
Vom ersten Tag an beherrschte ein Hengst die gesamte Körveranstaltung. Der spätere Sieger Diarado v. Diamant de Semilly präsentierte sich als eine Ausnahmeerschei-nung in Typ, Bewegung und Leistungsdarstellung. Der Schwarzbraune verzauberte das Publikum bei jeder Vorstellung, was stets zu begeistertem Applaus führte.
Aber nicht nur der Siegerhengst spiegelte die überragende Qualität des gesamten Körjahrganges wider. Eine ganz breite Spitze von 35 gekörten Junghengsten überzeugte an allen Vorstellungstagen in der Holstenhalle.
Die hohe Anzahl der gekörten Hengste, die in diesem Jahr sehr einvernehmlich mit dem Publikum ihr positives Urteil zur Zuchtzulassung verkündet bekamen, kennzeichnet die Leistungsdichte des Jahrganges. Dabei erlebten die vielen Besucher eine Sternstunde des Freispringens am Donnerstag in Neumünster. Was dort an Leistungsdarstellung geboten wurde, bezeichnete der diesjährige Berichterstatter Ullrich Kasselmann, Hagen, als einmalig und einzigartig in der gesamten Welt der Sportpferdezucht. Freuen sich die Besucher anderer Körplätze schon über das eine oder andere Highlight am Sprung, so kamen sie in Neumünster gar nicht aus dem Staunen heraus. Kaum ein Hengst blieb im Normalbereich der Hindernishöhe. Fast alle offenbarten gewaltiges Vermögen.
Von den 101 im Körkatalog aufgenommenen Hengste wurden in Neumünster 94 Kandidaten vorgestellt. Mit 35 gekörten zukünftigen Vatertieren lag der Anteil gegenüber dem Vorjahr (31) deutlich höher. Deutlich höher war auch der Verkaufserlös bei der Auktion der gekörten Hengste. Mit durchschnittlich 137 500 Euro wurde ein sensationelles Ergebnis erzielt und der Exportschlager „Holsteiner“ in seinem ganz hohen Stellenwert bestätigt. Dabei wurde mit dem Spitzenpreis von 360 000 Euro für Canoso v. Catoki nicht der Vorjahresrekord von 400 000 Euro, die für den Siegerhengst Cubito v. Contender bezahlt wurden, erreicht, was für das hohe Preisniveau der gesamten Kollektion spricht. Die Begehrlichkeit der Holsteiner Springgene für das Ausland war wieder enorm groß. Züchter aus den Niederlanden, Frankreich, Belgien, Dänemark und Schweden gehören schon seit einigen Jahren zu unseren Stammkunden. Aber auch Interessenten aus Brasilien und Südafrika steigerten erfolgreich mit.
Die Körung
Die Veranstaltungstage begannen wieder am Dienstag der Körwoche in Neumünster mit der Anlieferung der Hengste, die gleich nach der Ankunft schon die große Halle kennen lernen konnten. Das Übungsfreispringen verlief überwiegend ohne Auffälligkeiten, ließ aber schon die Springbegabung des Jahrganges erkennen.
Der Mittwoch begann mit der traditionellen Pflastermusterung, die in diesem Jahr bei trockenem, nicht zu kaltem Wetter stattfand und schon viele Besucher aus dem In- und Ausland angezogen hatte. Die Zuschauer erlebten die verschiedenen Abstammungstypen mit ihren Eigenschaften und begeisterten sich für die sportlichen Junghengste. Schon bei dieser ersten öffentlichen Vorstellung überragte ein Hengst das ganze Geschehen. Erstmals überhaupt gab es bei der Vorstellung auf dem Pflaster für den späteren Sieger bereits kräftigen Applaus.
Nachmittags erfolgte die Vorstellung der Hengste auf dem Dreieck in der Halle, wo sich die Youngster frisch und bewegungsfreudig zeigten. Auch die Schrittringe gaben wichtige Informationen und ermöglichten den Vergleich der Typen, wobei sich dabei schnell Schwächen im Körperbau und in der Typausprägung offenbarten. Für die Körentscheidungen ein ganz wichtiges Kriterium ist neben Typ, Gebäude und Grundgangarten vor allem die Leistungsveranlagung. Dazu liefert die Beurteilung des Freispringens wichtige Informationen.
Das Freispringen
Schon bei der Vorauswahl der Hengste in den Körbezirken war die besondere Springqualität des Jahrganges zu erkennen gewesen. Durch gezielte Maßnahmen waren wir in diesem Jahr auch diesbezüglich zu mehr Ehrlichkeit und zur besseren Beurteilbarkeit gekommen.
In Neumünster war der gesamte Jahrgang von einer ganz besonderen Qualität. Noch nie gab es so viele überragend springende Hengste, wobei die Leistungsspitzen in diesem Jahr nicht nur von bestimmten Vätern stammten. Die Qualität ging quer durch den Katalog und damit durch alle Abstammungen der A-, C-, D-, E-, L-, N- und Q-Linien unserer Zucht.
Für viele Hengste völlig überflüssig war das „feste“ Anlegen der Streichkappen an den Hinterbeinen. Berichterstatter Ullrich Kasselmann wies auf diesen Punkt hin und empfahl etwas mehr Gelassenheit bei unseren von Natur aus sehr gut springenden Hengsten. In diesem Zusammenhang griff der Berichterstatter auch das Thema „Vorstellung der Hengste an der Hand“ auf. Einige Hengste wurden mit zu viel Ehrgeiz vorgestellt. Takt und Losgelassenheit können sich nur bei gefühlvoller Hand entwickeln. Zu viel Druck von hinten und eine zu harte Hand am Pferdemaul sind eher nachteilig und stören den Hengst.
Insgesamt machte der Jahrgang aber den erreichten Zuchtfortschritt beim Merkmal Freispringen besonders deutlich. Die modernen Typen überzeugten mit einem leichtfüßigen Ablauf und grenzenlosem Vermögen. Auch hier wirkte sich die Kombination der alten Stutenlinien mit den Veredlern und den gezielt eingesetzten Fremdblutgenen sehr leistungssteigernd aus. Damit bestätigt sich Holsteins Zuchtkonzept der zurückliegenden Jahre und motiviert, diesen Weg konsequent weiter zu verfolgen.
Besonders springbegabt zeigten sich auch in diesem Jahr wieder die Cassini I-Nachkommen. Die Nachkommen seines Bruders Cassini II standen denen von Cassini I nicht nach. Jeweils vier wurden gekört, und sie haben bewiesen, dass sie hervorragende Qualität verkörpern. Übertroffen wurde dieser Anteil nur von Contender. Seine fünf gekörten Söhne zählten wieder zu den Besten und Begehrtesten der gesamten Körung. Hervorragende Perspektiven für die Springleistung lieferten auch junge Vererber wie z.B. Acodetto, Catoki, Clinton, Con Air, Contendro II, Cartani, Cristo, Nekton, Quintero und Quite Capitol. Von diesen Hengsten werden wir in den nächsten Jahren noch viel Gutes zu erwarten haben.
Die Abstammung
Cassini I und Contender haben großen Einfluss auf das Abstammungsbild der Junghengste genommen. Mit je 12 Söhnen stellten sie zusammen fast 25 Prozent der Youngster. Daneben dokumentierten aber 46 andere Väter, dass die Abstammungsvielfalt gegenüber dem Vorjahr (44) zugenommen hat.
Unverkennbar ist allerdings die große Dominanz der C-Linie in Holstein. Die Vertreter des Capitol-Blutes haben in diesem Jahr erstmalig die Führung übernommen. Mit 34 Nachkommen beherrschten sie das (Spring-)Geschehen in Neumünster. Zwölf hoffnungsvolle Springtalente - davon trugen alleine acht Hengste den Namen Cassini (4x Cassini I und 4x Cassini II) im Pedigree - werden das wertvolle Erbgut weitergeben. Knapp geschlagen geben mußte sich in diesem Jahr die Cor de la Bryère-Linie. Mit elf gekörten Nachkommen steht sie an zweiter Stelle der Nachkommenwertung in Holstein. Star-Vererber Contender brachte es wieder auf fünf gekörte Söhne und war damit erfolgreichster Vererber der gesamten Körung in diesem Jahr. Einsame Spitze war auch der Verkaufserlös der fünf verauktionierten Contender-Söhne, die zusammen 615.000 Euro brachten und im Durchschnitt bei 123.000 Euro lagen. Neben Cassini und Contender hat sich der Jalisco-Sohn Quidam de Revel in Holstein fest etabliert. Mit zwölf Nachkommen und vier gekörten Söhnen, Enkeln und Urenkeln zählt diese Linie ebenfalls zu den Erfolgspfeilern der Holsteiner Zucht. Als besonderes Leistungspferd überzeugte der Quintero-Sohn Que Guapo, der als eines der besten Springpferde der gesamten Körveranstaltung die Holstenhalle verließ.
Erfolgreich stellten sich auch unsere Zuchtversuche mit Diamant de Semilly und For Pleasure dar. Der aus Frankreich stammende Diamant de Semilly setzte der diesjährigen Körveranstaltung mit dem späteren Siegerhengst Diarado die Krone auf. Dieser Hengst sorgte für eine unglaubliche Begeisterung beim Publikum, wie wir es bisher in Neumünster noch nicht erlebt haben. Nun bleibt zu hoffen, dass dieser Hengst neben seiner enormen Ausstrahlung auch über eine große Erbkraft verfügt, damit wir uns auch an seinen Nachkommen so erfreuen können.
Erfreuen konnte sich das Publikum auch an der Qualität der vier vorgestellten Halbbluthengste. Esteban xx, Heraldik xx, Lucio Silla xx und Jayadeva de Mackinac AA sind die Väter dieser Veredler. Mit Edesso v. Esteban xx und Jacquino v. Jayadeva d.M. konnten zwei sehr qualitätvolle und springbegabte Hoffnungen dieser Sparte gekört werden.
Die gekörten Hengste
Die 35 gekörten Hengste spiegelten das hohe Niveau des vorgestellten Jahrganges wider. Auch in diesem Jahr wurden sieben außergewöhnliche Vertreter als Prämienhengste proklamiert.
Sieben Prämienhengste 2007
Con Calma v. Calato – Levantos I
Züchter: Thomas Boffo, 53894 Mechernich
Besitzer: Detlef u. Reimer Hennings, 25557
Bendorf & Dieter Mehrens, 24641 Sievershütten
Cascari v. Cassini I – Carpaccio
Züchter: ZG Wieck, 25889 Witzwort
Besitzer: Kai Gerken, 23847 Lasbeck
Contenaro v. Contender – Sevillano xx
Züchter: Ariane Denker, 23858 Groß Wesenberg
Besitzer: Detlef u. Reimer Hennings, 25557
Bendorf & Dieter Mehrens, 24641 Sievershütten
Crusander v. Contender – Alcatraz
Züchter: Wencke Westphalen-Fehrs, 25594 Waale
Besitzer: Peter Nagel-Tornau, 23758 Wangels
Diarado v. Diamant de Semilly – Corrado I
Züchter: Klaus Tingholm Kristensen, DK
Besitzer: Klaus-Peter Wiepert, 23758 Neuratjensdorf
Le Toquet v. Limoncello II – Loutano
Züchter: Peter Diedrichsen, 25938 Borgsum/Föhr
Besitzer: Holsteiner Verband, 25336 Elmshorn
Que Guapo v. Quintero – Capitol I
Züchter: Manfred Vollquardsen, 25885 Ahrenvioel
Besitzer: ZG Eheleute Schmidt, B-4841 Henri-Chapelle
Die genetische Mischung der Prämienhengste spiegelt auch die Abstammungsvielfalt (48 Väter) des gesamten Jahrganges wider. Calato, Cassini I, Contender (2x), Diamant de Semilly, Limoncello II und Quintero sind die Väter der Jahrgangsspitzen.
Mit dem Sohn Cascari gelang es Cassini I einen ganz außergewöhnlichen Qualitätshengst zu liefern. Sein moderner, ausdrucksstarker Typ war gepaart mit einem hervorragenden Bewegungsablauf, der mit allen drei Grundgangarten zur Spitze in Neumünster gehörte. Sein Springvermögen entsprach der Abstammung und der Gesamtqualität des Hengstes.
Besonders erfreulich ist, dass es mit Le Toquet einem Vertreter der L-Linie gelungen ist, zur Spitze aufzurücken. Diese Linie hatte noch vor zehn Jahren das Geschehen in Holstein
bestimmt und ist heute auf der Vaterseite stark geschrumpft. Der Sohn des bewegungsstarken Limoncello II verfügt ebenfalls im Bewegungsablauf über alle Möglichkeiten, ein ganz großes Dressurpferd zu werden. Was dieser Hengst an Qualität für die Dressursparte mitbringt, verkörpert der Quintero-Sohn Que Guapo für den Springsport. Die Entscheidung, ihn im „zweiten Anlauf“ mit ins Körlot aufzunehmen, war 100prozentig richtig und ein Beweis für die Durchlässigkeit unseres Auswahlsystems.
Der Siegerhengst Diarado v. Diamant de Semilly verfügte über eine herausragende Ausstrahlung. Bei jedem Auftritt versetzte er das Publikum in Begeisterung, die immer wieder zu großen Beifallsbekundungen führte. Das Geheimnis dafür lag sicher in dem Zusammentreffen vieler Qualitätsmerkmale wie Typ, Geschlechtsausdruck, Gebäude, Bewegung und die gesamte Leistungsdarstellung. Es kann hier mit Fug und Recht gesagt werden, dass Holstein einen solchen Spitzenhengst lange nicht gesehen hat. Nun bleibt zu hoffen, dass er seine Eigenschaften in den Genen so fest verankert hat, dass mit ihm eine neue Linie in der Sportpferdezucht Fuß fassen kann. Dr. Thomas Nissen
Translation
Not only champion stallion Dirado mirrored the exceptional quality of the newly graded stallions. As many as 35 young stallions performed impressively through all the phases of the grading procedure in the Holstenhalle. Never before have there been so many excellent jumpers. Quality abounded all across the catalogue and all across the A-, C-, D-, E-, L-, N, and Q-lines of our breed. The modern types demonstrated easy flow of movement along with boundless scope and potential when freejumping. Again, the ability to perform has been greatly enhanced by combining old dam lines to refining stallions and by well directed additions of foreign blood elements. Cassini I and Cassini II offspring were among the most talented jumpers even in 2007. Four sons by Cassini I and II, respectively, were licensed for breeding. The Cassini brothers were only outnumbered by Contender. His five graded sons were among the best and most coveted young stallions of the grading. But also young sires like Acodetto, Catoki, Clinton, Con Air, Contendro II, Cartani, Cristo, Nekton, Quintero, and Quite Capitol provided exciting prospects with respect to jumping ability. Many good offspring may be expected from these sires in the next years. The different lineages of the premium stallions were mirrored in the pedigree diversity of all the colts presented for grading (48 sires). The premium stallions are by Calato, Cassini I, Contender (2), Diamant de Semilly, Limoncello II, and Quintero. Cascari by Cassini I is a young stallion of exceptional quality characterized by modern and expressive type along with outstanding movements. In all three basic paces, he ranked among the best colts shown at Neumünster. His jumping ability matched his pedigree and overall quality. It is a most gratifying development that a representative of the L-line, Le Toquet, has also made it to the premium league. Up until 10 years ago, Holstein breeding had been dominated by this line which has been greatly diminished in the paternal line by now. This son of the powerful mover Limoncello II has all the potential for a great future in the big dressage arena. The Quintero son Que Guapo, on the other hand, represented all the qualities you are looking for in a great show jumping prospect. Having been accepted for grading as a “second attempt candidate”, this decision turned out to be perfectly right as well as a proof for the permeability of our selection procedure. Charismatic champion stallion Diarado by Diamant de Semilly wowed the crowd whenever he entered the arena, repeatedly raising thundering applause from the audience. This was due to an extraordinary lucky combination of breed and gender type, conformation, movement, and overall performance. It has been a long time since Holstein has seen a stallion of equal quality.