
Das Interesse an den Hengstvorführungen ist weiterhin riesengroß. Einen Tag nach den Schauen bei Lothar und Sven Völz in Wöhrden und im Stall Maas J. Hell, über die wir in der nächsten Ausgabe von PFERD+SPORT berichten, kamen am ersten Febuar-Wochende rund 5000 Zuschauer in die Holstenhalle von Neumünster, um sich die Parade der Verbandshengste anzusehen.
All diejenigen, die bei der Hengstpräsentation des Holsteiner Verbandes in der Holstenhalle von Neumünster nicht genügend Sitzfleisch hatten, haben am Samstag ohne Frage etwas verpasst: Zum Abschluss der rund fünfstündigen Veranstaltung zeigten die internationalen „Kracher“ beim Parcoursspringen, dass sie für diese Saison bestens gerüstet sind. Allen voran Con Air v. Contender-Carolus I (Ernst Chr. Teegen, Bebensee), dessen erklärtes Ziel die Europameisterschaften in Mannheim sind. „Das dänische Team hätte Lars Bak Andersen bereits gerne in Aachen mit dabei gehabt“, so Norbert Boley, „doch wir wollten dem Paar noch Zeit zum Reifen geben.“ Eine Zeit, die die beiden dann auch mit vielen schönen Erfolgen in der vergangenen Saison genutzt haben. Zuvor hatten sich die von Thieß Luther bzw. Michael Aabo gerittenen Boritas v. Baldini I-Alcatraz (Klaus Thiedemann, Oesterwurth) und Cabochon v. Caletto I-Fridericius (Eggert Soltau, Dörnick) überzeugend in dem Kurzparcours gezeigt,
Apropos Michael Aabo: Der Däne, der ebenfalls auf einen EM-Platz hofft, war das erste Mal bei einer Hengstpräsentation dabei und stellte gefühlvoll u. a. eine gewaltig springende vierjährige Clearway-Contender-Tochter im Kurzparcours vor. Auch Sören von Rönne hatte es sich nicht nehmen lassen nach Neumünster zu kommen. Er ritt seine beiden „Zuchtprodukte“ Cartani v. Carthago und Artani v. Acorado I, deren Mutter bzw. Großmutter sein legendäres Erfolgspferd Taggi ist. Beide Hengste, der eine sechs-, der andere vierjährig, werden neben ihrem Zuchteinsatz vom ehemaligen Mannschaftsweltmeister in Ruhe auf den großen Sport vorbereitet. Eine für den Deckeinsatz benötigte 8,0 in einer Springpferdeprüfung sollte für Cassiano v. Cassini I-Calypso II (Carsten Lauck, Pinneberg) nicht schwer zu erreichen sein. Der edle Schimmel - Maestose xx und Felipe xx-Blut auf der Mutterseite - zog souverän unter Lars Bak Andersen seine Runden. Die Mutter des Hengstes, Zivia, kam übrigens bei Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen zur Welt, der die Stute dann als Fohlen verkaufte. Ein weiteres großes Talent für den Parcours scheint der erste und bislang einzige Cento-Sohn in der Holsteiner Zucht zu sein: Der von Jörg Naeve vorgestellte Chepetto a. e. Ramiro-Mutter (Ekkehard Kraas, St. Peter-Ording) sprang in hervorragender Manier mit augenscheinlich großem Vermögen.
Wie schon in den Jahren zuvor, stand das Parcoursspringen unter der Regie von Peter Luther, der die Vorstellungen mit sehr authentischen, nachvollziehbaren Kommentaren zu den einzelnen Hengsten begleitete: hier den einen (Reiter)Fehler verzieh, dort noch einmal korrigierend eingriff aber auch das Loben nicht vergaß.
Eingeläutet wurde die Hengstpräsentation mit dem Freispringen der jüngeren Hengste, das unter der bewährten Regie von Herbert Blöcker stand. Die Hengste sprangen durchweg ohne Fehl und Tadel. Den Auftakt machte Cebelio v. Casall-Alcatraz (Manfred von Allwöhrden). Der erste gekörte Sohn des Casall, der nicht nur im Turniersport unter Rolf-Göran Bengtsson auf sich aufmerksam macht, sondern auch im vergangenen Jahr bei der Körung mit seinen Nachkommen für Furore sorgte, hat sich seit der Körung schön weiterentwickelt und erhielt für seinen Auftritt Szenenapplaus. Das gleiche kann zu dem Lavall II-Lord-Sohn Larimar (Gestüt Charlottenhof, Gomadingen) gesagt werden, der sich sehr gelassen - auch später unter dem Reiter - präsentierte. Schier grenzenloses Vermögen zeigte der erst unlängst in Elmshorn gekörte Casquetto v. Casall-Concerto II (Jens Ritters, Krumstedt), der aus dem sporterfolgreichen Stamm 730B kommt. Der typvolle Quasto v. Quidams Rubin-Corrado I (Heinrich Schaumburg, Bad Wildungen), 2. Reservesieger der letzten Körung, sprang ebenfalls vom Allerfeinsten, so dass es durchaus berechtigte
Hoffnungen geben dürfte, dass der Braune der sportlichen Karriere seines engen Verwandten Quintero La Silla - die Hengste haben auch die gleichen Urgroßmütter - nacheifern wird. Schon bei der Körung war er am Sprung einer der Besten: Cachas v. Caretino-Corrado I (Friedrich Meyer, Nottfeld) bekam auch bei der Hengstvorführung viel Applaus für seine hervorragende Vorstellung im Freispringen.
Stellvertretend für das „Edelblut“, das den Holsteiner Züchtern angeboten wird, wurden die Vollblüter Armand xx v. Winged Love xx und My Happy Guest xx v. Be My Guest xx sowie der Angloaraber Hermes D’Authieux v. Ithuriel gezeigt. Armand xx, der erst Mitte Dezember den Rennstall von Championtrainer Peter Schiergen verlassen hat, stellte nicht nur sein hervorragendes Interieur unter Beweis. Er machte beim Freispringen eine gute Figur und erwies sich später dann unter Markus Suchalla als äußerst rittig. Die beiden Schimmel My Happy Guest xx und Hermès d’Authentieux wurden im Kurzparcours gezeigt. Letzterer zeigte unter Janne-Friederike Meyer, die den elfjährigen, in Frankreich in Springprüfungen bis zur Kl. S erfolgreichen Hengst auch auf Turnieren vorstellen und zeigen soll, dass er die Umstellung von der französischen auf die deutsche Reitweise gut gemeistert hat. Im Stall von Janne-Friederike Meyer steht inzwischen auch der bildhübsche Easy Way I v. Esteban xx-Calando I (Dieter Pingel, Altenmoor), dessen Ziel, so Norbert Boley, in diesem Jahr das Bundeschampionat sein soll.
Gespannt war man auf die Vorstellung der Junghengste unter dem Reiter. Erstmalig hatte Margit Otto-Crépin die Vorbereitung der Dreijährigen für ihren ersten großen Auftritt unter dem Sattel übernommen. „Es hat mir großen Spaß gemacht, und ich habe sehr viel dazu gelernt“, sagte die ehemalige Europameisterin. „Es war interessant zu sehen, wie sich die Hengste im Laufe der Zeit weiter entwickelt haben.“ Die altersgemäß vorgestellten Hengste erwiesen sich als rittig und ließen sich kaum von der ungewohnten Umgebung ablenken. Dabei ließen der erste gekörte Loran-Sohn, Lightning a. e. Loutano-Mutter (Peter Diedrichsen, Borgsum/Föhr), und natürlich auch De Chirico v. Dolany-Linaro (Günter Fielmann, Schierensee) ihre Dressurveranlagung mit sehr guten, taktmäßigen Bewegungsabläufen erkennen. Nicht fehlen durften in Neumünster die Grand-Prix-Hengste des Verbandes. Der Alasca-Latino-Sohn Aljano hat deutlich zugelegt, was ihm sehr gut steht. Er setzte sich unter Karin Winter-Polac ebenso gekonnt in Szene wie der von Wolfgang Schade gerittene Dolany v. Donnerhall-Cor de la Bryère (Meike Reckefuß-Voss), der sich deutlich entspannter als in den Jahren zuvor präsentierte.
Nicht fehlen darf bei einer Präsentation der Holsteiner Verbandshengste die Parade der „Althengste“. In die Halle kamen als Vertreter der Landgraf I-Nachkommen Ladas v. Limbus-Cascavelle (Carl August Wiemann, Tating), Larius v. Landgraf I-Thuswin xx (Detlef Hennings, Bendorf) Lorentin I v. Loutano-Latino (Jan H. Deetjen, Seestermühe), Limbus v. Landgraf I-Fier du Lui Z (Hans-Jürgen Anderle, Marne) und Lancer II v. Landgraf I-Fantus (Hans Werner Höpke, Todenfelde). Die beiden Tretmeister Landos a. e. Calypso I-Mutter (Heiko Büttner, Schafstedt) und Loran a. e. Calypso I-Mutter (Gerd Carstensen, Hörup), der eine dreijährige, typvolle Tochter mitgebracht hatte, vertraten die Lord-Linie. Und für die C-Linie waren Cheetano v. Coriano-Capitol II (Claus Möller, Beldorf), der seine hoffnungsvoll begonnene Sportkarriere aufgrund einer Verletzung leider beenden musste, Corrado II v. Cor de la Bryère-Capitol I (Eduard Struve, Satrup), Clearway v. Capitol. I-Lord (Otto Boje Schoof, Hedwigenkoog), Cassini II v. Capitol I-Caletto II (J.Hermann Claussen, Neuenkirchen) und der aus Ungarn zurückgekehrte Cardino v. Carthago-Landgraf I (Günter Schüder, Bahrenfleth) erschienen.
Mehr als zufrieden zeigte sich auch Norbert Boley, Geschäftsführer der Abteilung Hengsthaltung und Vermarktung in Elmshorn, mit den Vorstellungen „seiner“ Schützlinge: „Alle Hengste haben sich an beiden Tagen von ihrer allerbesten Seite gezeigt“, und er fuhr fort: „Vor allem haben sich auch die Neueinkäufe überzeugend präsentieren können“.
Es waren wieder zwei kurzweilige Nachmittage in der Holstenhalle von Neumünster, und die Holsteiner Züchter werden sicher die eine oder andere Anregung für ihre züchterischen Überlegungen mit nach Hause genommen haben.