Holsteiner Jungzüchter siegen



Die Sensation ist perfekt: Die besten Jungzüchter Deutschlands kommen vom Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes.

Die Holsteiner Jungzüchter richteten in Elmshorn zum ersten Mal den Bundeswettbewerb der Jungzüchter aus und schrieben nicht nur in dieser Hinsicht Geschichte. Denn nachdem die Ehrengäste in ihren Grußworten Inken Johannsen und ihren Helfern mehrfach ausdrücklich zur perfekten Veranstaltung gratuliert hatten, waren es die Holsteiner, die bei der Siegerehrung am häufigsten aufgerufen wurden. Zu ihrer Überraschung gewannen die Holsteiner die meisten relevanten Titel, so dass sich das zwölfköpfige Team um Mannschaftsführer Paul Schumacher und Gerard Muffels auch den Titel in der Mannschaftswertung holte. Die Geheimfavoriten Westfälisches Pferdestammbuch und der Hannoveraner Zuchtverband belegten die Plätze zwei und drei.
Zudem stellen die Holsteiner mit Tanita Schinkel und Mandes Verhaagh in der Einzelwertung die Titelträgerin und den Zweitplazierten des Bundeswettbewerbs der Jungzüchter 2008, dazu kam der Sieg von Kathrin Krohn vom JZ-Club Ditmarschen in der AK 2.
Schinkel und Verhaagh, beide Mitglieder des JZ-Clubs Pinneberg, waren die überragenden Teilnehmer des Bundeswettbewerbs. Die 17-jährige Tanita Schinkel konnte ihren Erfolg auch nach der Siegerehrung nicht fassen. Erste Gratulanten waren Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Dr. Christian von Boetticher, Breido Graf zu Rantzau, in seiner Funktion als Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Jan Lüneburg, der Vorsitzende des Holsteiner Verbandes, und Hendrik Fliegel, der Vorsitzende des Deutschen Jungzüchterverbandes. Während ihr die Honoratioren Schärpen umhängten,  sollte Tanja Schinkel dem Team von Pferd TV ein Life-Interview geben.
Wer ihren Gesichtsausdruck sah, der zwischen Staunen und hemmungsloser Freude hin- und herwechselte, kann sich vorstellen, dass sie kaum Worte für ihre Gefühle fand. Auch als sie vor dem abschließenden Mannschaftsfoto ihrem Vater in die Arme fiel, konnte Tanita Schinkel ihren Erfolg noch gar nicht begreifen. Vielmehr freute sie sich, dass ihr Pony Tell  dem Sieger im Vormustern zugelost worden war. „Somit ist mein Pony Bundessieger geworden!“, jubelte sie.
Die Barmstedterin dominierte die Alterklasse 1 (14-18 Jahre), da sie in jeder Einzeldisziplin des Wettbewerbs platziert war. So siegte sie gemeinsam mit dem Neuendorfer Mandes Verhaagh in der Theorie, beide erreichten 88 Punkte. Damit legten sie die Basis für ihre überragende Plazierung. „Inken hat uns regelmäßig mit den FN-Infos versorgt, in denen wir das Neueste aus dem Sport gelesen haben,“ versuchte Mandes Verhaagh später sein gutes Abschneiden zu erklären. „Auch sonst haben wir dieses Mal sehr viel Theorie gelernt, und die Trainingstage waren sicher auch sehr hilfreich. Aber wir wussten wirklich nicht, was in dem Fragekatalog auf uns zukommt,“ beeilt er sich Spekulationen über einen vermeintlichen Heimvorteil seines Teams auszuräumen.
In der Beurteilung tauschten Verhaagh (91 Pkte) und Schinkel (89 Pkte) die Reihenfolge, im Vormustern kam Schinkel gemeinsam mit Ricarda Schlüter vom Westfälischen Pferdestammbuch auf den dritten Platz (89 Pkte). Beim Vormustern war die Ponybesitzerin durch eine Verletzung an ihrem linken Handgelenk so eingeschränkt, dass sie eine Bandage tragen musste. Deshalb war sie nach ihrem Mustern auch nicht sicher, wie die Richter ihre Leistung beurteilen würden. Doch Otto Schalter vom Zuchtverband Rheinland-Pfalz, Olaf Hagemann vom Hannoveraner Verband und Ines Rathke vom Zuchtverband Brandenburg-Anhalt attestierten ihr eine sehr überzeugende Leistung. „Das war eine komplett runde Sache Sie hat in allen Elementen souverän agiert,“ lautete ihr Urteil. Komplettiert wurde Schinkels Abschneiden durch einen siebten Platz in der Beurteilung des Freispringens (90 Pkte).
Tanita Schinkel erreichte in der Gesamtwertung 356 von maximal 400 Punkten und setzte sich auch im Vergleich mit den älteren Jungzüchtern souverän durch. Ihr Vorsprung auf den Zweitplazierten Verhaagh betrug zehn Punkte. Er hatte sich im Vormustern den neunten Platz gesichert (78 Pkte) und war beim Freispringen auf den 13. Rang (Pkte) gekommen. Das bedeutete in der Addition für ihn mit 346 Punkten den zweiten Platz in seiner Altersklasse und in der Gesamtwertung.
Überhaupt schnitt beim Bundeswettbewerb in Elmshorn die jüngere Altersklasse besser ab als die älteren Teilnehmer. Sowohl in der AK 2 wie auch in der Gesamtwertung belegten mit Ricarda Schlüter vom Westfälischen Pferdestammbuch und Frauke Lohmann vom Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg (beide 341 Pkte) gemeinsam den dritten Platz. Insbesondere der Erfolg von Lohmann war bemerkenswert, da das Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg das erste Mal beim Bundeswettbewerb vertreten war.
Die Ehre der Älteren zwischen 19 und 25 Jahren rettete mit Kathrin Krohn (339 Pkte) vom JZ-Club Dithmarschen wiederum eine Vertreterin der  Holsteiner Jungzüchter. Die Siegerin der AK 1 belegte in der Gesamtwertung Platz fünf.
Sie hatte in ihrer Altersklasse im Mustern gesiegt (84 Pkte) und den Triumph der Holsteiner in der Theorie mit ihrem dritten Platz (80 Pkte) hinter Greta Lüschow (91 Pkte) vom JZ-Club Steinburg und Neel-Heinrich Schoof (83 Pkte) vom vom JZ-Club Dithmarschen vervollständigt. Ein 13. Platz in der Beurteilung (86 Pkte) und  der gemeinsame 15. Platz im Freispringen mit ­Schoof und Aneka Keßen vom Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg (alle 89 Pkte) verschafften ihr den Sieg in der Gesamtwertung der AK2 mit 339 Punkten. Wie dominant die Holsteiner dieses Mal waren, lässt sich auch in der Endauswertung für die AK2 ablesen. Denn mit 333 Punkten sicherte sich Greta Lüschow den zweiten Platz vor Karin Schulze-Topphoff vom Westfälischen Pferdestammbuch (329 Pkte). Schoof kam mit 326 Punkten auf den fünften Platz.
Anke-Suzann Behrmann



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