
Es war ein großartiges Fest
Die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Jubiläum des Holsteiner Verbandes - eingebunden in die Holsteiner Pferdetage - werden unvergesslich bleiben.
Diejenigen, die nicht dabei gewesen sind, haben etwas ganz Großartiges verpasst“. Das war die einhellige Meinung aller Anwesenden - es waren mehr als 1000 Besucher gekommen - nach dem Festakt zum 125-jährigen Jubiläum des Holsteiner Verbandes in der Fritz-Thiedemann-Halle von Elmshorn.
Vertreter fast aller deutschen Pferdezuchtverbände waren ebenso anwesend wie Jan Pedersen, der Vorsitzende des WBFSH (World Breeding Federation for Sporthorses), und der Vertreter des KWPN, Johann Knaap. In seiner Begrüßung dankte der erste Vorsitzende des Holsteiner Verbandes, Jan Lüneburg, vor allem den Züchtern, die in den schweren Zeiten Anfang der 60er Jahre an ihren Stuten festgehalten und so die großartigen Erfolge der heutigen Zeit möglich gemacht haben. Der Landwirtschaftsminister Dr. Christian von Boetticher überbrachte die Glückwünsche des verhinderten Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen, der jeden Tag, morgens und abends, von einem ganz besonderen Holsteiner - Meteor - vor seinem Büro begrüßt und verabschiedet wird. „Wir fühlen uns dem Holsteiner Pferd eng verbunden“, sagte der Landwirtschaftsminister und hob hervor, wie bedeutend die Pferdezucht für das Land inzwischen geworden ist. „Es gibt nicht viele Bereiche in Schleswig-Holstein, die so erfolgreich sind wie die Zucht und der Pferdesport bei uns im Land“. Und dafür dankte Dr. Christian von Boetticher den Züchtern und Züchterinnen des Holsteiner Pferdes. Nachdem Dr. Brigitte Fronzek, Bürgermeisterin der Stadt Elmshorn, Breido Graf zu Rantzau in seiner Eigenschaft als FN-Präsident und Jan Pedersen ihre Grußbotschaften überbracht hatten, ließen Gerhard ÂGramann und Dr. Thomas Nissen die Geschichte des Holsteiner Verbandes noch einmal ÂRevue passieren. Die Vorträge können im ÂInternet Âunter www.holsteiner-verband.de oder www.pferd-und-sport.de noch einmal nachgelesen werden.
Und dann erlebten die Gäste der Jubiläumsveranstaltung etwas, was sie wahrscheinlich so schnell nicht wiedersehen werden. Zunächst paradierten die - zum Teil tragenden - Perlen der Holsteiner Zucht: die 17-jährige Fara v. Calando I-Landego (Mutter von Canturo/Bernardo Alves), die 18-jährige Elegante v. Landgraf I-Rebel Z (Mutter des dreifachen Derbysiegers Collin), die 21-jährige Bravo (Mutter von Contendro I und II), die 21-jährige Bagina v. Ahorn Z-Wahnfried (Mutter von Concerto I und II), die 23-jährige Zivia v. Calypso II-Maestose xx (Mutter der Hengste Calazio, Carambo und Cassiano sowie des Olympiapferdes Cim Christo), die 25-jährige Valeska v. Fernando-Lord (Mutter der Hengste Corofino I und II), die 27-jährige Taura v. Lord-Raimond (Mutter der Hengste Cesano I und II sowie der internationalen Springpferde Crocodile Dundee und Conally), die 26-jährige U-Capitola v. Capitano-Maximus (Vollschwester zu Capitol I), ihre 21-jährige Tochter Birte (Mutter von Quite Easy) und deren Tochter Pretty Easy, die ein Fohlen von For Pleasure mitgebracht hatte. Theo Leuchten, neuer Vorsitzender der rheinischen Züchter, der die Berichterstattung der Verbandsstutenschau übernommen hatte, sagte dann auch am nächsten Tag: „Das war für mich ungemein beeindruckend, diese langlebigen und fruchtbaren Stuten, die noch ungewöhnlich gut in Form waren, gesehen zu haben“. Den Züchtern bzw. Besitzern dieser Stuten kann man nicht genug danken, dass sie dieses eindrucksvolle Bild ermöglicht haben. Genauso beeindruckend war der Auftritt der Starvererber des Holsteiner Verbandes, die vorzüglich „in Schuß“ waren: Cassini I (21 Jahre), Corrado I (23 Jahre), Contender (24 Jahre) und - mit 25 Jahren - der Senior Caretino, der bei seiner Verabschiedung mit einer Trabrunde noch fröhlich auskickte und seinem Auftritt sichtlich genoss. Mit dem Aktionstraber Loran an der Hand von Gerard Muffels endete der würdige Festakt zum 125-jährigen Bestehen des Holsteiner Verbandes.
Verbandsstutenschau
Die Siegerstute kommt aus Stormarn-Lauenburg
Die beste dreijährige Holsteiner Stute des Jahres 2008 kommt aus dem Körbezirk Stormarn-Lauenburg und heißt Vontessa VA v. Casall-Carolus I-Landgraf I (Stamm 474 A). Sie kommt aus der Zucht und dem Besitz von Manfred von Allwörden, Seedorf. „Vontessa VA ist ein großrahmiges Spitzenmodell der Holsteiner Zucht, das in idealer Weise unser Zuchtziel verkörpert“, sagte Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen und fuhr fort: „Zudem gehört sie einem der wertvollsten Stutenstämme Holsteins an. Ihre Großmutter Vanessa, die auch Mutter des Hengstes Calato ist, war eine der erfolgreichsten Schaustuten der Holsteiner Zucht“. Zur Reservesiegerin kürte die Kommission, bestehend aus dem Zuchtleiter des Holsteiner Verbandes, Dr. Thomas Nissen, Kiel, Heino Kracht, Hamburg, und Timm Peters, Bargenstedt, die Landos-Cascadeur-Latino-Tochter Valetta (Stamm 1859), die von der Zuchtgemeinschaft Wittenberg in Schnarup-Thumby gezogen wurde und sich im Besitz von Detlef Hennings, Bendorf, befindet. Zweite Reservesiegerin wurde Valentina I v. Nekton-Briscar-Landgraf I (Stamm 1916) aus der Zucht von Gesa Rathjen-Heesch, Beldorf, und dem Besitz von Hermann Gloy in Siezbüttel. Die Tochter des Lauries Crusador xx aus einer Calypso I-Ladalco-Mutter, Viona (Stamm 474 A), aus der Zucht von Kristin Sophia Howest, Hamburg, und dem Besitz von Udo Howest, Hamburg, wurde als beste Halbblutstute des diesjährigen Jahrgangs ausgezeichnet. Eine weitere Ehrung gab es für Vienna v. Clinton I-Calido I-Cabinett I (Stamm 18 A 2) aus der Zucht und dem Besitz der ZG Meinert in Elmenhorst. Die Schimmelstute war das beste Bewegungspferd der diesjährigen Verbandsstutenschau. Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen freute sich: „Ich denke, wir haben im Jubiläumsjahr einen JubiläumsÂjahrgang erlebt. Die Stuten, die wir hier hatten, konnten sich ohne Ausnahme überzeugend bewegen. Erfreulich war auch, dass junge Vererber wie Casall, der die Siegerstute stellte und neun weitere Töchter dabei hatte, Nekton oder Landos ihre postive Visitenkarte abgeben konnten“.
Das Blaue Band
Die Trägerin ist US-Beauty
Die acht besten vier- bis 14-jährigen Holsteiner Stuten, die am Vortag um den Einzug in das Finale um das Blaue Band konkurriert hatten, und die beiden Dreijährigen, die am Mittag bei der Verbandsstutenschau an der Spitze gestanden hatten, konkurrierten am Mittwoch Nachmittag um das nur zu ganz besonderen Anlässen vergebene Blaue Band. Unangefochtene Siegerin war die vierjährige Paramount-ÂLigorett-Calypso I-Tochter US-Beauty aus der Zucht und dem Besitz von Waltraud Sobirey, Hüttblek. „Diese bildschöne Stute hatte bereits am ersten Tag überzeugen können, auch heute stach sie souverän heraus“, wusste Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen zu berichten. US-Beauty war schon im vergangenen Jahr bei der Verbandsstutenschau als bewegungsstärkste Stute ausgezeichnet worden. Ihr Vollbruder wurde vor einigen Jahren nach seiner Körung nach Brasilien verkauft.
Landeschampionate der Springpferde
Die Sieger: Cypriano und Siska
Zum unangefochtenen Champion der fünfÂjährigen Springpferde ritt Jörg Carstensen den Cassini II-Cantus-Sohn Cyprian aus der Zucht von Thomas Petersen, Sollwitt, und dem Besitz der Hengststation Sollwitt. Der braune Wallach erhielt in beiden Umläufen des M-Springens von den Richtern Joachim Geilfus, Hans-Helmuth Sievers und Ulrich Henschke die Höchstnote: eine 9,0. Auf Platz zwei rangierte ein ehemaliges Holsteiner Auktionspferd: Coretta v. Corrado I-Larno (Züchter Karin Blöcker, Nettelsee; Besitzer Dr. Michael Rüping, Breitenburg). Die Stute hatte im ersten Umlauf eine 8,8 erhalten und konnte sich im zweiten Umlauf noch einmal steigern. Eine 8,9 gab es für diese Vorstellung unter Philip Rüping.
Bei den Sechsjährigen waren alle Pferde, die eine 8,0 und besser erhalten hatten, in das Stechen gegen die Uhr gekommen. Siska v. Cassini I-Coriander (Dirk Hansen, Südermarsch; Uta Köhnke, Oldenburg) war unter Rasmus Lüneburg am Schnellsten unterwegs und wurde mit dem Eichenkranz belohnt. An zweiter Stelle rangierte der Landeschampion der Fünfjährigen des vergangenen Jahres: Cuincy v. Calato-Contender (Heinrich Bredenkamp, Scharbeutz; Dr. Michael Rüping), der von Philip Rüping geritten wurde.
Familienwettbewerb
Sieg für die Familie der Lavaletta
Acht Stutenfamilien bewarben sich um den Sieg in dem im Holsteiner Zuchtgebiet selten ausgetragenen Familienwettbewerb, zu dem am Nachmittag des ersten Veranstaltungstages zehn Stutenfamilien angetreten waren. Die besten drei zeigten sich noch einmal anlässlich des Festaktes zum 125-jährigen Jubiläum in der Elmshorner Fritz-Thiedemann-Halle. Über den Sieg konnte sich ein Züchter der ganz alten Garde freuen: Gustav Weber aus Brande-Hörnerkirchen. Der 88-Jährige nahm gerührt die Glückwünsche des Landwirtschaftsministers Dr. Christian von Boetticher entgegen. Gustav Weber ist Züchter und Besitzer der Landgraf I-Tochter Lavaletta, die mit ihren beiden von Casall abstammenden Töchtern Udea und Viktoria - eine im Besitz seines Sohnes William Weber, Brande-Hörnerkirchen, die andere im Besitz von Klaus Lübbert, Uetersen, angetreten war. Gustav Weber wurde für diesen Erfolg mit dem Ehrenteller des Landwirtschaftsministeriums ausgezeichnet. Den Reservesieg trug die Stutenfamilie von Gerd und Hobe Magens aus Ottenbüttel davon, gefolgt von einer Stutengruppe, die eigens aus Dänemark angereist war und dort im Stall des Züchters Ejvind Krath, Oelgod, zu Hause ist.
Fohlenauktion
Spitzenpreis 35 000 Euro
„Mit dem Durchschnittspreis können wir mehr als zufrieden sein“, Âbilanzierte Auktionsleiter Sebastian Rohde nach der Fohlenauktion des Holsteiner Verbandes in Elmshorn. Für die 16 versteigerten Stut- und Hengstfohlen gab es einen bislang bei Holsteiner Fohlenauktionen noch nie da gewesenen Schnitt von 10 750 Euro. Das teuerste Fohlen war eine Stute von Corrado I-Lennon-Landgraf I aus der Zucht und dem Besitz von Kai Wullweber in Todesfelde. AustraliÂsche Neukunden, die mit Vollblütern, Hannoveranern und Holsteinern züchten, ersteigerten die mit viel Typ ausgestattete Braune für 35 000 Euro. Auch Klaus Föge hatte die Qualität des Fohlens erkannt: „Ein Spitzenfohlen“, meinte er während der Präsentation, die erstmalig draußen auf dem Schauring der Stuten stattfand. Das zweitteuerste Fohlen war ebenfalls eine Stute: Für 15 000 Euro schlug Auktionator Uwe Heckmann eine Cassini I-Cascavelle-Tochter aus der Zucht und dem Besitz von Peter Thomsen in Epenwöhrden Holsteiner Züchtern aus Ungarn zu. Der ÂHolsteiner Starvererber Contender stellte zwei Fohlen, die 14 000 Euro kosteten: Aus der Zucht und dem ÂBesitz von Christian Dammholz, ÂLiesten, stammt das Hengstfohlen aus einer Caretino-Mutter, und aus der Zucht der ZG Manfred und Inken Johannsen, Tornesch, kam das Stutfohlen aus der Lord-Stute Geliebte. Diese ist unter Inken Johannsen sehr erfolgreich im Vielseitigkeitssport unterwegs gewesen. Die beiden Fohlen werden künftig in Polen bzw. Belgien ihren Hafer fressen.