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Volles Haus in Neumünster


Das Publikumsinteresse an den Holsteiner Verbandshengsten war in diesem Jahr riesengroß: Bereits anderthalb Wochen vor ihrer Präsentation war die Holstenhalle von Neumünster am Samstag ausverkauft. Nur für den Sonntag gab es noch einige wenige Restkarten.

Da am Sonntag die Hengstvorführung von Paul Schockemöhles Hengststation auf dem Programm stand, war der strahlende Siegerhengst des vergangenen Jahres, Diarado v. Diamant de Semilly-Corrado I (Klaus Tingholm-Kristensen, DK-Ulstrup), nur am Samstag erschienen. Allerdings wurde er nicht im Freispringen gezeigt. „Wir haben uns mit Paul Schockemöhle und Joop van Uytert geeinigt, den Hengst bei den jeweiligen Hengstvorführungen nur unter dem Sattel zu präsentieren, damit er in seinem ersten Deckeinsatzjahr nicht überfordert wird“, erklärte Norbert Boley.  Unter Silke Buck, die vorher ein Mal nach Mühlen gefahren war, um sich mit Diarado vertraut zu machen, hinterließ der Schwarzbraune einen sehr guten Eindruck. Das galt auch für die übrigen Junghengste des Holsteiner Verbandes, deren remontemäßige Vorstellung die Handschrift von Friedrich „Fiete“ Warnholz trug.  Von hohen Rittigkeitswerten geprägt war die Vorstellung von Clinsmann v. Cassini II-Contender (Bernd Möller, Kattendorf). Der sich äußerst locker bewegende Schimmel sollte ein heißer Kandidat für eine vordere Platzierung bei der HLP-Prüfung sein, obgleich er seine Möglichkeiten am Sprung an diesem Wochenende nicht ganz offenbaren konnte. Das gleiche gilt für den Jayadeva de Mackinac (AA)-Carthago-Sohn Jaquino (Kathrin Schmidt, Kellinghusen), der seit der Körung im vergangenen Jahr an Ausdruck gewonnen hat. Casiro I hat seine Qualitäten mit seinen ersten Fohlenjahrgängen und im Parcours unter Gerd Sosath bereits unter Beweis gestellt. Sein dreijähriger Vollbruder Casiro II v. Cassini I-Landgraf I (Christiane Kuhn, Eggstedt) beeindruckte mit
schier grenzenlosem Vermögen beim Freispringen. Wie sich immer mehr herausstellt, ist der Verlust des Contender-Sohnes Cosimo, der im Alter von sechs Jahren nach einer Kolikoperation eingeschläfert werden musste, groß. Dessen Sohn Cosido a. e. Calido I-Mutter (Rita Siebke-Baasch, Sarzbüttel) war nach seinem Freispringen ebenso in aller Munde wie Cayado v. Clearway-Calando I (Stephanie Mehrens, Sievershütten). Dieser Vierjährige - ein Sportler durch und durch - stellte seine großen Qualitäten später auch unter dem Sattel von Thieß Luther im Kurzparcours unter Beweis.
Die Bedeckung durch Vollblüter war in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen - von 11,3 Prozent im 1994 auf 1,3 Prozent in 2006. Um dem entgegenzusteuern, hat der Holsteiner Verband seine Hengstriege durch hoch interessante Vollblüter verstärkt. Von Armand xx v. Winged Love xx-Chief Singer xx (Gestüt Karlshof) werden in diesem Jahr bereits die ersten Fohlen erwartet. Der mit guten Grundgangarten ausgestattete Dunkelbraune hat seine Rennkondition verloren und im Laufe des letzten Jahres prächtig ausgelegt. Der in Polen gezogene Cyrkon xx ist nicht auf der Rennbahn gewesen. Der schön modellierte Braune hatte in Schlieckau eine gute HLP (101,56 Punkte) abgelegt. Er wusste in Neumünster im Freispringen und im Kurzparcours unter Alexandra Bitter zu überzeugen. Der Großvater von Talkative xx, Cipaya xx, ist in Südamerika dafür bekannt, dass seine Nachkommen, von denen viele in die USA verkauft wurden, hervorragend springen. Auch Talkative xx hat diese Springgene mitbekommen, was er beim Freispringen eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Der sich unter dem Sattel von Markus Suchalla  rittig präsentierende Ibisco xx v. Royal Solo xx-Local Suitor xx (Hof Iserneichen, Langenhagen) wartete mit hervorragenden Grundgangarten auf.
Die Holsteiner haben sich zwar der Springpferdezucht verschrieben, doch stehen den Züchter immer  einige interessante Dressurvererber zur Verfügung. So wie der zwölfjährige Aljano v. Alasca Z-Latino (Willi Jürgensen, Nübel). Karin Winter-Polac zeigte den Braunen in einer Grand Prix-Kür.  Nach ihrem Auftritt bei der Verdener Privathengstschau waren am Sonntag auch Oliver Luze und der mit seiner Hinterhandmotorik imponierende Carabas v. Carnaby-Roberto (Ernst Daufeld, Oster Winnert) in der Holstenhalle erschienen. Auf die sportlichen Aufritte des Paares in der kommenden Grand-Prix-Saison darf man nach diesem eindrucksvollen Auftritt wirklich gespannt sein. Der von Wolfgang Schade in Grand Prix Lektionen gezeigte Dolany v. Donnerhall-Cor de la Bryère (Meike Reckenfuß-Voß, Hohenlockstedt) hatte seinen Sohn, den HLP-Sieger De Chirico a. e. Linaro-Mutter (Günther Fielmann, Schierensee) mitgebracht, der seine großen Bewegungsmöglichkeiten unter Marcus Suchalla offenbarte. Seine gute Manier am Sprung demonstrierte De Chirico später noch im Kurzparcours unter Janne-Friederike Meyer. Das Parcoursspringen, kommentiert von Norbert Boley, Stefan Krawczyk und Ausbildungsleiter Peter Luther, war für viele Zuschauer der Höhepunkt der Hengstpräsentation. Hengste wie Boritas v. Baldini I-Alcatraz (Lars Bak Andersen; Klaus Thiedemann, Poppenwurth), Casall v. Caretino-Lavall I (Rolf Göran Bengtsson; Wilfried Thomann, Drelsdorf) und Nekton v. Nimmerdor-Coriano (Lars Bak Andersen; Heinrich Schoof, Büsum) zeigten, dass in dieser Saison auf sportlichem Parkett wieder mit Ihnen zu rechnen ist. Apropos Nekton: Er hatte eine bildschöne Tochter a. e. Briscar-Landgraf I-Mutter mitgebracht, die mit großer Elastizität durch die Halle trabte. Der vierjährige Larimar v. Lavall II-Lord (Gestüt Charlottenhof, Gomadingen) hatte in der HLP einen Springindex von 134,91 Punkten erhalten. „Man muss ihm Zeit lassen, seine Balance zu finden“, kommentierte Peter Luther die Vorstellung des noch nicht ausgereiften Braunen unter Alexandra Bitter. Als großartiger, moderner  Sportler zeigte sich beim Freispringen und im Kurzparcours - ebenfalls unter Alex Bitter - der Lordanos-Silvester-Sohn Legolas (Thorsten Hinrichs, Weddingstedt). Sehr gute Interieur- und Rittigkeitswerte scheinen den unlängst in Elmshorn gekörten Quirado v.Quidam de Revel-Corrado I (Elmar Sipple, Ravensburg) auszuzeichnen, der von Philip Schultze präsentiert wurde. Hier ist auf das hoch interessante Pedigree des Hengstes hinzuweisen. Seine Mutter, Nessaya, ist Vollschwester zu Leopold van Astens international erfolgreicher Think Twice. Beide Stuten sind Enkelinnen von Contenders Halbschwester Ulina, mit der Susanne Behring einst Deutsche Meisterin wurde. Große Hoffnungen des Holsteiner Verbandes ruhen auf Carentan v. Caretino-Contender (Josef Unkelbach, Köln). Der äußerst typvolle fünfjährige Dunkelbraune hatte lange an einem, sich in der Box zugezogenen Kieferbruch laboriert und befindet sich erst seit kurzem wieder unter dem Sattel. Er deutete im Freispringen und im Kurzparcours unter Michael Aabo bereits seine großen Qualitäten an. „Es wird noch ein wenig Zeit brauchen, bis er sein ganzes Potenzial abrufen kann“, erläutete Peter Luther. Janne-Friederike Meyer ließ es sich nicht nehmen, den von ihrem Vater gezogenen Cachas v. Caretino-Corrado I, der zuvor schon Szenenapplaus beim Freispringen erhalten hatte, vorzustellen. Der vierjährige Schimmel gibt ebenso zu großen Hoffnungen Anlass wie der mit viel Vermögen springende, ein Jahr ältere Corrido v. Contender-Corofino I (Jürgen Hattebuhr, Winsen), der ebenfalls von der Deutschen Vizemeisterin vorgestellt wurde. Von vielen Züchtern vermisst wurde der Siegerhengst des Jahres 2004, Canto v. Canturo-Limbus (Adelbert Sporn, Jardelundfeld), der im vergangenen Jahr in etlichen Springpferdeprüfungen bis zur Kl. L erfolgreich war. „Der Hengst war verletzt und musste operiert werden. Er ist jetzt soweit wieder hergestellt, dass er in den nächsten Tagen in den Stall von Janne-Friederike Meyer gehen kann, die ihn in diesem Jahr auf Turnieren reiten soll“, erklärte Norbert Boley. 
Wie schon bei den letzten Veranstaltungen des Holsteiner Verbandes waren an diesem Wochenende die Jungzüchter wieder mit großem Engagement dabei. Allen voran Marc Horns, Marten Torben Schneider, Jos Muffels, Jakob Kock-Evers, Thore Böge, Mandes Verhaag, Marten Witt und Paul Schumacher, die neben Uwe Benzien und Gerard Muffels die Vorstellung der Althengste an der Hand übernommen hatten. Hier gab es ein Wiedersehen mit den Vertretern der C-Linie - Cardenio, Cheetano, Carpaccio, Corrado II, Clearway, Cassini I, Cardino und Calato, den Lord-Nachkommen Lerano, Landos und Loran sowie den Vertretern der Q-Linie in Schleswig-Holstein Quirado, Quo Vados und Quantum.
„Ich denke, es war eine sehr gute Veranstaltung“, kommentierte Norbert Boley. Er verhehlte aber nicht, dass er mit dem Freispringen von einigen  Hengsten wie z. B. Clinsmann, Jaquino und Talkative xx nicht ganz zufrieden war: „Sie haben sich von der Umgebung einfach zu sehr ablenken lassen. Sie haben sich in Neumünster leider unter Wert gezeigt.“  
Donata von Preußen

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