Nach rund zwei Stunden stand in der Fritz-Thiedemann-Halle das Ergebnis fest: Die Acodetto-Tochter Argentina erzielte den Spitzenpreis. Der Durchschnittspreis für 32 zugeschlagene Pferde pendelte sich bei 17 234 Euro ein.
Wir können und müssen mit dem Ergebnis leben“, sagte Jan Lüneburg, Vorsitzender des Holsteiner Verbandes, nach der Frühjahrsauktion des Holsteiner Verbandes in Elmshorn. Die 32 im Auktionsring erschienenen vier- bis sechsjährigen Nachwuchspferde aus Holsteiner Zucht erzielten einen Schnitt von 17.234 Euro, das waren rund zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Und Jan Lüneburg fügte hinzu: „Vor dem Hintergrund der momentanen Finanzkrise mussten wir mit einem derartigen Ergebnis rechnen.“
Obgleich im Vorfeld viel probiert worden war – noch am Freitag herrschte in beiden Hallen nach der Vorführung Hochbetrieb – waren die Erwartungen bei allen Beteiligten vor Auktionsbeginn eher gedämpft. Auch die Züchter bzw. Aussteller waren mit realistischen Preisvorstellungen nach Elmshorn gekommen, denn sie ersteigerten nur drei Pferde zurück.
13 Pferde wurden ins Ausland (Belgien, Italien, Luxemburg, Österreich, Schweden, Spanien und USA) verkauft, darunter auch das Spitzenpferd der diesjährigen Auktion Argentina v. Acodetto-Calido I aus der Zucht von Guido Schröter, Westerland (Sylt), und dem Besitz von Susanne Steffens in Albersdorf. Die erst vierjährige Fuchsstute aus dem Stamm 3488 überzeugte mit kapitalem Springvermögen und war dem Springstall Luxhorse aus Luxemburg 44.000 Euro wert. Argentina wusste gut mit ihrer Größe umzugehen, ließ sich angenehm reiten und zeigte viel Vermögen am Sprung. Argentina wird von drei weiteren Auktionskandidaten in ihren neuen Stall begleitet. Der Carinjo-Barnaul xx-Sohn Charming (Stamm 2543) aus der Zucht und dem Besitz von Elfriede Lüer, Niendorf/Stecknitz, dessen Großmutter Arina Mutter der gekörten Hengste Lasino, Limoncello I und II ist, kostete 9000 Euro, Captain Kirk v. Contender-Limmerick aus der Zucht und dem Besitz von Dirk Eggers, Klein Boden,
12 000 Euro und Quaddro v. Quinar-Capitol I (Heinrich Christiansen, Mönkebüll; Dr. Rolf Stecher, Nordhastedt) 20 000 Euro.
Auch das zweitteuerste Pferd der Auktion, Caddington v. Cardino-Cor de la Bryère (Züchter Eduard Struve, Satrup; Aussteller Holsteiner Verband), wird künftig im Ausland seinen Hafer fressen. Der Schimmel, ein naher Verwandter des im internationalen Sport und Zucht erfolgreichen Verbandshengstes Corrado I wurde für 40 000 Euro ersteigert und soll künftig von einem der talentiertesten jungen schwedischen Reiter, Douglas Lingelöw, geritten werden. Dieser hatte unlängst beim CSI in Neustadt/Dosse mit etlichen Platzierungen auf sich aufmerksam machen können. 38 000 Euro kostete Casjana, deren Vater Casall sich unter Rolf-Göran Bengtsson international immer mehr ins Rampenlicht springt. Die aus einer Landlord-Mutter stammende vierjährige Stute aus der Zucht von Henning Ratjen, Hohenwestedt, und dem Besitz von Jan Meves, Brande-Hörnerkirchen, wurde dann auch von Bo Kristoffersen, Geschäftspartner des schwedischen Medaillengewinners bei den Olympischen Spielen in Hongkong, ersteigert und soll nun auf eine Karriere im Springsport vorbereitet werden. Bo Kristoffersen freute sich über seinen Einkauf: „Ich hatte nicht gedacht, dass wir Casjana für diesen Preis bekommen.“
Gern gesehene Gäste auf Holsteiner Auktionen sind Axel Wöckener und seine Frau Elisabeth. Sie hatten zur Vorstellung der Auktionspferde am Freitag ihren „Oberbereiter“ Markus Renzel mitgebracht. Dieser testete mit viel Einfühlungsvermögen den vierjährigen, hoch interessant gezogenen Hengst Leviano v. Levisto-Quidam de Revel-Lord (Witt Pferdezucht GmbH, Wellinghusen; Glantz-Hamann GBR, Ammersbek). Und das, was der Top-Reiter fühlte, muss ihm gefallen haben, denn am nächsten Tag ging der noch sehr grüne Braune, aus dessen Stamm 2067 so leistungserprobte Pferde wie Cazaro, Claim Collin, Landstreicher oder Lordon hervorgegangen sind, für 21 000 Euro in den Stall Wöckener.
In „Meisterhände“ geht auch das Pferd, das den Auktionsreigen eröffnet hatte: Courage v. Cassini I-Contender (Uwe Nilsson, Meldorf) wird künftig in Niedersachsen seinen Hafer fressen. Heinz Kasten, langjähriger Kunde bei Holsteiner Auktionen, ersteigerte die Stute. Die fünfjährige Schimmelstute, die im vergangenen Jahr noch ein Fohlen bei Fuß hatte, wird in den Beritt des ehemaligen Landesmeisters Hans-Joachim Langemeyer kommen, der auf den niedersächsischen Turnierplätzen mit etlichen ehemaligen Holsteiner Auktionspferden erfolgreich unterwegs ist.
Mit den Auktionspferden bestens vertraut war Philip Rüping, der zusammen mit Kati Lekander und Christopher Frazer die Elmshorner Bereiterriege für die Auktion verstärkt hatte. Zusammen mit seinem Vater Dr. Michael Rüping entschied er sich zum Kauf des fünfjährigen Contigo v. Contender-Latouro-Raimond (Stamm 18A2) aus der Zucht und dem Besitz von Bernd Wolf in Sagau, der 13 000 Euro kostete.
Schon sehr früh war Dirk Schrade, ein guter Bekannter von Christian Hess aus Warendorfer Zeiten, in Elmshorn gewesen, um sich nach Vielseitigkeitspferden umzusehen. Der Olympiareservist wurde fündig und ersteigerte über Telefon – er selbst war mit Erfolg beim **CCI in Compiègne am Start – den vierjährigen Contender-Grundyman xx-Sohn Converse (Stamm 1907; Dagmar Hoffmann, Königshorst-Nordhof; H. W. Freiherr von Meerheimb, Groß Rolübbe), der 13 500 Euro kostete.
Alessandro Mingoli, der stolz von den italienischen Erfolgen seiner früheren Einkäufe berichtete, erhielt von Auktionator Uwe Heckmann drei Mal den Zuschlag. Für seine Kunden ersteigerte er den bereits in Springpferdeprüfungen erfolgreichen Calato-Athlet Z-Sohn Conquestator (David Eggert, Lübeck; Peter Rauert, Fehmarn), die Cassiano-Casino Boy xx-Tochter Castella (Peter Schimmer, Lehe/Lunden) und Crespo v. Cristo-Linos (Karl-Ernst Kruse-Sönke, Kollmar).