Mit den Pferden, fĂŒr die Pferde

„Stellvertretend, aber nicht mit dem Anspruch der Alleinvertretung  fĂŒr die vielen Wegbegleiter.“ Mit diesen zutreffenden und bewegenden  Worten seines langjĂ€hrigen Freundes Prof. Dr. Peter Kiel auf der Trauerfeier möchten wir auf das Leben und Wirken Eberhard Fellmers zurĂŒckblicken:

 

Es wĂ€re eine umfangreiche Aufgabe, den erfĂŒllten Lebensweg Eberhard Fellmers mit seinen facettenreichen Stationen zu skizzieren. Dies allein wĂŒrde ihm aber nicht gerecht werden. Denn das, was Eberhard Fellmer Zeit seines Lebens ausmachte, waren nicht nur seine beruflichen Erfolge, seine unzĂ€hligen EhrenĂ€mter, die er ebenso erfolgreich und mit unbĂ€ndiger Energie und BegeisterungsfĂ€higkeit bis ins hohe Alter ausgeĂŒbt hat. Es waren auch nicht nur seine innovativen Ideen, mit denen er „seinen“ Landesverband der Reit- und Fahrvereine Hamburg 33 Jahre lang erfolgreich leitete und die die gesamte deutsche Reitsportszene in vielerlei Hinsicht bereichert und so manches Mal aufgerĂŒttelt haben.

Es war vielmehr der Mensch Eberhard Fellmer, der Humanist, dem es gelang, Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Interessen und unterschiedlicher Ansichten zusammenzufĂŒhren und dabei jedem - und zwar stets aus Überzeugung - das sichere GefĂŒhl zu geben, einen wichtigen und unentbehrlichen Part fĂŒr die gemeinsame Sache einzunehmen, die sehr hĂ€ufig einen hippologischen Hintergrund hatte. Die WertschĂ€tzung fĂŒr den GegenĂŒber, mag es Freund, anwaltlicher Gegner oder Beides gewesen sein, zeichnete Eberhard Fellmer dabei stets aus, ohne dass er sich selbst jemals verbogen hĂ€tte.

Und so erscheinen die 33 Jahre, in denen er den Landesverband der Reit- und Fahrvereine Hamburg geleitet hat, zwar als beachtliche und rekordverdĂ€chtige Zahl. Viel bemerkenswerter ist jedoch, dass Eberhard Fellmer ĂŒber so einen langen Zeitraum fĂŒr drei Generationen, die fĂŒr seine Landesverbandszeit stehen, eine Konstante war. Drei Generationen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, deren Interessen er aber unterschiedslos beachtet, respektiert und vertreten hat. Die erste Generation, zugleich seine eigene: Aufgewachsen im Krieg, mit der schwierigen Aufgabe des Wiederaufbaus und hĂ€ufig von Kindheit an mit Pferden. Die zweite Generation: GeprĂ€gt vom Wohlstand des Wirtschaftswunders, zum Teil desorientiert im Zeichen der 68er und mit dem FN-Slogan „Das Pferd muss bleiben!“ der Pferdesportszene verhaftet. Die dritte Generation: Freizeitorientiert, amerikanisiert, antiautoritĂ€r und mit dem wiederentdeckten Pferdevirus infiziert. Vielleicht ein ĂŒberzeichnetes Bild. Aber es macht die große Gabe Eberhard Fellmers deutlich, auf alle Menschen, so unterschiedlich sie sein und aufgewachsen sein mögen, zuzugehen, sie zu motivieren und zu begeistern, sie zu fordern und zu fördern, ihnen als VerbandsfunktionĂ€r vorzustehen, aber doch gleichberechtigt einer von ihnen zu sein. Und sie alle wegen ihrer Persönlichkeit und nicht etwa wegen Äußerlichkeiten zu schĂ€tzen.

Viele werden sich daher auch gerne und lebhaft an die legendĂ€ren EmpfĂ€nge auf seinem Kastanienhof in Nehms erinnern, und an seine BegrĂŒĂŸungsworte, die er stets auf einem Stuhl stehend in die Runde warf: „So, alle mal herhören!“ Menschen zu vereinen war sein Lebenselixier. UnzĂ€hlige haben Eberhard Fellmer in seinem schaffensreichen Leben begleitet; und ebenso viele hat er begleitet. Mit Rat und Tat und menschlicher Achtung. Jeder, der Eberhard Fellmer nĂ€her kennen gelernt hat, wird daher in diesen Tagen seinen eigenen, ganz persönlichen Abschied genommen haben. Und jeder wird seine eigenen Erinnerungen an den großen Hippologen Eberhard Fellmer in seinem Herzen tragen.

Seinen Wurzeln ist Eberhard Fellmer stets treu geblieben. Aus urpreußischem Hause stammend, wuchs er unter dem Eindruck der zu Ende gehenden deutschen Monarchie in Berlin und Stolp auf. Er liebte die klassische Musik und die alte deutsche Literatur, die Gesellschaft seiner Mitmenschen und das geistreiche GesprĂ€ch. Seinen ausgeprĂ€gten Sinn fĂŒr Gerechtigkeit, der geradezu zwangslĂ€ufig zu seinem Beruf als Rechtsanwalt fĂŒhrte - obwohl er ursprĂŒnglich Arzt werden wollte - stellte er zunĂ€chst in den Dienst der Opfer nationalsozialistischen Unrechts und dann im Sinne seiner großen equinen Leidenschaft auch und vor allem in den Dienst der Pferde.

Überhaupt: Es waren die Pferde, die sein Leben so sehr bestimmten und es mehrere Male auch gerettet haben, wie er immer wieder beeindruckt und beeindruckend berichtete. Unter Gustav Rau gehörte der schon damals in hippologischer Hinsicht Ă€ußerst versierte Soldat der Remonte-Kommission an, ehe es ihn dann an die Ostfront verschlug. Kurz vor der Flucht ĂŒber die Ostsee bekam seine Einheit den Befehl, die Pferde zu töten, damit sie nicht als Kriegsbeute den Russen in die HĂ€nde fielen. Auf seine Anweisung nahm jeder Soldat allein in einem der vielen KiefernwĂ€lder von seinem Pferd Abschied. Viele SchĂŒsse fielen, doch kein einziger traf - dank seiner ausdrĂŒcklichen Anweisung - ein Pferd. Gerade dieses Kriegsereignis spiegelt in ganz besonderem Maße eine wichtige Seite der Persönlichkeit Eberhard Fellmers wider: Die Liebe zu den Pferden, die stĂ€rker war als der militĂ€rische Befehl und althergebrachte Ansichten.

Über die Ostsee kam Eberhard Fellmer 1945 nach Neustadt in Holstein, er studierte Jura und war mit der Hamburger Mannschaft der erste Deutsche Hochschulmeister im Reiten. Mit der kompletten Mannschaft von einst wurde Fellmer anlĂ€sslich des fĂŒnfzigjĂ€hrigen JubilĂ€ums des Deutschen Akademischen Reiterverbandes (DAR) geehrt. Der DAR verdankt ihm sein Bestehen, denn dem findigen Juristen war es ungeachtet zahlreicher AnimositĂ€ten gelungen, den Studentenreitern ein Zuhause zu geben. Zum Dank wurde er Ehrenmitglied. Mehr und mehr wandte er sich dem Pferderecht zu. Er schrieb diverse FachbĂŒcher und unzĂ€hlige Veröffentlichungen zu diesem Thema, setzte sich fĂŒr die Aus- und Fortbildung der hippologischen SachverstĂ€ndigen ein und wurde der wohl bekannteste deutsche „Pferdejurist“. Erfolge sowohl im Sattel als auch in der Zucht, u.a. als ZĂŒchter des Qlympia-Pferdes „Beethoven“ von Willi Mellinger, und spĂ€ter am Richtertisch mit allen Qualifikationen waren fĂŒr ihn geradezu obligat.

Nicht als Widerspruch, sondern als konsequent ist es in Anbetracht des vielschichtigen Engagements Eberhard Fellmers anzusehen, dass er als Reiter, wenn auch im Sattel den klassischen Disziplinen verhaftet, preußisch und militĂ€risch geprĂ€gt, im Jahre 1974 vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zum „Ersten Freizeitreiter Deutschlands“ erhoben wurde. Allen Unkenrufen zum Trotz ersann Eberhard Fellmer die heute aus dem hippologischen Alltag nicht mehr wegzudenkenden Breitensportfestivals und wurde zum Wegbereiter und Sprachrohr der immer grĂ¶ĂŸer werdenden Zahl der Breitensportler. Die Verleihung des Reiterkreuzes in Gold sowie des Bundesverdienstkreuzes waren die angemessene WĂŒrdigung seines Lebenswerkes.

Seine letzten VortrÀge und Vorlesungen in Warendorf und Wien hat er, wie so viele seiner Reden, mit einem Zitat von Clemens Laar beendet, das er sich stets als Maxime seines Handelns zu Eigen gemacht hat:

„Wenn wir in den Sattel steigen, erheben wir uns nicht ĂŒber andere. Wenn wir im Sattel sitzen, schauen wir nicht auf andere herab, aber auf dem PferderĂŒcken sind wir dem Himmel ein deutliches StĂŒck nĂ€her.“

Seit dem 17. MĂ€rz 2007 ist Eberhard Fellmer dem Himmel nun ganz nahe, er schaut auf uns hinunter, ist doch unter uns und wird es bleiben. Unser MitgefĂŒhl gilt seiner Familie. Unser Dank geht an einen großen Hippologen und Mentor, zu dem alle aufschauten, der jedoch nie herabsah.

 

In Dankbarkeit, Christian Schacht und Dr. Sascha BrĂŒckner

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