Internationales Reitturnier CSI***/CDI-W der Volksbanken und Raiffeisenbanken
Auch im 58. Jahr seines Bestehens und 40maliger Turnierleitung durch August Christian Horn hat das Holstenhallenturnier - VR Classics - nichts von seinem Glanz verloren. In diesem Jahr sollen es noch mehr Zuschauer als sonst gewesen sein. „Wir haben 35 000 Besucher gezählt“, vermeldete August-Christian Horn bei der Abschlusspressekonferenz.
Der Turnierleiter war immer noch ganz ergriffen von der Ehrung, die ihm wenige Minuten zuvor zuteil geworden war. Madeleine Schulze-Winter, Mitglied des FN-Präsidiums, hatte ihm das Deutsche Reiterkreuz in Gold ans Revers geheftet. In seiner Laudatio hatte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau die großen Verdienste Horns hervorgehoben: „Du hast seinerzeit - im Jahr 1987 - die Zeichen der Zeit erkannt und eine Qualifikation zum Dressurweltcup nach Neumünster geholt.“ Der FN-Präsident bedankte sich vor allem dafür, dass August Christian Horn „immer ein Ansprechpartner für uns Reiter“ gewesen ist und zahlreiche Veränderungen beim Turnier in Absprache mit den Reitern erfolgt sind. August- Christian Horn hatte die Alleinverantwortung des Turniers vor 40 Jahren von Richard Brüggen, dessen Assistent er etliche Jahre gewesen war, übernommen. Seitdem hat sich die Veranstaltung ständig weiterentwickelt und ist zu einem beliebten Treffpunkt von Reitern, Züchtern und Pferdesportinterssierten geworden.
Die Verkürzung um einen Tag ist dem Turnier gut bekommen. Die nationale und internationale Kleine Dressurtour wurden zusammengefasst und ein Ponyspringen gestrichen. Volles Haus gab es wieder beim Schauwettbewerb der Reitvereine, die in diesem Jahr so kreativ wie lange nicht gewesen waren. Es kam für die Zuschauer also keine Langeweile auf.
Großer Preis für Markus Beerbaum
In diesem Jahr hat es im Großen Preis der Volksbanken und Raiffeisenbanken keinen Holsteiner Sieg gegeben. Titelverteidiger Thomas Voss war gar nicht erst angetreten, um seinen Vorjahrserfolg zu verteidigen: Seine Paradepferd Leonardo B war ebenso im Stall geblieben wie Meredith Michaels-Beerbaum Le Mans, der nicht ganz in Ordnung war. „Ich drücke nun Markus ganz doll die Daumen“, sagte die Amerikanerin mit deutschem Pass vor dem Springen. Und das half, denn mit der 16-jährigen Lord Liberty-Tochter Leena war der Thedinghausener im Stechen einen Tick (0,24 Sekunden) schneller als die Niederländerin Angelique Hoorn. Mit dem zwölfjährigen Peter Pan-Sohn Blauwendraads O’Brien, der zwei Wochen vor dem Turnier beim KWPN gekört worden war, hatte sie zuvor die zweite Qualifikation gewonnen. Angelique Hoorn und der braune, nicht allzu große Hengst sind seit zwei Jahren zusammen. „Sein Züchter und Besitzer wollte sehen, ob er auch bessere Springen gehen kann. Bis dahin war O’Brien nur in nationalen Prüfungen bis 1,45 m unter einem Amateur gegangen“, erzählte die 33-Jährige. Obgleich das Paar im vergangenen Jahr die Niederländische Meisterschaft gewonnen hatte, sieht sie ihre Chancen, in Hong Kong dabei zu sein, realistisch: „Wir haben so viele gute Reiter in Holland. Vielleicht ist es für das Pferd auch besser, nicht dort hin zu reisen. Ich werde es jedenfalls nicht forcieren.“
Kaum einer reitet so gekonnte Wendungen wie Christian Ahlmann. Das hatte der Doppel-Europameister von 2003 bereits am Samstag Abend bei seinem Sieg auf Sebastian im Großen Preis der E.ON Hanse AG unter Beweis gestellt. Mit dem hannoverschen Singular Joter-Sohn Sinclaire versuchte er im Großen Preis allerdings vergeblich die Siegerzeit von Markus Beerbaum zu unterbieten. Das Stechen der elf Teilnehmer war von dem später Viertplatzierten Pius Schwizer mit der einmal mehr hervorragend springenden, sehr vorsichtigen Calido I-Landgraf I-Stute Nobless M (Gerd Magens, Ottenbüttel) eröffnet worden. Nach ihrem Start in Bremen wird die famose Stute erst einmal Pause bekommen, um dann frisch in die Olympiasaison zu starten. Am Freitag abend hatte Quintero La Silla, der die Holstenhalle von den Hengstvorführungen und Schauabenden genauestens kennt, seinen Reiter Rolf-Göran Bengtsson noch herausgefordert. Am Samstag und Sonntag ging der Hengst ohne Fehler. Im Großen Preis wurde dann sein ganzes Springvermögen, und das ist ohne Frage vorhanden, abgefragt als er völlig unpassend zur Dreifachen kam. Rang fünf hieß es schließlich nach einer Nullrunde im Stechen für das Breitenburger Paar. Die Holsteiner Springreitergarde vertraten im Stechen Andreas Ripke, der am Tag zuvor mit dem Stilpreis auszeichnet worden war, auf Cornwall W v. Caretino-Lord (Angka Wieden, Volsemenhusen) und Jörg Kreutzmann mit Sauternes ter Vlucht. Beiden unterlief ein Abwuf, so dass sie auf Rang sieben und acht endeten. Wenngleich sie nicht ins Stechen gekommen waren, mussten sich die beiden hoffnungsvollen Talente, Alessa Hennings und Nisse Lüneburg, die sich in den Tagen zuvor in der Großen Tour platzieren konnten, nicht hinter den „Großen“ verstecken.
Markus Beerbaum
Langes Warten auf den Sieg
Länger als seine Frau Meredith und sein Bruder Ludger hat Markus Beerbaum auf den Sieg im Großen Preis von Neumünster warten müssen. Umso mehr hat sich der 37-Jährige gefreut, als er in diesem Jahr die Konkurrenz hinter sich gelassen hatte. „Leena ist ein sehr schnelles Pferd“, sagt Markus Beerbaum. „Wir waren schon dritte Starter im Stechen. Also mussten wir den nachfolgenden Reitern eine Nuss zu knacken geben.“ Das ist den beiden gelungen. An die Zeit von Markus Beerbaum und Leena kam keiner heran. „Ich habe mich sehr gefreut. Einmal, weil der Große Preis von Neumünster zu den Klassikern gehört, die jeder gerne gewinnen möchte. Zum anderen, weil ich eine längere Durststrecke hatte.“
Tatsächlich lagen die letzten großen Erfolge von Markus Beerbaum etwa ein Jahr zurück. In Amsterdam hatte er 2007 das Weltcup-Springen gewonnen und war bald darauf Dritter im Weltcup-Finale von Las Vegas geworden. Beide Male saß er im Sattel von Leena, die nach dem Finale dann längere Zeit verletzt war. „Darum ist auch der Weltcup dieses Jahr für mich kein Thema. Aber schon in Verden ging sie Anfang dieses Jahres sehr gut, hatte dann in Leipzig einen Hänger. Und in Neumünster war sie wieder die Alte“, freut sich Markus Beerbaum.
Die Oldenburger Stute von Lord Liberty ist mit ihren 16 Jahren „total fit. Das Gnadenbrot ist noch nicht in Sicht“, sagt Beerbaum und erzählt, dass Meredith und er die Braune vor zehn Jahren in der Nachbarschaft entdeckt und gekauft habe. Man sieht, dass Markus Beerbaum sich im Sattel von Leena sehr wohl fühlt. Die quirlige Stute liegt ihm ganz offenbar. Er verzeiht ihr, dass sie nicht gerne Wassergräben springt und darum in der grünen Saison nur wenig geht. „Leena kommt meinem Traumpferd sehr nah“, sagt Beerbaum und hofft, dass sie ihm noch viel Freude machen wird. Wie viele Pferde von Meredith und Markus gehört Leena den Octavia Farms. C. W.
Marian Hugyesz
Ein Gast aus Ungarn in der Holstenhalle
Zum dritten Mal war die Ungarin Marian Hugyesz zu Gast in Neumünster. Zum ersten Mal saß sie dabei im Sattel des Concerto II-Sohnes Cash, den ihr Vater im vergangenen Jahr gekauft hatte. Und die 25-Jährige machte ihre Sache auf dem nicht immer ganz einfachen Dunkelbraunen gut. Im Mercedes-Benz-Cup kamen sie lediglich mit einem Zeitfehler ins Ziel, im Großen Preis machte ein Flüchtigkeitsfehler, den Traum vom Einzug ins Stechen zunichte. Cash steht seit letztem Jahr bei ihr im Stall. „Ich brauchte ein weiteres Grand-Prix-Pferd, und als wir hörten, dass er zum Verkauf stand, haben wir ihn gekauft.“ Tjark Nagel,
Cashs früherer Reiter, ist heute oft dabei, wenn Mariann mit Cash an den Start geht, und steht ihr mit Rat und Tat zur Seite.
Mit elf Jahren begann Marian Hugyesz, die aus dem Fahrsportmekka Kescekemet stammt, mit dem Pferdesport. Zunächst auf Ponys, später auf Großpferden. Ihr erster Lehrer war der ehemalige Viererzugweltmeister Sandor Fülüp. Sie hatte Spaß am Springen, und so kaufte ihr Vater, ein Landmaschinenfabrikant, alte, erfahrene Springpferde. „Von ihnen habe ich viel gelernt“, sagt sie heute. Vier Mal vertrat sie ihr Land bei Europameisterschaften der Junioren und Jungen Reiter. Mit 19 Jahren bekam sie Superville, mit dem Joe Turi 1998 Sechster bei den Weltreiterspielen in Rom geworden war, in den Stall. Mit ihm nahm sie vor zwei Jahren an den Weltreiterspielen in Aachen teil. „Ich hatte mir zwei Monate vorher ein Bein gebrochen und wenig Kraft“ erklärt sie ihren dortigen böse aussehenden Sturz. Superville erfreut sich allerbester Gesundheit und soll in diesem Jahr wieder - in kleinen Prüfungen - Turniere gehen. Seit fünf Jahren lebt Marian Hungyecz in Deutschland, genauer gesagt bei Helena Stormanns (Weinberg) in Eschweiler. Acht Pferde hat sie in ihrem Stall, darunter mit Laslui v. Lasino-Fier de Lui Z (Hans-Peter Evers, Sachsenbande) einen weiteren Holsteiner. Nach seinem fünften Platz im Großen Preis von Arezzo hatte sich der Zehnjährige verletzt und musste letzte Saison pausieren. Zu Hause in Ungarn stehen an die 30 jungen Pferde, die von vier Bereitern angeritten und auf den Sport vorbereitet werden. „Die guten kommen dann zu mir“, erzählt die sympathische Ungarin, für die die diesjährigen Olympischen Spiele nicht auf dem Plan stehen. „Mein Ziel sind die Spiele in vier Jahren“, sagt sie. Bis dahin will sie genug Punkte auf Turnieren sammeln.
Der Jugend Team Cup 2008
Auftakt in Neumünster und Finale in Kiel
Der Jugend Team Cup, der im vergangenen Jahr von Henning Saggau (Hasenmoor) ins Leben gerufen worden war und im Dezember sein würdiges Finale im Rahmen der Baltic Hose Show in Kiel feierte, geht in seine zweite Runde: Nachdem die Premiere 2007 gut gelungen war, bestätigte ein qualitätvoller Auftakt bei den VR Classics in Neumünster, dass die Jugend nicht nur „will“ sondern auch „kann“.
Sieger aus Wertung Nummer eins von fünf Stationen inklusive Finale bei der Baltic Horse Show im November in Kiel ist der Gewinner aus 2007: Das Team WM Schienenschleiftechnik sahnte bei den VR Classics in einem Mannschafts-Springen der Klasse M* mit Stechen ab. Mitglieder der siegreichen Mannschaft sind, wie im Vorjahr, Anne Tuschke/Power CTL v. Caretino-Tin Rocco (Carsten Lass, Wesloe), Marten Witt/Carwan v. Caletto I-Roman (Reimer Witt, Norderwöhrden), Nina Weck /Carl und Vivien Poggensee/Colette v. Carpaccio-Langata Express xx (Dirk Bruhn, Oldenbüttel). Teamchef Robert Weck (Hanerau-Hademarschen) war dann auch entsprechend stolz auf seine Schützlinge. „Es gibt zwar einen gesunden Wettstreit aber keinen neidischen Konkurrenzkampf, bei uns wird Fairplay ganz groß geschrieben“, betonte er.
Die Siegerin der Einlaufprüfung, Ina Reimers aus Neustadt, die im Sattel von Phantasie v. Cardino-Accord II (Manfred Nötzel, Schashagen) saß, blieb rasant fehlerfrei. „Das war mein erster Start in Neumünster“, sagte die 14-Jährige voller Stolz. Sie trainiert übrigens bei Peter Rauert (Fehmarn). Weitere Qualifikationen des Jungend Team Cups sind in Thaden, Wittensee und Fehmarn. jem
Dressur-Weltcup
Isabell Werth nicht zu schlagen
Am frühen Sonntagmorgen - als die Dressurreiter um entscheidenden Punkte für das Weltcupfinale in s’Hertogenbosch ritten - war in der Holstenhalle von Neumünster kein Plätzchen mehr zu finden.
„Die Holstenhalle ist extrem emotional, wir kommen gerne hierher“, sagte Isabell Werth, die sich zu Recht den Sieg in der Weltcupkür mit 82,75 Prozentpunkten sichern konnte. Der groß gewachsene Warum nicht FRH ist weiter ausgereift und hat sich, so seine Reiterin „in der Winterarbeit noch einmal steigern können.“ Er ist vor allem in der Piaffe-Passage-Tour sicherer geworden. Zu den altbekannten Klängen von „Pomp and Circumstances“ - eine neue Kür wird es erst zum Herbst geben - ritt Isabell Werth, die als Titelverteidigerin für das Finale gesetzt ist, eine nahezu fehlerlose Kür. Die Rheinbergerin ist, im Gegensatz zu ihren meisten Konkurrenten, in der komfortablen Lage, über zwei veritable Championatspferde zu verfügen. Satchmo wird seinen ersten Saisonauftritt voraussichtlich Ende April in Hagen haben. Bundestrainer Holger Schmezer wird nicht nur die Ritte von Isabell Werth mit Argusaugen verfolgt haben. In Neumünster gingen mit dem von Klaus Husenbeth gerittenen Piccolino, Zweiter im Grand Prix, und der von Hubertus Schmidt gerittenen Wansuela Suerte zwei Pferde an den Start, die Deutschlands Farben bereits sehr erfolgreich auf internationalen Championaten vertreten hatten. „Sie sind im A-Kader und haben, wenn „vorne“ noch etwas ausfällt, durchaus noch eine Chance mit nach Hong Kong zu kommen“, so Bundestrainer Holger Schmezer. Die von Hubertus Schmidt so fein gerittene Fuchsstute, die auch dieses Mal nicht zum korrekten Halten zu bewegen war, wollen die Richter, so scheint es, allerdings nicht mehr vorne sehen. Das hatte sich schon im vergangenen Jahr abgezeichnet.
Der Zweitplatzierte Jan Brink aus Schweden hatte an diesem Wochenende ein strammes Programm zu absolvieren, denn gleichzeitig mit dem Turnier in Neumünster fand in Schweden die Hengstleistungsprüfung statt. Dort stellte er drei seiner jungen Hengste, u. a. einen Hohenstein-Langata Express xx-Sohn, im Bewegungstest vor. Briar, dessen Vollbruder Okeanos übrigens in der Kleinen Tour ebenfalls unter Jan Brink an den Start gegangen war, glänzte vor allem in der Galopp- und Piaffe-Passage-Tour. Der Fuchshengst ist inzwischen 17 Jahre alt, die Olympischen Spiele sind auch in diesem Jahr sein Ziel. Welches Pferd der Drittplatzierte Andreas Helgstrand nach Hongkong verladen wird, steht noch nicht fest. Blue Hors Matiné, Bronzemedaillengewinnerin bei den Weltreiterspielen in Aachen, ist wieder in Arbeit und soll voraussichtlich in Wiesbaden das erste Mal wieder gehen. In Neumünster saß der Däne auf dem erst neunjährigen, imposanten Gredstetgards Casmir, der vor allem in Piaffen und Passagen sowie den Übergängen zu brillieren wusste. Zum Ende schien die Luft ein wenig raus, dennoch gab es „standing ovations“ vom begeisterungsfähigen Neumünsteraner Publikum für diese Kür nach Musik u. a. von Pink Floyd. Um den skandinavischen Erfolg zu komplettieren, belegten Kyra Kyrklund (FIN) und Nathalie zu Sayn-Wittgenstein, Nichte der dänischen Königin, die Plätze vier und fünf. Nach einigen Patzern, hatte es im Grand Prix für die Finnin nur zum siebten Platz gereicht. Mit Digby präsentierte die in Berleburg lebende Nathalie zu Sayn-Wittgenstein einen selbstgezogenen Donnerhall-Sandro-Sohn, der zwar nicht die spektakulären Grundgangarten aufweisen kann, aber von seiner fein agierenden Reiterin reell ausgebildet worden ist. Das dokumentierte sie u. a. mit schnurgerade gesprungenen, mit einer Hand gerittenen, Einer-Wechseln.
Während Isabell Werth als einzige Reiterin deutsche Farben beim Weltcupfinale in s’Hertogenbosch vertreten wird, gehen dort die vier oben genannten Skandinavier an den Start. „Das ist ein großer Erfolg für uns“, kommentierte dann auch der Schwede Jan Brink. DvP
Friederike Hahn
Manchmal kommt es anders...
Riesig gefreut hat sie sich, als die Nachricht kam, dass sie in der internationalen kleinen Dressurtour beim Holstenhallen-Turnier in Neumünster starten darf. Das Pferd der Wahl war natürlich Richard Löwenherz für Friederike Hahn aus Tangstedt. Elf Jahre alt ist der Oldenburger Hengst, dessen Vater Rubinstein bereits für Furore sorgte und - noch wichtiger -er „ist ein tausendprozentiges Verlasspferd, einfach ein umgänglicher und ganz feiner Charakter“, schwärmt die 17 Jahre junge Reiterin und Besitzerin. Dass er und sie in Neumünster glattweg in eine wahre Bredouille geraten könnten, hatte Friederike „im Leben nicht“ erwartet.
Und das kam so: „Ich war schon froh, mitreiten zu können“, plaudert Friederike munter, also bereitete man sich sorgfältig vor. Immerhin ist die junge Dame noch Juniorin, da steht nicht alle naselang ein Prix St. Georges oder eine Intermédiaire auf dem Programm. Richard Löwenherz kennt derlei Aufgaben durchaus, der schicke Fuchshengst wurde zuvor von der Weltcupteilnehmerin Anja Plönzke (Wiesbaden) geritten, bevor er vor zwei Jahren in den Norden wechselte. Friederike Hahns Ziel in Neumünster - ein ordentliches Bild abgeben und nicht gerade Letzte werden. Das ging besser als erwartet zunächst mit Platz acht im Prix St. Georges, dann mit dem siebten Rang in der Intermediaire I-Prüfung. Nachdem der Schwede Jan Brink mit seinem Nachwuchspferd Okeandros verzichtet hatte, stand die Gymnasiastin plötzlich auf der Starterliste für das Finale und geriet schwer ins Grübeln, denn es war eine Kür zu reiten. Dafür braucht man bekanntlich Musik und eine Choreographie. Das war das Startsignal für angewandtes Improvisationtalent.
Friederike griff auf ihre Junioren-Kür zurück, die war zwar für eine M-Prüfung gedacht, wurde dann aber flugs umgestellt und ergänzt. Solchermaßen gerüstet traten Hahn und Richard Löwenherz am Sonntag zum Finale an und sorgten für eine faustdicke Überraschung. Hinter Championatssiegerin Petra Wilm (Tasdorf) und Ex-Weltmeisterin Karin Rehbein (Trittau) belegte das „Küken“ des Wettbewerbs den dritten Rang. Das macht Mut, aber Friederike Hahn bleibt trotzdem gelassen: „Ich werde im Sommer weiter die Junioren-Tour reiten.“ M. B.
15. Schauwettkampf der Reitvereine
Reiterhof Gläserkoppel bezwingt den bösen Wolf
Die Halle bebt vor Begeisterungsstürmen Jahr für Jahr wieder, wenn das Neumünsteraner Reitturnier seinen Schau-Wettkampf der Reitervereine im Programm hat. Und das zu recht. Denn was die ausgewählten Reitervereine an Energie, Aufwand und Ideen in die Schaubilder stecken, ist allemal einen Applaus wert.
Wenn dann auch noch so geritten wird, dass die Show vor Temperament sprüht und man nicht permanent um die Sicherheit der Akteure in Angstschweiß ausbrechen muss, ist schon viel gewonnen. Und so ist der Reiterhof Gläserkoppel im Reiterverein Preetz, der unter der Regie von Ernst Först sein rasantes Märchen vom bösen Wolf und den Geislein so einfallsreich, liebevoll und reiterlich sattelfest in die Halle gebracht hat, ein unumstrittener, würdiger Sieger geworden. Über die Reiter des „Quadrillen-Vaters“ muss nicht mehr viel gesagt werden, zu oft haben sie sich mit guten, durchdachten und temperamentvollen Auftritten in Neumünster platziert, gewonnen, waren Publikumsliebling, wie zum Beispiel im Vorjahr.
Jetzt haben sie sechs Mitbewerber auf die Plätze verwiesen und mit rund 90 Leuten, davon 18 Reiter, ein Spektakel rund um einen eisernen, 3.50 Meter hohen Wolf veranstaltet, das es in sich hatte. Auf Rang zwei kam der Reit- und Fahrverein Ahrensbök mit seiner Version von „Schneewittchen und den sieben Zwergen“ inklusiver witziger Dialoge. Dritter wurde der Reit- und Traber-Club Ditmarsia Heide mit herrlich bunten Ferienträumen. In der Gunst des Publikums konnte die - pferdelose - Schimmelquadrille von Concordia Dingerdon punkten. Nette Idee, die offenbar Anklang fand, und zugegeben ein Gag war, aber leider gänzlich ohne vierbeinige Beteiligung. Jessica Bunjes
Championate der Pferdestadt Neumünster
Dressur
Petra Wilm
Einen „Heimsieg“ gab es im Championat der Pferdestadt Neumünster der Dressurreiter:
Petra Wilm und King Arthur TSF, für die es nur eine kurze Reise zur Holstenhalle gewesen war, gewannen die Intermédiaire I-Kür in der Holstenhalle. Der bildschöne Trakehner Siegerhengst von 2000, der nach der Körung in den Besitz der Tasdorferin gekommen ist, wusste in schöner Anlehnung gehend vor allem in den Trablektionen ausdrucksstark zu überzeugen. Für ihn soll es nun im Grand Prix weitergehen. „Wir arbeiten noch an den Feinheiten“, erzählt Petra Wilm. Die Siegerinnen der beiden Qualifikationen, bestehend aus dem Prix St. Georges und Intermédiaire I, Cherie FRH und Karin Rehbein, belegten den zweiten Platz. Die Stute hatte eine längere Turnierpause hinter sich, die sie bei ihrer Besitzerin Madeleine Schulze-Winter verbracht hat. Dort ist sie nicht untätig gewesen, denn die ehemalige, sehr erfolgreiche Dressurreiterin hatte viel Spaß an der täglichen Arbeit mit Cherie. In der Intermédiaire I-Kür von Neumünster war bei ihrem dritten Auftritt in der Holstenhalle vielleicht ein wenig die Luft raus, so dass es „nur“ zu Rang zwei reichte.
Springen
Cora Ackermann-Ripke
Cora Ackermann-Ripke heißt die diesjährige Siegerin des nationalen Springchampionates der Pferdestadt Neumünster bei den VR Classics. Die 38-Jährige aus Steinfeld findet neben Kindern und Reitanlage noch genügend Zeit, um so zu trainieren, dass sie an der Landesspitze mitreitet.
Mit der zehnjährigen Holsteiner Stute Classic Line von Carpaccio-Joost (Claus-Wilhelm Pöhlmann, Wittbek) setzte sich die gebürtige Rheinländerin, die seit zwölf Jahren zusammen mit Ehemann Andreas Ripke ihre Heimat in Steinfeld bei Kappeln gefunden hat, an die Spitze des S*-Springens. Nur vier Reiter hatten es ins Stechen geschafft, die Deutsche Meisterin von 1996 blieb als einzige fehlerfrei. An ihrer Stute schätzt sie die „Zuverlässigkeit“, hat aber in Chelsea v. Capo-Caletto II (Paul Kitzmann, Dägeling) eine siebenjährige Nachwuchshoffnung im heimatlichen Stall.
Neumünster ist für die zweifache Mutter „ein Highlight, genau wie Kiel und Segeberg“, das Championat „eine Bereicherung des Turnierkalenders.“ Als besonderen Anreiz sieht Cora Ackermann-Ripke den Landesmeisterschaften entgegen. Ihr Traum? „Noch einmal die Deutschen gewinnen.“ Nach ihrem Sieg in der Holstenhalle gab die Amazone übrigens zu: „Wenn ich antrete, will ich auch gewinnen. Aber wenn mein Mann reitet, fiebere ich mit und bin viel nervöser als vor dem eigenen Start.“ jem
Springen Junioren und Junge Reiter
Kendra Claricia Brinkop
Erst 13 Jahre ist sie jung und schon eine Große unter den Kleinen: Kendra Claricia Brinkop aus Neumünster wird als „viel versprechendes Talent“ nicht nur von Trainer Thomas Voss (Schülp) gehandelt. Die nervenstarke Juniorin steckte die ältere Konkurrenz beim Championat der Pferdestadt Neumünster im Sattel des Rheinländers Lanarius in die Tasche.
Die Nachwuchsreiter kamen in Neumünster stetig zum Zuge. Das Championat der Pferdestadt Neumünster, Springprüfung Klasse S für Junioren und Junge Reiter, war nach dem Pony-Championat (Klasse L) und dem Jugend Team Cup (Klasse M) die anspruchsvollste Prüfung für die Reiter von Morgen. „Das Springen war schwer, aber wir wollten keine Kompromisse schließen. Bei den Deutschen Meisterschaften müssen sie es auch können“, urteilte Landestrainer Detlef Peper über die Leistungen der Jugendlichen. Kendra hatte sich im Stechen gegen Ann-Mari May (Breitenburg) im Sattel des Hannoveraners Qunicy durchgesetzt - sie war als einzige zwei Mal fehlerfrei geblieben. „Das Mädel ist nervenstark, das Pferd grundschnell“, so Peper über die Schülerin, die ihr Ziel, „endlich mal ein S-Springen zu gewinnen“ in Neumünster erreichte und im vergangenen Jahr bei den Deutschen Meisterschaften immerhin schon Achte in ihrer Altersklasse wurde. Für die nahe Zukunft hat das Naturtalent ehrgeizige Pläne, darunter im Mai ein gutes Abschneiden beim „Preis der Besten“ in Warendorf, übrigens Sichtung für die Europameisterhaften.
„Für uns ist es sehr gut, dass die Jugend in Neumünster so viele Chancen bekommt“, betonte Peper. „Das ist für die Jugendarbeit absolute Spitzenklasse. In dieser Prüfung waren als starke Konkurrenz schon international erfahrene junge Reiter am Start, darunter Alessa Hennings aus Bendorf und der amtierende Europameister der Junioren André Schröder (Lentföhrden). jem
Springen Ponys
Lea Clausen
Lea Clausen (Mildstedt) heißt die Siegerin des Pony-Springchampionates des Stadt Neumünster. Die 15-Jährige verwies im finalen Pony-L-Springen mit Stechen ihre sieben Mitbewerber auf die Plätze. Um etwas mehr als eine halbe Sekunde nahm sie sogar der Deutschen Meisterin aus 2006, Cassandra Orschel (16, Henstedt-Ulzburg), mit ihrem rasanten Kaiser Cash v. Kaiser Konrad-Kandidat den Sieg aus der Hand. Lea, die mit zwei Ponys ausgestattet ist und zu ihrer erfahrenen, elf Jahre alten Reitponystute Celina v. Brooklands Moonwalker-Liverpool nun auch noch den neunjährigen Belcanto v. Belmondo-Lombard unter dem Sattel hat, hat sich laut Landestrainer Detelf Peper (Segeberg) „über den Winter enorm weiter entwickelt.“ Nachdem sie bereits beim Bundesnachwuchschampionat in Verden Anfang des Jahres gute Zweite wurde, stehen die Chancen der Schülerin bestens, im August mit zu den Deutschen Meisterschaften der Ponyreiter nach Hannover fahren zu dürfen. jem
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