Es war die letzte Delegiertenversammlung des Holsteiner Verbandes, die unter der Ägide von Breido Graf zu Rantzau im Holstenhallen-Restaurant in Neumünster stattgefunden hat.
Mit ganz besonderer Freude begrüßte Breido Graf zu Rantzau nicht nur die zahlreich erschienenen Ehrengäste, sondern auch den Vorsitzenden des Körbezirks Rendsburg-Eckernförde, Otto Schwerdtfeger, der es sich nach langer schwerer Krankheit nicht hatte nehmen lassen, der Wahl des neuen Verbandsvorsitzenden beizuwohnen.
In seinem Rückblick auf das abgelaufene Jahr hob der scheidende Vorsitzende besonders die Vorbereitungen zur Erweiterung des Zuchtgebietes hervor. „Der Weg, den wir nun beschreiten, ist richtig und wichtig“, stellte er fest. Zu einem ersten Informationsaustausch anlässlich der Hengstkörung 2007 waren bereits 60 Züchter erschienen, „die stolz darauf sind, nun richtig dazu zugehören... Die Musik wird aber weiter in Holstein spielen“, be-
ruhigte Graf zu Rantzau die Skeptiker. Der Verband wird sich bei den Versammlungen der Auswärtigen mit einbringen, die Körbezirksveranstaltungen sollen, so der Wunsch des Vorstands, anlässlich überregionaler Veranstaltungen in Schleswig-Holstein stattfinden. Für die Betreuung der „Auswärtigen“ wurde, wie bereits bereits berichtet, Dr. Stephanie Walker eingestellt, die unter der Leitung von Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen vor allem organisatorische Aufgaben zur Bewältigung des neuen Bereiches übernehmen wird.
Graf zu Rantzau ging noch einmal auf den - anteiligen - Kauf des Siegerhengstes ein. „Hätten wir das Konsortium nicht gegründet, wäre das Blut für die Holsteiner Züchter mehr oder weniger verloren gewesen.“ In 2008 wird der Diamant de Semilly-Sohn den Holsteiner Züchtern für 80 Stuten zur Verfügung stehen.
Vor allem in den letzten drei Jahren hat es, so Breido Graf zu Rantzau, beim Holsteiner Verband große Fortschritte gegeben. Da ist zum einen - die im Gegensatz zu anderen Verbänden - wachsende Anzahl an Stuten zu nennen. Die Fritz-Thiedemann-Halle, deren Bau auch mit Hilfe der Züchter ermöglicht werden konnte, hat sich bestens mit den Auktionen und Turnieren bewährt. Gewachsen ist auch die Zahl der Jungzüchter. „Hier sind wir den richtigen Weg gegangen, offensiv an den Nachwuchs heranzutreten“, sagte Breido Graf zu Rantzau. Er schloss die Ehrenamtler in seinen Dank ein, denn ohne ihr Engagement wäre das „Projekt Jungzüchter“ nicht so erfolgreich gewesen.
Dr. Thomas Nissen, Zuchtleiter
Zuchtleiter Dr.Thomas Nissen kündigte zunächst das kommende „Aus“ der FN-Jahrbücher Zucht und Sport an. Das Interesse an den Nachschlagewerken lässt immer mehr nach. Wurden 1992 noch 4500 Bücher verkauft, waren es 2006 nur noch 1500. Zugenommen hat dagegen der Verkauf der auf CD gebrannten Daten, so dass es in Zukunft alle Daten nur noch als DVD über den FN-Verlag in Warendorf geben wird.
Ein Umdenken ist auch bei der Ausrichtung der Bundesstutenschau, die 2009 wieder stattfinden soll, notwendig geworden. Geplant ist, diese Zuchtschau in eine internationale Sportveranstaltung zu integrieren. Angedacht sind die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde in Verden, das CHIO in Aachen oder das Dressurfestival in Lienen. „Wir müssen sehen, dass wir auch die ausländischen Gäste für unsere Stuten begeistern können“, so Dr. Nissen. Analog dem Stuten-Europachamionat, das früher in Brüssel stattgefunden hat und inzwischen leider „eingeschlafen“ ist, sollen nur noch drei- bzw. vierjährige Stuten an der Hand, unter dem Reiter und im Freispringen gezeigt werden.
Dr. Nissen erläuterte, dass betreffend der Identifikation von Pferden bei der EU eine neue Verordnung in Vorbereitung ist. Hier appellierte er an die Bundesländer, die Beibehaltung des Heißbrandes zu unterstützen.
Der Besitzer des Gestüts Tannenhof und ehemalige IT-Unternehmer Klaus C. Plönzke hat eine neue Firma, Horse Media Solutions (HMS), gegründet, deren Ziel die Förderung und Vermarktung des deutschen Pferdesports und der Zucht ist. Fernziel ist der Aufbau eines eigenen Internet-TV-Senders. Hierfür wünscht der Unternehmer sich die Unterstützung und Partnerschaft der deutschen Pferdezuchtverbände. Die Website kann unter www.clip-my-horse.de eingesehen werden.
Den Züchtern, die den Computer bereits als Medium entdeckt haben, wird es voruassichtlich schon in diesem Jahr möglich sein, die Fohlenmeldungen online abzugeben.
Hervorragende Zahlen konnte Dr. Thomas Nissen von den Stuteneintragungen 2007 vermelden. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 1208 Stuten (767 Dreijährige und 441 Vierjährige und Ältere) eingetragen, von denen 541 - Dreijährige - mit einer Staats-, Verbands- oder Bezirksprämie ausgezeichnet wurden. „71 Prozent sind also Qualitäts-
stuten“, freute sich der Zuchtleiter. Der Stutenbestand wird sich bei 8300 Stuten einpendeln. Stetig zugenommen hat der Zuchtpferdebestand der Auswärtigen Mitglieder. Waren es 1990 zehn Prozent, so ist die Zahl im Jahr 2007 auf 28 Prozent angestiegen. „Wir sehen, dass das Interesse der Auswärtigen, sich an einer erfolgreichen Zucht zu beteiligen, groß ist“ resümierte Dr. Nissen.
Norbert Boley, Geschäftsführer Abteilung Hengsthaltung und Vermarktung
„Wir haben allen Grund stolz auf das Geleistete zu sein“, begann Norbert Boley seine Auführungen. Er räumte aber ein, dass trotz der vielen Erfolge in Elmshorn noch einiges verbessert werden könne. Die Anzahl der Bedeckungen war im vergangenen Jahr auf 5860 Stuten gestiegen. Das brachte mit sich, dass trotz Anschaffung eines zweiten Phantoms und frühen Arbeitsbeginns (5.30 Uhr) nicht immer pünktlich besamt werden konnte. „Wir haben festgestellt, dass im Hengststall eine Person fehlt“, so Norbert Boley, der nun den Personalbestand in der anstehenden Decksaison auch angesichts der zu erwartenden steigenden Bedeckungszahlen durch die auswärtigen Mitglieder erhöhen will. In der kommenden Saison wird die Anzahl der Stuten für Caretino, Corrado I, Contender und Cassini I begrenzt werden. Cassini I wird nur Stuten mit Fohlen bei Fuß oder Stuten, die im Jahr zuvor ein lebendes Fohlen hatten, bedecken. Ferner wird eine Bestätigung des heimischen Tierarztes verlangt, dass die Stute gesund ist. Die Junghengste von der Körung 2007 (siehe P+S 12/07), sind inzwischen angeritten. Folgende Hengste haben Elmshorn verlassen: Askano (Landgestüt Prussendorf), Con Air (Otto Becker), Coriano (Zangersheide), Easy Way I (Warendorf), Ladas (Spanien) und Lancer II (Luxemburg).
Norbert Boley berichtete, dass Christoph Schröder - der Liebe wegen - den Holsteiner Verband verlässt, um sich in den USA selbständig zu machen. Er wird aber weiter mit dem Verband zusammenarbeiten. So ist z. B. angedacht, ihm ein bis zwei Verkaufspferde mitzugeben.
Die Fohlenauktionen haben sich inzwischen fest etabliert, und die „Ergebnisse sind durchaus zufriedenstellend.“ Ein wenig Sorgen bereitet, dass die Reitpferde in Neumünster ein wenig im Schatten der Hengstauktion gestanden haben. „Wir müssen darüber nachdenken, was und wie wir das ändern können.“ Norbert Boley erläuterte den Delegierten auch, warum der Bundeschampion Chessman nicht im diesjährigen Auktionslot war: „Wir haben festgestellt, dass das Interesse der Auktionskunden an älteren Pferden nicht so groß ist. Deshalb haben wir auch das gute Angebot von Paul Schockemöhle nicht ausgeschlagen.“
Viele Erfolge konnte Norbert Boley aus dem Turnierstall vermelden. Chessman und Cassiano sind unter Lars Bak Andersen acht Mal beim Bundeschampionat gestartet und acht Mal ohne Fehler geblieben. Con Air hat mit dem Dänen an den Europameisterschaften der Springreiter in Mannheim teilgenommen, De Chirico hat bei allen seinen Starts - inklusive HLP - gewonnen, und Casall, der nun ebenfalls das Prefix La Silla trägt, ist unter Rolf-Göran Bengtsson erfolgreich in den internationalen Springsport gestartet. „Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Hengste im Sport gehen, im Moment sind es 26“, erläuterte Boley.
Wahlen und Auszeichnungen
Nach den Berichten der Geschäftsführer standen die Wahlen auf den Programm. Jan Lüneburg wurde einstimmig zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt, Karl Jochen Maas zum zweiten Vorsitzenden und Jens Poggensee vom Körbezirk Rendsburg-Eckernförde zum neuen Vorstandsmitglied. Dem scheidenden Vorsitzenden, Breido Graf zu Rantzau, war es ein großes Anliegen, noch eine ganze besondere Ehrung vorzunehmen. Als Rechtsanwalt Ulrich Dose (Elmshorn) vor mehr als 23 Jahren seine Tätigkeit als Rechtsberater für den Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes aufgenommen hatte, fand er, so Breido Graf zu Rantzau in seiner Laudatio, „einen juristischen Scherbenhaufen vor, den er mit ganz großer Akribie beseitigt hat.“ Ulrich Dose, der für die Rechtsprobleme aller Züchter immer ein offenes Ohr hat, erhielt für seine großen Verdienste um das Holsteiner Verbandswesen die Ehrennadel in Gold, die höchste Auszeichnung, die der Holsteiner Verband zu vergeben hat. Und dann galt es noch zwei Männer zu ehren, die sich um die Holsteiner Zucht und den Holsteiner Sport mehr als verdient gemacht haben: die langjährigen Vorstandsmitglieder Hans-Werner Ritters und Hans-Helmut Sievers. Sie wurden einstimmig zu Ehrenmitgliedern des Verbandes gewählt.
Translation
It was the last meeting of the Holstein Verband’s delegates held at the Holstenhallen restaurant under the aegis of Breido Graf zu Rantzau.
In his 2007 review, the outgoing president placed special emphasis on the preparations for expanding the breeding area. „We are on the right track in this important matter“, he said.
Graf zu Rantzau also dwelled on the pro-rata purchase of the champion stallion. „If we had not formed a syndicate, the blood would have been lost for the Holstein breeders more or less.“
Breido Graf zu Rantzau said that the Holstein Verband has made good progress, particularly during the last 3 years. For one thing – and in contrast to other breed associations - there is an increase in the number of broodmares. Moreover, the Fritz-Thiedemann-Hall, which was in part made possible due to support by the breeders, has proved its worth as a sales and show venue.
The 2007 mare inspection figures presented by breeding director Dr. Thomas Nissen were most gratifying. A total of 1208 fillies and mares had been inspected in 2007 (767 3-years-olds and 441 4-years-olds) and 541 of the 3-year-old fillies have been awarded a state, Verband, or district premium. „This means that 71 percent are quality mares“ said the highly pleased breeding director. The number of registered mares will settle at about 8300. There has been a steady increase in breeding stock owned by non-Schleswig-Holstein-based members from 10 percent in 1990 to 28 percent in 2007. „Evidently many external breeders are highly interested in participating in a successful breed“ stated Dr. Thomas Nissen.
„We have good reason to be proud because we have done a good job“ were the opening words of Norbert Boley’s speech. But in spite of the great success, the director of the marketing and stallion department also admitted that there is still room for improvement at Elmshorn. In 2007, the number of mares covered increased to a total of 5860. This meant a very tight schedule and in spite of the purchase of a second phantom and early starts at work it was not always possible to inseminate all the mares in time. „We realised that the stallion facility is understaffed and that we need an additional person there“ said Norbert Boley who is going to adjust his staff accordingly, given the expected increase in the upcoming covering season due to external breeders.
These stallions do not stand at Elmshorn any longer: Askano (Prussendorf state stud), Con Air (Otto Becker), Coriano (Zangersheide), Easy Way I (Warendorf), Ladas (Spanien), and Lancer II (Luxemburg).
The foal sales have become well-established by now and „the results are quite satisfactory“ according to Norbert Boley. The riding horses were somewhat in the shadow of the stallion sales at Neumünster which still causes some concern. „We’ll have to chew over this and find a solution.“
Translation
Elections and awards
After the directors’ reports, Jan Lüneburg was unanimously elected the new president. Karl Jochen Maas became vice president and Jens Poggensee from the breeding district Rendsburg-Eckernförde was elected to the board as a new member. Paying tribute to the outstanding services rendered to Holstein breeding and Holstein equestrian sports by long-time board members Hans-Werner Ritters and Hans-Helmut Sievers, both were unanimously elected honorary members of the Verband.
Das aktuelle Interview
Jan Lüneburg - der neue Vorsitzende des Holsteiner Verbandes
„Wir dürfen die Vermarktung nicht aus den Augen lassen“
PFERD+SPORT: Herzlichen Glückwunsch zu ihrer einstimmig erfolgten Wahl. Waren Sie überrascht, dass man an Sie - jüngstes Mitglied des Vorstands - herangetreten ist, die Nachfolge von Breido Graf zu Rantzau anzutreten.
Jan Lüneburg: Danke. Es ist natürlich eine große Ehre und ein großer Vertrauensbeweis, wenn man nach nur zwei Jahren im Vorstand bzw. einem Jahr als stellvertretender Vorsitzender angetragen bekommt, den Vorsitz dieses Verbandes zu übernehmen.
PFERD+SPORT: Als praktischer Arzt, Züchter, Vater von fünf Kindern und nun Vorsitzender des Holsteiner Verbandes haben sie „viel auf dem Zettel“. Wie wird Ihr Zeitmanagement in Zukunft aussehen?
Jan Lüneburg: Als Teilhaber einer Gemeinschaftspraxis ist es mir möglich, mir die notwendige Zeit zu nehmen. Meine Frau Karin engagiert sich sehr auf unserem Betrieb und auch die Kinder sind inzwischen älter geworden, so dass sie mit „anpacken“ können und ich zu Hause leichter abkömmlich bin.
PFERD+SPORT: Sie haben nach Ihrer Wahl gesagt, dass der ehemalige Vorsitzende, Breido Graf zu Rantzau, „ziemlich große Fußstapfen hinterlassen hat, in die ich erst einmal reinwachsen muss“. Wo sehen Sie im Moment die vornehmlichsten Aufgaben des neuen Vorstands?
Jan Lüneburg: Graf zu Rantzau hat in der Tat ein „gut bestelltes Haus“ hinterlassen. Das Ziel des neuen Vorstands muss eindeutig sein, das Erreichte zu halten bzw. den Verband noch weiter nach vorne zu bringen. Eine große Aufgabe wird für uns sein, die besten Hengste für unsere Züchter im Land zu behalten. Es darf kein genetischer Ausverkauf stattfinden. Daher gilt das Gleiche für die Stuten. Ein weiteres Hauptaugenmerk wird auf der Integration der auswärtigen Mitglieder liegen. Ihre Betreuung ist für uns alle Neuland. Im kommenden Jahr müssen wir sehen, ob die bereits geschaffenen Strukturen greifen oder nicht. Dabei wird uns sicherlich bei der Umsetzung noch der ein oder andere „Fehler“ unterlaufen. Dann dürfen wir die Vermarktung unserer Pferde nicht aus den Augen lassen. Wir wissen alle, dass es kein Problem ist, für Spitzenpferde einen neuen Besitzer zu finden. Aber sie machen nur einen geringen Prozentsatz aus. Ich könnte mir vorstellen, dass wir den Züchtern eine Art Zwischenauktion, wie sie z. B. in Vechta, Verden und Münster-Handorf mit großem Erfolg laufen, anbieten. Wie Graf zu Rantzau, werden wir auch die Aktivitäten der Jungzüchter weiter unterstützen. An diesem Thema müssen wir unbedingt dranbleiben.
PFERD+SPORT: Sie stammen aus einer Familie, die ursprünglich nichts mit Pferden zu tun hatte. Wie sind Sie zum Pferdesport bzw. dann zu den Holsteinern gekommen?
Jan Lüneburg: Das ist so nicht ganz richtig. Ich habe über meinen Vater schon als Kind Kontakt zu Pferden bekommen. Mit zwölf Jahren erhielt ich meine ersten Reitstunden auf dem Brander Hof, mit 14 Jahren bekamen wir unser erstes Pferd: eine Holsteiner Stute v. Lohengrin, die später in der Zucht von Laertes ein erfolgreiches Springpferd in der Schweiz brachte. Ich war zwar nie so erfolgreich wie meine Kinder Rasmus, Rike, Jule und Nisse, bin aber bis zur Klasse M Springen geritten. Die erfolgreichsten Pferde unserer Zucht gehen zurück auf die Stuten, mit denen meine Schwester und ich erfolgreich im Sport waren.
PFERD+SPORT: Anfang der 80er Jahre haben Sie mit Ihrer Frau Karin den Hof Idenburg in Hetlingen gekauft. Wie viele Pferde stehen dort heute?
Jan Lüneburg: Wir haben 15 Mutterstuten und deren Nachzucht im Stall. Die Fohlen werden fast alle bei uns groß, drei- bzw. vierjährig von unseren Kindern angeritten und in den Turniersport gebracht. Dann entscheiden wir, welche Pferde verkauft, welche behalten und welche wieder in die Zucht gehen. Ein gutes Beispiel sind Jarkina und Enfant d’Amour, die nach ihren erfolgreichen sportlichen Einsatz nun zu unserer Stutenherde gehören.
PFERD+SPORT: Ihre Kinder sind im Turniersport bis zur Klasse S vornehmlich mit Pferden aus eigener Zucht erfolgreich. Das ist heutzutage ja relativ selten. Wie sieht Ihre Zuchtphilosophie aus?
Jan Lüneburg: Zucht und Sport - Hand in Hand, das ist auch unsere Philosophie. Dabei haben wir das Glück, dass wir die Rückmeldungen von unseren Kindern schon relativ früh bekommen. Diese Informationen können auch wieder in die folgenden Anpaarungen mit einfließen, denn nicht nur Vermögen, sondern auch Rittigkeit, Bewegung und Einstellung sind für uns sehr wichtig.
Delegiertenversammlung
Worte des Abschieds
Zu einem Abschied gehören Reden, deren Inhalt wir unseren Lesern in ihren Kernpunkten nicht vorenthalten wollen.
Breido Graf zu Rantzau
„Ich war seinerzeit mächtig stolz darauf, als junger Mann zum ersten Vorsitzenden des Holsteiner Verbandes gewählt zu werden. Der ehemalige Vorsitzende, Friedrich-Christian Graf von Kielmannsegg hatte mir immer gesagt: Du musst Dich um den Verband kümmern. Wir hatten schwere Zeiten - u. a. hat uns der Fall Moltke sehr weh getan -, aber auch viele schöne Erlebnisse. Bedanken muss ich mich beim Körbezirk Nordfriesland, der vor vielen Jahren eine Fohlenauktion durchgesetzt hat. Diese sind inzwischen ein wichtiger Bestandteil unserer Vermarktung geworden. Was wir allerdings bislang nicht geschafft haben, ist eine Plattform für die Vermarktung von Breitensportpferden zu finden. Obgleich wir Reinzucht betreiben, wird unser Verband durch die auswärtigen Mitglieder wachsen. Ich denke, wir sind auf einem gesunden Weg.“
Dr. Thomas Nissen, Zuchtleiter Kiel
„Die Abteilung Zucht dankt Breido Graf zu Rantzau für die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit und das große Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde. Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Arbeit war und ist die Unabhängigkeit der Kieler Abteilung, deren Notwendigkeit Breido Graf zu Rantzau stets erkannt und der er seine volle Unterstützung gegeben hat. Besonders die Rückendeckung bei den nicht immer leichten Aufgaben der Körkommission haben wir schätzen gelernt.“
Norbert Boley, Geschäftsführer Abteilung Vermarktung und Hengsthaltung
„Ich habe einmal nach gerechnet: Mehr als 1000 Tage seines Lebens hat Breido Graf zu Rantzau mit der ehrenamtlichen Aufgabe als Vorsitzender unseres Verbandes verbracht. Die zu bewältigenden Aufgaben waren groß. Die besondere Stärke von Graf zu Rantzau war, sich stets Zeit für alle Belange des Verbandes zu nehmen. Die meiste Freude aber hatte er bei der praktischen Arbeit mit unseren Pferden.“
Klaus Buß, Vorsitzender des PSH
„1000 Tage Ehrenamt, das kann nicht genug gewürdigt werden. Wie eng Sport und Zucht in Holstein zusammenarbeiten, hat der ehemalige Vorsitzende mit seiner langjährigen Tätigkeit für die Landeskommission Schleswig-Holstein unter Beweis gestellt. Dass er nun mehr Zeit für die FN hat, kann für die Gesamtsituation im deutschen Pferdesport und der Zucht nur gut sein. Bereits jetzt ist es ihm gelungen, die verkrusteten Strukturen ein wenig aufzulockern. Auch die Reiter in Schleswig-Holstein haben Breido Graf zu Rantzau zu danken, denn der Holsteiner Verband sponsort in nicht unerheblichem Maße unseren Pferdesport.“
Professor Dr. Dr. h. c. Ernst Kalm, Christian-Albrechts-Universität-Kiel
„Breido Graf zu Rantzau war ein herausragender Akteur in Zucht und Sport. In Zusammenarbeit mit Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen konnte der Zuchtfortschritt erheblich gesteigert werden. Zehn Dissertationen im Bereich Pferdesport wurden in seiner Amtszeit erstellt. Er und der Vorstand haben die Projekte immer gefördert, und es kam ganz oft die Nachfrage: Wann habt Ihr Ergebnisse auf dem Tisch.“
Horst Ense, Präsidiumsmitglied Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN)
„Die Holsteiner Züchter werden bedauern, dass ihr „Chef“ nicht mehr für sie da ist. Die beispielhafte Symbiose von Zucht und Sport, wie sie hier in Holstein auftritt, ist unerreicht. Allen voran der Holsteiner Springsport. Oberlandstallmeister Dr. h. c. Gustav Rau, einer der bedeutendsten Hippologen, die Deutschland je gehabt hat, hatte vor rund 100 Jahren den Zusammenschluss von Sport und Zucht vorangetrieben. In seinem Gedenken verleiht die FN die Gustav-Rau-Medaille, und niemand hat sie wohl mehr verdient als Breido Graf zu Rantzau.“
Karl Jochen Maas, neuer zweiter Vorsitzender des Holsteiner Verbandes
„Der scheidende Vorsitzende hat sich in unseren Sitzungen immer vor die Entscheidungen der Ge- schäftsführer gestellt und sie oft wie „eine Löwin ihre Jungen“ verteidigt. Er konnte, das haben wir bei unseren Sitzungen gemerkt, austeilen, aber genauso gut einstecken. Wir, seine Vorstandskollegen, haben beschlossen, den Elmshorner Turnierplatz Graf zu Rantzau Platz zu benennen.“