Im Holstenhallen-Restaurant trafen sich die Delegierten des Holsteiner Verbandes zu ihrer ersten Sitzung des Jahres 2009.
Der erste Vorsitzende Jan Lüneburg begrüßte die Gäste und bat sie sich von den Plätzen zu erheben, um der Verstorbenen - Hermann Otto Voß, u. a. Züchter der Calando-Brüder, und Otto Marks - zu gedenken. Da Norbert Boley wegen einer Erkrankung nicht an der Versammlung teilnehmen konnte, übernahm Jan Lüneburg auch dessen Part und berichtete über das Elmshorner Geschäftsjahr. Er stellte fest, dass sich die Finanzkrise auch beim Holsteiner Verband wiederspiegelt, denn es musste ein Gewinnrückgang vermeldet werden. Das bestätigte im Verlauf des Abends auch der Wirtschaftsprüfer Delef Kühlmann, der allerdings anmerkte, dass „das Jahr 2007 auch ein besonders erfolgreiches gewesen ist“. Der Gewinnrückgang ist u. a. mit hohen Außenständen bei den Deckgeldern begründet. Ein Problem übrigens, das auch die Privathengsthalter zu spüren bekommen. Zudem waren 2008 die Auktionsergebnisse rückläufig und es fehlten ein, zwei Pferdeverkäufe im hohen Preissegment. Vom Vorstand sind inzwischen entsprechende Maßnahmen gegen die säumigen Zahler in die Wege geleitet worden. Erfreulich ist der Zuwachs an Mitgliedern und eingetragenen Zuchtpferden, die dem Verband ein positives Ergebnis eingebracht haben. Jan Lüneburg berichtete, dass Abläufe und Organisation der Elmshorner Vermarktungsszentrale überdacht werden. Als erste Maßnahme wird Ronald Schultz die Büroleitung übernehmen. Christian Hess, der jetzt ein Jahr beim Holsteiner Verband tätig ist, wird neuer Verkaufsleiter. Zudem soll der Pferdewirtschaftsmeister, der u. a. bei Paul Schockemöhle und Otto Becker gearbeitet hat, die Ausbildung der jungen Pferde begleiten. Sebastian Rohde, der nach der Herbstauktion aus privaten Gründen Elmshorn verlässt, soll als „Freiberufler“ weiterhin die Auktionen betreuen. Lars Bak Andersen wird den Holsteiner Verband nach dem Bundeschampionat in Warendorf verlassen. „Lars Bak geht in beiderseitigem Einvernehmen. Er war neun Jahre beim Verband und möchte sich jetzt noch einmal verändern“, bedauerte Jan Lüneburg. Der Neubau des Hengststalles ist vorläufig „auf Eis“ gelegt worden, vielmehr sollen die Boxen unter der Tribüne renoviert werden, um Platz u. a. für Verkaufspferde zu schaffen. Da sich das Interesse am Embryotransfer bei den Holsteiner Züchtern in Grenzen gehalten hat, ist das „Projekt Dägeling“ beendet worden. „Stuten können dort aber noch gespült werden, die gespülten Embryonen werden dann zu Dr. Burger in die Schweiz geschickt“.
Die Bedeckungen sind in diesem Jahr leicht rückläufig. Nachdem die Saison aufgrund der kalten Witterungsverhältnisse sehr ruhig angelaufen war, sahen die Zahlen in den letzten Monaten schon besser aus. „Ich hoffe, dass wir am Ende bei einem Minus von unter zehn Prozent bleiben“, gab sich Jan Lüneburg verhalten optimistisch. Der erste Vorsitzende hob in seinem Vortrag die gute Zusammenarbeit mit anderen Zuchtverbänden hervor. So gibt es z. B. mit dem Vorstand des Hannoverschen Verbandes regelmäßig informelle Treffen, bei dem anstehende Probleme wie z. B. aktuell das Chippen oder das Klonen erörtert werden.
Jan Lüneburg teilte den Delegierten mit, dass es vom Vorstand einen Ansprechpartner für die Privathengsthalter geben wird. Diese Aufgabe übernimmt Jens Poggensee.
Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen
Seit längerer Zeit beschäftigen sich zwei Arbeitsgruppen des Holsteiner Verbandes mit der genetischen Erweiterung des Hengstbestandes und der Qualitätsverbesserung der Zuchtstuten. Dr. Thomas Nissen stellte fest, dass bisher nur wenige Zuchtversuchshengste Einfluss in der Holsteiner Zucht genommen haben. Wie z. B. Quidam de Revel, der sich mit einer eigenen Hengstlinie fest bei uns verankert hat, oder Donnerhall, der den Dressurbereich vorangebracht hat. Die Zuchtversuchshengste haben es sicherlich leichter, wenn sie in Schleswig-Holstein stationiert sind, wie es z. B. bei Singulord Joter der Fall ist. Trotz allem betonte Dr. Thomas Nissen: „Wir wollen aber unser Kapital der Reinzucht“ erhalten. Im weiteren Verlauf sprach er den Sinn der Begrenzung von Hengsten an und setzte sich dafür ein, dass kein Junghengst ohne Veranlagungsprüfung zum Einsatz kommt, so wie es auch vom Holsteiner Verband gehandhabt wird. Bei anderen Verbänden war das kaum durchzuhalten. So mancher Junghengst im Privatbesitz hat bereits vor seinem 30-Tage-Test viele Stuten gedeckt. „Hier laufen wir Gefahr, dass die Pferdezucht bzw. die Zuchtprogramme von den Hengsthaltern und nicht mehr von den Züchtern gemacht werden“, so Dr. Thomas Nissen.
Es gibt ca. zehn bis zwölf Klone von Reitpferden, u. a. von Quidam de Revel und E. T. Die ältesten sind jetzt dreijährig und geschlechtsfähig. Die Delegiertenversammlung hat mit einer Satzungsänderung beschlossen, die Replikanten nicht zur Zucht zuzulassen. Jan Lüneburg stellte hierzu fest: „Wir hoffen, dass die FN in Warendorf zum Thema Eintragung der Replikanten bald verbindliche Richtlinien erlassen wird“. Bereits im kommenden Jahr wollen die Wissenschaftler feststellen können, ob es sich bei einem Pferd um einen Klon handelt oder nicht.
Eine weitere „Baustelle“ in der deutschen Pferdezucht ist der Einsatz des Mikrochips. Die Holsteiner, Trakehner und ein bayerischer Quarter Horse Verband sind die einzigen Verbände, die überhaupt nicht chippen wollen. Der Holsteiner und Trakehner Verband haben unserem zuständigen Landwirtschaftsminister Dr. Christian von Bötticher ihre großen Bedenken vor- getragen und sind auf Verständnis gestoßen. Der Minister will sich bei den kommenden Gesprächsrunden in Berlin für die Argumente der Verbände aus Schleswig-Holstein stark machen. Die übrigen deutschen Verbände sollen nur dann den Chip einsetzen, wenn der Brand erhalten bleibt.
HLP
Nach Rückzug des Staates von der Hengstleistungsprüfung soll in Zukunft das Anmeldeverfahren über die FN in Warendorf laufen. An den einzelnen Prüfungen sollten mindestens 25 Hengste teilnehmen. Neu sind sogenannte Trainingsbewerter, die zusammen mit den Trainingsleitern die Trainingsbeurteilung vornehmen. Auch das Bewertungsverfahren wird sich ändern:
Das Indexverfahren wird abgeschafft, Informationen zur phänotypischen Leistung gibt die gewichtete Endnote, Informationen zur genotypischen Leistung gibt den HLP-Zuchtwert. Die Endnote und der Zuchtwert werden veröffentlicht.
Stuten
Vor zehn Jahren haben nur 50 Prozent der Stuten eine Bezirksprämie bekommen. Heute sind es über 60 Prozent, so der Zuchtleiter. Die Staatsprämie liegt konstant bei zehn Prozent. Interessant sind die Zahlen bei den Hengstmüttern: 50 Prozent haben eine Bezirksprämie erhalten, der Rest war ohne Prämie geblieben. Allerdings hat eine Analyse der Zuchtwertschätzung der Landwirtschaftskammer ergeben, dass Stuten mit einer besseren Leistungsprüfung einen höhen Anteil an gekörten Hengsten stellen. Um eine Qualitätsverbesserung zu erzielen, ist angedacht, die Basisarbeit in den Körbezirken zu verbessen. Züchter sollen angehalten werden, vermehrt die Stutenschauen zu besuchen, damit sie einen besseren Vergleich zu ihren eigenen Stuten bekommen. Zudem wird darüber nachgedacht, einen Stammindex zu schaffen.
Zum Abschluss seines Vortrags gab Dr. Thomas Nissen noch einen kleinen Exkurs über den dänischen Grenzlandverein Holsteiner Züchter, der sich nach über 40-jähriger Tätigkeit in diesem Jahr aufgelöst und sich dem Holsteiner Verband angeschlossen hat. Die Auflösung erfolgte aufgrund der Öffnung des Holsteiner Verbandes und der Tätigkeit im Ausland. DvP
Körkommissionswahlen
Die Wahlen der Körkommisson und der Widerspruchskommission haben folgendes Ergebnis ergeben:
Körkommission (wie bisher)
Hans Joachim Ahsbahs
Jens Hauschildt
Michael Gonell
Achaz von Buchwaldt
Dr. Matthias Görbert
Ersatz (wie bisher):
Hobe Bernhard
Claus-Heinrich Petersen
Harm Thormählen
Tjark Nagel
Lars Gehrmann
Widerspruchskörkommission:
Hermann Blohm
Peter Rauert
Günter Böning
Dolf D. Keller
Ersatz:
Christian Thoroe
Tjark Witt
Gerd Küst
Dr. Michael Rüping
Verpachtungsliste 2009
Akinos Jörgen Sögaard Dänemark
Ariadus K. Reid USA
Askano Landgestüt Sachsen-Anhalt Deutschland
Calato Gestüt Zangersheide Belgien
Calgary Stall Göbeler Deutschland
Carry Haupt- und Landgestüt Marbach Deutschland
Cascado Haupt- und Landgestüt Moritzburg Deutschland
Casall Agricola y Ganadera Mexico
Casdorf Landgestüt Moritzburg Deutschland
Centimor M. Lindblom Finnland
Cesano II v. Leuken Niederlande
Claudio´s Son J.P. Schmidt Dänemark
Colorido Haupt- und Landgestüt Marbach Deutschland
Conello Stall Göbeler Deutschland
Cristo Intermizoo S.p.A Italien
Lancer II A. Nepper Luxenburg
Lansing P. Ffoulkes Neuseeland
Laurenz ZG Joos Deutschland
Leandro Stutterie Thy Dänemark
Leonce Z. Müller Tschechien
Limbus Gestüt Zangersheide Belgien
Limoncello II Hortobagy Kht Ungarn
Linaro K. Reid USA
Littorio P. Ffoulkes Neuseeland
Lordano Landgestüt Zweibrücken Deutschland
Loutano Les Haras Nationaux Frankreich
Pasco J.P. Schmidt Dänemark
Quasto M. Lindblom Finnland
Quinar K. Reid USA
Quintero Agricola y Ganadera Mexico
Translation
The delegates of the Holsteiner Verband met in Neumünster. According to chairman Jan Lüneburg who had to state a reduction in profits, the Holsteiner Verband is also affected by the financial crisis. The cutback in profits is, among other factors, due to a great amount of outstanding stallion fees, a problem which by the way also affects the private stallion owners. Christian Hess, who has now been with the Holsteiner Verband for a year, is going to be the new sales manager and he will also attend to the training of the young horses. After the autumn sales, Sebastian Rohde is going to oversee the auctions as a free lancer. Lars Bak Andersen is going to leave the Holsteiner Verband after the Bundeschampionat in Warendorf. For the time being, plans to build a new stallion stable have been put on hold. Instead, the horse stalls under the grand stand are to be renovated in order to provide space for horses on sale and others. Since Holsteiner breeders have shown only limited interest in embryo transfer, „project Dägeling” has been terminated. This year, slightly fewer mares have been bred. After a very slow start of the covering season due to cold weather, figures have improved in the last months. „I am hopeful, that we will end up with a less than 10 percent decrease” said Jan Lüneburg with cautious optimism.
Dr. Thomas Nissen
For quite some time now, two Holsteiner Verband work groups have been concerned with the genetic enlargement of the stallion population and the upgrading of the brood mares.
According to Dr. Thoma Nissen, so far only few stallions in the experimental breeding programme have really influenced Holsteiner breeding, like for instance Quidam de Revel, by now firmly embedded with a sire line of his own, or Donnerhall, advancing the dressage sector. Certainly, it is easier for experimental breeding programme stallions stationed in Schleswig-Holstein, like for instance Singulord Joter.
In spite of everything Dr. Thomas Nissen emphasized: „We want to preserve our asset of pure breeding.” There are about 10 - 12 riding horses clones. Among others, Quidam de Revel and E.T. have been cloned. The oldest clones are now 3 years of age and sexually mature. In an amendment to the articles of the association, the delegate meeting decided to have clones banned from breeding. Micro-chipping is another yet unsolved problem German horse breeding has to cope with. The Holsteiner and the Trakehner Verband and a Bavarian Quarter Horse society are the only associations totally opposed to chipping.
Mares
Ten years ago, only 50 percent of the mares were awarded a district premium. Today this has been increased to over 60 percent, said the breeding director. The rate of state premiums is constant at 10 percent. Looking at the dams of licensed stallions reveals interesting results: 50 percent have been awarded a district premium, the rest remained without a premium. However, an analysis of the breeding value estimation conducted by the chamber of agriculture has shown that more licensed stallions have come out of mares with better performance test results.