Die Elmshorner Pferdetage sind das unangefochtene Highlight der Sommerveranstaltungen des Holsteiner Verbandes.
Viele Besucher aus dem In- und Ausland haben diesen besonderen Termin fest in ihre Planung einbezogen und begleiten unsere Spitzenpferde mit großer Aufmerksamkeit. Bei keiner anderen Veranstaltung wird den Besuchern so viel Abwechslung geboten wie bei der in Elmshorn. Hoch interessanter Sport, die besten Nachwuchsstuten und erlesene Verkaufskollektionen bildeten den Rahmen der zweitägigen Veranstaltung.
Die vorgestellte Stutenkollektion der Eliten des Geburtsjahrganges 2006 war mit insgesamt 74 Nachwuchstalenten etwas kleiner ausgefallen als in den Vorjahren. Hier hatte sich ja ein Anteil von ca. 100 Stuten eingependelt. Dafür kommen verschiedene Ursachen in Frage. Die Wirtschaftskrise hinterlässt auch schon heute deutliche Spuren im Zuchtgeschehen, so dass insgesamt weniger Stuten bei den Eintragungen im Mai vorgestellt wurden. Dadurch war die Auswahlbasis schon deutlich kleiner als in den Vorjahren. Ein weiterer Grund ist in dem etwas kritischeren Vorgehen der Kommission bei der Eintragung und Auswahl für die Elitestutenschau zu sehen. Diese Maßnahme war gewollt und als Ergebnis aus der Diskussion des Arbeitskreises und dem Zuchtausschuss hervorgegangen.
Die Resonanz auf diese Entscheidung war auch vom Publikum in Elmshorn durchweg positiv, zumal die Besucher bei etwas verkürztem Ablauf sehr konzentriert Spitzenstuten vorgestellt bekamen. Ein dritter Grund, der etwas mehr Sorge bereitet, ist die Frage nach der geringeren Qualitätsspitze in den Körbezirken, die in diesem Jahr besonders auffällig war.
Wir müssen uns die berechtigte Frage stellen: „Wo sind die Qualitätstöchter unserer Spitzenhengste Contender, Cassini I oder Caretino?" Diese Hengste decken große Stutenzahlen, insbesondere in den Qualitätskörbezirken wie z.B. Dithmarschen und Nordfriesland. Am Ende ist die „Ausbeute" für unsere wichtigste Zuchtveranstaltung sehr gering. Wo bleiben die guten Nachkommen dieser Hengste? Wird das Beste verkauft oder stagniert der Zuchtfortschritt? Diesen Fragen müssen wir intensiver nachgehen. Gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten ist es für den einzelnen Zuchtbetrieb ganz wichtig, den Qualitätsgedanken der eigenen Stutengrundlage Priorität zu geben. Dazu gehört in erster Linie die gute Qualität der eigenen Stutengrundlage und der Mut, das beste Stutfohlen aus dem Jahrgang auch einmal zu behalten und der Verlockung des Marktes zu widerstehen. Keine einfache, aber für uns alle eine notwendige Entscheidung!
Die 74 ausgewählten Spitzenstuten hatten überwiegend schon ihre Leistungsveranlagung unter Beweis gestellt. Nur ca. 20 Prozen der vorgestellten Stuten waren noch nicht leistungsgeprüft. Von ihnen werden sicher noch die meisten den angebotenen Spättermin Anfang Juli nutzen. Dieses Ergebnis ist erfreulich, denn so konnten schon 60 Stuten mit dem Titel Staatsprämie ausgezeichnet werden.
Bedauerlich ist der starke Rückgang der Vollblutnachkommen. Schon in den letzten Jahren haben wir diese Tendenz beobachtet und keine separate Gruppe (Halbblut-Ring) zusammenstellen können. In diesem Jahr gab es keine Tochter eines englischen Vollblüters in Elmshorn zu sehen, dafür war erfreulich, dass sich eine arabische Halbblüterin (v. Bazar Sh.A.) zur Teilnahme qualifiziert hatte. Ihre Qualität bestach und rechtfertigte den Sonderehrenpreis des besten Halbblutes zu 100 Prozent.
Die Abstammung
Die 74 qualifizierten Stuten stammen von 38 Vätern ab, was auch in diesem Jahr wieder auf eine gute genetische Vielfalt hinweist. Wie schon einleitend angeführt, setzt dieser Stutenjahrgang Abstammungsakzente für die Vererbungsqualität der nachrückenden Junghengste. Früher war die Dominanz der Spitzenvererber schon vorprogrammiert, heute sind ihre Nachkommen schon eher Raritäten geworden. Die Gründe dafür wurden bereits diskutiert. Erfreulich ist dafür, dass es einem achtjährigen „Junghengst" wie Acodetto gelungen ist, mit sieben seiner Töchter dieser Veranstaltung einen besonderen Qualitätsstempel aufzudrücken. Schon bei der Eintragungstour im ganzen Lande wurde offenkundig, dass dieser Acorado-Sohn besonderes Vererbungspotential besitzt. Fast in allen Körbezirken liefen seine Töchter mit auf den Endringen und platzierten sich im Vorderfeld oder siegten, wie z.B. in Ostholstein oder beim Termin der Auswärtigen in Elmshorn. Alle Töchter zeigten Qualität, wobei ganz besonders die guten Typen überzeugen konnten. Mit bereits guten Leistungsergebnissen hatten sie auch ihre große Sportlichkeit unter Beweis gestellt. Erfreulich, dass dieser vererbungsstarke Hengst noch in diesem Jahr aus der Verpachtung wieder nach Holstein zurückkommt und uns dann - wie gehabt - über die Station M.J. Hell zur Verfügung steht.
Ähnlich gute Typen hat auch der Contender-Sohn Cristo geliefert. Der ebenfalls erst achtjährige Holsteiner wurde als Junghengst von den Züchtern sehr gut angenommen, so dass sich aus seinem zweiten Jahrgang sechs Töchter für die Elitestutenschau qualifizieren konnten. Cristo, der selbst einer der typvollsten Contender-Söhne ist, hat diese Exterieurmerkmale einheitlich weitergegeben. Seine Nachkommen zeigen große Typtreue und sind dominant in der klassischen Holsteiner Aufmachung (Farbe und Typ) gekennzeichnet. Auffallende Vertreterin war die Katalognummer 12 WHITNEY D aus einer Mutter von Cantus. Sie hatte sich von der regionalen Eintragung in Steinburg noch gesteigert und machte auch auf dem Endring als Bewegungskünstlerin eine sehr gute Figur.
Der „Shooting-Star" der aktuellen Holsteiner Zucht ist allerdings Canto v. Canturo, der Körsieger von 2005. Mit vier Töchtern teilt er sich bei der Elitestutenschau diesen Platz mit Calato (4) und Con Air (4). Beachtlich ist allerdings die Vererbungskraft von Canto, die er auch in Elmshorn durch drei Endring-Töchter wieder bestätigen konnte. Als besonderes Talent fiel dabei die Canto-Carpaccio-Tochter WEHLE auf. Die Siegerstute von Nordfriesland aus dem Stamm 18a2 gehörte mit zu den ganggewaltigsten Stuten der Schau und platzierte sich dazu noch in vorderster Front bei den Reitpferdeprüfungen, was ihre Gebrauchsfähigkeit für den Sport in Elmshorn noch deutlicher werden ließ.
Enorm sportlich zeigte sich auch die Canto-Tochter WARENGA BB aus dem Stall von Manfred Birchler. Diese Endringstute hatte ihr Leistungspotential mit der Endnote von 9,2 bereits eindrucksvoll in Lürschau unter Beweis gestellt. Schon ihre Mutter, das einstige Spitzenauktionspferd F-CECILIA v. Capitol I (NMS 94; 250.000 DM), war eine gewaltige Leistungsspitze der Holsteiner Zucht.
Wertvolle Stuten liefert auch Calato, der mit vier Töchtern in diesem Jahr bei der Eliteschau wieder eine gute Visitenkarte abgab. Die Reservesiegerin aus Schleswig-Flensburg, WAIKIKI VI, die über Calato-Cor de la Bryère, die auf den Stamm 318D1 zurückgeht und sich in Elmshorn als würdige Endringstute gut behaupten konnte.
Dass Schleswig-Flensburg in diesem Jahr mit hervorragenden Stuten in Elmshorn aufwarten konnte, ist sehr erfreulich und gibt sicher einen Motivationsschub in den Nordosten unseres Verbandes. Mit der Con Air-Tochter WIE NOBEL gelang den Angelitern der ganz große Wurf. Von Matthias Ketelsen aus Silberstedt optimal in Szene gesetzt, war sie die „Queen" der gesamten Schau und sicherlich auch die ganz große Typausnahme bei der Vererbung von Con Air. Der Contender-Carolus I-Sohn mit internationalen Sporterfolgen war mit vier Töchtern hervorragend präsent. Seine Vererbungsqualitäten liegen bekanntlich eher im Springbereich, wobei solide gute Typen nicht die Ausnahme sind.
Zu den auffallendsten Vererbern dieser Schau gehörte auch Carlos DZ, der hervorragende Ausdruckskraft und sehr dynamische Bewegungsqualitäten vererbt. Nekton, die hervorragende Blutalternative, überzeugte das Publikum in Elmshorn durch drei ausgewogene Töchter mit großer Sportlichkeit. Zwei Hengste verdienen noch eine besondere Würdigung: Casiro I und Cassiano. Die beiden Cassini I-Söhne waren jeweils mit zwei Töchtern vertreten, die alle vier zusammen das Kunststück vollbrachten sich für den Endring zu qualifizieren. Die Sportlichkeit dieser überragenden Typstuten wurde noch durch ganz beachtliches Gangvermögen untermauert. Die Casiro I-Sandro-Tochter WIEN überzeugte in allen drei Grundgangarten und bestach mit enormer Trabaktion, die ihr den Titel bestes Gangpferd der Schau einbrachte.
Die Siegerstuten
Für den Endring hatten sich in diesem Jahr insgesamt 17 Qualitätsstuten empfohlen, die alle in einer Einzelvorstellung auf dem Hauptturnierplatz zu überzeugen wussten. Die Prämierungskommission bestehend aus Peter Claussen, Thomas Petersen und Dr. Thomas Nissen wurde in diesem Jahr vom ZfDP Zuchtleiter - Hans Britze - aus Verden begleitet. Die Gruppe der Experten war sich bei der Urteilsfindung stets schnell einig, da sich die Jahrgangsspitzen aufgrund der Ausnahmequalitäten schnell zu erkennen gaben. Hans Britze lobte besonders die große Ausgeglichenheit des Typs der Holsteiner Stuten. Mit dem Vorurteil - Holsteiner können nur springen - räumte der Experte bei seiner Berichterstattung schnell auf. Für ihn waren die Bewegungsqualitäten der Holsteiner imponierend, was er dem Publikum auch sehr fundiert an praktischen Beispielen der Spitzenstuten erläutern konnte.
Siegerstute
WIE NOBEL v. Con Air a.d. Inverness v. Acord II - Silvester
Zü.: Johannes Gosch, Kosel
Bes.: Matthias Ketelsen, Silberstedt
Eine außergewöhnliche Stute, die schon früh ihre besondere Qualität erkennen ließ. Sie wurde auf den Punkt vorbereitet und bestach bei jeder Vorstellung durch enormen Rassetyp in Verbindung mit ganz großer Sportlichkeit. Sobald sie sich in Bewegung setzte, ging der gewaltige Schwung durch den sehr harmonischen und korrekten Körper. Ein Erbe, das sicherlich im Mutterstamm 8768 seinen Ursprung hat. Die Großmutter Blue Saimaa ist nämlich eine direkte Vollschwester zum Weltklassedressurpferd Silvano, der unter Ellen Bontje Olympische Spiele und Weltmeisterschaften hoch erfolgreich bestritt. Außerdem ist direkt aus dieser Mutter auch der erfolgreiche Vererber Aljano v. Alasca hervorgegangen, der unter Karin Winter-Polac bis zum Grand Prix erfolgreich gefördert wurde. Diese Zusammenhänge verdeutlichen den besonderen Wert der diesjährigen Siegerstute eindrucksvoll.
Reservesiegerstute
WALESCA v. Acodetto a.d. Havel v. Lord-Masetto
Zu.: Kay-Uwe Bahlmann, Herzhorn
Bes.: Hans de Groot, USA Como, Texas
Eine Stute, die ohne Zweifel die schönste und typvollste Rassevertreterin der gesamten Schau war. Diese besondere Qualität hat sie ebenfalls schon früh bei der Eintragung für unsere Auswärtigen Mitglieder zu erkennen gegeben. Damit war diese Acodetto-Tochter schon ab Mai eine Favoritin für die Eliteschau in Elmshorn. Überaus korrekt verfügt sie mit einem Stockmaß von 168 cm über einen idealen Rahmen für eine Holsteiner Jungstute. Auch in der Bewegung kann sie ihre Ausdruckskraft erhalten und marschiert kraftvoll mit großer Übersetzung in den drei Grundgangarten gleichermaßen qualitätsvoll. Auch sie kommt aus allerbestem Mutterstamm - 776 - und weist damit enge verwandtschaftliche Verhältnisse zu zahlreichen internationalen Sportspitzen und hochklassigen Vererbern wie z.B. Ramiro, Calvados, Lord Incipit oder Acorado auf.
II. Reservesiegerin
WELLINA v. Crawford a.d. D-Spielerin v. Schampus xx - Farnese
Zü.: Sigrun Günther, Elmshorn
Bes.: Bettina und Reimer Hass, Herzhorn
Eine ganz ausdrucksvolle Stute, die aufgrund der Verschmelzung von Adel, Kaliber, Korrektheit und überragendem Gangvermögen die klassischen Holsteiner Werte in sich hervorragend vereint. Diese Tochter des Nachwuchsvererbers Crawford war schon im Winter eine außergewöhnliche Erscheinung bei der Stutenprüfung in Lürschau. Dort überzeugte sie besonders unter dem Reiter und ließ Talent für den ganz großen Dressursport erkennen. Auch ihr Fundament ist eine bedeutende Mutterlinie - Stamm 504 in Holstein. Die Großmutter Flandia brachte mit Lord den Siegerhengst und geschätzten Vererber Literat.
Beste Bewegungsstute
WIEN v. Casiro I a.d. Gracia III v. Sandro - Cor de la Bryère
Zü.: Dirk Hansen, Ottenbüttel-Westermarsch
Bes.: Detlef Hennings, Bendorf
Die Siegerstute von Rendsburg-Eckernförde verfügt über alle Eigenschaften eines Holsteiner Spitzenmodells. In der Bewegung kann sie alle vorgestellten Elitestuten überragen. Neben einer großartigen Trabmechanik, die von einem enormen Hebel des Hinterbeines wunderbar im Fluß durch den Körper geht, verfügt sie auch über großen Raumgriff im Schritt und gewaltiger Übersetzung im Galopp. Ihre Mutter Gracia III brachte mit Contender die gekörten Brüder Chello I und II aus dem Stamm 318D2 (Corofino, Coriano, Crawford) hervor.
Beste Halbblutstute
WELTWITSCHIA v. Bazar Sh.A. a.d. Lydia III v. Lord Calidos - Leuthen II
Zü. + Bes.: Dr. Klaus Gumpert, Grevenkop
Für Holstein einmalig und hoch interessant, dass erstmals eine arabische Halbblutstute in Elmshorn bei der Elitestutenschau als „besonderes Blutpferd" ausgezeichnet werden konnte. Die Bazar-Tochter überzeugte auf der ganzen Linie als ausdrucksvolles Blutpferd, das mit arabischem Einfluß bei Erhalt aller wertvollen Holsteiner Eigenschaften, wie Rahmen, Substanz und Bewegungsdynamik hervorragend überzeugen konnte. Diese Qualitätsstute aus dem „Classic Touch-Stamm" 4025 sollte allen Züchtern mehr Mut machen, auch einmal arabische Elemente zu berücksichtigen.
Dr. Thomas Nissen
Translation
With a total of 76 young talents, the number of elite fillies of the 2006 crop presented in Elmshorn was slightly reduced compared to recent years. This is due to a variety of causes. The economic crisis is already having an impact on breeding, with a decreased number of fillies presented for inspection and registration in May. Thus the pool for selection was considerably reduced compared to previous years. Another reason was the slightly more critical approach of the grading committee when inspecting the fillies for registration and selecting for the elite mare show. This was a deliberate measure resulting from the discussions of the work group and the breeding committee.
Where are the quality daughters of our top sires Contender, Cassini I, or Caretino? We have good cause to ask this question, as these stallions serve a great many mares, especially in the quality breeding districts like for instance Dithmarschen and North Frisia. But in the end, there is only a poor yield for our most important breeding event. Where are the good descendants of these sires? Are the best of them sold or does the advancement of the breed stagnate? We will have to look into these questions more closely. Especially in times of difficult economy it is particularly important for each individual breeder to give top priority to the quality of the females kept for breeding. This means first and foremost high quality brood mares and the courage to overcome the temptations of the market in order to keep the year's best filly foal for the own breeding operation. Not an easy decision, but an essential one for all of us!
The 76 qualified fillies descend from 38 sires, thus again indicating a good genetic variety even this year. It is really good news that an eight-year-old „young" sire like Acodetto has been able to brand the event with a special mark of quality with seven of his daughters. The extraordinary hereditary potential of this Acorrado son has already become evident in the course of the German-wide inspection tour.
Cristo by Contender has sired similarly good types. The breeders made extensive use of the young stallion, who is also only eight years old, and six daughters from his second crop qualified for the elite mare show. Being one of the Contender sons with the best type himself, Cristo has consistently passed on this trait to his offspring.
However, the rising star in current Holsteiner breeding is the champion of the 2004 stallion approval, Canto by Canturo. He had four daughters at the elite mare show, same as Calato and Con Air. But Canto was able to proof his remarkable hereditary potential in Elmshorn with three daughters in the final ring.
This year, Schleswig-Flensburg presented excellent fillies in Elmshorn - a most gratifying development which is likely to boost motivation in our association's northeast quarter. The Angles also hit the jackpot with Con Air daughter Wie Nobel. Presented to her very best by Matthias Ketelsen of Silberstedt, she became Best in Show.
Among the most remarkable sires of the show was also Carlos DZ, with wonderfully expressive offspring also demonstrating very dynamic movement.
Nekton, the excellent genetic alternative, won favour with the Elmshorn public with three well-balanced and very athletic daughters.
There are two other sires deserving special recognition: Casiro I und Cassiano. Both Cassini I sons were represented by 2 daughters each and all four of these qualified for the final ring- no mean feat, indeed.
Die Berichterstattung
„Stuten, die den gehobenen Ansprüchen entsprechen"
Die Berichterstattung in diesem Jahr hatte der Zuchtleiter des Zuchtverbandes für Deutsche Pferde, Hans Britze, übernommen:
„Es war für mich eine große Ehre, die Berichterstattung zur diesjährigen Holsteiner Verbandsstutenschau übernehmen zu dürfen, und dafür möchte ich mich bei der Zuchtleitung und dem Vorstand des Holsteiner Verbandes bedanken.
Insgesamt waren 74 Stuten von 64 Ausstellern im Katalog aufgeführt. Sie stammten von 38 verschiedenen Hengsten ab. Acodetto (sieben Stuten), Christo (fünf Stuten) und Canto (vier Stuten) stellten die meisten Stuten. Canto, der mit seinen Nachkommen auf der letzten Körung auf sich aufmerksam gemacht hatte, war mit drei Töchtern auf dem Endring der eigentliche Sieger dieser Schau. Leider hatte sich keine Tochter eines englischen Vollblüters qualifiziert; in zweiter Generation sind mit Esteban xx, Schampus xx und Exorbitant xx allerdings bewährte Vollblüter vertreten. Besonders interessant war eine Tochter des Shagya-Arabers Bazar, die sich aufgrund ihrer Qualität für den Endring qualifizieren und somit als beste Halbblutstute ausgezeichnet werden konnte. Die notwendige Vielfalt war gegeben, die großen Hengste der vergangenen Jahre traten in den Hintergrund und machten jüngeren Platz, die vielleicht einmal ähnliche Erfolge in Sport und Zucht verbuchen können. Insgesamt wurden viele moderne, langbeinige Stuten vorgestellt, die den gehobenen Ansprüchen von Reitern und Züchtern entsprechen. Es war für mich auffällig, dass man kaum Stuten mit Verstellungen gesehen hat, jedoch viele Stuten mit leichtem Vorderfuß, der zum Teil geschliffen war, das runde „Landgraf"-Hinterbein war vereinzelt anzutreffen, etwas häufiger gerade Oberlinien. Viele Stuten verfügten über großangelegte Bewegungen, die trotz der ungünstigen Wetterverhältnisse am Vormittag eindrucksvoll, und für mich nicht erwartet, gezeigt werden konnten. Der oft kritisierte knappe, nicht voll geregelte Schritt der Holsteiner war nur ver_einzelt anzutreffen. Die herrliche Cassiano-Tochter Walonka, die in Bezug auf Typ und Körperbau dem Ideal sehr Nahe kommt, verbaute sich allerdings durch ihren knappen Schritt eine vordere Platzierung. Andere Stuten konnten gerade auf dem Ring durch ihren guten Schritt punkten.
Bei aller Qualität des Endringes stellt sich trotzdem die Frage, ob die Präsentation auf dem Laufsteg die richtige ist. Holstein als weltbeste Springpferdezucht hat eigentlich andere Prioritäten. Informationen über Stuten-LP und Verwandtenleistungen können nur bedingt in die Wertung einfließen. Auf der anderen Seite gehören auch zu einem Springpferd ein funktionstüchtiges, möglichst korrektes Gebäude und ein gut geregelter Bewegungsablauf und auch ein auffallender, leistungsbetonter, moderner Typ wird nicht verschmäht und in der Regel vom Käufer honoriert".
Die Landeschampions
Vierjährige: Formidable v. For Pleasure-Carthago-Caletto II
„Eine bessere Investition hätte ich nicht tätigen können", freut sich Silke Zuba heute noch über den Kauf der Sacramento Song xx-Tochter Marotte aus dem Stamm 18a2. Sie bezahlte die Stute mit ihrem Konfirmationsgeld, ihr Vater, Klaus Wilhelm Gehrts, beteiligte sich damals. Marotte ist die Ur-Großmutter des vierjährigen Formidable, der nach einer mehr als beeindruckenden Runde zum Landeschampion der Vierjährigen gekürt wurde. Auch Carsten-Otto Nagels Erfolgspferd Calle Cool v. Concerto II, Luminos v. Lovari unter der Finnin Nina Fagerstrom und der Acorado I-Sohn Abukan gehen auf Marotte zurück. Abukan war im vergangenen Jahr Teilnehmer am Bundes_championat des Deutschen Fahrpferdes und hat vor wenigen Wochen in Tasdorf unter Sascha Schnell eine Abteilung der Qualifikation zum Bundes__-championat der sechsjährigen Springpferde mit der Wertnote 8,7 gewonnen.
„Nach dem Landeschampionat bin ich angerufen worden, ob Formidable zum Verkauf steht", lacht Silke Zuba. Doch der vierjährige Hengst wurde bereits als Fohlen vom Holsteiner Verband gekauft. Dreijährig kam er nach Elmshorn und wurde dort angeritten. „Er lernte so schnell", erzählt Sigrun Günther, „deshalb haben wir ihm noch eine Auszeit in Dägeling gegeben". Erst vor drei Monaten kam er wieder zurück nach Elmshorn. Philipp Schulze nahm ihn in Beritt und schwärmt: „So ein liebenswertes Pferd habe ich selten erlebt. Er kommt immer gut gelaunt aus seiner Box, hat eine tolle Einstellung, und es macht einfach Spaß ihn zu reiten". Elmshorn war übrigens Formidables zweites Turnier überhaupt.
Fünfjährige: Cachas v. Caretino-Corrado I-Lord
„Cachas war ein bildhübsches Fohlen", erinnert sich seine Reiterin Janne-Friederike Meyer. Und sie muss es wissen, denn der Caretino-Corrado I-Sohn stammt aus der Zucht ihres Vaters Friedrich Meyer aus Nottfeld. Seine Karriere als Vererber schien zunächst in Frage gestellt, denn der Schimmel war als Fohlen schmal und „nicht viel Pferd". Sein hervorragendes, abstammungsgemäßes Freispringen brachte aber das begehrte Ticket nach Neumünster. Dort fiel Cachas sowohl in der Bewegung als auch am Sprung auf. Er wurde gekört und wechselte in den Besitz des Holsteiner Verbandes. Beim 70-Tage-Test in Schlieckau untermauerte der Hengst mit Noten von 10 im Freispringen und 9,25 in der Springanlage im Parcours seine großen Möglichkeiten. Im Alter von vier Jahren kam Cachas nach der Decksaison in den Beritt von Janne-Friederike Meyer. Sie baute ihn langsam auf, und stellte ihn im vergangenen Jahr bereits mit Erfolg in Springpferdeprüfungen vor. „Er ist ein unheimlich modernes Pferd, das viel Spaß an der Arbeit hat", so seine Reiterin. „Cachas will es seinem Reiter immer Recht machen, er ist sehr vorsichtig und kann bereits jetzt einen Parcours in tollem Rhythmus gehen".
Cachas Mutter Pericula v. Corrado I-Lord-Landgraf I kommt aus dem bekannten Stamm 4847. Dieser hat eine Vielzahl gekörter Hengste und erstklassige Staatsprämienstuten geliefert.
Sechsjährige: Clarimo v. Clearway-Caletto II-Mahmud
In Clarimos Pedigree sind Holsteins beste Blutlinien vereint. Sein Vater _Clearway ist ein Capitol I-Sohn aus der Wodka v. Lord. Diese war unlängst als Mutter von Carassina weltweit im Gespräch. Sie hatte unter Thomas Kleis das Deutsche Spring-Derby 2009 gewonnen. Zudem brachte die Stute von Otto Boje Schoof die gekörten Hengste Arturo sowie Conway I und II sowie das unter Janne-Friederike Meyer international erfolgreiche Springpferd Chika's Way zur Welt. Clarimos Mutter Wisma hat mit ihren Söhnen Cassini I und Cassini II bereits Holsteiner Zuchtgeschichte geschrieben. Auch ihre Töchter haben sich als Hengstmütter einen Namen gemacht.
Clarimo steht seit Anfang des Jahres im Stall von Janne-Friederike Meyer. „Er ist eine absolute Frohnatur", sagt sie über den Hengst, der von Alexandra Bitter behutsam für den Sport aufgebaut wurde. „Clarimo hat alle Möglichkeiten, die ein Springpferd haben kann", schwärmt seine Reiterin und lobt seine hervorragende Einstellung zum Sport. „Er kämpft im Parcours für mich", sagt seine Reiterin, die genau weiß, dass sie die Hengste auf ihrer Seite hat. „Es ist ein Geben und Nehmen", sagt sie und hat keine Probleme damit, dann auch den einen oder anderen „Buckler" im Parcours zu akzeptieren. Von Clarimos Qualitäten ist sie überzeugt, denn sonst hätte sie ihrem Vater nicht geraten, die Mutter von Cachas zu Clarimo zu bringen.
Fohlenauktion: „Es sollte unbedingt ein Holsteiner sein!"
Um die Zuschauer und Interessenten auf die Auktion einzustimmen, hatte man sich in diesem Jahr etwas Besonderes ausgedacht. Nach einer Demonstration der Vollbluthengste des Verbandes Cyrkon xx und Ibisco xx, der auch einige gelungene Fohlen mitgebracht hatte, präsentierten sich ebenso an der Hand wie einige Väter der zum Verkauf stehenden Fohlen. Erschienen waren Cancara, Cassini I, Clinton I, Colman, De Chirico und Nekton.
Zur Auktion waren hervorragende Fohlen ausgesucht worden, so dass das Ergebnis, wie wir bereits berichteten, nicht befriedigen konnte.
Die beiden teuersten Fohlen kosteten 14 000 Euro. Das von Auktionator Uwe Heckmann als Hengstanwärter bezeichnete Fohlen v. Clarimo a. d. Uthlande v. Diamant de Semilly-Lord aus der Zucht der ZG Rörden in Witsum/Föhr aus dem Stamm 18a2. Es wird nach dem Absetzen in Polen seinen Hafer fressen. Der Clearway-Sohn Clarimo ist zur Zeit auch auf sportlichem _Parkett in aller Munde, gewann er doch am nächsten Tag das Landeschampionat der sechsjährigen Springpferde. Die fünfjährige Uthlande gehört dem ersten Holsteiner Jahrgang des Zuchtversuchshengstes Diamant de Semille SF an. Aus dem Stamm 18a2 kommen u. a. die internationalen Springpferde Calle Cool v. Concerto II (Carsten-Otto Nagel), Min Jung v. Marlon xx (Peter Hoff) und Campino v. Cinzano (Achaz von Buchwaldt). Die bekanntesten Hengste dieses Stammes sind Chambertin, Chamonix und Linaro. Ebenfalls 14 000 Euro kostete das abstammungsgemäß bewegungsstarke Hengstfohlen v. De Chirico a. d. Scarlett VII v. Loutano-Silvester aus der Zucht von Laura Knopf in Österwurth. Die Hengste Lord und Raimondo gehören ebenso dem Stamm 1298 an wie die internationalen Springpferde Chupa Chup v. Caretino (Bernard Alves) und Mullins v. Mytens xx (Tjark Nagel).
Eine Schülerin aus Nordrhein-Westfalen ersteigerte mit ihrem Konfirmationsgeld - und mit Hilfe der Eltern - die Vollschwester zum letztjährigen Spitzenfohlen aus der Zucht von Kai Wullweber, Todesfelde: Die prächtige Stute v. Corrado I-Lennon-Landgraf I (Stamm 4847) kostete 9000 Euro. Aus ihrem Stamm sind u. a. die Hengste Lancer I bis III, Cachas und Lican hervorgegangen. „Es sollte unbedingt ein Holsteiner sein" wusste Marion Jenissen, die Mutter von Cora, zu berichten.