Jubiläumsfeier in Elmshorn


Die Holsteiner Pferdetage in Elmshorn finden am 10. und 11. Juni in einem ganz besonderen Umfeld statt: Der Holsteiner Verband feiert sein 125-jähriges Jubiläum.

Die Geschichte des Holsteiner Pferdes lässt sich bis in das Jahr 1225 zurückverfolgen: Gerhard I., Graf von Schleswig-Holstein und Stormarn, verlieh dem Kloster Uetersen das Recht, seine Pferde in der Wildbrache der Grafschaft Pinneberg zu weiden. Das Landstallmeisteramt gab es in Holstein bereits unter König Christian I. (1460 - 1481). Schon im 16. Jahrhundert, als das kräftige, veredelte Reit- und Wagenpferd gezüchtet wurde, kam dem Export der Pferde ins Ausland eine große Bedeutung zu. So soll König Philipp von Spanien (1527-1598) ausschließlich Holsteiner Hengste für sein Gestüt in Cordoba benutzt haben. Später entdeckte auch Ludwig XIV. die schweren Holsteiner Kavallerieremonten, und der bekannte Reitmeister de la Guérinière nutzte die Eignung des Holsteiners für die Schule über der Erde. Als die schwere Kavallerie Ende des 19. Jahrhunderts von den Schlachtfeldern verschwand, gab es eine Zäsur im Holsteiner Zuchtgeschehen, denn der Personenverkehr in von Pferden gezogenen Luxuswagen nahm zu, und die Pferde mussten, um auf teilweise grundlosen Wegen vorwärts zu kommen, einen „hohen und räumenden“ Gang haben.
Die in jener Zeit bereits existierenden Pferdezuchtvereine schlossen sich 1883 zum „Pferdezuchtverein Kremper Marsch“ zusammen. Drei Jahre später kam es zur Herausgabe des ersten Gestütsbuchs durch Ökonomierat Georg Ahsbahs, Sommerlander Riep. Dieser Verband fusionierte 1935 mit den übrigen, bis dahin gegründeten Pferdezuchtvereinen zum „Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes“. 1944 wurde der noch heute genutzte Brand eingeführt. Nach dem 2. Weltkrieg verringerte sich der Pferdebestand im Land zwischen den Meeren bedenklich. 1960 gab es nur noch 1311 Holsteiner Stuten, was den schleswig-holsteinischen Landtag dazu bewog, das 1874 gegründete Landgestüt Traventhal aufzulösen. Nach vielen Diskussionen übernahm der Verband fast den gesamten Hengstbestand aus Traventhal und baute sich im Laufe der Jahre in Elmshorn das Hengstdepot auf. Rund 70 Verbandshengste und an die 200 Holsteiner Privathengste befinden sich derzeit im aktiven Zuchteinsatz, rund 8000 Zuchtstuten sind heute beim Holsteiner Verband registriert. 

Zucht
Landgraf I und Co.

Mit dem Einzug der schweren Maschinen in die Landwirtschaft hatte das Holsteiner Pferd Ende der fünfziger Jahre seine Existenzberechtigung als „Arbeitskraft“ auf dem Feld verloren. Um den bislang kalibrigen Typ zu veredeln, um aus ihm ein modernes Sportpferd zu machen, setzte die Zuchtleitung vor 40 Jahren auf den Einsatz von Vollbluthengsten. Allein in den sechziger Jahren kamen mehr als 25 „Blüter“ im Land zwischen den Meeren zum Einsatz. Darunter ein Hengst, der der damaligen Zucht seinen besonderen Stempel aufdrücken sollte: Ladykiller xx, der 1961 in England geboren wurde.  Er ist der Vater von  Landgraf I, dem bereits zu Lebzeiten vor den Elmshorner Stallungen ein Denkmal gesetzt wurde. Im gleichen Atemzug wie Landgraf I muß der 1999 im hohen Alter von 31 Jahren eingegangene Cor de la Bryère genannt werden. Neben Ladykiller xx hat „Corde“, wie er liebevoll von den Züchter genannt wurde, die moderne Sportpferdezucht im Land zwischen den Meeren am stärksten geprägt. Ein weiterer Hengst, der Holsteiner Zuchtgeschichte geschrieben hat, ist Capitol I, der Vater zahlreicher weltbekannter Springpferde und Hengste. Stellvertretend für viele andere seien hier nur Cassini I, Carthago und Dobel’s Cento genannt.

Stuten
Wichtige Grundlage der Holsteiner Zucht

Eine besondere Bedeutung kommt in Holstein den Stutenstämmen zu. Georg Ahsbahs, Herausgeber des ersten Gestütsbuchs, das im Jahr 1897 erschien, verfolgte die Stutenfamilien bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts und gab jeder Familie eine Stammnummer. Ein System, das heute noch Gültigkeit hat und um das die Holsteiner von vielen anderen Zuchtverbänden beneidet werden. Bereits damals erfolgte eine Bonitierung der Stuten durch eine Benotung der sechs Merkmale Abstammung, Größe, Farbe, Eleganz, Gang und Knochenbau. Die damalige Methode ist immer noch Grundlage der Bewertung, wurde jedoch wesentlich verfeinert. Vor mehr als 30 Jahren wurde ein System zur Überprüfung der Leistungsveranlagung junger Stuten, die sogenannten Stutentests, in Holstein entwickelt - ein Maßstab für alle Sportpferdezuchten in Europa.

Sport
Holsteiner erfolgreich in allen Disziplinen

Fritz Thiedemann war es, der nach dem zweiten Weltkrieg mit seinen Pferden auf den Turnierplätzen weltweit Ehre und Ruhm für die Holsteiner Zucht einlegte. Kein Pferd wurde in Deutschland jemals so geliebt wie sein Meteor . Über ein Jahrzehnt repräsentierte der mächtige Braune im Springsport den Begriff „Holsteiner“. Er und sein Reiter, die u.a. zwei Mal olympisches Mannschaftsgold gewannen,  vertraten die Scholle, von der beide stammten, in seltener Vollkommenheit.
Unvergessen bleibt auch Classic Touch, die 1992 unter Ludger Beerbaum Gold bei den Olympischen Spielen in Barcelona gewann. Pferde wie  Lianos (Rodrigo Pessoa), Calvaro (Willi Melliger), Dobel’s Cento (Otto Becker), Fein Cera (Peter Wylde), Cöster (Christian Ahlmann) oder Cumano (Jos Lansink) verhalfen ihren Reitern in jüngerer Zeit zum „Sprung“ auf das Treppchen bei internationalen Championaten.
Es gab und gibt immer wieder Dressurpferde, die von sich reden machen. Hier sind zu nennen Aar, mit dem  Dr. Reiner Klimke seine ersten wichtigen Erfolge im Dressursattel feierte, oder Antoinette und Venetia (Josef Neckermann). In den 70iger Jahren war es Granat der unter der Schweizerin Christine Stückelberger in zahlreichen Championaten nicht zu schlagen war. Ein ganz großer Triumph sollte dem von Margit Otto-Crépin für Frankreich gerittenen  Corlandus versagt bleiben, dennoch zählt der imposante Braune mit seinem gewaltigen Bewegungspotential zu den Pferden, die auch heute noch als Beispiel für das ideale Dressurpferd genannt werden.
Auch in der  dritten olympischen Disziplin, der Vielseitigkeit, stehen Holsteiner immer wieder im Rampenlicht. Das war vor allen Dingen einem Reiter zu verdanken, der über 30 Jahre für den Holsteiner Verband geritten ist: Herbert Blöcker, der u. a. mit Albrant und Feine Dame etliche Medaillen gewann. In den letzten Jahren waren es Brilliante, die  unter  Inken Johannsen zwei Mal Europameisterin der Jungen Reiter wurde und  2001 die Vize-Europa­meisterschaft bei den Senioren  gewann. Der Schimmel Marius gehörte unter  Hinrich Romeike zum deutschen Team, das  bei den Olympischen Spielen in Athen ihre Goldmedaille am „Grünen Tisch“ verlor und vor zwei Jahren Mannschaftsgold in Aachen gewann.


Die Holsteiner Pferdetage 2008

Verbandsstutenschauen

Das alles ist Geschichte, bei den Holsteiner Pferdetagen am 10.  und 11. Juni blicken wir nicht nur auf die „Stars“ von morgen, sondern auch auf die besten Stuten Schleswig-Holsteins. Die rund 90 vier- bis 14jährigen Pferdedamen konkurrieren am Dienstag, 10. Juni ab neun Uhr, um die Siege in ihren Klassen. Daran schließt sich der Familienwettbewerb, für den 15 Nennungen eingegangen sind.  Am Mittwoch gehen ab 8.30 Uhr die dreijährigen Stuten in den Ring. Rund 100 Stuten sind in den 12 Körbezirken ausgewählt worden. Im Anschluss an die einzelnen Ringe entscheiden die Richter auf dem Schauring,  welche Stute als „Stutenkönigin des Jahres 2008“ in den heimatlichen Stall zurückkehren wird. Am Nachmittag konkurrieren die besten Stuten der beiden Veranstaltungstage um das begehrte Blaue Band, das nur sehr selten bei bestimmten Jubiläumsveranstaltungen des Verbandes vergeben wird.

Jungpferdeturnier
Wie es um den turniersportlichen Nachwuchs in Schleswig-Holstein bestellt ist, werden die Reitpferde-, Dressurpferde- und Springpferdeprüfungen zeigen. Die Bundeschampionate in Warendorf im Blick haben die drei- und vierjährigen Reitpferde, die sich am Dienstag, 13 Uhr zur Sichtung stellen. Die Springpferdeprüfungen beginnen am Dienstag um 7.30 Uhr und finden ihren Höhepunkt am Mittwoch ab ca. 13.30 Uhr mit dem Landeschampionat der fünfjährigen Springpferde und dem sich daran anschließendem Championat der sechsjährigen Springpferde.

Fohlenauktion und Verkaufstag
Im Rahmen der Holsteiner Pferdetage kommen am Dienstag Abend gegen 18 Uhr rund 20 ausgewählte, früh geborene Stut- und Hengstfohlen in den Auktionsring. Calato, Caretino, Casall, Cassini I, Clearway, Con Air, Contender, Cormint, Corrado I, Cristo, Quo Vados und Talkative xx sind die Väter des vielversprechenden Nachwuchses, der ab 16.30 Uhr den Interessenten in der Reithalle präsentiert wird.
„Bei der Auswahl der Verkaufspferde haben wir neben einen guten Gesundheitszustand besonderen Wert auf die Rittigkeit und das Preis/Leistungsverhältnis gelegt“, erläutert Verkaufsleiter Sebastian Rohde. Rund 15 vier- bis sechsjährige Pferde mit vielversprechender Abstammung - als Väter seien hier nur Aljano, Calato, Con Air oder Quite Capitol genannt - stehen im Angebot. Die erste Präsentation der Verkaufspferde erfolgt am Dienstag ab 16.30 Uhr.

125-Jahr-Feier

Ein Höhepunkt der beiden Veranstaltungstage ist die Feier zum 125-jährigen Jubiläum des Holsteiner Verbandes am Dienstag, 10. Juni, ab 19.30 Uhr nach der Fohlenauktion in der Fritz-Thiedemann-Halle. Der ehemalige Zuchtleiter, Gerhard Gramann, und Dr. Thomas Nissen werden anhand einer Bilddokumentation die Geschichte des Holsteiner Verbandes Revue passieren lassen. Natürlich dürfen auch die Holsteiner Pferde nicht fehlen: Leistungsträgerinnen der Holsteiner Zucht präsentieren sich ebenso wie die „Säulen“ der Elmshorner Verbandshengsthaltung. Und als besonderer Höhepunkt werden die besten Stutenfamilien noch einmal vor den Zuschauern paradieren und von den Richtern rangiert.
Im Anschluss an die Feier findet im Innenhof ein gemütliches Beisammensein mit einem Imbiss und Freibier statt.


125-jähriges Jubiläum - Zeiteinteilung (vorläufig)


Dienstag, 10. Juni
ab   7.30 Uhr    Springpferdeprüfungen
ab   8.00 Uhr    Dressurpferdeprüfungen
ab   9.00 Uhr    Verbandsstutenschau (vier- bis 14jährige Stuten)
ab 13.00 Uhr    Qualifikation für das Bundeschampionat
                        (drei- und vierjährige Reitpferde)
ab 14.30 Uhr    Verbandssichtung (Familienwettbewerb)
ab 16.30 Uhr    Präsentation der Auktionsfohlen und Verkaufspferde
ab 18.00 Uhr    Fohlenauktion
ab 19.30 Uhr    125-Jahr-Feier in der Fritz-Thiedemann-Halle
im Anschluss gemütliches Zusammensein

Mittwoch, 11. Juni
ab    8.30 Uhr   Verbandsstutenschau (3jähr. Stuten)
ab    8.30 Uhr   Springpferdeprüfungen
ab  10.00 Uhr   Ausprobieren der Verkaufspferde
ca. 13.00 Uhr   Reitpferdeprüfung der besten drei- und vierjährigen Reitpferde
ca. 13.30 Uhr   Landeschampionat der fünfjährigen Springpferde
ca. 14.30 Uhr   Landeschampionat der sechsjährigen Springpferde
ca. 15.30 Uhr   Auswahl der Siegerstute

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