für Âviele Vereine in Deutschland und bei uns im Land ein großes Problem: Die Mitglieder schwinden. Der Pferdesportverband will diesem Trend, so das Schwerpunktthema auf der Jahreshauptversammlung, energisch begegnen.
Wenn Mitglieder weniger werden, fehlt oft nicht nur die Energie, die aus der „Masse“ kommt, zum Beispiel dafür, Turniere zu organisieren und auszurichten, sondern auch Geld, das durch die Mitgliedsbeiträge in die Kasse fließt und schlussendlich für Lehrgänge, Schulpferde, Reitanlagenbau und -instandhaltung sowie Zuschüsse und vieles mehr an die Mitglieder zurückgegeben wird. Nicht zuletzt halten die Mitgliederabgaben an den Landesverband auch das dort notwendige Organisations-Karussell am Laufen, denn dass sich die Verbandsarbeit nicht allein ehrenamtlich umsetzen läßt, ist wohl jedem klar. Nach ausgiebiger Diskussion wurde von der Versammlung allerdings eine teilanonymisierte Offenlegung der genauen Vereins-Mitgliederlisten (nur Name und Geburtsdatum) abgelehnt. Das hatte der Vorstand des PSH nämlich vorgeschlagen, um den exakten Bestand ermitteln zu können. Möglicherweise wird das Thema zu einem späteren Zeitpunkt jedoch wieder aktuell werden müssen.
Werbemaßnahmen
Mitgliederwerbung heißt in jedem Fall das Ziel, das sich der PSH gesetzt hat. Durch die Kommentierung von Bundes-Statistiken unterstützte Gastredner Reinhard Wendt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen ReiterÂlichen Vereinigung (FN), die Feststellungen des PSH-Geschäftsführer Dieter Stut:
44 615 Mitglieder waren 2007 in 394 Vereinen in Schleswig-Holstein organisiert. Das sind 129 Mitglieder weniger als 2006. Ein Abwärtstrend, der sich bereits in den Vorjahren noch sehr viel deutlicher bemerkbar gemacht hat.
Im Gegensatz dazu sei die Zahl der Vereine trotz sechs Auflösungen um vier gestiegen (insgesamt 394 Vereine, davon fünf Anschlussverbände). Reitbetriebe gibt es 442 (Vorjahr 425).
Vollkommen klar sei laut Stut, dass der kleinere Verein weniger leistungsfähig sei, weniger bewegen könne. Wenig sinnvoll sei es daher, einer sinkenden Mitgliederzahl mit Vereinsgründungen zu begegnen. Projekte, um neue Mitglieder zu werben und die unorganisierten Reiter an Vereine zu binden, gäbe es reichlich. Sie müssten, so der PSH-Geschäftsführer, nur umgesetzt werden. Angebote an Schulen und Kindergärten, die Ausschöpfung von Fördermöglichkeiten des Landesverbandes, zum Beispiel bei der Anschaffung von Schulponys, gehörten dazu. „Jugend, Jungs und Erwachsene“ müssten ans Pferd. Ein Weg, den Kunden von Morgen zu erreichen, sei die Kooperation, vor allem mit den Reitbetrieben. Kurse für Erwachsenen-Einsteiger und Wiedereinsteiger müssten attraktiv gemacht, eine Schulpferde-Information (wo finde ich welche) über die PSH-Homepage veröffentlicht werden.
In dem Zusammenhang konkretisierte Stut einige Werbe-Aktionen, die von den Vereinen und Betrieben direkt angeschoben werden könnten:
- Werbeflyer über Angebote des Vereins/des Betriebes erstellen und verteilen
- Werbeposter für Vereinsmitgliedschaft und Reiten im Betrieb
- Wandzeitung über Vereinsarbeit (vier bis fünfmal im Jahr)/über Reiten im Betrieb
- Werbung in Tageszeitungen und Anzeigenblättern
Es müsse deutlich gemacht werden, dass „etwas los“ sei in den Vereinen/Betrieben. Parallel dazu könnten die Vereinsarbeit und die Angebote neu strukturiert oder verbessert werden, um sie den Wünschen und Bedürfnissen der (zukünftigen) Mitglieder anzupassen. „Argumentationshilfen“ finden die Vereinsvorstände zum Beispiel in den von der FN veröffentlichten Büchern: „101 Ideen für die Vereinsarbeit“ und „365 Tipps für den Breitensport“ sowie im neuen FN-Handbuch. Zusätzlich solle das Ehrenamt gestärkt und der Ehrenamtskodex gefördert werden. Im Jugendbereich könne dies beispielsweise durch die Bildung von Junior-Teams geschehen.
Es könnte unter anderem eine kostenfreie Vereins-Schnupper-Mitgliedschaft im Eintrittsjahr angedacht werden oder eine Staffelung der Mitgliedsbeiträge (z.B. könnte älteren, nicht mehr aktiven Mitgliedern die Möglichkeit geben werden, anstelle des regulären Mitgliedsbeitrags einen niedrigeren „Förderbeitrag“ zahlen zu können). Über höhere Abzeichengebühren für „Nicht-Mitglieder“ könnte ebenfalls nachÂgedacht werden beziehungsweise über eine Âverpflichtende Vereinsmitgliedschaft für ÂAbzeichen-Absolventen. Bisher sind laut „Schätzung“ Stuts von jährlich rund 10 000 Abzeichenabsolventen 2500 keinem Verein angeschlossen. Eine Ermäßigung - zum Beispiel für das Eintrittsjahr - könnte mit der Abzeichenabnahme in Verbindung mit einem Vereinseintritt gekoppelt werden.
Synergieeffekte zwischen Betrieben und Vereinen sollten genutzt werden - beispielsweise könnten Betriebskunden animiert werden, Vereinsmitglied zu werden.
Verpflichtend ist bereits eine Landesverbands-Mitgliedschaft für alle Reitbetriebe, die Abzeichenlehrgänge anbieten. Ein E-mail-ÂNewsletter für Abzeichen-Absolventen wird derzeit entwickelt, um damit alle wichtigen Informationen für Neu-Einsteiger publik machen zu können. Jessica Bunjes
Neue Geschäftsstelle
Eine einmalige Umlage wurde zur Finanzierung der neuen Geschäftsstelle auf dem Gelände des FC Eintracht Segeberg beschlossen (drei Euro pro Mitglied, 25 Euro pro Pferdebetrieb). Das alte Gebäude ist baufällig, überaltert und nicht groß genug. Die Gesamtkosten des Projektes betragen, wie berichtet, 300.000 Euro für Ankauf, Umbau und Renovierung des Vereinsheims. Ergänzend zur beschlossenen Umlage wird eine Rest-Hypothek von 150 000 Euro aufgenommen werden müssen. Dem Vorschlag aus den Reihen der Vereinsvertreter, dass je Mitglied auch sechs Euro Umlage gezahlt werden könne, um damit die Restfinanzierung einzusparen, folgte die Versammlung nicht. Im Juli fallen in der Stadtvertretung Segeberg und im Segeberger Schulverband die letzten Entscheidungen, damit dann das Projekt - wie angedacht - tatsächlich vorangetrieben und das Vereinsheim der FC Eintracht Segeberg an den PSH verkauft werden kann. jem