Verbandsstutenschau 2007


Holsteins Elitestuten: eine Klasse für sich

Bei idealem Pferdewetter präsentierten sich Holsteins Nachwuchspferde zwei Tage lang von ihrer besten Seite auf dem Verbandsgelände in Elmshorn.

Springpferdeprüfungen mit der Austragung des Landeschampionats für die besten fünf- und sechsjährigen Cracks im Parcours sowie Dressur- und Reitpferdeprüfungen ergänzten das Programm rund um die Elitestutenschau. Ein neuer Höhepunkt der Elmshorner Pferdetage war die Qualifikation der Materialpferde für das Bundeschampionat Anfang September in Warendorf. Im Finale brillierten sechs Teilnehmer, die sich als ein Highlight im Nachmittagsprogramm darstellen konnten. Die vielen Zuschauer am Stutenring bestätigten wieder das große Interesse und die Bedeutung der jungen Stuten. Begeisterung für die Schönheit und für die Qualitätsmerkmale sowie Vererbungsstudien und Gangbewunderung sind die Hauptmotive der Besucher, die uns so zahlreich jedes Jahr begleiten.
In diesem Jahr hatten sich exakt 100 Stuten zur Teilnahme an der Eliteschau qualifiziert, das waren 13 zusätzliche Stuten gegenüber dem letzten Jahrgang. Aber auch in diesem Jahr zeigten sich bei der Eintragung in den Körbezirken deutliche Qualitätsunterschiede. Immer wieder bewies sich, dass die züchterisch wohl überlegte Anpaarung bessere Erfolge bringt als die Modeanpaarung. Insbesondere muss auf Exterieurkorrektheit geachtet werden. Viele sehr populäre Hengste, die sportlich hoch erfolgreich sind, weisen Mängel auf, die der Züchter bei der Anpaarung durch eine korrekte Stute kompensieren muss. Aus diesem Grund ist die Benutzung der Sporthengste eine besondere Herausforderung und stellt züchterische Ansprüche an den Stutenbesitzer.
In diesem Jahr war es nicht gelungen, einen Halbblutring in Elmshorn auszustellen. Nur vier Stuten, die einen Veredler zum Vater hatten, konnten sich qualifizieren. Sie wurden in den vorletzten Ring integriert, aber separat rangiert. Es gab am Ende wieder eine Siegerstute aus dem Lager der Halbblüter, die in diesem Jahr von einem angloarabischen Veredler abstammte.

Genetische Vielfalt dominierte
49 Väter stellten die 100 Qualitätsstuten, die in Elmshorn um den Sieg konkurrierten. Dominant vertreten war wieder Holsteins Chefvererber Cor de la Bryère. Allein 49 Stuten ließen sich dieser Linie zuordnen. In diesem Jahr zeigten sich die Casall-Töchter dominant. Mit neun Nachkommen war er der am häufigsten vertretene Vater der gesamten Schau. Nur eine Stute von ihm schaffte den Sprung in den Endring. Die von Gustav Weber, Brande-Hörnerkirchen, gezogene Udea a.d. Lavaletta v. Landgraf I - Farnese - Cottage Son xx erinnerte stark an ihre Urgroßmutter Viktoria v. Cottage Son xx, die in den 70iger Jahren eine der erfolgreichsten Schaustuten war und aus dem Stamm 1907 kam.
Neben den Casall-Töchtern überzeugten auch Contender und Caretino mit ihrem Nachwuchs. Beide Hengste sind in Holstein bekannt für ihre gute Vererbung und treten gehäuft schon in zweiter oder dritter Generation auf. Caretino setzte dieser Veranstaltung über die Söhne Casall und Carpaccio besonders dominant seinen Stempel auf.
Das zweite große Standbein der Holsteiner Zucht beginnt ebenfalls mit C und geht auf den Linienbegründer Cottage Son xx zurück. Über Capitol I ist dieses Blut mit 19 Nachkommen an der Eliteschau beteiligt gewesen. Cassini I und Calato dominierten mit beeindruckenden Leistungsmodellen. Sie waren auch mit je einer Tochter im Endring der 20 Besten vertreten. Ergänzt wurde diese Topgruppe durch Töchter von Contact me und Colman, die über Carthago auf den Leistungsstempler Capitol I zurück gehen.
Früher dominant in Holstein, heute im dritten Glied stehend, ist die Ladykiller xx-Linie. Mit zwölf Nachkommen gehört sie aber noch zu den bedeutenden Standbeinen der Springpferdezucht im Norden. Heute sind es die Landgraf-I-Nachkommen Lancer II, Levisto, Limotas, Ladas, Lavall I, Limbus und Levantos I, die mit ihren Töchtern in Elmshorn überzeugten und mit ihrem besonderen Charme die Fachleute begeisterten.
Zu einer festen Größe ist die Linie des Franzosen Quidam de Revel geworden. Über seinen Vater Jalisco geht er direkt auf den Jahrhundertvererber Almé zurück, der schon ein festes Standbein in Holstein aufgebaut hat. Die Quidam de Revel-Söhne Quantum, Quidams Rubin und Quinar waren mit je zwei Töchtern vertreten. Von ihnen schaffte es Quinar in die Spitze des Jahrganges vorzudringen.
Mit je zwei Nachkommen gehörten Paramount und die Nimmerdor-Linie schon zu den Exoten der Schau in Elmshorn, wobei sowohl der Parco xx-Sohn Paramount wie auch der Nimmerdor-Sohn Nekton durch exzellente Töchter den Endring bereicherten.
Eine Bereicherung war auch die Gruppe der vier Halbblutstuten. Dabei zeigte sich die Jayadeva de Mackinac AA-Tochter Urania XVII am qualitätsvollsten. Die bei Konrad Sinn, Hohenaspe, geborene Ballerina überzeugte als herausragender Typ, durch arabische und englische Vollblutelemente und marschierte mit großer Übersetzung am Ende dem Sieg entgegen. Stark verbessert zeigten sich auch die Heraldik xx- und Sevillano xx-Töchter. Ihr Gangpotential sorgte ebenfalls für große Aufmerksamkeit. Die Templer xx-Tochter hatte leider noch an Kondition verloren und konnte daher ihre Trümpfe nicht ausspielen.

Der Endring    
100 Stuten ergaben genau zehn Ringe, von denen sich je zwei Stuten für den Endring qualifizierten und damit die Qualitätsspitze der Schau bildeten. Jeder Besucher wollte natürlich die Auswahl der Siegerstuten miterleben und so hielten alle Freunde der Holsteiner mit Begeisterung durch bis um Punkt 15 Uhr die erste Endringstute die Bahn für eine große Trabrunde betrat.
Die Teilnehmer des Endringes waren abstammungsmäßig bunt gemischt. Ein Beweis dafür, dass hier nicht die „Modehengste“ dominierten, sondern züchterische Überlegungen durch Qualitätspferde belohnt wurden. Hengste aus der „zweiten Reihe“ wie z.B. Carpaccio, Lancer II, Quinar und Paramount lehrten der Konkurrenz das Fürchten. Ihre Töchter gaben in diesem Jahr den Ton an und standen ganz vorn bei der Ermittlung der Siegerstuten. Aber auch die Nachkommen von Catoki, New Time, Casall, Cello I, Contact me, Ladas und Nekton hinterließen einen überzeugenden Eindruck, so dass die Entscheidungen im Endring wieder nicht leicht fielen. Die Richter Hans-Jürgen Köhncke, Harm Sievers und Dr. Thomas Nissen sowie der aus Hessen kommende Berichterstatter Florian Solle waren begeistert von der Qualitätsdichte der Stuten des Endrings. Bei der Trabrunde und dem anschließenden Vergleich auf dem Schrittring gab es dann doch noch geringgrade Unterschiede. Die Topform und der berühmte „I-Punkt“ machten die Entscheidungen aus, und dabei waren die folgenden Stuten einfach unschlagbar.
    

Die Siegerstuten

Siegerstute        
URSA v. Carpaccio a.d. Palucca II v. Ramirado - Calido I
Züchterin und Besitzerin: Sonja Franzenburg-Much, Holstenniendorf

Ein überragendes Stutenmodell, das durch den großen Rahmen, die Korrektheit im Körperbau, den wunderschönen Rassetyp und den drei exzellenten Bewegungen überzeugte. Dass Schönheit auch mit Leistung gepaart sein kann, hat die Siegerstute bereits im Stutentest bewiesen: Gesamtnote 8,6. Der zweite Platz bei der Reitpferdeprüfung und BC-Qualifikation in Elmshorn hat diese Qualitäten nochmals unterstrichen. Ihr Stutenstamm 1947 brachte u.a. Leistungsträger wie den Caletto I-Sohn Cambridge hervor.

Reservesiegerstute    
U2 v. Lancer II a.d. Inspiration v. Alcatraz - Marlando
Züchterin: Gunhild Clausen, Langwedel
Besitzerin: Maike Westphal, Griebel

Sehr fein modellierte Lancer II-Tochter, die langbeinig und überaus korrekt über viel Boden steht. Eine Stute, die sich von der Vorstellung im Körbezirk bis zur Eliteschau noch gesteigert hatte und in Elmshorn durch ihre Leichtfüßigkeit überzeugte. Das Bewegungspotential ist von der Verbindung der Lancer II-, Alcatraz- und Marlon xx-Genen geprägt.

II. Reservesiegerstute    
UQUINARA v. Quinar a.d. Kalifornia II v. Cassini I - Logan
Züchter und Besitzer: Helmut Bohm, Haselund

Ganz auffallend edler Stutentyp, der deutlich im Ausdruck vom Vater Quinar geprägt wurde. Dieses Top-Model der Holsteiner Zucht war schon Siegerstute im Körbezirk Nordfriesland. Dort überzeugte sie bereits durch den enormen Typ und die überaus schwungvollen Trabbewegungen. Der Bruder Quadrigo ist ein gekörter und züchterisch gefragter Verbandshengst, der sportlich in schweren Springen unter Lars Bak Andersen sehr erfolgreich läuft.

Bestes Bewegungspferd   
US-BEAUTY v. Paramount a.d. Giselle III v. Ligorett - Calypso I
Züchterin und Besitzerin: Waltraud Sobirey, Hüttblek

Eine beeindruckende Stute, die schon durch ihre dunkle Jacke sofort auffällt. Im Körperbau ist diese Paramount-Tochter perfekt konstruiert. Die gut formierte Halsung, der kompakte Rücken in Verbindung mit dem guten Rechteckrahmen ermöglichen ihr optimale Reitpferdeeigenschaften, die durch drei überragende Grundgangarten untermauert werden. Eine Holsteinerin, mit großer Dressurveranlagung. Ihr Bruder Peritos wurde 2005 in Neumünster gekört und steht heute als Zuchthengst in Brasilien.

Siegerin Halbblüter    
URANIA XVII v. Jayadeva de Mackinac AA a.d. Dornrose II v. Cantus - Lambert II
Züchter und Besitzer: Konrad Sinn, Hohenaspe

Bereits als Fohlen siegte diese überaus typvolle Tochter des französischen Angloarabers im Championat ihres Körbezirkes. Diese Anlagen sind jetzt ausgereift und als Top-Stute, mit dem nötigen Ausdruck des Edelblutes, nicht zu schlagen. In der Bewegung deutet sie schon auf eine große Sportlichkeit hin. Vom guten Schritt und Trab konnten sich die Besucher der Eliteschau selbst ein Bild machen. Ihre Mutter brachte in Verbindung mit Lord Calando den Bewegungskünstler und Vererber Lacantus.
Dr. Thomas Nissen

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