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Zuchtwertschätzungen 2008

 

 

Sie sind da, die Zuchtwertschätz­ungen der FN und der Landwirtschaftskammer Schleswig­Holstein. Sie können dem Züchter eine Entscheidungshilfe bei der Anpaarung  ihrer Stuten geben.

Integrierte Zuchtwertschätzung der FN
Datengrundlage des Zuchtwertschätzmodells sind die Leistungs- und Abstammungsdaten. Zu den Leistungsdaten gehören zum einen die Ergebnisse aus dem Turniersport. Berücksichtigt werden alle mit TORIS erfassten Dressur- und Springprüfungen bis zur Klasse S seit dem 1. Januar 1995. Das heißt, die Ergebnisse aller gestarteten Pferde werden integriert. Auch die Ergebnisse, die junge Pferde in Dressur- und/oder Springpferdeprüfungen erzielen, fließen über die Wertnote in die Zuchtwertschätzung ein. Hinzu kommen Informationen aus den Zuchtstuten-, Veranlagungs- und Hengstleistungsprüfungen. Als Leistungsmerkmale werden die Noten für Schritt, Trab, Galopp, Rittigkeit und Freispringen (bei Zuchtstuten- und Veranlagungsprüfungen) sowie die Noten für die Gangarten, Rittigkeit, Frei- und das Parcoursspringen (bei Hengstleistungsprüfungen) verwendet. Zu diesen Leistungsdaten kommen noch die Abstammungsdaten aus mindestens zwei Generationen hinzu, die für eine verwandtschaftliche Verknüpfung herangezogen werden.
All diese Daten von mehr als 540.000 Pferden - fast zehn Millionen Informationen aus Turniersportprüfungen, über zwei Millionen Informationen aus Aufbauprüfungen, über 68.000 Informationen aus Zuchtstuten- und Veranlagungsprüfungen sowie über 6.500 Informationen aus Hengstleistungsprüfungen - fließen in ein sehr aufwendiges statistisches Schätzverfahren ein. Zur Schätzung der genetischen Über- oder Unterlegenheit (Zuchtwert) eines Pferdes werden nicht nur seine eigenen Leistungen, sondern auch die all seiner Verwandten herangezogen. Gleichzeitig beeinflussen die Leistungen in einem Merkmal auch die Schätzung des Zuchtwertes in allen anderen Merkmalen. Die Leistung eines Pferdes wird immer in Relation zu den Leistungen anderer Pferde unter vergleichbaren Umweltbedingungen gesehen. Diese Vergleiche finden innerhalb derselben Prüfung, Alters oder Leistungsklasse seines Reiters statt. Durch die gleichzeitige Berücksichtigung all dieser Umwelteffekte und des genetischen Effektes des Pferdes selbst, ist das Schätzmodell in der Lage, die genetische Überlegenheit eines Pferdes aller diesen Einflussfaktoren differenziert zuzuordnen. Das heißt: Es wird bei dem Modell berücksichtigt, ob ein Pferd eine Prüfung gewonnen hat, weil es unter einem besonders guten Reiter ging, weil die anderen Pferde im Teilnehmerfeld leistungsmäßig besonders schwach waren oder weil das Pferd entsprechend hoch genetisch veranlagt ist. Mit diesem Modell können in allen Merkmalen Zuchtwerte geschätzt werden, auch wenn das Pferd selbst keine entsprechende Eigenleistung hat, sondern nur seine Verwandten.
Für jedes Pferd wird in jedem Einzelmerkmal ein Zuchtwert geschätzt, es gibt also insgesamt 20 Zuchtwerte. Die Springmerkmale aller Prüfungsarten, also der Rang in der Springprüfung, die Wertnote in der Springpferdeprüfung sowie die Beurteilung des Frei- und Parcoursspringens bei den Zuchtprüfungen werden zu einem Gesamtzuchtwert „Springen“ zusammengefasst. Gleiches gilt für die Dressurmerkmale: Rangierung in der Dressurprüfung, Wertnote aus der Dressur­- pferdeprüfung, Beurteilung der Gangarten und der Rittigkeit aus den Zuchtprüfungen. Daraus ergibt sich der Gesamtzuchtwert „Dressur“.
Wichtig für die richtige Interpretation der Zuchtwerte ist die Sicherheit der Schätzung. Die Sicherheit ist eine Maßzahl, die die vorliegende Informationsmenge und Informationsqualität charakterisiert. Für Pferde mit wenig verfügbaren Informationen (wenn etwa nur von der Mutter oder dem Vater Informationen vorliegen) oder für Pferde, die nur Eigenleistungen (zum Bespiel nur wenige Starts in Aufbauprüfungen) haben, wird der Zuchtwert „vorsichtiger“ geschätzt als für Pferde mit ­umfangreichen Informationen. Die Zuchtwerte für Hengste werden im Jahrbuch Zucht nur dann veröffentlicht, wenn der geschätzte Gesamtzuchtwert Springen beziehungsweise Dressur eine Sicherheit von mindestens 70 Prozent aufweist und die Schätzung auf mindestens fünf Nachkommen mit Eigenleistungen basiert.



FN Jahrbuch Zucht und Sport
Die Zuchtwerte aller veröffentlichten Hengste sind ab sofort gegen eine Gebühr beim FN-Bereich Zucht (Frau Koller, Telefon 02581/ 6362-256, E-Mail ckoller@fn-dokr.de) erhältlich. Darüber hinaus liefert das neue Jahrbuch Sport und Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Form einer DVD umfassende Suchmöglichkeiten sowohl nach den Integrierten Zuchtwerten als auch nach vielen züchterischen sowie sportlichen Informationen aller erfolgreichen Zucht- und Sportpferde.
Zu beziehen ist das Jahrbuch Sport und Zucht im Buch- und Pferdefachsporthandel und direkt beim FNverlag, Telefon 02581/6362-254, vertrieb@fn-verlag.de oder www.fnverlag.de.



FN-Zuchtwertschätzung 2008
„Jährlicher Datenzuwachs bringt Veränderungen“


Wir haben uns mit Dr. Teresa Dohms, stellvertretende Geschäftsführerin der FN-Abteilung Zucht in Warendorf, über die veröffentlichten Daten unterhalten.

PFERD+SPORT: Die Zuchtwertschätzung zu optimieren, das ist das Ziel von Zuchtfunktionären und Wissenschaftlern. Was ist in diesem Jahr anders geworden?

Dr. Teresa Dohms: In diesem Jahr sind bewusst keine Änderungen am Modell der Zuchtwertschätzung vorgenommen worden, da im letzten Jahr einige wichtige ­Anpassungen wie beispielsweise die Integration der Ergebnisse aus den Veranlagungsprüfungen eingerichtet worden sind. Dadurch haben viele Hengste und deren Verwandten zusätzliche Informationen in den entsprechenden Merkmalen erhalten. Zudem wurde durch eine wissenschaftliche Analyse am aktuellen Datenmaterial deutlich, dass eine Anpassung der genetischen Parameter - also der Heritabilitäten (Erblichkeiten) und der genetischen Korrelationen (das Maß für die erblich bedingten Beziehungen zwischen verschiedenen Merkmalen) - notwendig geworden war. Nach den Analysen sind die Leistungen im Turniersport mit einem geringeren Grad an Erblichkeit - als bisher angenommen wurde - im Zuchtwertschätzmodell berücksichtigt worden. Diese Angleichung im letzten Jahr verstärkt die Aussage, dass die Zuchtwertschätzung zur Zeit  modern und informativ ist, sowie mit aktuellen, am realen Datenmaterial geschätzten Parametern durchgeführt wird.  Aber bei jeder jährlichen Zuchtwertschätzung gibt es automatisch Veränderungen durch den jährlichen Datenzuwachs in Form der zunehmenden Turniersportdaten und der neuen Informationen aus den Zuchtstuten- und Hengstleistungsprüfungen.

PFERD+SPORT: Auffällig an der ZWS 2008 ist aus ­Holsteiner Sicht, dass der erst achtjährige Nekton in der Rangliste vor so bewährten Vererbern wie Caretino, Cassini oder Corrado steht. Wie ist das zu erklären?

Dr. Teresa Dohms: Der Hengst Nekton hat einen Gesamt-Zuchtwert Springen von 160 Punkten mit einer Sicherheit von 78 Prozent. Die Datengrundlage des Zuchtwertschätzmodells sind immer alle verfügbaren Leistungsdaten des Pferdes und der Verwandten. Ingesamt sind bis jetzt Ergebnisse von 13 Töchtern des Nekton in Zuchtstutenprüfungen sowie von fünf gestarteten bzw. auch platzierten Nachkommen in Springpferdeprüfungen im Datenpool für die Zuchtwertschätzung gespeichert. Damit überschreitet Nekton in diesem Jahr erstmalig die Grenze zur Veröffentlichung der Zuchtwerte. Die Zuchtwerte werden immer dann veröffentlicht, wenn die Sicherheit der Zuchtwerte mindestens 70 Prozent erreicht hat und wenn der Hengst mindestens fünf Nachkommen mit Eigenleistungen vorweisen kann. Ein Blick in die nicht veröffentlichte Zuchtwertliste der vorigen Jahre zeigt schon ein sehr hohes genetisches Niveau des Nekton. Nicht zu vergessen sind aber auch seine eigenen Erfolge in Springprüfungen bis zur Klasse S bei nationalen und internationalen Turnieren. Zu diesen Leistungsdaten kommen noch die Abstammungsdaten aus allen vorliegenden Generationen hinzu, die für eine verwandtschaftliche Verknüpfung herangezogen werden. Für den Vater Nimmerdor wurde ein Gesamt-Zuchtwert Springen von 143 Punkten mit einer Sicherheit von 90 Prozent geschätzt. Aber auch die weitere Abstammung des Nekton, Coriano als Vater der Mutter und dann in der dritten Generation Caletto II, deutet auf ein hohes genetisches Potential hin. Aber ich möchte allen Züchtern empfehlen, sich nicht nur mit den Führungsspitzen der Zuchtwertschätzung, sondern auch mit allen weiteren Hengsten, die in den TOP-Listen sind, zu beschäftigen. Zu den besten fünf Prozent gehören alle Hengste, die einen Zuchtwert Springen von mindestens 139 Punkten beziehungsweise einen Zuchtwert Dressur von 135 Punkten haben. Diese vererben sich alle gemäß der geschätzten Zuchtwerte überdurchschnittlich und gehören eindeutig zu den Besten bundesweit.

PFERD+SPORT: Können Sie unseren Züchtern in einigen, wenigen Sätzen erklären, warum sie die ZWS bei ihren züchterischen Planungen berücksichtigen sollten?

Dr. Teresa Dohms: Züchterische Maßnahmen sollten immer zum Ziel haben, die Leistungen der Pferde von einer Generation zur anderen zu verbessern. In der Populationsgenetik wird von Zuchtfortschritt gesprochen, wenn ein Unterschied der genetisch bedingten durchschnittlichen Leistung einer Population gegenüber der vorherigen Generation vorherrscht. Um das Ziel des Zuchtfortschrittes anzustreben, sollten demnach nur Hengste als Zuchttiere ausgewählt werden, deren Leistungsfähigkeit erblich bedingt ist und die diese Leistungsfähigkeit an ihre Nachkommen weitergeben. Und das Ziel einer Zuchtwertschätzung ist es, diese erblich bedingten Leistungsunterschiede möglichst genau zu schätzen. Dadurch bekommen sie einen Überblick über das Leistungsniveau der einzelnen Hengste und geben eine Hilfestellung bei der nächsten Hengstauswahl. Eine alleinige Garantie für den züchterischen Erfolg ist das natürlich nicht! Wichtig bei der Interpretation der Zuchtwerte ist die Sicherheit der Schätzung. Für Hengste mit wenig verfügbaren Informationen oder solche, die nur Eigenleistungen haben, wird der Zuchtwert „vorsichtiger“ geschätzt als für Hengste mit umfangreichen Informationen. Zuchtwerte mit niedrigen Sicherheiten können bei der nächsten Zuchtwertschätzung größeren Schwankungen unterliegen und bedeuten ein höheres Risiko für den Züchter.



Translation

Estimated breeding values (EBVs) 2008
„Annual data growth leads to changes“


We talked to Dr. Teresa Dohms, deputy executive director of the breeding department of the German Equestrian Federation (FN) in Warendorf about the published data.

PFERD+SPORT:  Breeding officials and scientists always strive to optimise the estimated breeding values (EBVs). What is different this year?

Dr. Teresa Dohms: This year we deliberately decided against further changes in the breeding value estimation model as we had accomplished some important adjustments last year, like for example the integration of the young stallion aptitude test results. Thus we have obtained additional information for many stallions and their relatives regarding the traits in question. Moreover, scientific analysis of the current data had disclosed the necessity to adjust the genetic parameters, which means the heritabilities and the genetic correlations (the rate of inherited relations between the different traits. In consequence of this analysis, the heritability rate of performance in competition was downgraded (compared to earlier assumptions) in the breeding value estimation model. This last year adjustment reinforces the statement that the present breeding value estimation is modern and informative, and uses current parameters estimated from actual data. But any annual breeding value estimation will automatically involve changes due to the annual data growth of cumulative competition results and new information from mare and stallion performance tests.

PFERD+SPORT: From a Holsteiner point of view, it is quite striking that a young stallion, 8-year-old Nekton, has a higher EBV than proven sires like for instance Caretino, Cassini, or Corrado. Could you explain this to us?

Dr. Teresa Dohms: The stallion Nekton has a total jumping EBV of 160 with a reliability of 78 per cent. The estimated breeding value model is based on all performance data available for the horse and his relatives. Up to now, the data pool for the EBV comprises the accumulated results achieved by 13 Nekton daughters in mare performance tests and by 5 offspring started and placed in young horse jumping competitions. This means that Nekton has overcome the threshold for EBV publication for the first time this year. EBVs will be published as soon as the reliability is 70 per cent or higher and when the stallion has at least 5 offspring with own performance. A look at the unpublished EBV list of previous years already indicates Nekton’s very high genetic value. And you must also keep in mind his own results in show jumping to S-level in national and international competitions. Moreover, all performance data obtained from previous generations will be added as well. His sire Nimmerdor has a total jumping EBV of 143 with a reliability of 90 per cent. But also Nekton’s other ancestors, his dam’s sire Coriano, and the maternal 2nd dam’s sire Caletto II, indicate his high genetic potential. But I would advise all breeders to consider not only the leading stallions in the EBV rankings but also all other stallions in the top lists. All stallions with a jumping EBV of 139 or more or a dressage EBV of 135 or higher do rank among the best 5 per cent. All these stallions demonstrate above average hereditary potential regarding the respective EBV and are definitely among the best sires nationwide.

PFERD+SPORT: Could you explain to our breeders - in a nutshell- why they should consider EBVs for their mating decisions?

Dr. Teresa Dohms: Breeding activities should always aim to improve performance in horses from one generation to the next. In population genetics, breeding progress means an improvement of a population’s average genetic performance compared to the parental generation. To achieve breeding progress, only stallions with a hereditary ability to perform and the ability to pass on this performance potential to their offspring should be selected for breeding. The breeding value estimation now aims to evaluate these hereditary differences in performance as accurate as possible. This provides an overview of the individual stallions’ level of performance and will help the breeders in choosing the next stallions to breed their mares to. But of course, this alone cannot guarantee the breeding success. The reliability of the estimate is important for the interpretation of the breeding values. The estimation of breeding values will be more „cautious“ for stallions with only own performance or with only little progeny information available. Breeding values with a low reliability rate may be subject to greater variations when the next breeding value estimate is carried out and means a greater risk for the breeder.



Zuchtwertschätzung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Es ist eine alte und immer wiederkehrende Erfahrung, dass sich die Hengste und Stuten nicht immer so vererben wie man es den eigenen Leistungen nach erwarten würde. Um besser abschätzen zu können, wie die Vererbungsleistung eines Pferdes ist, muss man die Verwandtschaft mit einbeziehen. Schließlich haben verwandte Pferde gemeinsame Vorfahren und damit auch einen Teil ihrer Gene gemeinsam. Ein Züchter kann ein paar Stutenschauen und Fohlenbrenntermine in seiner Umgebung besuchen. Und er kann auch die Nachkommen der Hengste und Stuten miteinander vergleichen und versuchen, sich so ein Bild über die mögliche Vererbung zu machen. Andererseits wird kein Züchter alle Termine besuchen können, und die Noten von vor zehn oder zwanzig Jahren sind vielleicht auch nicht mehr so präsent. Hier liegt der Vorteil der Zuchtwertschätzung. Der Computer kann zigmal mehr Informationen zu den Hengsten und Stuten, deren Vorfahren, Geschwistern und Nachkommen verarbeiten als der Züchter. Mit Hilfe komplexer mathematisch-statistischer Methoden soll in der Zuchtwertschätzung mit dem BLUP-Tiermodell die Frage gelöst werden, welche Leistung erblich ist und welche erworben. Dabei spielen die Erblichkeit, die Verwandtschaft und die Anzahl der Leistungsinformationen eine entscheidende Rolle. Neben der Exterieurbeurteilung, den Eigenleistungen aus der Zuchtstutenprüfung und/oder dem Turniersport können die Zuchtwerte ein weiteres wichtiges Kriterium für die züchterische Entscheidung sein.

Daten für die Zuchtwertschätzung
Die Zuchtwertschätzung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein erfolgt getrennt für die drei Bereiche Fohlenbeurteilung, Stutbuchaufnahme und Zuchtstutenprüfung. Einzelzuchtwerte werden für folgende Merkmale geschätzt:

Fohlenbeurteilung: Typ/Gebäude und Gang/Schwung
Stutenbeurteilung: Typ, Oberlinie, Vorderhand, Hinterhand, Korrektheit der Gangarten und Schub und Schwung
Zuchtstutenprüfung: Schritt, Trab, Galopp, Rittigkeit und Freispringen

Die Datenbasis für die Zuchtwertschätzung bilden die Noten, die von den Sachverständigen in Schleswig-Holstein beim Fohlenbrennen, bei der Stutbuchaufnahme und  der Zuchtstutenprüfung vergeben werden. Die Zuchtwertschätzung basiert auf den Bewertungen von 68.915 Fohlen aus den Jahren 1984 -2008, 28.274 zwischen 1972 und 2008 neu eingetragenen Stuten sowie von 8.345 Stuten, die zwischen 1983 und 2008 eine Zuchtstutenprüfung abgelegt haben. Gegenüber 2007 sind im Jahr 2008 ca. 4.350 neu bewertete Fohlen, etwa 1.440 eingetragene Stuten und 450 stations- oder feldgeprüfte Stuten zur Datenbasis hinzugekommen.

Die am häufigsten eingesetzten Vererber
Übersicht 1* zeigt die am häufigsten in der Holsteiner Zucht eingesetzten Hengste. Die Noten bei der Fohlenbewertung wurden erst ab 1984 EDV-mäßig erfasst und können erst ab diesem Zeitpunkt in der Zuchtwertschätzung berücksichtigt werden. Deshalb fehlen einige der sehr alten Hengste in dieser Auflistung. Erstmalig in diesem Jahr führt Contender die Liste mit den höchsten Nachkommenzahlen in allen drei Bereichen an. Mit 2163 benoteten Fohlen liegt er deutlich vor den anderen Vererbern. Ingesamt haben inzwischen sechs Hengste mehr als 1.000 bewertete Fohlen: Neben Contender sind das Cassini I, Caretino, Corrado I, Calato und Cassini II. Gegenüber dem Vorjahr hat Cassini II mit plus 244 Fohlen mit sehr großem Abstand größten Zuwachs zu verzeichnen. Über 140 neu hinzugekommene Fohlen gegenüber 2007 haben Con Air (plus 163) und Casall (plus 147).
Mit insgesamt 669 eingetragenen Stuten hat Contender in diesem Jahr Landgraf I (665) überholt. 2008 hatten fast 90 neu eingetragene Stuten Contender zum Vater. An dritter Stelle steht weiterhin Cor de la Bryère mit deutlich über 500 Stuten (574). Es folgen Caretino und Cassini I mit 468 bzw. 419 Töchtern.
Auch in der Zahl der Töchter mit einer Zuchtstutenprüfung liegen diese Hengste vorne. Contender (299) weist fast 300 geprüfte Töchter auf. Landgraf I (238) und Caretino (211) haben ebenfalls mehr als 200 Töchter mit einer Zuchtstutenprüfung. Es folgt Cassini I (181) vor Cor de la Bryère mit 171 Töchtern. Corrado I (159) ist der sechste Hengst von dem seit 1983 mehr als 150 Töchter in einer Zuchtstutenprüfung vorgestellt wurden.
Für Junghengste ist es wichtig, in den ersten Bedeckungsjahren möglichst viele Nachkommen zu produzieren, damit früh aussagefähige Vererbungstendenzen abgeleitet werden können und der Vererbereinsatz rechtzeitig beginnen kann.

Zuchtwerte 2008
Übersicht 2 zeigt eine Liste der Holsteiner Hengste, die einen Gesamt-Zuchtwert von wenigstens 120 Punkten sowie eine Mindestzahl an bewerteten Nachkommen haben (15 bewertete Fohlen, 10 eingetragene Stuten und 5 Töchter mit Zuchtstutenprüfung). Der Gesamt-Zuchtwert setzt sich aus den Zuchtwerten für Fohlenbeurteilung (10 %), Stutenbeurteilung (30 %) und Zuchtstutenprüfung (60 %) zusammen.
Levisto, im letzten Jahr noch mit 131 Punkten, hat sich mit einem Gesamtzuchtwert von 140 eindrucksvoll an die Spitze gesetzt. Es folgen Aljano mit einem Gesamtzuchtwert von 136 und die beiden Cor de la Bryère-Söhne Calypso I und Calypso II mit jeweils 132 Punkten. Carpaccio weist einen Gesamtzuchtwert von 131 Punkten  auf. Je 130 Zuchtwertpunkte haben die drei Hengste Casall, Contendro I und Lucky Champ.
Im der weiteren Darstellung werden nur Hengste aufgeführt, die in dem jeweiligen Teilzuchtwert eine Sicherheit in der Zuchtwertschätzung von mindestens 70 % aufweisen.
Den höchsten Zuchtwert für die Zuchtstutenprüfung hat immer noch der Hengst Calypso II inne (149). Es folgen Levisto (145), Lucky Champ (144) und Cambridge (141). Caletto I und Contendro I haben jeweils einen Zuchtwert von 139.
Übersicht 3 zeigt die Hengste mit den höchsten Einzelzuchtwerten im Freispringen und in der Rittigkeit. Im Freispringen hat Cassini I mit 156 Punkten den höchsten Zuchtwert, gefolgt von Capitol I (153) und Cambridge (148). Ebenfalls einen Zuchtwert von über 140 weisen die Hengste Clearway (12), Coriano (142), Carthago (141) und Corrado I (141) auf.
Die mit sehr großem Abstand rittigsten Töchter hat Lucky Champ mit einem Zuchtwert von 174 aufzuweisen. Es folgen Calypso I (156), Aljano (153) und Levisto (150). Über 140 Zuchtwertpunkte in der Rittigkeit haben der Halbblüter Paramount (147), Caletto I (146), Calypso II (145), Cantus (143) und Calido I (142).
Unter den zehn Hengsten mit dem höchsten Zuchtwert in der Stutenbewertung sind drei Vollblüter. Den höchsten Zuchtwert aller Hengste weist der Hengst Painter´s Row xx auf (146), der in Holstein bis 2005 im Deckeinsatz war, mit insgesamt 19 eingetragenen Töchtern. Es folgen Aljano (141) und Lavado (138), der 1990 nur ein Jahr im Deckeinsatz war. An vierter Stelle steht der Vollblüter Heraldik xx (137). Es folgen Levisto (134) sowie Levantos I und Limbus mit einem Zuchtwert von je 130. An zehnter Stelle steht Esteban xx mit 127 Punkten.
Den höchsten Zuchtwert in der Fohlenbeurteilung weist mit einem deutlichen Vorsprung der Hengst Quality mit 159 Zuchtwertpunkten auf. Es folgen die Hengste Concreto und Limoncello II mit jeweils 143 Punkten. Daran an schließen sich die Hengste Barinello und Cash and Carry, beide mit 138 Punkten, Lucky Champ (137) und Aljano mit einem Zuchtwert von 136 Punkten. Carreno und der Vollblüter Comefast xx, in den neunziger Jahren nur zwei Jahre im Deckeinsatz, haben beide einen Fohlenzuchtwert von 135.
Die Zuchtwertschätzung ist eine Methode, um die über viele Jahre anfallenden zahlreichen Informationen zu den Pferden in sinnvoller Weise zu kombinieren und einen einfach zu interpretierenden Schätzwert für die Vererbungsleistung eines Pferdes zu erhalten. Züchter und Zuchtverbände haben mit den Zuchtwerten ein wirksames Instrument, um durch gezielte Zuchtentscheidungen den Zuchtfortschritt in ihrer Population zu steigern. Detaillierte Informationen zu den aktuellen Zuchtwerten der Holsteiner Hengste finden Sie auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein unter www.lwk-sh.de unter Tier - Pferde - Zucht. Dort finden Interessierte und Neueinsteiger, die tiefer in die komplizierte Materie einsteigen wollen, auch Erläuterungen zum Prinzip der Zuchtwertschätzung.
Dr. Sibylle Reinecke, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein


*Übersichten siehe pdf des Artikels (als Download)
 

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Qualitäts-Einstreu für Pferde