Der Derbysieger heißt... André Thieme

 

Nach dem Hamburger Derbyturnier waren alle mehr als zufrieden: die Veranstalter, die mit 56 000 Besuchern einen neuen Zuschauerrekord verzeichnen konnten, die Reiter, die optimale Verhältnisse vorfanden, und die Zuschauer, die an allen Tagen Spitzensport geboten bekamen.

 

Mit ihrem vierten Derbysieg hätten sich Collin v. Contender-Landgraf I (Hans-Jürgen Köhncke, Badendorf) und  Toni Hassmann als alleinige Rekordhalter in die Annalen der Derbygeschichte einschreiben können. Doch es sollte nicht sein. Nach einer allzu lässigen Runde mit fünf Abwürfen in der zweiten Qualifikation mussten die Sympathieträger sogar noch um einen Startplatz in der ersten Wertungsprüfung zur Riders Tour bangen. Erst nach dem Verzicht von vier qualifizierten Reitern senkte sich die Starterfahne auch für Toni Hassmann und Collin. Und siehe da, der mächtige Braune war wieder ganz in seinem Element, und wäre da nicht Toni Hassmanns klitzekleiner Reiterfehler vor dem „Trakehner“ gewesen, hätte es zum vierten Mal für die beiden heißen können: null Fehler. Am Ende stand Rang sieben zu Buche. Vor ihm rangierte der schnellste Vier-Fehlerreiter: der aus dem Vielseitigkeitsmekka Luhmühlen kommende Felix Stüvel, dessen Mr. Hop Sing nur ein Flüchtigkeitsfehler am Birkenoxer unterlaufen war.

Erstmals seit 2003 wurde der Sieger im Deutschen Spring Derby wieder in einem Stechen ermittelt, für das sich fünf Reiter qualifiziert hatten: drei Reiter aus Mecklenburg-Vorpommern, die Schwedin Linda Heed und Alois Pollmann-Schweckhorst. Dessen 18-jähriger Montanus Faro ging in Hamburg sein letztes internationales Turnier. Neun Mal hat der beim ZfdP gebrannte, aber rein holsteinisch gezogene Fargo-Capitol I-Sohn aus der Zucht von Ute Kröger in Hollingstedt an dieser gerne als schwerstes Springen der Welt bezeichneten Prüfung teilgenommen. Neun Mal konnte er sich unter Karsten Huck, Björn Nagel und seinem jetzigen Reiter platzieren. „Die Geschichte hätte nicht besser geschrieben werden können“, freute sich Alois Pollmann-Schweckhorst, denn Faro war das erste Mal überhaupt im Umlauf ohne Fehler geblieben. Nach einem Abwurf am Birkenoxer und einer Verweigerung an den Eisenbahnschranken hieß es am Ende Rang fünf. Montanus Faro ist in Hamburg sein letztes großes Turnier gegangen. Damit etwas Abwechslung in sein Rentnerdasein in Mühlen kommt, wird dem Braunen eine neue Aufgabe zugeteilt. Er soll der zwölfjährigen Tochter von Alois Pollmann-Schweckhorst, Lena, den Umstieg vom Pony aufs Großpferd erleichtern. „Das ist mit seiner Besitzerin, Camilla Berger, abgesprochen. Und ich denke, dass es gerade für alte Turnierpferde gut ist, wenn sie noch eine Beschäftigung bekommen“, so Alois Pollmann-Schweckhorst.

Die Drittplatzierten des vergangenen Jahres, Linda Heed  mit Columbus H v. Cortez (v. Cor de la Bryère-Roman) kassierte im Stechen zwei Abwürfe, was Rang vier bedeutete. Als Trostpflaster bekam die Schwedin von der Jury den Stilpreis „In Memoriam Hans-Jürgen Huck“ zugesprochen. Und den hatte sie auch verdient. Es waren also die drei Reiter aus Mecklenburg-Vorpommern, die den Sieg unter sich ausmachten. Richard Robinson (siehe auch Seite 14) hatte den Stechreigen mit Olli-Pop, einem Oldenburger Olisco-Sohn eröffnet und mit einer fehlerlosen Runde den Druck auf seine Konkurrenten erhöht. Das gleiche gelang auch Thomas Kleis, der vor zwei Jahren mit eben diesem Olli Pop schon einmal Achter geworden war. Er hatte den Zeus-Sohn Zetor im Oktober von seiner Freundin Birthe Markowei übernommen, die ein Baby erwartete. „Zetor ist sein erstes Derby gegangen. Ich hatte aber ein gutes Gefühl, nachdem er in beiden Qualifikationen keine Probleme mit dem Parcours hatte“, freute er sich über seinen zweiten Platz.  Bereits im vergangenen Jahr hatten André Thieme und Nacorde ganz vorn in der Ehrenreihe gestanden. Sie waren mit einem Abwurf Zweite geworden und zählten demnach zum engsten Favoritenkreis im Derby 2007.  Der Sohn des Redefiner Dressurausbilders Michael Thieme hat  relativ spät mit dem Springreiten angefangen. „Ich musste erst einmal Dressur reiten“, erzählt er. Und das tat er auch sehr erfolgreich. Mit 19 Jahren gab es das Goldene Reitabzeichen für Siege und Platzierungen im Viereck. „Danach habe ich dann sofort die Disziplin gewechselt“, schmunzelt André Thieme, dessen Optimismus sich allerdings vor dem Derbyturnier in Grenzen gehalten hatte.„Wir haben sehr gut trainiert, und 14 Tage vor dem Derby war in Top-Form. Dann zog sich Narcote auf einem ländlichen Turnier eine Hufprellung zu, und ich konnte bis Hamburg keinen einzigen Sprung mehr machen,“ erzählte Andreas Thieme nach seinem Sieg. „ Wer weiß, wozu das gut war,“  schmunzelte er im Nachhinein.                                DvP

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